Beiträge von niggles

    Ich mag die niedrige Latenz und die Einfachheit von MADI und AES50. Kann man auch in Betrieb nehmen, ohne erst den Konfigurationslaptop auspacken zu müssen.

    ACE und REAC ebenso.

    Layer 3-Protokolle wie Dante und AES67 haben dazu noch Vorteile wenn es um Multiplexing per VLAN geht, mit dem Nachteil des höheren Aufwands zur Konfiguration.

    Handlingeigenschaften wünschen? Und du erlaubst dass ich das deshalb zum Anlass nehme laut darüber nachzudenken, warum die für unsere Belange offenbar beste Lösung AWG22 stranded bislang niemand herstellt?

    Die Frage hast du dir doch schon selbst beantwortet: Die komplette "Audio-over-TP"-Infrastruktur unserer winzigen Branche ist nur deshalb so billig (bzw. bezahlbar) weil sie komplett im Windschatten der viel grösseren IT-Industrie fährt. Dort legt niemand im Segment "horizontal copper" 100 oder 120m lange flexible Patchkabel. Das wird entweder auf fest verlegte Massivleiter gepatcht oder gleich auf Glas umgesetzt.

    Selbst einen Uli Behringer dürften chinesische Kabelhersteller auslachen wenn er eine Sonderentwicklung braucht und da weniger als ein paar tausend Kilometer ordert...

    Aber mal ganz ehrlich: So ein Päärchen DN9620 kostet irgendwie 1200 Tacken brutto. Schnell mal gegoogelt und beim großen M so gefunden.

    Für ACE/Dante/AES67/REAC kostet ein Pärchen ordentliche Medienwandler für Multimode im IT-Grosshandel unter 200 Tacken.

    Uli B. sitzt mit der dicken Zigarre im Büro, lehnt sich zurück und deklamiert "Eure Armut kotzt mich an"...?

    Nicht unbedingt; wahrscheinlich ist eher dass HyperMAC seine erheblichen Entwicklungskosten noch nicht wieder eingespielt hat und das Controlling den Vorschlag der Entwickler jetzt endlich mal auf ein zeitgemässes Audioprotokoll umzusteigen mit energischem Kopfschütteln kommentierte.

    "Behringer Wing bei Rock am Ring."

    So zynisch das auch klingt: Da fährt der Zug (bzw. Bus ;- ) die nächsten Jahre hin. Schon aus wirtschaftlichen Gründen. Ich bin da ganz bei dir...

    Da Du weiter das genutzte Kabel und die tatsächlich erlebte Situation, deren Häufigkeit und Deinen Part dabei verweigerst, ist dieses "X32 AES50 geht schief mit 100m" für mich alles Tresentechnologie.

    Ich besitze kein X32/M32, stelle aber Kabel (Draka ToughCat, T.Snake) für Gastproduktionen mit diesen und auch allem möglichen anderen Pulten zur Verfügung. Selber hab ich GLD und Qu.

    Zusätzlich bin ich gelegentlich entweder als Systemler oder für andere Gewerke auf Jobs unterwegs bei denen Kollegen mit X32/M32 arbeiten.

    Immer dann wenn X32/M32 über "fremde" Kabel mit ihren Stageboxen verbunden wurden häuft sich ein ganz spezifisches Fehlerbild: sporadische (alle 20-30 Minuten), sehr laute Sync-Knackser und ganz kurze Aussetzer. Zusätzlich gibts noch so für das Publikum unmerkliche Nervigkeiten wie Stageboxen die das Pult plötzlich nicht mehr findet nachdem auf der Bühne beim Umbau kurz der Strom weg war. Damit ist Behringer nicht allein, aber muss das sein wenn es andere nur eine geringfügige Preisklasse höher besser können?

    Die Theorie mit dem defekten Transceiver auf AES A ist jetzt auch nicht ganz so abwegig, andererseits müsste das dann eine ganze Serie beider Pulte (M32 und X32) betreffen.


    guma schrieb:

    Das ist genau das Gleiche, was ich sagte: Statt zu sagen "Wenn das Kabel die und die Eigenschaften hat, kannst Du auch 100m nehmen" sagt man "nimm die 80m, das klappt immer". (Keep it simple). Das ist ja wohl nicht schwer zu verstehen.

