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  4. Selbstbau und Reparatur Lautsprecher und Boxen

Recone Kit: Ciare 12.00 SW (DC)

  • bernieserver
  • 20. September 2009 um 04:51
  • bernieserver
    Beiträge
    352
    • 20. September 2009 um 04:51
    • #1

    So, nun hat es mich auch erwischt!

    Auf einer GOA - Veranstaltung, das übers komplette Wochenende geht und derzeitig noch läuft, war ein Bass - Stack mit 2 Punishern schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie wurden mit jeweils knapp einem KW angefeuert mit einer Solution² APS 8000.

    Ein Bass hat nichts mehr gemacht, beim anderem kamen schon leicht verdächtige Geräusche aus dem Hornmund.

    Ich habe beide während der Party noch außer Betrieb genommen und bei beiden die Kammer geöffnet. Bei der einen hat sich die Membran komplett festgefressen, die Box habe ich direkt weggestellt und für die Party abgeschrieben, da ist wohl Reconing fällig.
    Bei der anderen habe ich ebenso die Kammer geöffnet und mich gewundert wie verdammt heiß der Magnet war. Da verbrannte man sich die Finger dran! Das fühlte ich sogar schon durch das Holz der geschlossenen Rückkammer des Horns bevor ich sie aufmachte. Die Außenflächen waren mehr als handwarm! Ich löste alle Schrauben, dabei merkte ich, dass sich eine Schraube komplett von selber losgedreht hatte und am Magnet klebte und die meisten anderen mit der Hand herausdrehbar waren. Das waren metrische Schrauben M4 oder M5, ich habe die von einem Lautsprechershop empfohlenen Einziehmuttern verwendet. Das kam mir irgendwie suspekt vor, habe ich doch damals vor 4 Jahren beim Bau doch genau darauf geachtet, dass die Schrauben auch gut fest sind - war wohl nicht genug! Ich denke das dicke Dichtgummi wurde immer dünner und verlierte über die Jahre den Anpressdruck!

    Ich checkte nach Lösen aller Schrauben die Membran ausgiebig. Sie hat keine Risse, die Sicke war OK. Die Klebeflächen sahen auch soweit OK aus. Der Magnet und Korb waren aber immer noch heiß, ein kühlendes angefeuchtetes Tuch, das ich darauf lag dampfte! Die Membran ließ sich aber immerhin leicht reindrücken und kratzte dabei nicht. Ich begutachtete durch den Kühlungsspalt des Korbes zwischen Spinne und Magnet von der Seite aus die Schwingspule. Die war im Zentrum normal kupfernfarben, am Rand, zu sehen nach Eindrücken der Membran, jedoch schon dunkelbraun. Ich denke das ist die typische Folge einer Überlastung, verursacht durch die stark komprimierten Goa Bässe mit wenig Crest Faktor. Die eine hat es halt irgendwie überlebt, die andere starb daran. Ob es jetzt der berüchtigte DC Kollaps durch Undichtheiten wegen der Schrauben war oder einfach Versagen des Klebers wird wohl erst nach Ausbau der Membran zu sehen sein.

    Nach fester Montage der Schrauebn und einer halben Stunde Ruhezeit für das Chassis habe ich den wieder als Bass weiterlaufen lassen. Dabei ist das Geräusch das ich vernahm aber noch leicht vorhanden, ich denke da ist noch irgendwas undicht.. wird nach der Party gecheckt.

    Während der ganzen Umbauaktion haben die Leute weitergetanzt und freuten sich am Ende, dass immerhin ein Bass wieder weiterspielte.
    Der andere Stack lief übrigens problemlos und war nicht so heiß gelaufen wie die ander Seite, warum auch immer. Der Bassamp war auf Dual Mono geschaltet, bekamen also das gleiche Signal ab... vielleicht spielte einer am Amp herum oder der Amp hat ne Macke und läuft irgendwie asymmetrisch oder hat DC rausgehauen.. hmm, hat da jemand eine Vermutung? Aber ich denke es war einfach nur Pech, denn nachdem ich noch ein paar Stunden da geblieben war und ich permanent die Temperatur von außen erfühlte und die Außenwand der Rückkammer nicht mehr als handwarm wurdeb denke ich, dass die Schuldan Undichtheiten durch die mangelhafte Verschraubung des Chassis am Horn lag. Was meint Ihr?

