da Elektro ja ein heißgeliebtes Dauerthema in unseren Foren ist hier mal ein Erfahrungsbericht der etwas anderen Art, daher ist dieses Thema ausdrücklich Off Topic :wink:
Also folgendes:
In der Fa. von meinem Papi gibts eine gutorganisierte Müllverwertung, diese sieht u.a. vor daß ausdrücklich alle Elektroabfälle in einem container zu sammeln sind, selbiger ist dann für mich.... so findet sich dieses oder jenes was man noch prima zum Basteln gebrauchen kann.
U.a. fand ich da nichtnur einmal diese "Näherungsschalter", sehen aus wie eine Gewindestange mit Plastikkopf und Kabel hintendran, bei der letzten Elektromüllparty (Auskippen und Sortieren :grin: ) genau 56 Stück davon.
Da mir die hohe Menge doch etwas verdächtig vorkam wurde ich ziemlich neugierig, also wurden all diese "induktiver Endschalter" mitgenommen und mit einer simplen Prüfvorrichtung auf Funktion bzw. Fehler geprüft.
Ergebnis davon: 56 von 56 waren nicht defekt sondern völlig in Ordnung :shock: Was so ein (Edelstahl-) Ding kostet schreib ich hier nicht ...
Also wurde heute eine Untersuchung gemacht, mit folgendem Ergebnis:
Die Schalter stammen alle aus der Hakenlaufbahn der Lackieranlage, dort sind an jedem Wagenhaltepunkt 12 ( ja, zwölf! ) in 2 Reihen zu 6 Stück montiert. Selbige wurden bei Reparatur- und Wartungsarbeiten der Herstellfirma gewechselt (und natürlich berechnet
).
Besichtigung der Hakenlaufanlage:
Diese in 2004 neu installierte Anlage, stellt euch das vor wie ne Modelleisenbahn an der Decke wo man die Lackiersachen an Haken einhängen kann so richtig mit Weichen und Abstell- und Rangierbahnhof... , wurde innerhalb von 12 Monaten genau 27 mal repariert, dabei fielen 213 Einheiten zu je 15min berechneter Arbeitszeit an ( 1E = 15.06 netto) somit 3207 € Arbeitslohn, dabei wurde für 6.824 € Ersatzteilmaterial verarbeitet und für 4280 € Auto gefahren (Anfahrtkosten), und die Anlage stand insgesammt in diesen 12 Monaten 256 Stunden lang still wegen Defekten, Ausfall.
Folgende Mängel (ich bin keine Elektrikerin, erlaube mir aber ein Urteil das auf Erfahrung und einiger Sachkunde beruht) hab ich gefunden:
Die gesammte Elektroinstallation im Lackierbereich wurde gem. EEX ausgeführt, was fachlich auch korrekt ist. Davon ausgenommen: Alle Aufputzdosen auf den Hakenbahnen, wo die Endschalter und Antriebsmotore und sonstiges Gemüse gesammelt werden, sind gewöhnliche Obi-Aufputzdosen die einer Prüfung gem. EX nicht standhalten können.
Es wurden insgesammt 6 "Simatic Panels" gut verteilt installiert, auf denen man auch lesen kann: #2 Datenbankauftrag 2
Zu bedienen gibt es dort leider nichts, denn ...
es gibt ja den Steuercomputer, einen gewöhnlichen PC mit Windowsoberfläche und Röhrenmonitor (mit Plastikfolie abgeklebt damit er nicht lackiert wird), der steht direkt neben dem Spritzlackierplatz 1, neben den Fässern mit der Lackfarbe .... und ich konnte weder an dem PC noch an dem Monitor eine EX-KLassifizierung entdecken (Fujitsu Siemens, normaler Tralafitirechner). Diesen soll der Spritzlackierer nun mit seinen nassen Handschuhen bedienen, natürlich mit der Maus :shock:
Die Maus ist, von Lösemittelhandschuhen stark angegriffen, einer kurzen Standzeit gewidmet, daher hat man unten im Schaltschrank stets 8-10 Ersatzmäuse gelagert ...
Soviel mal zum Thema Elektrofacharbeit. :grin:
Von all dem Chaos existieren natürlich detailierte Schalt- und Ablaufpläne die auch alle vom Dipl. Ingenieur abgesegnet und bei der Inbetriebnahme übergeben worden sind. Somit ist das eine rundum amtliche Angelegenheit.
Mechanik.
Bekanntlich hat jede Hakenbahn Haken.
Verglichen mit dem ganzen BGV und wasweisich-Problemgewälze der Veranstaltungstechnik konnte ich mich davon überzeugen daß mehr als dreihundert Laufhaken, die teils über 100kg schwere Sachen auch Überkopf von Arbeitern fahren, kein einziges "Safety" besitzen, es gibt oben ein Flachstahl, Inbusschraube M10 durch, mit Stopmutter gesichert und ab damit das wars.... S-Haken sind einfach eingehängt.
Daraus resultiert meine Sicherheitseinschätzung für den Arbeitsbereich:
Die Sicherheit ist nicht gewährleistet da nicht alles dafür getan wurde was dem Stand der Technik entspricht ...
Zusammenfassung also:
Bei Wartungsarbeiten werden Teile gewechselt die weder defekt sind noch einem nachweisbaren Verschleiß unterliegen. In den Unterlagen findet sich das unter "wurde ersetzt / erneuert".
Die Elektroinstallation enthält zahlreiche Bedienanlagen (Simatic Terminal), die nicht bedient werden sollen und daher auch keine Existenzberechtigung haben. Im Übrigen ist auch hier die EX-Klassifikation fragwürdig...
Es gibt zuhauf Elektroinstallation im direkten Farbspritzbereich die nicht den EX Vorschriften entspricht, die gesammte Anlage ist davon betroffen.
Betrieb eines PC in explosionsgefährdeter Umgebung.
Ständige Ausfälle und Störungen, Unproduktivität, Reparaturen noch und nöcher.
Was sagt die BG dazu ? Was sagt die IG Metall zu solchen Geldabsauganlagen ? Und wer wundert sich hier noch über ausbleibendes Wirtschaftswachstum....
Ich werde jedenfalls die kommenden Wochen damit verbringen einen Plan auszuarbeiten wie man diese ganze unsägliche Elektrogeschichte abreißen / entsorgen und gegen etwas zuverlässiges bezahlbares tauschen kann. Schließlich will ich später auch davon leben und das benötigt Gewinn :wink:
lG Manu