Am besten lernt man, sich in Musiker hineinzudenken, wenn sich man immer wieder dicht neben ihn stellt und sich anhört, was der dort zu hören bekommt.
Ein Kommunikationsproblem besteht in der Tat, wenn man so Sätze zu hören bekommt wie: "klingt komisch". Das hilft niemandem und so muss man sich selbst mal an Ort und Stelle bemühen, um zu erfassen, was gemeint ist. Ich biete oft (auch unbemerkt) Dinge im Monitormix an, die nicht angefordert werden - die ich mir aber zum spielen wünschen würde. Das kann eine Prise Hihat sein oder ähnliches - eben alles, dessen Fehlen nicht sofort auffällt, die Bandmitglieder aber einander näher bringt, ohne zu nerven.
Mindestens ebenso schwerwiegend ist jedoch ein mentales Problem der Musiker: Manche Hobbymusikanten hören mehr mit der Phantasie als mit den Ohren und spielen Metallica auf einer Ukulele und bemerken keinerlei Soundunterschied zum Original. Solche Leute stellen sich mit einer Piccolo-Flöte auf die Bühne und wünschen sich einen "voluminöseren Klang" - Ist das noch ein Kommunikationsproblem?
Auch häufig bei "Kommunikationsproblemen" ist unentwegtes korrigieren von Lautstärkeverhältnissen. Das ist dann meist kein Kommunikationsproblem, sondern schlicht und einfach ein nicht funktionierendes Setup von Gitarren- und Keyboardsounds. Wenn sowas schon nicht im Probenraum aufgefallen und ausgemerzt worden ist, steht zu befürchten, dass diese Band nicht ein Kommunikationproblem hat, sondern eben einfach nicht weiß, was sie tut, und eben auch erst recht nicht weiß, was sie hören will und muss.
Ich habe tatsächlich schon zur allgemeinen Begeisterung eilig V-Drums umprogrammiert (welcher Schlagzeuger weiß schon, was die Geräte können?), Gitarrenamps hinter Perser-Teppichen versteckt und Monitoranfragen bewußt ignoriert. Nur um auf der Bühne erträgliche Verhältnisse zu schaffen.
Zur Kommunikation mit der Band muss man eigentlich nur 5 Wörter kennen: Bässe, Mitten, Höhen, Lauter, Leiser. Das habe ich schon sehr schön im voll arabischen Soundcheck ausprobiert und das ist ganz einfach, wenn die Leute wirklich wissen, was sie wollen.
Ein weiteres Problem kann sein, dass die Leute das Maul nicht aufkriegen, weil sie eben noch ganz andere Probleme haben: "Habe ich ein Hotelzimmer, wo ist meine Freundin, fängt der Refrain wiklich auf G an?"
Deshalb: in der Setpause oder auch, wenn dramaturgisch möglich, während des Gigs ruhig mal die Runde machen und fragen, ob alles genehm ist und sich erst dann zufrieden geben, wenn es heißt:" Ich habe noch nie so einen guten Monitorsound gehabt".
Grüße
B.