    Was ich nun brauche sind Eure Empfehlungen und ein paar Tipps. Dazu ein paar Fragen:

    1. In wie weit ist es wahrscheinlich, dass die hohe Temperatur das Ferrit bereits entmagnetisierte? Die Curie - Temperatur liegt ja bei Ferrit laut Wikipedia bei ca. 769 Grad. Ich denke es ist unwahrscheinlich, dass es so heiß war, ansonsten wäre es am kokeln gewesen. Aber könnte durch die lange Dauer ( 24 Std. Dauerlast ) eine Schwächung eingetreten sein? Wenn ja: kann man die wieder rückgängig machen (lassen)?
    2. In wie weit macht es Sinn den überhitzten, aber noch funktionsfähigen Treiber weiter zu verwenden? Besser vorsorglich reconen lassen? Oder sind solche Temperaturexzesse nicht dauerhaft schädlich für Klebeflächen, Spinne und Membran? Ich habe mal gehört dass die Klebeflächen bei dem Chassis bis zu 300 Grad aushalten.
    3. Wer verkauft Reconesätze für das Chassis an privat? Ist da der Kleber schon dabei?
    4. Was würde ein Reconing außerhalb kosten und wer macht das fachgerecht bzw. wer hat Erfahrung damit?
    5. Wie heiß halten es Lautsprecherchassis übehaupt aus?
    6. Was bringt es die Wartungsdeckel statt aus Holz aus Alu zu bauen?


    Gruß

    Bernhard

  • Mister.Lange
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    1.574
    • 20. September 2009 um 09:36
    • #2

    Ein Anruf bei Seeburg kann sicher einige Antworten auf Deine Fragen erbringen. Im übrigen vertreiben die Ciare hier in Deutschland. In wieweit die Recone Kits haben weis ich nicht. Wenn bei uns ein Chassis mal defekt ist lassen wir es meist komplett tauschen...

  • Userkiller
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    666
    • 21. September 2009 um 00:28
    • #3

    ..sone solution hat mir vorkurzem ein totalschaden verursacht .. allerdings war der dc nicht so hoch das die spulen gleich abgefackelt sind sondern langsam die spule verformt hatte .. schlussendlich durch abrieb ein bas nach dem anderen gestroben

    https://www.facebook.com/userkiller | Verleih u.a. Föön F3 & F2, CO3, E920HL, E460HL, Martin Audio F2

  • bernieserver
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    352
    • 21. September 2009 um 21:01
    • #4

    Hi,

    ich werde dann mal am nächstem Wochenende die DC Spannung des Amps messen.

    Noch jemand ein Hinweis ob es wahrscheinlich ist dass das Magnetfeld schwächer geworden sein könnte?

    Gruß

    Bernhard

  • Jens Droessler
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    9.074
    • 27. September 2009 um 19:42
    • #5

    Bei dem Ciare, der Geräusche macht, solltest du mal überprüfen, ob die Dustcap wirklich noch fest angeklebt ist.

  • bernd häusler
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    833
    • 27. September 2009 um 23:04
    • #6

    Moin Bernhard,

    ich lese nicht gerne von kaputten Lautsprechern, auch wenn die Laune überlebt hat :(

    Natürlich begünstigt eine Undichtheit in geschlossenen Kammern das DC-Displacement. Da Du ohnehin schon eine "Markierung" (Einbrennspuren) der dynamischen Mittellage siehst wirst Du nach Ausbau der Schwingspule Genaueres sehen. Besonders gemein könnte sich eine lose Dustcap auswirken, die Einweg- Ventilwirkung wird auch zu einem DC-Effekt führen. Überprüfe das bitte bei beiden Chassis, damit der Ciare 12.00 SW (DC) nicht unnötig in den Verdacht gerät eine DC-Schleuder zu sein. Ich gehe davon aus, daß der Ciare eine moderne Konstruktion mit DC-stabilisierender Spider ist. Grundsätzlich ausgeschlossen ist DC-Displacement auch in völlig dichten geschlossenen Volumen nicht - wenn Töne kritischer Frequenzen zu lange andauern, und so die unvermeidliche Micro- Undichtheit jedes realen Gehäuses überwinden. Ein DC-optimiertes Chassis ist also auch in CB zwingend nötig. Ich habe jedenfalls vor Jahren einer DC-Schleuder bei der SelbstZerstörung zugeschaut, durch ein verglastes Fenster in einer ziemlich dichten HornRückkammer. Die "Schleuder" wollte schon bevor die Luftmenge sich ändern konnte an die Polplatte bzw. aus dem Spalt. Ich gehe davon aus, daß der Ciare das nicht macht, sonst wären längst alle völlig desintegriert.

    Die hohe Abwärme spricht in jedem Fall, DC hin oder her, für eine zu hohe elektrische Durchschnittsleistung. Mindestens 95% der zugeführten Leistung werden in jedem Fall in Wärme verwandelt, da ist wohl tatsächlich ein wesentlicher Unterschied in der Leistung aufgetreten.

