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Espresso - klein, stark, schwarz

  • Fux
  • 28. Oktober 2026 um 17:14
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    • 28. Oktober 2026 um 17:14
    • #1

    Espresso – klein, stark, schwarz

    Stets sind es neue Linearrays, große Horntopteile oder riesige Subwoofer, die unsere Aufmerksamkeit bekommen.

    Die Lautsprecher mit den meisten Einsatztagen sind jedoch meist nicht diese Superlative, sondern kompakte Multifunktionslautsprecher z.B. mit einer 8“/1“ Bestückung.

    Diese sind im Einsatz als kleine Topteile zusammen mit Subwoofern für kleine aber feine Veranstaltungen im gediegenen Rahmen, als Bühnenmonitore für den bekannten Kabarettisten, als Frontfills für die VIP Plätze der Theaterpremiere oder für die gute Sprachverständlichkeit auf Tagungen.

    Alles Veranstaltungen, bei denen es auf Qualität ankommt und man sich nicht mit irgendwelchen Brüllwürfeln die Kunden vergraulen möchte.

    Greift man bei der Auswahl eines solchen Lautsprechers also in die oberen Regale eines renommierten Herstellers, stellt man schnell fest, dass diese kleinen Universalisten ein nicht unerhebliches Loch in die Kasse reißen, zumal man davon selten nur zwei, sondern eher ein halbes Dutzend oder auch mehr davon braucht.


    Wer Lautsprecherselbstbau für betriebswirtschaftlich unsinnig hält, muss hier nicht, darf aber gerne weiterlesen. ;)

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:18
    • #2

    Überlegungen zur Bestückung:

    Um ein gleichmäßiges Abstrahlverhalten ohne „Tannenbaumcharakterstik“ zu erhalten sollen bei der Trennfrequenz der 8“er sowie das 1“ Horn den selben Abstrahlwinkel haben. Wenn das Horn horizontal mit 90 Grad abstrahlen soll, dann kommen wir mit der kleinen Tabellenkalkulation, die ich mir in Open Office gebastelt habe, zur erforderlichen Trennfrequenz:

    Anmerkung: Wenn jemand die Tabelle mit den hinterlegten Formeln haben will, einfach mir eine Nachricht schreiben.


    Horn & Treiber:

    Also für den 8“er und 90 Grad horizontale Abstrahlung wäre eine Trennfrequenz von 1700Hz ideal. 1“ Treiber die deutlich höher getrennt werden müssen fallen also raus.

    Das Horn muss, um bei dieser Frequenz schon auf 90 Grad bündeln zu können, mindestens 18cm breit sein. Dadurch fallen viele kleine 1“ Hörner schon mal weg.

    Als ein wohl recht guter und günstige neuerer 1“ Treiber, den man ab 1800Hz trennen kann und der im Wasserfalldiagramm keine langen Nachschwinger auf Grund von Resonanzen hat, ist mir der B&C DE360 aufgefallen. Auch bei den Verzerrungswerten hat dieser Treiber keine Peaks bei einzelnen Frequenzen. (vgl. Voice coil testbench von Vance Dickason)

    Was mich auch überzeugt hat ist, dass Ralf Limmer diesen ab 1,8kHz in Kombination mit seinem 870qx Coaxialhorn einsetzt, dessen 8“ Mitteltöner im Horn etwa 105dB/1w/1m macht.

    Das spricht schon einmal dafür, dass der kleine 1“ Treiber einer von der kräftigeren Sorte ist.

    Bei den 1“ Hörnern, die groß genug sind um den nominellen Abstrahlwinkel bis hinunter zu 1,8khz aufrechtzuerhalten, auch zu höheren Frequenzen hin keine größeren Unstetigkeiten im Abstrahlverhalten aufweisen und dabei nicht breiter als ein 8“ Chassis sind, wird es spätestens dann eng, wenn das Horn auch noch keine scharfen Knicke aufweisen (um Rückreflexionen zu vermeiden) und eine geringe Tiefe haben soll um das Schallentstehungszentrum des Treibers nicht zu weit hinter das Schallentstehungszentrum des 8“ Konuschassis zu schieben.

