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Beiträge von guma

  • GUMAS GROSSMEMBRAN LIVE z.B. an E-GITARREN BETRACHTUNG

    • guma
    • 7. Juni 2007 um 15:12

    ... noch ein paar Anmerkungen:

    Natürlich hat unser "Test" keinerlei Anspruch auf wissenschaftlich exakte, 100% objektive Ergebnisse. Dazu fehlen auch Aufnahmen und Messungen. Mir ging es für mich vor allem um eine Überprüfung und Reflektion der eigenen Gewohnheiten. So ist auch meine Intention für andere zu verstehen. Darüber hinaus bin ich seit längeren damit unzufrieden, dass uns die üblichen Dynamischen ein nicht EQ-bares, weil zerklüftetes Präsenzanhebungsgebirge und eine ebenso zerklüftete Richtcharakteristik im Präsenzbereich aufzwingen. Diesen Bereich möchte ich eigentlich lieber mit dem Channel-EQ selbst bestimmen und eine definierte Niere dazu haben. Die Lösung mit den Großmembranen ist zwar nicht neu aber ich hatte mir da folgendes ergrübelt: Die typischen Schwächen in der Richtcharakteristik und die Nichtlinearitäten der Großmembranen ( Bass und oberste Höhen ) sind genau für die E-Gitarren ohne Bedeutung, da man sie dafür eh wegfiltert. Dafür würde die E-Gitarre von der Impulstreue ( ich weiß, ein 12"er Speaker ist auch nicht gerade ein impulstreues System aber der Unterschied ist trotzdem deutlich als "dynamischer" hörbar ), vom gutmütigen linearen oder allenfalls etwas breitbandig welligen Frequenzgang und von der zwischen 200Hz und 5-7 KHz sehr gut eingehaltenen Niere profitieren.
    So wars denn auch in der Praxis. Mit einer satten Hochtonabsenkung sollten eigentlich auch einige sehr viel billigere Modelle, als die von mir getesteten in Frage kommen und damit der sm57-Preisvorteil nicht mehr so entscheidend sein. Dass es für manche Stilarten Perlen vor die Säue ist und manche Amps eine derartig "flachmachende Dynamikbremse" darstellen, ist schon klar. ( manche Britpopper haben auch die positive Fähigkeit einem Akkord ein durchaus dynamisches Profil zu verpassen :wink: )

    Das Thema mit den Umgebungsgeräuschen ist vielleicht nicht so ganz vorrangig vor einem lauten Gitarrenamp. Ich wollte allerdings mit dem Gerücht aufräumen, Großmembranen hätten da ein grundsätzliches Problem. Interessant war trotzdem, zu hören, wieviel Drumset man in der o.g. Anordnung noch über das Gitarrenmikro hört und dass es tatsächlich hörbare Unterschiede zwischen den Mikrofonen gibt.

  • GUMAS GROSSMEMBRAN LIVE z.B. an E-GITARREN BETRACHTUNG

    • guma
    • 6. Juni 2007 um 22:43

    Weil das von ERICH gerade wieder thematisiert wurde und ich hierzu vor einigen Wochen eine kleine Testreihe durchgeführt habe hier mein etwas ausführlicher Senf dazu:

    Ich schicke zum Verständnis mal meine "Einteilung der Großmembranen" voraus, die eine rein praktisch, empirische und keine fertigungstechnische oder analytische darstellt, sich auch so in keinem Lehrbuch finden lässt, sich aber als sehr nützlich für Überlegungen zum Verwendungszweck erwiesen hat.

    1. Großmembranen für Gesang
    weisen typischerweise eine Hochtonanhebung in dem Bereich auf, in dem die Membran aufgrund ihrer Größe nicht mehr als Druckgradientenempfänger, sondern als reiner Druckempfänger arbeitet und die Richtcharakteristik bei Grundcharakteristik 'Niere' schon Richtung Superniere abweicht. z.B. AKG 414-B XLII oder TLII, AT 4050

    2. Großmembranen für Instrumente
    idem ohne den o.g. Höhenpeak, sind oft nicht so linear wie Kleinmembranen, sondern weisen als Niere jeweils für sie charakteristische „Mittenbuckel“ und typische „Unstetigkeiten“ in der Richtcharakteristik über die Frequenz auf. Z.B. AKG 414-B XLS/ULS, AT 4033

