Ich möchte hier gern einmal zwei Anlagen gegenüberstellen, die ich kürzlich beide unter sehr ähnlichen Bedingungen live hören und erleben konnte. Ich sag mal nicht wo, da ich hier niemanden anschwärzen möchte, sondern nur das erlebte wiedergeben...
Die Arbeitsbedingungen:
Beide Systeme beschallen einen Dance Floor mit ca. 120-140m² aus vier Punkten. Programm ist House und Techno Musik mit ordentlich Pegel. Zielgruppe ist eher "anspruchsvoll", da im Normalfall nicht allzu druff, und damit voll "hörfähig". Die Venues sind akustisch ähnlich, die des älteren Systems vielleicht ein wenig halliger (da höher)...
Die Kontrahenten:
A) Das Oldschool System. Es kommt von Seeburg Acoustic Line, und besteht aus vier TKE212 (doppel12"/2"horn) und vier E218 (doppel18"horn). Angetrieben wird die PA von zwei Camco DL3000 Amps im 2Ohm-Betrieb, angesteuert über einen Seeburg SP2 Analog-Controller. Davor hängen lediglich ein analoger TerzbandEQ englischer Herkunft und ein analoger HÖF Limiter. Die Kabel sind mit ca. 15 - 20m sehr, sehr lang. Die RMS-Belastbarkeit der PA liegt bei ca. 6kW.
B) Das High End System. Es ist ein X-Array System von Electro-Voice. Aufgefahren sind vier Tops Xi1183-64 (18"aus/12"horn/2"horn), acht Subs Xi2181 (doppel18"bandpass) und acht Infras Xi1191 (single18"bandpass). Befeuert wird die Anlage mit nicht weniger als zwei Crest CA12 und fünf Crest CA18 im 4Ohm-Betrieb. Angesteuert wird mittels zweier, digitaler Controller EV DX38. Des weiteren sind noch zwei Behringer DEQ2496 drin, die als digitale EQs und Limiter arbeiten. Die Kabel sind mit 5-10m schön kurz gehalten. Die RMS-Belastbarkeit des Systems liegt bei über 17kW.
Der Live-Eindruck:
Das alte Seeburg Top ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Es klingt zwar durchgehend ausgewogen, ein bisschen scharf vielleicht, aber es fehlt ihm eindeutig an Brillianz und Klarheit. Bei hohen Pegeln erzeugt der 2"er schon ordentlich Partialschwingungen und klingt damit manchmal fast "weiß". Auch im Mid-Bass Bereich hat das EV-Top noch guten Vorsprung, wo es deutlich mehr Punch erzeugt als das doppel12" Horn von ACL, und auch deutlich tiefer geht. In den Mitten hat das ACL zwar mehr Pegel, aber das alte doppel12"-Coaxhorn klingt nicht so weich wie das moderne von EV.
Die vier Seeburg Basshörner sehen mit ihren acht 18Zollern gegen die insgesamt 24 18Zoller von EV eigentlich fast winzig aus. Sie liegen zusammen als kompaktes Subarray längs zum Dance Floor. Die EV Bässe dagegen stehen als imposante Türme in den vier Ecken unter den Tops. Das erschreckende jedoch ist, dass bei der EV Anlage kaum Druck aufkommt! Die EV Subs klingen zwar recht sauber und trocken - die bei der Menge auf der kleinen Fläche zu erwartenden Erdbeben bleiben aber völlig aus! Solange die Hütte leer ist, kann man ein wenig Bumm Bumm verspühren. Bei vollem Haus bleibt davon aber nicht viel übrig... Das schmächtige ACL-Monocluster dagegen macht auf Anhieb Spaß! Geht zwar nicht ganz so tief, ist aber sehr druckvoll und einfach fett, dass die Bude wackelt!!! Der Klang der Seebürger ist ein wenig schwammig, was man aber glaube ich eindeutig den extrem langen Kabeln bei 2Ohm anlasten muss. Dennoch: da aus den ACL Basshörnern mal wirklich was herauskommt, ist die Unsauberkeit fast nebensächlich. (Hier im Forum wurde mal bemängelt, dass die E218 nur 98dB Wirkungsgrad hat: Ja, im Vollraum stimmt das auch, dafür ist sie für ein Horn mit 46Hz sehr tief abgestimmt..).
Das Fazit:
Die Konzepte und vor allem die Lösungen sind sehr verschieden. Der eindeutige Gewinner im Bezug auf den "Spaßfaktor" ist beeindruckender Weise das Seeburg Acoustic Line System. Zwar läuft die Anlage nur mit analoger Elektronik, und sieht einwenig "altmodisch" aus, klingt jedoch für ihren Zweck ausreichend gut, und sehr kräftig. Nach Auskunft des Betreibers, der die ACL Anlage vor sieben Jahren gebraucht gekauft hat, gab es bis heute lediglich einen 2"er, und ein Einschaltrelais in den 1988er Camco Amps zu reparieren. Und das trotz dessen, dass die Anlage jedes Wochenende "volle Kanne" läuft!!! Das ist mal eine Qualitätsaussage wie man sie sich wünscht! Der Betreiber des EV Systems hat in den letzten zwei Jahren auch nur einen 2"er verloren, was bei einer derart konservativen Beanspruchung aber nicht ungewöhnlich ist... Dafür schleppt er für jede VA einen riesigen Haufen teures Holz mit sich herum. Das Ergebnis ist zwar sauber, aber Elend langweilig...
Eure Meinungen bitte! Grüße und ein erfolgreiches, neues Jahr!