    Es soll die Kombination ja auch passiv trennbar sein, ohne dass man mit passiven Allpässen hantieren muss um eine lineare Phase im Bereich der Trennfrequenz zu bekommen.

    Da ich auch noch schaute, dass der Befestigungslochkreis vom Treiber zum Horn passt, blieben bei meiner Filterung exakt 0 Hörner übrig. :(

    Doch da stieß ich im rechten Moment auf das RCF HF101, dessen Lochkreis zwar auch nicht passt, aber da es am Hornhals eine abschraubbare Aluminiumplatte besitzt, kann ich in dieser den passenden Lochkreis ja auch selbst bohren.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:20
    • #3

    Midbass:

    Da ich für die Anwendung der Box als Monitor oder Topteil keinen 8“er brauchte der echten Bass macht (was bei einem kleinen 8“ Chassis, nur bei Verzicht auf hohen Wirkungsgrad möglich wäre) konnte ich ein relativ wirkungsgradstarkes Chassis aussuchen, das noch einigermaßen Hub macht, in einem kleinen Gehäuse relativ hoch abgestimmt werden kann und dadurch im Maximalpegel etwa eine halbe bis dreiviertel Oktave über der Tuningfrequenz keinen Einbruch hat.

    Da es auch einen leichten Neodymmagneten haben sollte, simulierte ich mal den relativ neuen 8MBX51 von B&C in einem kleinen Bassreflexgehäuse. (gleich mit ein paar Weichenbauteilen, um den Widerstand der Spule(n) vor dem 8“er zu berücksichtigen)

    Das sah sehr vielversprechend aus, also wählte ich diesen B&C 8MBX51 als Midbass.


    Die Zeit des Wartens auf die Lieferung überbrückte ich mit Simulationen in VituixCad, wobei ich für das Tracen des Frequenzgangs und des Impedanzgangs der Chassis wieder einmal auf die Herstellerdatenblätter zurückgriff. Wohl wissend, dass das mit dem DE360 verwendete ME20 Horn nicht meinem RFC HF101 entsprach, aber das ME20 hatte die selbe Tiefe, was mir für den Phasenverlauf bei der Trennfrequenz wichtig war. Die genaue Abstimmung der Passivweiche werde ich eh am Prototypen dann mit ARTA Messungen durchführen.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:22
    • #4

    Überlegungen zur Passivweiche:

    Da auf Grund einer gleichmäßigen horizontalen Abstrahlung eine Trennfrequenz von 1800Hz angepeilt war (vgl. oben), und der Schallentstehungsort (SEO) des Hochtontreibers etwa 8cm hinter dem des 8“ers lag, ergab sich folgende Rechnung: Bei 1800Hz ist die Länge einer vollen Schwingung (Schallgeschwindigkeit in m/s durch Frequenz) 343m/s durch 1800Hz = 0,19055m = 19cm.

    Der Versatz der SEO beträgt 8cm. 19/8 = 2,375.

    Das heißt der Versatz der SEO macht bei der Trennfrequenz eine Phasendrehung um 360Grad / 2,375 = 151,6 Grad aus, welche wir mit der Passivweiche irgendwie kompensieren müssen.


    Als Ausgangspunkt für die Dimensionierung einer Passivweiche nehme ich als Zielfunktion meist eine akustische Flankensteilheit (also die Kombination aus natürlichem Rolloff der Chassis und der elektrischen Filterfunktion der Weiche) von 24dB Linkwitz-Riley für Hochpass und Tiefpass.

    Da so ein 24dB Linkwitz-Riley Tiefpass bei der Trennfrequenz eine Phasendrehung von -180 Grad und ein 24dB Linkwitz-Riley Hochpass eine Phasendrehung von +180 Grad verursacht, heben sich diese auf, so dass man beide Wege gleich gepolt anschließen könnte, wenn es keinen Versatz der Schallentstehungsorte (SEO) gäbe.