    3. Großmembranen für Schönfärberei
    weisen eine Delle im Bereich des empfindlichsten Hörens auf ( 4-5 Khz ) und die Richtcharakteristik ist entsprechend diesem on-axis Pegelverlust an der Stelle etwas Richtung ‚breite Niere’ aufgeweitet. Sie klingen dadurch seidiger und irgendwie etwas „layed back“ z.B. Neumann TLM 170i/R, Gefell M930

    Zurück zur E-Gitarre. Mein kleiner Test hatte zum Zweck folgende Fragen zu beantworten:

    1. Was ist an den Vorurteilen dran, Großmembranen seien für diese Anwendung zu feedbackempfindlich, sind im Bass zu schwammig, nehmen zuviel Umgebung mit auf, bringen live keine Vorteile gegenüber dynamischen Mikros, taugen nichts für Nahmikrofonie.

    2. Gibt es Großmembranen, die besonders geeignet/ungeeignet sind ?

    3. Wie sieht es mit der Verwendbarkeit von preiswerteren Modellen aus ?

    Natürlich stellte sich die Frage früher nicht so sehr, weil die erhältlichen Vertreter dieser Gattung für die live Anwendung einfach zu teuer waren. Interessant wird die Frage ja erst durch die vielen preiswerteren Modelle, die inzwischen auf dem Markt sind, sodass auch alte Hasen diese Frage neu aufrollen sollten. .

    Wir haben also folgende Großmembranmodelle nah ( 2cm ) auf die Mitte des Radius also genau zwischen Dom und Sicke eines Speakers vor ( denselben ) Amp ( Fender Twin ) gestellt:

    AKG 414 B-XLS ( ca. 800 € )
    AT 4050 ( ca. 650 € )
    AT4033 ( ca. 360 € )
    RODE NT2-A ( 333 € )
    Neumann TLM 170i ( 2300 € )


    und natürlich die dynamischen

    Shure SM 57 ( ca 100 € )
    Shure SD 548 ( nicht mehr erhältlich )
    EV PL/RE20 ( ca 450 € )
    Beyer M69 ( ca 180 € )
    Beyer M88 ( ca. 300 € )

    Ja, ich weiß, man hätte noch dieses oder jenes weitere Mikro testen können, aber wir wollten das auch für uns überschaubar halten.
    Wir haben zunächst in einem Bandproberaum via Multicore zu einen anderen Gebäudeteil und mit Kopfhörer getestet, um ein möglichst o-tonfreies Signal zu haben. Zweck war nicht nur der klangliche Vergleich sondern das Einsprechen des Bandsounds in das Testmikro herauszuhören. Dafür war das Drumset etwa 3 Meter vom Amp weg etwa 10° off axis von der Mikrofonrückseite und der Vocalmonitor ebenfalls 10°off axis ebenfalls auf der Mikrofonrückseite. Das bevorzugt weder die Nieren noch die Hypernieren in der Rückdämpfung. Kanal-EQ flat. Alle Mikros wurden im A-B-Vergleich jeweils gegen das SM57 und das 414 XLS getestet. Zwei „nur“-Musiker und zwei Tonleute haben gehört.

    Ergebnis:

    Alle getesteten Modelle waren problemlos „nahmikrofonietauglich“ ohne hörbare Verzerrungen. Alle getesteten Modelle waren für laute Quellen und mit ordentlichen Lautsprechern ( test mit d&b Q10 in Clubtypischer Entfernung 4m ) völlig unproblematisch was den „gain before feedback“ angeht.

    AKG 414 B-XLS
    In Nierenposition cleaner, neutraler Gitarrensound, Nahmikrofonie problemlos, Bassabschwächung wegen Naheffekt eingeschaltet, Vordämpfung – 10dB, tolle Dynamikabbildung. Umgebungsgeräuschunterdrückung Platz 3.

    AT 4050
    In Nierenposition ähnlich dem Vorgänger, Bassabsenkung eingeschaltet, aber ( wie zu erwarten ) zu viel Höhen, braucht unbedingt Absenkung oberhalb 7Khz Umgebungsgeräusche Platz 5.

