Wahrscheinlich gehöre ich zu einer der Ersten, die gestern das Botex Lemon in Empfang nehmen durften.
Nach dem Auspacken war ich erst einmal sehr positiv angetan von Optik, Verarbeitung und Haptik. Das Pult wird im Gegensatz zu den anderen Billigheimern aus Fernost sehr solide, die Oberfläche wirkt gediegen und die Fader laufen angenehm. Das Pult wirkt durch das stattliche Display und die fast grazilen, aber gut zu treffenden Taster und Fader wesentlich größer, obwohl es in seinen Abmessungen dem kleinen MA Lightcommander und der Fernostkonkurrenz entspricht.
Ich habe auch gleich die VGA-Karte mitbestellt. Der Einbau erwies sich als unkompliziert, allerdings musste man die Blende kräftig in Richtung der Verschraubung ziehen. Ein kleiner Minuspunkt also bei der Verarbeitung. Schon in der Bedienungsanleitung wurde darauf hingewiesen, dass man die Bildlage am VGA Monitor (800*600) evtl. nachjustieren müsse. Leider mochte mein Monitor das Signal nicht, so dass etwa 10% rechts abgeschnitten bleiben - Sache für ein Update, das aber lt. Anleitung auch über USB für die Karte möglich ist. Zum Arbeiten kann man das Wesentliche aber erkennen. Die angezeigten Elemente sind übersichtlich (z.B. alle 48 Kanäle, Submaster, FX, GM) und wechseln je nach Modus.
Die klassische PAR-Sektion lässt sich im Presetmodus wie von anderen Pulten gewohnt, bedienen. Auch das Speichern der Submaster erweist sich als einfach, die farbige beleuchteten Taster helfen gut weiter. Die Submaster werden über einen eigenen Modus aufgerufen, wobei sich die Pageauswahl als (unnötig) kompliziert erweist. Das Programmieren von Lauflichtern (FX) geschieht ansonsten ebenso einfach. Das Abrufen über die FX-Tasten (gestartet/gestoppt wird mit einer eigenen Taste, die Geschwindigkeit von step und fade muss per Taster angewählt werden und kann NUR über einen Fader reguliert werden) ist gewöhnungsbedürftig, aber scheint mir halbwegs handelbar.
Bis jetzt alles so weit ganz gut. Aber an diesem Punkt ist momentan auch Ende. Das Einrichten der ML und LEDs Fixtures geschieht lt. Anleitung über den USB Stick. Dumm nur, dass es weder einen USB Stick anbei gibt, noch dass man irgendeine Quelle für die Fixturedateien findet. Eine vollkommen kryptische Anleitung, wie man ML Fixtures manuell anlegt, folgt, allerdings fehlt z.B. die Dateiendung, mit der zu speichern ist und der Aufwand für die Fixturedateien scheint immens und komplex. Es wird nämlich mit einer Art Fixturebeschreibungssprache gearbeitet, die wohl im Texteditor eingegeben werden muss. Das Beispielprotokoll für einen Cyberlight CX geht fast über eine eng beschriebene A5 Seite. Das kann so definitiv nicht sein; ich bin Lichttechniker und nicht Programmierer. Für die LEDs fehlt jeglicher Hinweis.
Ich habe gestern bereits den Botex-Importeuer B&K deswegen angeschrieben. Die ganze Lemon-Sache scheint von heißer Nadel gestrickt; auf dem Karton war nämlich ein Kleber von Lufthansa Luftfracht zu finden - wohl nicht der normale Versandweg für solch ein Produkt.
Übrigens: Wenn man der Bildschirmdarstellung glauben darf, lassen sich 12 statt 8 MLs steuern.
Fazit: Das Pult lässt sich hardwaremäßig in Anbetracht des Preises hervorragend an. Softwaremäßig muss umgehend - vor allem mit Fixturedateien und einem Fixtureditor - nachgebessert werden. Ich hoffe, dass die zur Verfügung gestellten Fixtures dann üppiger ausfallen, als das, was man für die anderen BOTEX-Produkte auf der Downloadseite findet. Das Pult hat definitiv gigantisches Potential - aber alle, die sofort mit MLs arbeiten wollen, sollten noch die Finger davon lassen.
Ich werde jedenfalls berichten, sobald es Neues gibt.