    Nun haben wir weiter oben ja berechnet, dass durch die etwa 8cm Versatz der SEO bei der Trennfrequenz wir uns eine Phasendrehung von etwa 150 Grad einfangen. Verpolen (180Grad) wir nun den Hochtöner bleiben uns noch 180 -150 = 30 Grad Phasendifferenz.

    Diese Differenz von 30 Grad können wir kompensieren, in dem wir eine akustische Flankensteilheit etwas geringer ausfallen lassen.


    Ein Butterworth Hochpass dritter Ordnung (18dB/oct.) würde die Phase um +135 Grad drehen.

    Das ergäbe gegenüber unserem ursprünglichen Linkwitz-Riley Hochpass 4. Ordnung (24db/oct.) mit +180 Grad Phasendrehung eine Differenz von 45 Grad.

    Das wäre mehr als die gesuchten 30 Grad. Also legen wir uns mit unserer akustischen Flankensteilheit des Hochasses irgendwo zwischen die beiden Zielkurven von Butterworth Hochpass dritter Ordnung (18dB/oct.) und Linkwitz-Riley Hochpass 4. Ordnung (24db/oct.) bis die Phase bei der Trennfrequenz stetig durchläuft.


    Da der 8“er um die 3 khz einen ordentlichen Resonanzpeak hat, bevor er pegelmäßig mit den typischen 12dB/oct. Rolloff abfällt, wird er einen elektrischen Tiefpass dritter Ordnung brauchen, um insgesamt einen akustischen Tiefpass von 24dB/oct. zu erhalten.


    Ein paar Tage später kam das bestellte Sammelsurium an Teilen bei mir an.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:24
    • #5

    Überlegungen zum Gehäuse:

    Mit den Chassis, Horn, Hochständerflansch etc. konnte ich nun ein Prototypengehäuse entwerfen.

    Der Reflextunnel sollte als shelving Port ausgeführt werden und damit er dem Hochständerflansch unten nicht im Weg steht, wandert er nach oben oberhalb des Hochtonhorns.

    Dies hat weiterhin den Vorteil, dass das Horn um die Tunnelhöhe weiter vom überstehenden Deckel der Box wegrückt und somit weniger Reflexionen verursacht werden.

    Weiterhin wollte ich einen flachen Monitorwinkel von nur 35 Grad und gleich noch einen zweiten steilen Monitorwinkel von 55 Grad.


    Für die Prototypengehäuse verwendete ich billige 12mm Spanplatte.


    Die Passivweiche:


    Ausgangspunkt für die Passivweiche war die Simulation in VituixCad (mit dem ME20 Horn) die dann nur noch relativ gering bei den Messungen mit ARTA angepasst werden musste, um hauptsächlich die Unterschiede zum real verwendeten RCF HF101 Horn zu berücksichtigen. Weiterhin optimierte ich dabei den Frequenzgang dabei auf etwa 10 Grad off axis anstatt auf on axis wie in der VituixCad Simulation.


    (Die ganzen Schritte der Vorabsimulation in VituixCad als auch in beim Feintuning mit ARTA habe ich leider nicht dokumentiert, weil das den Arbeitsfluss in dieser spannenden Phase extrem bremst ;)


    Hier die endgültige Weichenschaltung:

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:29
    • #6

    Der Tiefpass:


    Beim Tiefpass dritter Ordnung fallen zwei Dinge auf:

    Zum einen ist die zweite Spule größer als die erste, was nach Lehrbuch genau anders herum sein müsste, und der Kondensator ist im Verhältnis zu den Spulen relativ groß.

    Dies war notwendig, um den tatsächlichen Frequenzgang der Targetkurve eines Tiefpass 24dB/oct. Linkwitz-Riley 1800Hz möglichst gut anzunähern und gleichzeitig den Impedanzanstieg durch die Schwingspuleninduktivität zu kompensieren ohne ein zusätzliches RC-Glied parallel zum Chassis zu benötigen.