    AT 4033a
    nicht ganz so plastisch wie das 414 aber trotzdem sehr brauchbar, milde Höhenabsenkung 12 kHz -5dB macht es zum Gitarrenmikro. Keinesfalls schlechter in dieser Anwendung als das 4050, Umgebungsgeräusche Platz 4

    RODE NT-2A
    In Nierenposition Für mich das E-Gitarrenmikrofon !!! durch mikrophoneigene, geringfügige Anhebung bei 300 Hz und 3-4-Khz kein Wunsch zum Griff an den Kanaleq, Bassabsenkung 80Hz, Vordämpfung -10dB, sehr druckvoll und dynamisch, Abbildung „wie mit dem Messer geschnitten“, wer Spass an druckvollen singlenotes und eleganten soli aus einem mesa boogie hat, sollte das mal probieren !!! Umgebungsgeräuschunterdrückung Platz 1 !!!

    Neumann TLM 170i
    Klingt sauber aber etwas zurückgelegt. Kein typischer „E-Gitarrenübertrager“ etwas mehr Umgebungsgeräusch als die Vorgänger und damit Platz 8

    Insgesamt klangen die Kondensatormodelle alle druckvoll und irgendwie, als wäre endlich die Watte aus den Ohren.


    SM 57
    Niere. diente während des Tests als AB-Referenz. Es war das mit Abstand am schlechtesten klingende Mikrofon und, was uns alle überraschte: es nahm mehr Umgebungsgeräusche auf als alle anderen getesteten Mikrofone ! ( Platz neun )Nein es war nicht kaputt, sondern ein zweites SM57 hatte im Gegentest die gleichen Eigenschaften. Das 57-typische „präsenzdoppelhügelchen“ klang im Vergleich zu allen anderen Mics eher klepprig. Fazit: ( Ton- ) mann sollte nicht so viel rider abschreiben und öfter mal was Neues probieren.

    SD 548
    Niere. Schöne, druckvolle untere Mitten im Präsenzbereich etwas anhebungsbedürftig klingt aber mit +4dB bei 4khz erfreulich jugendlich trotz des Alters von 30 Jahren. Umgebungsgeräusche Platz 7 gemeinsam mit M69

    RE/PL20
    Niere. Sehr neutral, springt einem nicht so an wie die Kondensatormodelle, braucht deutliche Präsenzanhebung + 5dB bei 3 Khz aber kriegt für die gut unterdrückten Umgebungsgeräusche Platz 2 !

    M69
    Superniere. Mein jahrelanges Lieblingsmikro an der E-Gitarre hat mich auch etwas enttäuscht. Braucht ganz ordentlich Lowmidanhebung ( die ich auch immer hatte ) sonst eher grell, nicht so druckvoll wie die „Kondensatoren“ und irgendwie etwas zweidimensional. Umgebungsgeräusche mittelprächtig. Platz 7 gemeinsam mit SD 548

    M88
    Superniere. Untenrum sehr dick, fast zu dick. Sonst klanglich, auch was den Dynamikeindruck angeht, am nächsten an den Kondensatormikros. Umgebungsgeräusche werden nicht so gut unterdrückt wie beim PL20. Platz 6

    Echte Billiggroßmembranmikrofone ( unter 300 € ) habe ich nicht getestet. Sicher kann man noch einige Euro sparen, indem man auf die umschaltbare Richtcharakteristik verzichtet und eine reine Niere nimmt. ( z.B. Rode NT1A ) Man sollte aber dabei unbedingt auf Folgendes achten:

    1. Stellt der Hersteller Daten zur Verfügung, die es zulassen, die Richtcharakteristik in Abhängigkeit von der Frequenz zu beurteilen ? Stellt der Hersteller Daten zur Verfügung die eine Zuordnung zu den oben genannten Gruppen zulassen ?
    2. Grenzschalldruck. Nicht jede Billiggurke kann 140 dB, die es für die live- Nahmikrophonie am Gitarrenlautsprecher braucht. Auch stimmen die Angaben manchmal dahingehend nicht, dass das eigentliche Membransystem das zwar kann, aber der Vorverstärker das nicht mitmacht. Daher unbedingt ausprobieren ( die entstehende Verzerrung beim Überschreiten ist wirklich scheußlich ).

