Typische Diskussion bei Veranstaltungstechnikern.
Aber auch aus allen anderen Bereichen, vom Bau, bei Autofahrern, bei Behördenangelegenheiten, gelegentlich sogar bei Streiterein. Wir sind keine Juristen, aber wir sind an die Gesetzeslage gebunden, also macht es Sinn, diese zu kennen und nicht erst wenn es zu spät ist von einem Juristen erklären zu lassen.
Wir haben seit zwei bis drei Jahrzehnten einen Paradigmenwechsel, der sich Deregulierung nennt. Also: Gesetzgeber und Verordnungsgeber machen nicht mehr für jedes Detailsproblem eine Regelung, sondern sie formulieren Schutzziele und weisen Verantwortungen zu.
Tja, es gibt aber nach wie vor sehr (leider) konkrete Verordnungen, die in diesem Fall aussagen "Alle elektrisch leitfähigen Teile, die gefährliche Berührungsspannungen annehmen können". Da gibt es wenig dran zu deuteln. Natürlich kannst du eine Gefährdungsanalys machen um herauszubekommen, welche Teile man vielleicht doch weglassen kann, allerdings ist halt auch das der Punkt bei dem du mit mindest einem Bein im Knast stehst. Nebenfrage, gibt es eigentlich eine Eintrittswahrscheinlichkeit, die als so klein angesehen wird (vom Gesetzesgeber bzw. den Gerichten), dass man diese Fälle nicht berücksichtigen muss? Und dann hat man noch Gefahr, sich hinterher zu streiten, wer denn jetzt Schuld ist, derjenige, der das Mikrofonstativ in den Bühnenstrom gerammt hat, derjenige der dafür verantwortlich ist, dass das Mikrofonstativ da steht (und nicht am PA hängt), oder derjenige, der Für den Bühnenstrom verantwortlich ist. Ich vermute am ehesten ungeschoren kommt derjenige davon, der das Mikrofonstativ da reingerammt hat.
Die Frage müsste nicht lauten, wer eine elektrotechnische Anlage aus steckerfertigen Komponenten aufbauen darf. Die Frage müsste lauten: Kann derjenige mit einem Installationstester umgehen, hat ihn dabei und tut das dann auch?
Ich habe im Zweifelsfall lieber einen dabei, der das darf, als einen, der das kann, wenn ich mich zwischen den beiden entscheiden muss. Bei dem "Nichtkönner" kann ich immer noch mit drauf gucken, bei dem "Nichtdürfer" bin ich automatisch mit in der Verantwortung, wenn was passiert. Und das sehe ich auch in der Praxis auffallend häufig, was zählt ist, dass du den Schein hast.
Ich stelle meine Frage aber auch gerne nochmal anders, bzw. habe das ja zwischendurch auch schon immer mal wieder getan:
- Warum unterligt unsere Branche so deutlich anderen Ansprüchen als andere? Ich kann mir nicht vorstellen, dass z.B. auf dem Bau weniger Elektrounfälle passieren.
- Was und wie "erdet" (PA) ihr den ganzen Kram? Und damit meine ich eben nicht (Tri-) Bühnen, Trusskonstruktionen, etc. sondern einzelne Stative, Chorpodeste, Rollriser, im weitesten Sinne sogar Gitterboxen, Cases, Anhänger, etc.
- Womit begründet ihr, welche Teile ihr nicht "erdet" (PA)? Wenn das so selbstverständlich ist, müsste ja eigentlich jeder eine Gefährdungsbeurteilung in der Schublade liegen haben, gerne herzeigen dann kann man auch mal gucken, wie andere so argumentiert haben.
Und bitte bitte hier keine Disskussionen über RCDs mehr. Erstens sollte das selbstverständlich sein und zweitens hat das nichts mit PA zu tun.