    Wer sich über den 1,5 Ohm Widerstand wundert, der zwischen dem Kondensator des Tiefpass und Masse sitzt, hier einmal ein Graph mit und einmal ohne dieses Bauteil.


    Hierbei handelt es sich nicht um einen Peak des 8“ers, der kompensiert werden soll, sondern der ordentlich schräg abgestimmte bzw. stark konjugierte Filter würde hier einen starken Überschwinger machen, was durch den Widerstand abgedämpft wird.

    Um das zu demonstrieren hier mal nicht der Frequenzgang mit dem angeschlossenen Treibern, sondern die reinen elektrischen Filterfunktionen mit und ohne diesem 1,5 Ohm Widerstand.


    Noch eine Anmerkung zum Widerstand der beiden hintereinander geschalteten Luftspulen im Tiefpass: Mit zusammen 0,64 Ohm bleibt deren Widerstand noch unter der 10% Marke (Faustregel) für ein Basschassis und sie sind damit ausreichend niederohmig dimensioniert.

    Was aber auch erwähnenswert ist, ist dass dieser kleine „Vorwiderstand“ des Midbasses dessen Übertragungsverhalten im Bassbereich beeinflusst. Wie, das möchte ich hier mal darstellen:

    In schwarz die Version ohne Weiche und in rot mit Weiche.

    Wie man sieht zieht der Widerstand der Spulen von 0,64 Ohm den Buckel, der am unteren Übertragungsende durch das relativ hohe Tuning entstanden ist, gerade und ebnet auch im Grundton den Frequenzgang etwas ein.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Herr Nink
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    • 28. Oktober 2026 um 17:30
    • #7

    Vielen Dank Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:31
    • #8

    Der Hochpass:


    Beim Hochpass zweiter Ordnung ist die Beschaltung eigentlich ziemlich standardmäßig.

    Jedoch wird durch die Konjugation des Hochpassfilters (Verschiebung des Verhältnisses zwischen Induktivität und Kapazität) ein elektrisch sehr weit oben bereits einsetzender aber sehr flach verlaufender Rolloff erzeugt.

    Dadurch wird der typische „Mittenbuckel“ einer Horn-Treiber-Kombination gleich mit eingeebnet, ohne dafür einen extra Sperrkreis oder dergleichen zu benötigen.


    Der Spannungsteiler hinter dem Hochpass vor dem Treiber hat zur CD-Horn Korrektur den typischen Bypasskondensator parallel zum Serienwiderstand, der die Höhen etwas anhebt.

    Einmal die elektrischen Filterfunktionen mit Bypasskondensator zur CD Horn Korrektur und einmal ohne.

    (Der Buckel zwischen 7kHz und 10kHz rührt daher, dass die Simulation mit dem ME20 anstatt mit dem HF101 Horn gemacht wurde, und die für das HF101 Horn mit praktischen Messungen optimierte Weiche hier in die Simulation nachträglich zum Vergleich eingefügt wurde)

    Es mag etwas subtil aussehen, aber man hört es. ;)

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:32
    • #9

    Die „Schutzschaltung“:


    Da die Box im Monitorbetrieb ja vielleicht auch schnell mal ohne das passende Controllersetup betrieben wird, wollte ich für den 1“ Treiber mit seiner 1,5“ Schwingspule noch eine einfache dynamische Schutzschaltung in die Weiche einbauen.

    Ganz klassisch wählte ich hierfür zwei in Reihe geschaltete 12V Halogenglühbirnen mit 10W.

    Diese entsprechen bezüglich ihrer Trägheit bei Impulsspitzen in etwa der thermischen Trägheit der Schwingspule des Treibers. Will heißen kurze Impulsspitzen lassen sie durch und bei längeren zu hohen Signalen leuchten Sie auf und ihr Widerstand vervielfacht sich.