    Natürlich ist dieser Mikrofontest für Gitarrensounds, bei denen möglichst wenige Akkorde möglichst laut und schnell geschrabbelt werden, nicht so relevant. Ich empfehle hier weiter beim so genannten Standard zu bleiben. :D

    Schön würde ich es finden, wenn sich einige aufgefordert fühlen, von eigenen Tests mit preiswerten Modellen zu berichten. So würden mich die preiswerten AT Modelle der 30- serie, das AKG perception 200, die MXLs, oder der eine oder andere Chinese schon interessieren. Einfach mal neben das gewohnte sm57 oder 606 stellen und horchen. :wink:

  • PCM 91 od. TC M5000

    • guma
    • 6. Juni 2007 um 10:27

    Ich benutze beide Geräte. Als "Haupthall" für Gesang mag ich das 91 lieber, vor allem klingen die "Random Hall" Algoritmen lebendiger. Das 5000 nehme ich lieber für Gitarren und Bläser für straighte, plattenartige Halls

  • LS9 - die "kleine" M7 oder doch wieder nur ne klei

    • guma
    • 6. Juni 2007 um 07:58

    Hatte irgend jemand angezweifelt, daß ein LS9 als Digitalmatrix verwendbar ist ????? ... äh und vor allem für ein Konferenzgedöns ????

  • Grund best. Marken nicht zu mögen?

    • guma
    • 5. Juni 2007 um 08:56

    @ wora

    schätze ich habe so wenig ( keinen ) Cobra-Kontakt, weil ich mich von Bierzelten mit einer bestimmtem Art von "Programm" fernhalte. :D:D:D

  • Konzeptidee: Neuartiger IEM-Mix (sehr lang)

    • guma
    • 2. Juni 2007 um 21:32

    Meiner Meinung nach liegt diesem Beitrag eine Reihe von nicht zutreffenden Voraussetzungen zugrunde, wie sie typischerweise Theorie und Praxis voneinander trennen.

    Zitat von "MarkusZ"


    Die Latenz-Problematik (und die ist in Wirklichkeit viel grösser als manch einer denkt) in gängigen IEM-Systemen hat meiner Meinung nach auch viel damit zu tun, dass die einzelnen Schallquellen nicht externalisiert werden, dass sie also immer "im Kopf des Musikers" abgebildet werden. Aus diesem Grund (und einigen anderen Gründen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen werde) war für mich immer klar, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn man Schall-Flugzeiten wie sie bei konventionellem Monitoring auftreten, mit IEM-Latenzen vergleicht und daraus irgendwelche Schlussfolgerungen betreffend den zulässigen Latenzschwellen ziehen will.

    Hierbei handelt es sich um eine Vermutung, eine sicher interessante These, deren Beweis aber in diesem Beitrag nicht erbracht wird. Die Veränderungen, die Schall bis zum Erreichen der Stelle im äusseren Gehörgang, an dem die Austrittsöffnung eines typischen earmolds wirkt, erfährt, sind ganz und gar unstrittig. Die Frage nach der Notwendigkeit einer Korrektur dieses "Eingriffs" in die natürliche Hörphysiologie ist allerdings nicht eo ipso durch die bloße Existenz dieser Veränderungen begründbar und schon gar nicht bewertbar.


    Zitat von "MarkusZ"


    Alleine schon die Tatsache, dass ein In-Ear-System eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordert, sollte uns eigentlich stutzig machen und einen Hinweis darauf geben, dass offensichtlich zuerst ein Lernprozess angekurbelt werden muss, um mit den offensichtlichen Schwächen eines solchen Systems überhaupt klarzukommen. Das ist ja auch gar nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass man mit dem Stöpsel im Ohr das natürliche akustische System komplett verändert und dessen Übertragungsfunktion massgeblich beeinflusst.

