Im Soundcraft-Thread wurde gerade der enorme Preis der A&H-Havarieschaltungen thematisiert, und daß man so etwas leicht selbst bauen kann. Da meine Gedanken sich auf alle Pulte beziehen und sich weit vom eigentlichen Thema des Threads entfernen, hier gleich ein neuer Thread.
Unter einer Havarieschaltung verstehe ich hier ein Netzwerk von Dioden, an das zwei Netzteile angeschlossen werden können, die beide im Betrieb sind. Dies hat den Vorteil, daß der Betrieb unterbrechungsfrei weitergeht, wenn ein Netzteil ausfällt, und im Idealfall werden beide Netzteile nur zu 50% belastet, bleiben dadurch kühler und leben damit länger.
So weit so gut. Aber wann fällt ein Netzteil aus?
1.) Ein Spannungsregler (im Folgenden wollen wir mal ignorieren, daß ab einer bestimmten Leistungsklasse so etwas diskret aufgebaut ist; die Ausführungen gelten dann analog) wird zu heiß und regelt deswegen runter. Hier hilft die Havarieschaltung gleich doppelt, weil durch die Belastungshalbierung die Wahrscheinlichkeit dieses Defektes minimiert wird.
2.) Ganz profane Unterbrechungen wie Kabel abgerissen oder kalte Lötstelle. Hier hilft die Havarieschaltung auch.
3.) Spannungsregler geht durch, somit liegt erhöhte, unstabilisierte Spannung an, hoffentlich überleben's die OPs. Havarieschaltung hilft hier nichts.
4.) Ausfall der Stromversorgung am Mischpult ("Depp zieht Stecker"). Prinzipiell könnte man sich dagegen absichern, indem man zwei Stromleitungen zum Pult legt und die Netzteile auf die beiden Stromkreise verteilt. Outboard-Equipment hat dann hoffentlich ein Bypass-Relais...
5.) Überspannung auf der Stromversorgung, sei es durch nicht oder falsch angeschlossenen Nulleiter, sei es, daß ein Aggi davonläuft.
Wenn das Netzteil amtlich aufgebaut ist, dann nimmt es da nur eine Feinsicherung. Die nimmt es aber in beiden Netzteilen. Und danach ist erst mal Schicht. (Wer hat schon die passende Feinsicherung dabei? Wer würde sich in einer solchen Situation trauen, die zu brücken?)
Was passiert aber, wenn es den Netztrafo nimmt? (Und sei es, weil vor drei Jahren mal die Vorsicherung gebrückt wurde...) Wenn es ihn logischerweise in beiden Netzteilen nimmt? Feinsicherungen während des Aufbaus, das läßt sich wieder hinbiegen. Beide Trafos während des Aufbaus dürfte ziemlich unangenehm werden. Beide Trafos während der Show? Allenfalls noch Frontmix vom Monitorpult aus.
Der langen Rede kurzer Sinn:
1.) Während der Aufbauphase ist es durchaus eine Überlegung, nur ein Netzteil zu betreiben. Wenn irgendwas auf dem Strom ist, dann bleibt wenigstens ein Netzteil heil.
2.) Wenn man schon Geld für ein zweites Netzteil und 'ne Havarieschaltung ausgibt, dann könnte man auch über Überspannungsschutz nachdenken.
3.) Wenn es der Etat zuläßt, könnte man auch über ein drittes Netzteil nachdenken, oder über 'ne USV aus der Computertechnik. (Letzteres hätte den Vorteil, daß man ein paar Minuten Zeit zur Fehlersuche hat, wenn die Stromversorgung unterbrochen wird.)