    Das schliesst aber in vielen Fällen (siehe Post von billbo) den Einsatz lokal schon verlegter Leitungen aus. Damit bleibt die "ganz grosse Rock´n`Roll-Karriere" dieses Pultes erst mal an Repeater-Gebastel gebunden.

    Kupfer kostet auf 100m ca. 1/3 von Glas... Ist es das wert an der Stelle zu sparen?

    Hach wär das schön: Wenn alle Pulthersteller sich drauf einigen könnten zusätzlich zum jeweils bevorzugten Kupferstandard in ihre Pulte und Stageboxen SFP-Slots einzubauen... dafür*

    Das o.g. RamCat ist wie gesagt ein hinreichend flexibles Massivleiterkabel, welches ich in 100m unter anderem auch viele Male problemlos mit x/m32 benutzt benutzt habe.

    Der Hersteller gibt lobenswerterweise direkt Erfahrungswerte bis 120m für die gängigen Protokolle an: Ethersound, MADI, ACE und Dante.

    AES50/HyperMAC ist nicht dabei. Ein Schelm der böses dabei denkt. Ich gönn es dir dass du bis jetzt damit immer Glück gehabt hast, selber ausprobieren muss ich das aber nicht unbedingt.

    Abgesehen davon sind Massivleiter in den üblichen 8P8C-IDC-Plastiksteckern (TM21) für mich ein echter Zehennagelkräusler, da gehts mir wie billbo. In der Installationstechnik wird für so was mit Fug und Recht die Siebenschwänzige ausgepackt...

    Zitat

    Dass der Hersteller 80m angibt, ist für mich ein der üblichen X32 Klientel geschuldetes ,keep it simple‘, statt einer Abhandlung oder einer Tabelle.

    Für ganz so stumpf halte ich die TMG-Leute nicht. Ich bin mir auch relativ sicher dass die hier (still) mitlesen. Die Erfahrungen von billbo und mir sind auch kein exklusives Geheimnis, fast jeder X32/M32-User den ich kenne ist da schon mal drüber gestolpert. Die 80m wirken auf mich auch plausibel als Wert bis zu dem der Kabelhersteller relativ egal ist so lange die Cat.5e-Spezifikation eingehalten wird. Darüber wird's halt "Hit and miss".

    Komisch, dass diese Sachen bei jedem neuen Pültchen wieder gekäut werden:


    Zum tausendsten Mal Cat5


    - Es ist bekannt, das die Massivleiter-qualitäten bei sonst vergleichbaren Eigenschaften ~ 20% mehr Länge erlauben. Dass jetzt beim Wing 80m statt 100m stehen ist wohl einer Art worst case scenario geschuldet.

    Wohl eher dem Eingeständnis dass in der Praxis auch bei günstigen Bedingungen (Kabel in einem Stück) nicht mehr als 80m drin ist ohne dass die Betriebssicherheit leidet. Da hat sich also seit dem X32/M32 offenbar nix getan.

    80m sind nun aber leider nicht sonderlich viel. Das wird schon auf so manchem Stadtfest oder bei einer Firmenfeier in einem grösseren Zelt verdammt knapp.

    100m Starrleiter in AWG22 oder noch dicker ist auch nicht die Lösung. Die Leitung ist trotz weichem Mantel dermassen unhandlich und klobig dass sich das auf Dauer eigentlich keiner freiwillig antut. Da kannst du auch gleich wieder ein analoges Multicore verlegen...


    Offensichtlich meinen einige Pulthersteller, darunter TMG hier immer noch das Rad neu erfinden zu müssen. Es gibt genug bestehende Multikanal-Audio-Standards (Dante, AES67, REAC, ACE...) die auf OSI Layer 2 oder sogar 3 mit gängiger IT-Hardware kompatibel sind. Die laufen problemlos und zuverlässig auch über 100m AWG26, lassen sich bei Bedarf nach grösseren Längen mit preisgünstiger Standardhardware auf Glasfaser und wieder zurück umsetzen und wenns sein muss auch per VLAN multiplexen.


