Bevor ich in die Details gehe, noch folgende Anmerkungen:
Seit V443 läuft das Mischsystem SD8 bei mir äußerst stabil, d.h. von den ‚access violations‘, wie das im DiGiCo Jargon heißt, die in früheren Versionen leider vorkamen, konnte ich mit sehr viel „um die Ecke“ Betrieb zwischen Läppe und Pult schon in der V443 nur noch eine Einzige auslösen. Ich verstehe aber alle Kritiker, die sich mit früheren Versionen herumschlagen mussten und sich in diesem Zusammenhang über die schleppende update Politik geärgert haben, was für das image des Produkts in Deutschland nicht sehr nützlich war. In V532 ist es mir bis jetzt trotz intensiver Bemühungen nicht mehr gelungen, eine access violation zu erzeugen, was für mich als „late adopter“ hoch erfreulich ist.
Der Hersteller hat in seiner „Politik der seltenen updates“ unbedingt dahingehend Wort gehalten, dass updates echte major updates sind und dass man das Versprechen, per software eine so umfassende Produktpflege zu betreiben, dass man nicht ständig meint, ein neues Pult kaufen zu müssen, auch erfüllt. Das ist in eng beschriebenen 23 Seiten New Features Appendix beeindruckend dokumentiert, die ich zunächst herunterzuladen empfehle.
http://www.digico.biz/docs2/support/EkVuAkFZyEBOnagWIy.shtml
Nach Prüfung konnte ich feststellen, dass über 90% der Wunschliste, die ich Atlantic Audio nach Sammeln von Wünschen anderer user, eigenen Ideen und Wünschen aus dem Forum zusammengestellt habe, abgearbeitet wurden. Wir werden also ernst genommen.
Sehr angenehm finde ich in diesem Zusammenhang, dass Pultbesitzern der offline editor und das Manual einige Tage vor allen Anwendern zugänglich war, sodass man Gelegenheit hatte, seine Hausaufgaben ordentlich zu machen, bevor man auf dem Job mit einem Anwender konfrontiert wurde, der schon weiter war als man selbst. Die firmware update Prozedur für das Pult war dieses Mal stark vereinfacht.
Ich werde jetzt keine deutsche Übersetzung des Appendix liefern, nicht weiter darauf eingehen, dass man von den tollen Sachen wie den dynamic EQs, Multiband Comps, nun ein paar Instanzen mehr benutzen kann , und auch nicht auf die vielen kleinen Detailverbesserungen in den einzelnen Sektionen eingehen, sondern hier nur major Veränderungen beschreiben, so wie sie mir persönlich am Herzen liegen.
Channel Aux Send Panel
Tippt man auf den aux bereich eines input Kanals, öffnet sich jetzt ein querliegendes Fenster mit allen aux sends und alle input aux sends werden auf die darunter liegenden drei Encoderreihen, also auf bis zu 36 encoder verteilt und können nun im Sofortzugriff bedient werden. So muß man in dieser Betriebsart nicht mehr scrollen um eine session mit sehr vielen auxen abzuarbeiten. Selbstverständlich wandert das geöffnete Fenster mit der Kanalwahl mit. Sehr hilfreich gerade für Leute, die das vom PM5D für 24 auxe so gewohnt sind und nicht ständig scrollen wollen oder das als Alternative zu „Sends on Fader“ nutzen.
Digitubes
Ersetzen jetzt einen externen Röhrenpre oder ein waves plugin und klingen wirklich sehr fett.
Q Shapes
Eines der highlights der DiGiCo Konsolen inputs war bisher schon der EQ. Diesem hat man nun die clevere „precision“ Applikation spendiert, die in den einzelnen Filtern eine unsymmetrische Bedienung erlaubt, bei der der gleiche Filter beim Anheben breiter, beim Absenken jedoch schmäler arbeitet, eine Betriebsart, die ich nur von teuren Studiopult-EQs kenne.
Dynamic module Options
Zusätzlich zu den bisherigen Funktionen der zwei dynamic module in den in- und outputs gibt es jetzt einen Deesser, und einen Ducker und einen Compressor mit side chain und einem gleichzeitigen zusätzlichen, eigenen side chain EQ. Als side chain Quelle für den ducker und den Compressor können beliebige in- oder outputs gepatcht werden. Das erlaubt mir endlich den Verzicht auf etwas ext 19“. Stereokanäle erlauben bisher jedoch nur Monoquellen als key im side chain. Wenn für den key in / side chain eine Gruppe von inputs als Quelle benutzt werden soll, bitte eine mono Gruppe nutzen. Aus einer Stereogruppe kann man zwar scheinbar einen linken und einen rechten Kanal in den side chain einer „Stereozielgruppe“ routen, es wird jedoch immer nur der linke Kanal als key verwendet. Das wäre beim panning dann blöd.