    Die hier genannte Eingewöhnungszeit eignet sich als Herleitung für die Notwendigkeit von "HRTF" nicht. Für den Teil der Musiker, die von IEM profitieren, ist diese "Abhörsituation" nicht fremd, da sie ja Kopfhörer und Kleinhörer, wie sie für MP3 Player u.ä. üblich sind gewohnt sind. Die entstehende Zunahme von Direktivität, d.h. der teilweise Wegfall von Diffusschall wird in der Orientierung zunächst ausgesprochen positiv bewertet Ferner ist das subjektive individuelle Empfinden einer Kopfhörersituation an sich bekanntlich sehr unterschiedlich. Die Frage, ob das natürlich ist, stellt sich dabei eigentlich nicht. Unterhaltungsmusiker im allerweitesten Sinne sind nicht Angestellte in einem immer gleichen Orchester in einem immer gleichen Konzertsaal, die aus dem Ruder laufen wenn sie "fremd" spielen und ihre gewohnte Hörsituation dort nicht wieder finden. Im Gegenteil sind sie gewohnt, im schlimmsten Fall Abend für Abend eine völlig veränderte Hörsituation vorzufinden, für die vor IEM nur das eigene Equipment und das konventionelle Monitoring einen winzigen Notanker darstellten. Ist das IEM einmal in einer Band/Orchester etabliert passiert genau das Gegenteil: es entsteht eine einigermaßen konstante, "gewohnte", weitgehend reproduzierbare Größe, die vor allem durch teilweisen Wegfall der jeweiligen raumakustischen Gegebenheiten entsteht. Die individuelle Kontrollierbarkeit der Lautstärkeverhältnisse wird dabei als essentielle Größe wahrgenommen. Störend empfinden reale Musiker vor allem die Isolation von im Mix nicht vorhandenen Informationen wie Publikumsgeräusche, wofür es ja bereits hinlänglich bekannte Lösungen gibt oder aber die fehlenden tieffrequenten Anteile, für die ebenfalls „Nicht-HRTF“ Lösungen existieren.

    Zitat von "MarkusZ"


    Die Latenzprobleme wie auch der unnatürliche Höreindruck bei IEM-Systemen sind letzlich auf eine fehlende Externalisierung der Quellen zurückzuführen, was hauptsächlich dran liegt, dass die "Kopfbezogenen Übertragunsfunktionen" (Head Related Transfer Functions; HRTF) fehlen, die beim natürlichen Hören von entscheidender Bedeutung sind.

    Das "Rechenmodell Binauralität" mit einer unförmigen Trennscheibe Namens Kopf dazwischen ist ebenfalls unstrittig. Die Physiologie des autologen Richtungshörens besteht allerdings nicht nur aus "Laufzeitglied Kopf" und „Filter äußerem Gehörgang“ sondern aus dem, was das Mittelohr und die Sinneszellen in der Cochlea zum "Zentralrechner" durchlassen und vor allem daraus, wie dieser damit umgeht. Für dieses Rechenmodell sind nun aber künstliche Laufzeiten, wie sie durch Einbringen von Lautsprechern oder von "digitalen Latenzen" entstehen, per se unnatürlich. Diese bestehen aber in der Praxis weiter und tragen durch reale Interferenzen zum Hörerlebnis bei, was aber im HRTF-Model nicht berücksichtigt wird.
    Die Gesamtheit des jeweiligen Hörens ist ausgesprochen individuell. Dieser einfache Umstand erklärt, warum sich Kunstkopfsimulationen nicht der zu erwartenden breiten Beliebtheit unter Musikkonservenkonsumenten erfreuen, sich nicht einzelnen Individuen und auch nicht unterschiedlichen Abhörsituationen quasi überstülpen lassen. Eine dafür nötige Berechnung würde das ‚realtime’ Erfassen individueller neurophysiologischer Daten erfordern, die uns definitiv noch nicht zur Verfügung stehen. „HRTF“ ist im Verhältnis zur tatsächlichen Neurologie des Hörens ein eher plumpes Modell.

    Zitat von "MarkusZ"


    Zunächst werden die einzelnen Signale (wie üblich) einem Monitorpult zugeführt. Dort werden die Einzelkanäle abhängig von deren Positionen auf der Bühne zu Stereo-Gruppen zusammengefasst.

    Ebenfalls ist das Denken in Stereogruppen ein sicher sehr vereinfachtes Modell.


    Zitat von "MarkusZ"


    Diese Stereo-Gruppen werden nun auf eine Verteilmatrix gelegt, welche sie zuerst auf die Anzahl der IEM-Träger dupliziert. Für jeden IEM-Empfänger werden dann die einzelnen Gruppen mit den entsprechenden HRTFs (separat für den jeweils linken und rechten Kanal) beaufschlagt. Anschliessend werden die bearbeiteten Gruppen zu einem Stereomix verarbeitet und dem entsprechenden Empfänger zugespielt. Allenfalls können auch noch weitere Bearbeitungen angewandt werden, welche den natürlichen Höreindruck zusätzlich verbessern.