    Und natürlich der finanzielle Aspekt. Diese PA darf in der Miete nicht zu viel kosten

    Von welcher Grössenordnung reden wir hier denn?

    Auf einer Clubtour <1000 pax darf eine angemessene PA + Zubehör (Monitoring, Bühnenverkabelung, Stative, Riser) den Tourveranstalter eigentlich gar keine Miete extra kosten. Dafür gibt's schlicht kein Budget.

    Wie sieht es mit anderen Marken wie z.B. Kling & Freitag aus, bekommt man damit auch große Künstler in sein Haus?

    Nein. Was du dafür brauchst sind ein umtriebiger, gut vernetzter Veranstalter und ein verhandlungsstarker Booker. Der eine bringt (mit etwas Glück) das Publikum her ohne das du jeden Act genau einmal auftreten lässt (wenn du das Geld hast...). Der andere setzt beim Bandmanagement durch dass die auch für eine realistische Gage auftreten und nicht den Luxus-Special-Event-Tarif verlangen weil sie niemand in dem gesamten Umfeld kennen und in der Regel keinen Bock auf ein Desaster mit Ansage (kein Publikum, Rider nicht eingehalten, Veranstalter pleite...) haben.

    Was du dann hin stellen musst sagen dir die Verträge und der Rider. Womit du evtl. auch durch kommst ohne dass dir der Tourmanager direkt den Auftritt verweigert sagt dir ein Tontechniker der selber auch schon mal das eine oder andere Jahrzehnt im entsprechenden Genre auf Tour war.

    Buchstabengetreue Erfüllung des nichttechnischen Teils des Riders (Catering, Hospitality) erhöht die Verhandlungsbereitschaft über falsche Buchstaben auf den Boxen deutlich so lange die Basics einer professionellen Produktion (dazu gehört auch fähiges Personal) gegeben sind.

    Das kann ich so nicht bestätigen, insbesondere für das M32. Probleme wie nicht mehr gefundene Stageboxen beim Hochfahren nach Stromausfall, zufällig verteilte 0dBFS-Knackser auf allen Ausgängen alle 20-30 Minuten oder Aussetzer auf dem gesamten System in dem Moment in dem der zwecks Recording im Pult steckende USB-Stick voll läuft sind wirklich nervig und vor 50000 Festivalzuschauern genauso ein No-Go wie bei einer TV-Gala. Die vom Hersteller empfohlene Strategie ist die Verwendung des immer gleichen, eigenen Kabels; wie realistisch das im Tour- und Festivalbetrieb ist wissen wir auch alle.

    Dante mag wesentlich empfindlicher gegen Fehlbedienung sein, aber wenn es mal läuft gibt's keine Überraschungen mehr. ACE dito, das hat mich auch bei richtig üblen Voraussetzungen noch nie im Stich gelassen.

    Ich will doch bloß durch die Weltgeschichte reisen, nette Menschen kennen lernen, lecker gratis essen, in schicken Hotels wohnen, hin und wieder ein schönes Konzert mischen, und für all das sehr ordentlich bezahlt werden. Ist denn das etwa schon zu viel verlangt?

    Im Gegenzug verzichte ich halt auf's Luxuspult im Luxuscase und erscheine mit B. WING (oder ähnlichem) in der Pappschachtel. Irgendwas is' ja immer. :)

    Vor die Erfüllung dieses Wunsches hat der Herr Murphy noch den Stolperstein "Digicore das mit allen üblicherweise auch auf grossen Festivals anzutreffenden Kabeltypen und -längen zuverlässig spielt" gesetzt.

    Die Firma Behringer hat sich da in der Vergangenheit leider weder beim X32 noch beim M32 sonderlich mit Ruhm bekleckert...

    ...


    Shoutbox hatte ich noch nicht (wäre dieses Jahr auch keiner gewesen, der hätte shouten können). Wie löst man das am einfachsten?

    2x kleine Aktivbox mit Mikroeingang (Mackie SRM150 o.ä.), 2x SM58 mit Schalter. Verbindung wenns geht analog über Catcore, notfalls über 2 Tielines am Moderationspult.

    Bloss nicht über Tielines auf dem Hauptpult anlegen, dann ist genau in dem Moment in dem sie am dringendsten gebraucht wird (Verbindungsprobleme zwischen Pult und Stagebox) die Kommunikation unterbrochen...