    Die beiden Lampen werden vor dem Hochpass positioniert, damit sich wenn sie hochohmig werden nicht die Trennfrequenz verschiebt. Der Kaltwiderstand der Lampen wird bei der Weichendimensionierung mit insgesamt 2,2 Ohm berücksichtigt und senkt den Hochtonpegel zusätzlich zum Spannungsteiler schon mal ab.


    Vielleicht interessiert es noch wie die „Schutzschaltung“ aus zwei Halogenbirnchen den Pegel absenkt, wenn die kleinen Birnchen dann „um Hilfe“ leuchten:

    Bevor die Birnchen durchbrennen können sie kurzfristig bei noch höherer Spannung den Hochtonpegel noch weiter absenken.

    Das Diagramm zeigt die Absenkung, wenn die Birnchen jeweils ihre Nennspannung von 12V abbekommen.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:37
    • #10

    Messungen:


    Das waren bis jetzt ja alles nur Simulationen, noch dazu mit dem „falschen“ ME20 Horn.

    Daher hier jetzt die Messungen mit ARTA und dem RCF HF101 am B&C DE360 Treiber.

    Im Bereich tiefer Frequenzen sind diese Indoor-Messungen nicht mehr exakt, was aber für die Weichendimensionierung bei einer Trennfrequenz von 1800Hz keine Rolle spielt.


    Da ich meine Lautsprecher immer auf etwa 10-15 Grad off axis anstatt auf Achse optimiere, hier der Frequenzgang und Phasengang unter diesem Winkel:


    Verpolt man nun den Hochtöner testweise, ergibt sich eine tiefe schmale Auslöschung genau auf der Trennfrequenz von 1800Hz. Auch die Phase macht dann dort entsprechend einen ordentlichen Schlenker.


    Hier nochmal ein paar Messung unter unterschiedlichen horizontalen Winkeln:


    Wegen dem Bassreflextuning nun noch zwei Messungen direkt auf Schallwandebene, einmal direkt am Tunnel (gelb) und einmal direkt am 8“ Chassis (grün).

    Wie man sieht, ist das Minimum beim vom Chassis abgestrahlten Schall bei etwa 67,4Hz und das Maximum beim vom Tunnel abgestrahlten Schall etwa 10Hz höher bei etwa 77Hz. Das ist ein Stück unter den in der Simulation angepeilten 90Hz Tuningfrequenz, was daraus resultiert, dass so ein Shelf-Port je nach Einbausituation andere Korrekturfaktoren hat und sich das Ergebnis nicht exakt vorhersagen lässt.

    Da es auf Grund des kleinen Gehäuses nicht genug Freiraum für das Werkzeug zum Kürzen des Shelfports am Prototypengehäuse gab, habe ich beim Bau des endgültigen Gehäuses diesen etwas verkürzt, nachdem ich die Verkürzung durch Interpolation mit verschiedenen Abstimmungsvarianten in AJ-Horn abgeschätzt hatte.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:39
    • #11

    Frequenzweichenbau:


    Nachdem die noch fehlenden und in der Prototypingphase zusammengepuzzelten Bauteilewerte eingetroffen sind, folgt nun die „Anprobe“ auf der Platine für das Layout.


    Hier die Umsetzung mitsamt Leiterbahnen von der Bestückungsseite aus gesehen:


    Jetzt nochmal von der Rückseite aus gesehen die Leiterbahntrennfräsungen:


    Und dann die fertigen Passivweichen nach der Bestückung:

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:43
    • #12

    Gehäusebau:


    Nach der „Machbarkeitsstudie“ am Prototypen ging es an den realen Gehäusebau mit ein paar mechanischen Änderungen gegenüber dem Prototypen.


    Usprünglich war ein Zwischenboden mit dem Hochständerflansch und zwei Speakons um 35mm in den Boxenboden eingelassen und zusätzlich auf einer der Rückwandschrägen zwei weitere Speakons versenkt montiert.

    Das war aber vom verbleibenden Platz her für die Finger beim Ein- und Ausstecken der Speakons ergonomisch voll daneben.