    Raumsimulatoren/Hallgeräte im weitesten Sinne werden ja für mehr Musikerwohlfühlgefühl bereits erfolgreich benutzt.


    Zitat von "MarkusZ"


    Richtig spannend wird es, wenn das System dynamisch arbeitet und die Positionen und allenfalls auch Kopfbewegungen der einzelnen Musiker laufend registriert und die HRTFs für alle IEM-Zielpositionen laufend nachrechnet.

    Um den Aufwand in einem praktikablen Rahmen zu halten, könnte im Modelling zunächst der Aktionsradius jeder Quelle und jedes Empfängers definiert werden. Anschliessend berechnet ein Algorithmus offline eine sinnvolle Anzahl von Filtereinstellungen, legt diese in einem Speicher ab und überblendet dann später im Betrieb nur noch dynamisch zwischen den verschiedenen Filter-Settings.

    An dieser Stelle kann man die Begrenztheit eines solchen Modells sehr gut erkennen. Wer sich mit dem Rechenaufwand für die realtime-Übertagung von Bewegungsabläufen auf Robotermodelle beschäftigt hat, kann erkennen, wo das Problem liegt. Ein dynamisches Model müsste ja nicht nur Bewegungen des Hörers, sondern auch der anderen Schallquellen simulieren können. Witzigerweise kommt aber unser Gehirn sehr gut damit klar, das ein Mitmusiker sich bewegt, sein Amp aber stehen bleibt. Das ist nun keine Frage von Natürlichkeit, sondern von Lernen an realer Erfahrung und zeigt dass „natürlich“ eben sehr stark von der jeweiligen Erlebniswelt abhängt und der bewegte Musiker vor dem unbewegten Amp ist sicherlich so widernatürlich wie das in-ear-monitoring an sich.

    Zitat von "MarkusZ"


    Ich bin mir sehr sicher, dass in nicht allzuferner Zukunft Applikationen auftauchen werden, welche diese Ideen mindestens teilweise umsetzen werden und zwar ganz einfach deshalb, weil es ein völlig naheligender Schritt zu einer erheblichen Qualitäts-Verbesserung darstellt. Irgendwann - in 150 Jahren oder so - wird dann auch die Gilde der (typischerweise erzkonservativen) Beschallungstechniker solche Systeme ganz selbstverständlich einsetzen. (Edit: ich setzte hier vorsichtshalber mal einen :wink: dahinter)



    In dieser apodiktischen Form kann ich das keinesfalls stehen lassen, sondern gebe HRTF in seiner aktuellen Form unter den vielen Faktoren, die einen guten inearmix ausmachen, ganz persönlich allenfalls ein Gewicht von 5%. Viel interessanter finde ich in diesem Zusammenhang Wege zu erarbeiten, wie man mit den vorhandenen Mitteln der regelbaren Verzögerung in Digitalpulten individuelle Raumwahrnehmungen erzeugen kann, die zwar keinerlei Anspruch auf Natürlichkeit haben, aber als angenehm und informativ empfunden werden. Die „HRTF- Natürlichkeit“ halte ich in der Welt der produzierten Musik für eine Utopie für im Sofa sitzende HIFI-Entusiasten, die auch dort allenfalls für Klassikaufnahmen eine geschmackliche Variante darstellt, die eben auch nur einen Teil des natürlichen Konzertgenusses für Konsumenten reproduziert.

  • Latenzzeiten: wie viel ist praxistauglich im Monitorbereich?

    • guma
    • 28. Mai 2007 um 14:05

    Wie wärs den hierzu mit diesen Thread:
    http://www.pa-forum.de/phpBB/viewtopic.php?t=59757&sid=5a0c244f31e477c79335da5551a85305

  • Erfahrungsbericht M7CL

    • guma
    • 26. Mai 2007 um 08:34
    Zitat von "oTon"

    On Topic: Ich benutze beim Arbeiten mit Digipulten das Laptop zum speichern, beschriften, Patchen o.ä.
    Als zweiter Monitor beim Mischen habe ich es noch nicht benutzt

    Vielleicht hast Du Lust, es am M7 mal wie folgt zu probieren:

    Am Pult als Pfad um schnell aus einer Übersicht wo hin zu kommen die "8-Kanal" Darstellung, die sich aus der Umschaltung für Kanalblöcke, Busse, VCA heraus sehr schnell als "Overview" bedienen lässt und aus der man vor allem ohne Doppelbedienung schnell in einen Comp oder ein Gate oder einen BussEQ kommt.