    Das alles dann zusätzlich zum normalen Talkback am FoH-Pult.

    Ich würde das genau umgekehrt machen, und die Colorsource aus SCS aus steuern. In SCS hättest du dann eine Cueliste mit sämtlichen Cues (Ton Einspieler, Licht, Projektion... ), die du dann nur noch zum richtigen Zeitpunkt triggern müsstest. Die AV Variante der Colorsource lässt sich über OSC fernsteuern, und SCS kann OSC Befehle ausgeben. OSC scheint mir also der logische Weg zu sein, um beide Systeme miteinander reden zu lassen.

    Das funktioniert, ist aber in einer Umgebung in der Lichtdesign und Medieneinsatz während der Proben erst entwickelt werden (Schule, Amateurtheater) sehr umständlich zu programmieren. Video- und Audiozuspieler aus einer Licht-Cueliste abzufahren ist dort wesentlich flexibler.

    Was ich mir auch Vorstellen könnte ist Song Beamer oder Pro Presenter. Mit beiden Programmen kann man leicht und günstig Videos abspielen, sowie Folien und Bilder. So wie Effektloops zum Teil sogar als Hintergrund für Texte...

    Klares Nein zu ProPresenter und allem anderen was von Renewed Vision kommt. Die haben ihre Abspielengine überhaupt nicht im Griff, das ist noch schlimmer als bei Playback Pro...

    Ich musste erstmal nachgucken, was ein PRCD ist. Das P steht für portable, ich vermute du meinst nur RCD?

    PRCD = 0,03/0,01A-Personenschutz-RCD. Sauber zu unterscheiden von den in vielen Installationen vorhandenen 0,1/0,3/0,5A-RCDs an denen CEE32/63/125-Anschlüsse hängen und die zwar vorgeschrieben sind, aber alleine noch keinen effektiven Personenschutz gewährleisten.

    Die Bütecs haben immerhin großflächige Metallkanten, die sich berühren. Warum siehst du den Stromverteiler als gefährdeter an, als z.B. den Bühnenstrom?

    Weil das in der Praxis nicht funktioniert wenn die Hakenbänder zum Befestigen des Bühnenverkleidung da noch zwischen sind. Ich hab's auch schon mal messtechnisch korrekt (mit Milliohmmeter) von einem Haustechniker nachgewiesen bekommen. Der Kompromiss war dann das wenigstens das Bühnengeländer nen PA bekommt...

    Zitat

    Der Stromverteiler ist im Idealfall wenigstens ordentlich geerdet und ich würde behaupten es ist deutlich wahrscheinlicher irgendwo eine Schukoleitung zu beschädigen, als die dicke 63A Zuleitung.

    Die direkt geklemmte, daher nicht unbedingt mit RCD gesicherte Zuleitung richtet aber erheblich mehr Schaden an wenn das Zuleitungskabel z.B. von einem abstürzenden, vollen Case an der Bühnenkante gequetscht wird.


    Zitat

    Induktion und statische Aufladung mal noch garnicht berücksichtigt. Und bei der großen Bühne, wo alleine 63A Bühnenstrom ankommen erde ich dann trotzdem wieder jedes einzelne Podest?

    Grosse Bühnen haben in der Regel einen Layher-Unterbau, und der muss selbstverständlich an den PA angeschlossen werden.

    Zitat

    Warum eigentlich die Bühne nicht, das Truss aber schon? Hat eigentlich schon mal jemand ausprobiert, wie so die Übergangswiederstände bei Traversen sind, so nach zehn Verbindungsstellen zum Beispiel? Ich kann mir kaum vorstellen, dass da noch brauchbare Werte bei rauskommen.

    Doch, das ist immer noch ein ziemlich guter metallischer Kontakt. Die Bolzen schaben ja beim Reinschlagen die Oxidschicht an, das reicht bei ordentlicher Befestigung der PA-Schelle für Widerstände deutlich unterhalb von 0,5 Ohm.

    Traversensysteme sind schon aufgrund der darauf meistens installierten elektrischen Anlage mit dem PA zu verbinden.