    Daher kam ich auf die Idee des tiefen diagonalen Ausschnitts auf der Rückseite, der in beiden Monitorpositionen als auch im Betrieb als Topteil gestackt oder auf Hochständer oder geflogen an den M10 Gewinden optimale Zugänglichkeit zu den Speakonanschlüssen gewährleistet. Obendrein reichen jetzt zwei anstatt der ursprünglichen Speakonbuchsen, was auch den Verdrahtungsaufwand reduziert.

    Zusätzlich werden die beiden größten Flächen der Box durch diese rückseitige Einbuchtung extrem versteift.


    Lackiert wurde nach dem Vorstreichen der schlecht zugänglichen Stellen mit Warnex Strukturlack und einer feinen Schaumstoffrolle. Das zweite Mal rollen auch mit der selben feinen Rolle und mit keiner gröberen, da die etwas feinere Struktur ganz gut zu dieser kleinen Box passte.


    Die „Füllung“ mit angetackerter Polyesterwatte wurde zu etwa 20-25 Prozent ausgeführt und dabei natürlich der Weg von der Membranrückseite zum Tunnel frei gelassen.


    Die auf dem folgenden Bild erkennbare diagonale Dreiecksversteifung der Schallwand hat ein großes Loch, welches an der Unterseite mit ordentlich Polyesterwatte unterfüttert ist, um stehende Wellen im Gehäuse etwas zu bremsen, die dort einen Schwingungsbauch haben.

    (Die auf dem Bild sichtbare Polyesterwatte hinter dem Shelf Port ist weit genug hinten um die Strömung zum Tunnel nicht zu behindern)

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:47
    • #13

    Gitter:


    Da ich den Schaum nicht vor dem Lautsprechergitter haben wollte, damit er besser geschützt ist und gleichzeitig die Box hübsch aussehen sollte, das Gitter die Schallabstrahlung möglichst wenig behindern und auch keine unnötigen Interferenzeffekte im Hochton hervorrufen sollte, fiel die Wahl auf ein 1,5mm Stahllochblech mit versetzter Rundlochung, 8mm Lochdurchmesser und 2mm Stegbreite. (RV8-10)

    Der Durchlassgrad bzw. freie Anteil des Gitters beträgt 58%.

    Das Gitter ließ ich nach dem Zuschneiden, Biegen und Abkanten in Feinstruktur Mattschwarz pulverbeschichten.


    Mit 5mm Akustikschaum hinterlegt, sieht das dann so aus:


    Zum Verschrauben fand ich mit einem extrem dünnen Kopf (1,3mm), der im Durchmesser mit 9,5mm größer als die 8mm Löcher im Lochblech ist und der einen Torx Antrieb besitzt, leider nur 5mm dicke Edelstahl-Blechschrauben mit schwarzer Beschichtung und keine Holzschrauben, bzw. Spax-Schrauben. Mit 3,5mm vorgebohrt vertrugen sich die aber auch mit meinem Multiplexholz.


    Hier in der flachen 35 Grad Monitorstellung für die Aufstellung nah am Musiker:


    Und so in der steilen Aufstellung z.B. für tiefe Bühnen:

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:49
    • #14

    Intermezzo:


    Völlig überraschend kam dann hier die Meldung, dass es eine neue XANDER Bassboxen Simulationssoftware online gibt, welche ich natürlich sofort ausprobieren musste.


    An dieser Stelle nochmals vielen Dank an den Entwickler, der innerhalb kürzester Zeit meine Anregung des zusätzlichen Besselfilters tatsächlich umgesetzt hat!


    Dank dieser Erweiterung hier gleich mal die Simulation der „Espresso“ Box mit einem 82Hz Bessel Lowcut 4. Ordnung:

    Wie man gut erkennen kann bleibt auch bei 500W Leistung der B&C 8MBX51 im gesamten Übertragungsbereichs innerhalb seines X-max.

    Die Gruppenlaufzeit ist für eine Bassreflexkonstruktion ganz hervorragend, aber die Luftgeschwindigkeit am Port ist um die 100Hz eigentlich mit gut 45m/s schon deutlich zu hoch.