    Am Läppe ( Am besten Breitformat ) kann man sich die Einzelkanaldarstellung und gleichzeitig das "Rack" nebeneinander schieben, sodaß man die internen FXe und die EQs wie Deine "Falter" auf dem Schirm hat.
    Springt man nun mit den Select-Tasten von Einzelkanal zu Einzelkanal, sieht man diese auf dem Läppe, ohne die 8-er Darstellung auf dem Pultschirm zu verlassen.

    Man hat also eine "Dreifensterdarstellung" ohne irgend etwas umschalten zu müssen. Du hattest mal an die "Schirmburg" der Lichtler erinnert. Hier ist eine effektive Kompaktvariante davon. :wink:

  • Erfahrungsbericht M7CL

    • guma
    • 25. Mai 2007 um 12:45

    ... und ausserdem verstehe ich einfach das Gepienze wegen des Läppes nicht. Technische Gründe entfallen, seit Yamaha den DME - Treiber ein paar mal geupdatet hat. Bleibt nur noch die Einfalt mancher "Komplettanbieter", die einfach zu .... sind, denn an 800 € für nen "Extraläppe" kanns ja wohl nicht liegen.

  • Erfahrungsbericht M7CL

    • guma
    • 25. Mai 2007 um 08:03

    Und hier ist der Trick:

    Das Umpatchen im Editor ausführen !!!
    Dann ist nach den Synchronisieren der Gain des Ursprungskanals auf dem Zielkanal. Wie schon mehrfach angemahnt: der online-Läppe gehört einfach dazu und das patchen geht in der patchmatrix des Editor eh besser.
    Oder einfach offline ( den eigenen Läppe mitnehmen und gemütlich im Catering umpatchen ) und danach erst die richtig gepatchte Version aus dem USB laden.

  • Monitorsplit mit Y-Kabel

    • guma
    • 23. Mai 2007 um 13:26
    Zitat von "Wulfson"

    was aber viel häufiger fehlerursache und grund für brumm ist, ist eine unüberlegte verknotung der stromleitungen.....

    ...AHA... :roll: :roll:

    Die häufigste Ursache für Stomleitungen als "Erzeuger" für Brummen sind falsche Erdungskonzepte.

    ... und.... es gibt keine brummenden Lichtanlagen, sondern nur brummende Tonanlagen :D:D:D

    ... und das sage ich als bekennender "Nurtoner"

  • Monitorsplit mit Y-Kabel

    • guma
    • 23. Mai 2007 um 12:17

    1. Durch die Parallelschaltung zweier Eingangskanäle ändert sich deren Impedanz gegen die symmetrische Leitung, die daran angeschlossen ist. Hierdurch ändert sich solange nicht die Lautsärke, wie es sich um "moderne" Mischpulte mit einer trafolosen Eingangsstufe mit mehreren Kiloohm Impedanz handelt. Mit dem Gain hat das überhaupt nichts zu tun.

    Würde man eine alte Eingangsstufe mit 600 Ohm mit einer modernen 5Kohm-Variante parallelschalten, könnte man möglicherweise einen wohlgemerkt statischen Pegelunterschied bemerken.

    2.Was sich definitiv durch Parallelschalten von Zielimpedanzen ( z.B. Mikrofoneingangsstufen ) für symmetrische Leitungen ändert, ist die 'common mode rejection ratio' zu Deutsch "Gleichtaktunterdrückung" d.h. die Eigenschaft symmetrischer Leitungen mitgekoppelte Störungen zu unterdrücken, nimmt definitiv ab. Das ist in vielen Fällen bedeutungslos, kann aber auch unter ungünstigen Bedingungen zu Brummen führen. Dann braucht das einen Trafosplitt, der der Leitung nur seine Primärwicklung "zeigt".

    Nachzulesen in den papers der AES z.B. von Herrn Wittlock oder Herrn Muncy.