Templates
Es war schon bisher möglich, im Windows eigene Templates abzulegen, allerdings hatten wir bisher während der Vorort Vorbereitung eines Jobs keine Lust ins windows hinabzusteigen, um ein Template aufzurufen. Das wurde jetzt dahingehend geändert, dass man zwar ins windows muß, um ein Template zu speichern, was sehr gut ist, da das verhindert, dass man ein template mal eben während eines Jobs versehentlich überschreibt. Man kann die Templates jedoch jetzt über ein Fenster wie das „Session-Aufruf -Fenster“ im Normalbetrieb ohne Abstieg ins windows auf der Bedienoberfläche abholen.
Session Structure
Es ist jetzt möglich in der Session Struktur frei festzulegen wie mono und stereo busse einander folgen und es kann bei der automatisierten Bankbelegung jetzt sowohl horizontal als auch vertikal abgevespert werden.
Report
Man kann jetzt aus dem offline editor session report einen perfekten patchrider drucken.
Channel list
Man kann jetzt aus der channel list heraus direkt in einem daneben aufpoppenden Kanalinputbereich, der freundlicherweise einfach mit wandert, ohne dass man die Liste nochmals verlassen muß, alles patchen. Das ist eine perfekte Mischung aus einer patch matrix und der Inputbedienung. So kann man z.B. während des patchens auch schon mal phantom zu oder weg schalten und es geht jetzt sehr flott.
Set Spill
Diese Applikation erlaubt jetzt zusätzlich zur völlig freien Belegung der Bänke z.B. per Macro buttons entweder, wenn man </= 12 Strips bleibt, die Anzahl der anwenderdefinierbaren Bänke zu erweitern oder bei einer Anzahl von Kanalstreifen > 12 die komplette Pultoberfläche während der laufenden session neu anzuordnen was entweder horizontal oder Vertikal links oder rechts der Mittelsektion auf dem Pult angelegt wird. Dieses feature bricht also die Bank-Struktur der Bedienoberfläche auf zu einer Art "Super-Bank".
Delay
Es wurde ein neues Delay ins FX Sortiment gepackt, das sehr elegant zu bedienen ist: Man dreht an einem encoder auf die gewünschte Anzahl von Wiederholungen und stellt an einem zweiten, „ramp“ genannt, ein, ob die Wiederholungen gleich laut ( Mittelstellung ), abfallend ( nach rechts ) oder lauter werdend, also invers ( nach links ) ablaufen sollen. Das geht sehr geschmeidig ! Die Delays können sowohl in den in- und outputs als auch in den Effekten jetzt auch im bpm oder meter angezeigt und eingegeben werden. Patcht man sich die Effekte , wie schon mal beschrieben, in die inserts der returns, poppt der Effekt wie normalerweise in den Aux Master Sends auf Drücken der PFL Taste auf und man sieht jetzt auch den Tap Button in der Encoderreihe blinken.
Multi Channels
Sind zum einen eine sehr geschickte „Summenbedienung“ für LCR und 5.1 Anwendungen. Darüber hinaus kann man hiermit Kanäle verlinken und einfalten, sodaß nur eine Art Summenkanal an der Bedienoberfläche bleibt. Anders als beim 'gangen' oder bei VCA Gruppen, ist es bei dieser Art von Gruppenbildung möglich, nur Teilbereiche der Kanäle miteinander zu verlinken und beim „Auseinanderfalten“ ( ein Knopfdruck ) ist sofort wieder die freie Bedienung der einzelnen Kanäle möglich.
Control Group Faders Control Aux Sends
Ist eine sehr schicke Bedienoption für den Monitormix, die Freunde einer anderen englischen Konsolenreihe aus K. schon kennen: Wenn man diese Art der Bedienung im Options Menue anwählt, flippen im Aux to Faders = „Sends on Fader“ – Betrieb alle VCA = Control Group Fader auf Mittelstellung. Danach kann man mit den Control Group Fadern Instrumentengruppen in einem einzelnen Aux Bus im in den Kanal Aux Reglern eingestellten Verhältnis lauter und leiser machen, was mit normalen VCAs/DCAs nicht, beziehungsweise nur für alle postfade Auxe gleichzeitig geht. Sehr schick, dass man „mach mah Schlagzeug lauter in mein Monitor“ nun mit einem einzigen Fader machen kann.
Darüber hinaus gibt es –zig weitere kleine und große Verbesserungen in den Snapshots, den Macros, dem Metering, den Options, der eh schon bisher sehr vorbildlichen SOLO Funktion u.s.w. Viel Spaß beim Ausprobieren.