    Wenn man die Box z.B. als Gesangsmonitor oder Sprachbox nutzt wird das nicht viel ausmachen.


    Will man die Box aber als Topteil mit einem Bass darunter pegeltechnisch ausreizen, sollte man hoch genug trennen, um diese Klippe zu umschiffen. Daher hier die Simulation für eine Trennung bei 130Hz mit einem 24dB/oct. Butterworth Filter 4. Ordnung:

    Nun sieht man schön, dass die Luftgeschwindigkeit am Port auf etwa 22 m/s zurückgegangen ist, das X-max bei 500W gar nicht mehr ausgereizt wird und die Gruppenlaufzeit zwar etwas höher geworden ist, aber es m.E. noch nicht kritisch ist.


    Diese XANDER Simulation ist m.E. ein praktisches Tool, das sich auch auf Grund seiner einfachen Bedienbarkeit sicher schnell weiter verbreiten wird.

    Viele Grüße,
    Fux

  • Fux
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    • 28. Oktober 2026 um 17:54
    • #15

    Outdoormessungen:


    Dank eines warmen Herbsttages habe ich noch ein paar Messungen Outdoor in 2m Höhe auf Stativ zum Feintuning am Controller vornehmen können.


    Die Messung wurde wieder horizontal etwa 15 Grad off axis durchgeführt, da ich nicht auf Hauptachse optimiere. (Unter 200Hz einfach nicht beachten, da das wegen der zeitlichen Fensterung nicht mehr aussagekräftig ist)

    Was mir hier noch wichtiger als der praktisch ebene Frequenzgang ist, ist dass man die Trennfrequenz an der Phase überhaupt nicht erkennen kann.


    Dann nochmal eine Kurvenschar des Frequenzgangs unter verschiedenen horizontalen Winkeln: (0 bis 60 Grad horizontal in 10 Grad Schritten)


    Die entsprechenden Contollereinstellungen in meinem alten Xilica Controller:

    Beim EQ Setting am Bedienpanel nicht sichtbar, aber in der Kurve mit dargestellt ist der gesetzte 24dB/otc. Besselfilter als Lowcut bei 82Hz..


    Falls man es schlecht im Bild erkenne kann hier noch einmal das Controllersetup zusammengefasst:

    Highpass Bessel 24dB/oct. 82Hz

    -1,5dB 320Hz 0,2oct.

    -3,75dB 700Hz 0,45oct.

    -2dB 1100Hz 0,4oct.

    -3dB 4600Hz 1,15oct.

    -2dB 8200Hz 0,38oct.

    Und weil es gar so schön bunt aussieht, hier das Sonogramm für das horizontale Abstrahlverhalten:


    Fazit:


    Ich bin rundherum zufrieden mit der Performance und dem Preisleistungsverhältnis dieser Konstruktion.

    Für mich habe ich damit die gesetzten Ziele wie gleichmäßiges Abstrahlverhalten, linearer Phasengang, ebener Frequenzgang und Pegelfestigkeit erreicht.


    Die Box wiegt 9,2kg bei Verwendung von 15mm Multiplex.

    Hier könnte man pro Box bei der Verwendung von 12mm Material noch etwa 0,7kg einsparen.


    Mit den ganzen Winkeln etc. war für mich das Verbinden der Holzplatten mittels Flachdübeln bei 15mm Holzstärke aber einfacher und stabiler auszuführen und so schwer sind ja 9,2kg nun auch nicht.

    Maße (B x H x T): 24cm x 44,5cm x 26,5cm.


    Wer die Box nachbauen möchte, oder noch Fragen hat, nur zu!


    Espresso – klein, stark, schwarz

    Viele Grüße,
    Fux

    Einmal editiert, zuletzt von Fux (28. Oktober 2026 um 18:44)

Anstehende Termine

  • Kombiseminar Sachkundiger für Anschlagmittel und Traversensysteme (AnschlägerPlus)

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