    Über kaum ein Thema gibt es so viel Unkenntnis wie über tatsächliche Funktionsweise symmetrischer Leitungen und den Sinn von Übertragern.

  • Headset in der Klasse Crown 311

    • guma
    • 21. Mai 2007 um 18:31

    @ Volker

    Bei genauerem Hinsehen finde ich, wir haben nicht genug aufgepasst und sollten manche Sachen einfach dem Fachhandel überlassen.

    Mit dem 311 habe ich ja wohl Glück gehabt, ich habe letzten Sommer noch eins aus Heilbronn bekommen.

  • Alte Schachteln laufen am M7CL via AES/EBU problemlos

    • guma
    • 20. Mai 2007 um 21:49

    @ hwb

    Ich habe mir doch wirklich Mühe gemacht und einen neuen Thread augemacht !!!! Nein, Du bist nicht gemeint und nicht gefragt. Wenn ich eíne Frage habe mache ich einen Frage-Thread auf !!! und nein, dies ist nicht der CD-Player Thread :roll: und nicht der spdif-Thread und nein das Unken haben die Kollegen im richtigen Leben besorgt !

  • Alte Schachteln laufen am M7CL via AES/EBU problemlos

    • guma
    • 20. Mai 2007 um 20:32

    Jo, ehh Dankeschön :D:D

  • Alte Schachteln laufen am M7CL via AES/EBU problemlos

    • guma
    • 20. Mai 2007 um 19:03

    Jo, kleine Erfolgsmeldung:

    Meine alten Lieblinge = Lexicon 300, T.C.M5000, PCM81, Eventide eclipse laufen allen Unkenrufen zum Trotz mit einer stinknormalen AE96-Karte problemlos ( also ohne "S"RC und ohne "B" ( die Karte mit der eigenen Clock ) ) und zwar alle gleichzeitig ohne externe clock.

    Einfach nur Pult auf 48K als Master und die AES/EBU Kanäle der Geräte angewählt, haben sich alle vier problemlos selbst gesynct.

    Das heißt, ich stecke ab sofort nur noch den SUB-D in die pultseitige Karte und los gehts.

    Ich sehe den FX-Läppe in weite Ferne rücken, denn diese nette kleine "Bedienoberflächenerweiterung" ist mir dann doch lieber. :wink: :D:D

  • Headset in der Klasse Crown 311

    • guma
    • 20. Mai 2007 um 18:30

    Ich schätze das 311 ja besonders, aber es ist wirklich nur in lauter Umgebung ( Rock, Pop, lautes Schlagzeug lautes Monitoring ) nötig.

    für Deine Anwendung empfehle ich Dir Das DPA 4088 Nierenheadset.

    "Bundles" sind ein "Marketingeldinelingeling" für Billigprodukte.
    Also "Bundlewelt = Aldiwelt". In dieser Welt hat DPA nix verloren :roll:

  • Digitalformatproblem beim Wechsel zwischen M7 und LS9

    • guma
    • 19. Mai 2007 um 15:32

    ... dann hattest du aber bestimmt noch einen cinch(RCA) auf BNC-Adapter ?

  • GUMA Seminar Review

    • guma
    • 15. Mai 2007 um 22:18

    Ja, ich habs fest vor, hätte auch schon längst sein sollen !!!! :oops: :oops: :oops:

    Ich nehme das nun zum Anlaß mit Michael Ebner den Termin und den "Austragungsort" festzulegen.

  • Band in kleinem Raum viel zu laut!

    • guma
    • 13. Mai 2007 um 19:53
    Zitat von "gezz-abba"

    .... ein Geschirrhandtuch auf die snare gelegt und festgeklebt

    Kannst Du das mal ganz präzise beschreiben ?

Anstehende Termine

  • Competent Person for Event Rigging according to IGVW SQQ 2 | Level 1 | Munich (English)

    Dienstag, 13. Oktober 2026 – Freitag, 23. Oktober 2026
  • Sachkunde für Veranstaltungsrigging nach SQQ2 | Level 1 | Köln

    Donnerstag, 15. Oktober 2026 – Sonntag, 25. Oktober 2026
  • Kombiseminar Sachkundiger für Anschlagmittel und Traversensysteme (AnschlägerPlus)

    Dienstag, 27. Oktober 2026 – Donnerstag, 29. Oktober 2026
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