Irgendwo in Österreich:
Man kommt ins Festzelt (ca. 30x40 m), um mit seiner Countryband, akustisch besetzt, zu spielen. Man sieht 2 KS Türme, Monitore KS CPA-2 mit passiven Ergänzungen, Soundcraft Serie Two, etc .... ziemlich erfreulich, noch dazu, wo uns die gleiche Anlage des gleichen Verleihs schon einige Male gedient hat.
Sogar 2 (!) sehr freundliche Techniker wurden mitgeliefert.
Erste Verwunderung: Die Band vor uns war schon am Werken und ging von ihrem Kleinmixer aus stereo ins Soundcraft Pult. Sound könnte etwas besser sein, war aber ok, vor allem der (Bühnen)mix war sehr ausgewogen. Sie hatten es im Griff. Die 2 Techniker hatten nur die Lautstärkeregler zu betätigen und mit denen trieben sie mich samt meinem tinitusgeschädigtem Gehör nach kurzer Zeit aus dem Zelt.
Und ich hatte daheim noch überlegt, ob ich meinen Behringer DDX sicherheitshalber mitnehmen sollte, da ich nicht wusste, was und wer uns hingestellt wird, war aber zu faul. Noch hatte ich keine Sorge, der Verleiher war mir ja ein Begriff.
Ich fragte nach, wie viele DI-Boxen vorhanden waren, worauf mir mitgeteilt wurde: „2 Stk und die sind Behringer“ (herablassend, und sich schämend). Offenbar wurde damit gerechnet, dass bei einem Countryfest nur line Ausgänge von Samplern und mikrofonierte Marshall-Stacks eingesetzt werden.
Wir sind aber eine gemeine und bösartige Band, die nicht weniger als 9 DI-Boxen braucht. OK, kein Problem, ich hatte meine ja mit.
Wir wurden verkabelt, dann gabs soundcheck.
Die ersten 5 Minuten wurde gesucht, an welchem Kanal meine Mandoline spielte, dann wurde mein Monitorweg gesucht, nach 2 Minuten verzweifeltem Filterdrehen am snare-Kanal (zum Glück unsere einzige im Einsatz befindlich Trocmmel), stimmte unser Percussion/Pedal-Steel-Man die Snare mit einem Handgriff um und es passte. Irgendwoher gabs eine störende Resonanz, die war dann weg.
So gings weiter und die Zeit verging bis der Veranstalter zu MIR (!!!!) kam und meinte wir sollten schneller sein! Monitor war bis dahin kein einziger eingestellt – und das blieb leider auch so. Ich teilte den Techs mit, sie sollten alles auf alle Monitor geben, von mir aus auch den FOH-Mix daraufleiten und das Ganze LEISE machen.
Dann gings los: Bei der ersten Nummer war meine 12-string gemutet – auch beim Solo – Ich packte sie am Hals und winkte damit wie ein alter Seemann mit seiner Flagge – aber die 2 Techs waren knöpferldrehend übers Pult gebeugt und bemerkten mich nicht, meine Gitarre nicht, gar nichts.
Als die Sängerin einsetzte kam ein wunderschönes 80-er Jahre Delay mir gut 600 ms und das zu einer Bluegrass-Nummer. Das verschwand zum Glück nach 2 Textzeilen wieder, dafür wurde der Monitor des Bassisten wieder abgestellt.
Monitor war nicht, von der PA kamen irgendwelche Schallfetzen und der arme Bassmann versuchte sich an unseren Handbewegungen zu orientieren – etwas suboptimal.
Zwischen den Songs teilte ich mit, man möge den Bassmonitor wieder aufdrehen, aber dann sah ich unter den PAR64-Batterien durch, die hautkrebserregend und erblindend genau vor unseren Gesichtern montiert waren (geringe Zelthöhe) und natürlich auf Anschlag aufgedreht waren (wozu gibt’s auch Dimmer?) – und siehe da: unsere 2 Techniker waren verschwunden, Gemeinschaftspinkeln oder so etwas. Ich ersuchte das Publikum, nach ihnen zu suchen. Ich konnte meine Instrumente nicht wechseln, da die ja am FOH bei Nichtgebrauch gemutet waren.
Der Bassist kuschelte sich dann zur Sängerin um von deren Monitor zumindest etwas zu hören. Nach der nächsten Nummer war ein Tech wieder da und ich sagte: „Bitte den Monitor des Bassisten lauter!“. Dann wurde der ohnehin zu laute Bass auf allen Monitoren lauter gemacht. Irgendwie gelang es mir dann das zu klären.
Nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, die anderen Monitore wären gut eingestellt gewesen, ich hörte zumindest von Moni des anderen Gitarristen etwas, meiner war auch nach einiger Zeit stumm. Es war schweinelaut und man konnte nicht sagen, woher der Lärm kam – ein totales Interferenzchaos. Dabei hatte ich bei dieser Band meinen Elacin Gehörschutz noch nie gebraucht.
So gings halt weiter, irgendwie kamen wir die 1 ¾ Stunden durch (Routine hilft manchmal), der CD Verkauf lief sogar einigermaßen, als wars draußen erträglich – wenn auch nicht gut, da immer wieder Instrumente rauf -und runtergeregelt wurden.
Ich will das jetzt nicht fortsetzen, aber nochmals eine Anregung machen, die ich hier im Forum schon einmal tätigte: Wie wäre es mit einem Brett: „Mixing Know-How“ oder so ähnlich.
Es nützt doch nichts, wenn hier über die Qualtitäten von d&b, HK, KS, GAE usw. diskutiert wird, die doch alle zumindest gute Anlagen sind, wenn ein Bühnenmix über Billig-Equipment den FOH-Mix um Längen schlägt!
Tut mir leid, wenn ich das hier schreiben muss, aber die Unterschiede in den Qualitäten der Techs sind einfach um ein Vielfaches größer als der Unterschied zwischen schlechten und guten Anlagen.
Mir bleibt nur noch, dem lieben Uli B. meinen Dank dafür auszusprechen, dass er es möglich macht, dass Musiker mit ihren 1.200,- Euro DDX Pulten in ein 7.000,- FOH Pult gehen können und somit einen vernünftigen Mix und vernünftiges Monitoring ohne für das Publikum nervtötende Soundchecks herzustellen.
Liebe Grüsse
Peter