    Ob ein Selbst-Reconing sich lohnt hängt stark davon ab wie der Ciare gefertigt wird, damit meine ich die Einstellung der Nullage, also ob die Nullage erst bei der Montage festgelegt wird, oder bereits im vorgefertigten Reconekit präzise eingestellt ist. Damit sind die Klebeverbindungen von Spulenträger und Spider zur Schwingspule gemeint, die man nur mit besonderen Klebern herstellen sollte und dafür eher gehobene Erfahrung braucht. Solltest Du also kein lohnendes Angebot für ein fachgerechtes Reconing bekommen könnte das ein Indiz sein, daß es niemand kann. Der Ferrit wirds überlebt haben, aber bitte die Spaltbreite ringsum prüfen um sicherzustellen, daß nicht durch unter Hochtemperatur kriechende Klebeverbindungen die Magnetanordnung verschoben ist. Ich halte allerdings für wenig wahrscheinlich daß die Magnet und Korbtemperatur kritische Bereiche erreicht hat, auch wenn ich davon ausgehe, daß außer dem Kleber der den Spulendraht auf dem Spulenträger hält kein 300°C-Kleber eingesetzt wurde. Unfassbar ohnehin was die Chassis thermisch ausgehalten haben. Du hast also schon eine Antwort aus der Praxis, etwas weniger, und sie hättens überlebt.

    In diesem Fall tippe ich tatsächlich eher auf eine Zerstörung durch maßlose Überlastung, ein DC-Displacement-Schaden zeigt sich eher durch unerwartete mechanischen Zerstörungen. Wenn Du die Schwingspule fotografieren und das Bild hier einstellen könntest?

    Wartungsdeckel aus Aluminium bringen etwas, allerdings nur wenn diese im Stack noch frische Luft UND einen "dunklen" Strahlungshintergrund sehen, es genügen also nicht 5cm Abstand für die Luftzirkulation, da sich die Deckel gegenseitig "anstrahlen". Strahlung wird zu häufig beim Wärmetransport übersehen. Zusätzlich würde ich innerhalb der Rückkammer dennoch mit einem kleinen DC-Lüfter für Turbulenz sorgen, um so den Wärmetausch zwischen Chassis- Metallteilen und Aluminiumdeckel zu begünstigen. Dieser lässt sich über Vorwiderstand und Diodenbrücke mit kleinem Pufferelko aus dem Lautsprechersignal problemlos betreiben.

    Die Endstufe sorgfältig zu vermessen halte ich auch für empfehlenswert, wenn nicht ein Versehen bei der Verkabelung der PA geschehen ist findet sich hier sicher eine erhebliche Tatbeteiligung.

    Gruß, Bernd

    ----------------------------[---[--[-[IIIIIII]---------

    ich bezahle nicht fürs hinhören, ich baue Beschallungsanlagen

    Das SD12 Fliegetop ist bei gleicher Endstufe um durchgehend 3 dB lauter
    als "vorbekannte" 12"/1" Bauweisen.

    Der Bass CB18S ist der Beste

  • bernieserver
    Beiträge
    352
    • 11. Oktober 2009 um 23:32
    • #7

    Vielen Dank Bernd Häusler für die ausführlichen Hinweise. Die Hörner stehen noch immer im Lager und wurden noch nicht weiter geprüft, da jetzt eh erstmal die Sommersaison vorbei ist und andere Dinge Vorrang haben. (Beschallung ist nur ein privates Hobby) Ich denke im Herbst werde ich mich um die Hörner kümmern und darüber berichten.

    Aber bei der Dustcap habe ich schon im speakerplans.com - Forum gesehen, dass bei einigen die Kappe einfach abfiel, da die Kappe bereits auf die beschichtete Membran draufgeklebt wurde und nicht auf das unbehandelte Papier der Membran. Die Schwachstelle war dann wohl der Übergang Konus - Lack . Aber ich habe das schon auf der Party gecheck und mir ist da nichts aufgefallen. Aber natürlich werde ich jetzt alle Hörner nochmals ausführlich prüfen, die Chassis mal ausbauen und wohl auch mal die TSP Parameter messen. So kann ich Gewissheit haben und ich komme wohl mit ca. 200 Euro weg, was natürlich für einen Studenten viel ist, aber naja so ist es nun mal..

    Gruß

    Bernhard

  • bernieserver
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    352
    • 20. November 2011 um 14:20
    • #8

    So,
    nach über 2 Jahren habe ich das defekte Chassis mal auseinandergeschnippelt.

    Es war sehr mühsam, denn die Schwingspule hat sich in dem Spalt eingeklemmt. Die Ursache ist, dass sich der innere Ferritring aufgrund der Hitzeeinwirkung verschoben hat. Der Kleber ist wohl weich geworden..
    Es ist schade, dass ein so teueres Chassis keine Vorkehrungen dafür besitzt und den Ferritring z.B. mit einfachen Stahlstiften zentriert.

    Ich werde von einem Reconing erstmal absehen.

  • ukw
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    1.566
    • 12. Januar 2012 um 20:07
    • #9
    Zitat

    Die Ursache ist, dass sich der innere Ferritring aufgrund der Hitzeeinwirkung verschoben hat. Der Kleber ist wohl weich geworden..

    das ist allerdings sehr schwach ... Frag mal bei Seeburg oder Ciare,
    ob sie mit sehr günstigen Ersatzlieferungen das Vertrauen in die Marke/Chassis wieder herstellen wollen oder ...

    ... for a few dB's more . . .

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