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Wie funktionierte Lautsprecherentwicklung ...

  • tufkadib
  • 13. Februar 2007 um 16:20
  • tufkadib
    Beiträge
    2.687
    • 13. Februar 2007 um 16:20
    • #1

    ... in der Zeit vor Thiele & Small und, noch wichtiger, in der Zeit vor aufwendigen Simulationsprogrammen?

    Ich habe mich vorhin auf die Seite von Altec verlaufen. Irgendwie müssen die ihre Posaunen von Jericho ja auch berechnet haben. Die alten Datenblätter sind auch interessant, allerdings läßt sich dort der Hersteller nicht über TSP aus.

    Funktioniert haben müssen diese Ungetüme. Ich kann mich an meine NVA-Zeit erinnern, da standen ganz ähnliche Konstruktionen im Kulturhaus hinter der Kinoleinwand.

    Ich habe dann mal noch ein wenig herumgelesen, die Lautsprecher hatten früher irgenwie größere Magneten, aber kürzere Spulen. Heute soll es umgekehrt sein.

    Ich würde in dieser Hinsicht gern dazulernen. Wenn jemand von euch so geduldig wäre, mir die Feinheiten der Lautsprechertechnik in vielleicht 5000 Zeilen ( :wink: ) nahezubringen?

    MfG

    DirkB

  • 00Schneider
    Beiträge
    612
    • 13. Februar 2007 um 16:43
    • #2

    Ich kenn das eher andersrum, heute sind die Magneten größer. Oder ist mit größer nur Durchmesser und nicht Tiefe gemeint?

    Früher wurde Alnico als Magnet verwendet, das hat höhere Feldstärken und deshalb waren die Magnete kleiner. Mitte der 80er (?) wurde zunehmend auf Ferrit umgestellt, aus u.a. kostengründen (gab sicher noch einen anderen der mit gerade nicht einfällt - verlieren nicht so leicht ihren Magnetismus?). Um die gleichen Feldstärken zu erreichen muss der Magnet eben (viel) größer sein.

    Lautsprecher verstärken die Stimme, aber nicht die Argumente.

  • manuela
    Beiträge
    9.103
    • 13. Februar 2007 um 16:59
    • #3

    noch früher - gabs welche mit einem U-Magneten drauf, dürfte simples Eisen sein, und auch Speaker mit einem sehr hochohmigen Elektromagneten der mit der Anodenhochspannung der Verstärkeranlage permanent gespeist wurde.
    Die Nachfolger davon dürften die AlNicos sein,
    dann kamen die Ferritmagneten und die Innovation mit doppelter Leistung dasselbe zu erreichen aber nicht mehr :wink:

    die Feuerzeuge der Gäste sind kleine Sterne die am Himmel unseres Alltags weiterleuchten.

  • unknown_artist
    Beiträge
    2.849
    • 13. Februar 2007 um 18:48
    • #4

    http://www.quarter-wave.com/
    Für sehr verregnete Winter und Herbst Wocheenden mit viel Langeweile :D
    Hab mal mit dem Spaß angefangen - zusammen mit einem Buch über technische Akustik kommt man schon weiter - aber irgendwie für normalmenschen etwas hardcore :D

    Für eventuell enthaltene Ironie übernimmt der Verfasser dieses Beitrags keine Haftung

  • ukw
    Verifiziert
    Reaktionen
    6
    Beiträge
    1.566
    • 13. Februar 2007 um 20:03
    • #5
    Zitat

    Wie funktionierte Lautsprecherentwicklung ...

    Man könnte auch fragen:
    Wie funktionierte Pyramidenbau ? Ohne Lasernivieliergeräte, ohne hydraulische Baufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, ohne Pentium XX
    Wie berechnete Eratosthenes ca 200 vor Chr. den Erdumfang - wo die Schlauen im Mittelalter noch an die Erdscheibe glaubten ?

    Interessanter als das "Wie" ist das "Warum" :roll:
    Die Frage wie man ein Problem technisch löst entsteht erst, wenn man eine Frage stellt aus der sich das Problem ergibt :idea:

    Neben den Herren von Altec / Lansing sollte man ruhig auch die Amerikaner Edward Kellog und Chester Rice erwähnen (Western Electric) ,
    den Siemens Blatthaller (aus mir unverständlichen Gründen konnte der Air Motion Transformer von Oskar Heil 45 Jahre später "erfunden" und zum Patent angemeldet werden. 8) )
    und natürlich - seit 1930 - die Jungs von E.Fritz & Co aus Berlin - später bekannt unter dem Nahmen Isophon.

    Die Frage nach dem Chassis stellt sich erst nach den Fragen :
    Wie erwecke ich den konservierten Schall zum Leben ? (Grammophon)
    Wie übertrage ich die menschliche Stimme über große Distanzen (Telephon)
    Wie halte ich eine Rede die auch von 100.000den gehört werden kann oder bedröhne Aufmärsche mit Tschigderassa Marschmusik? (Propaganda-phon) => PA

    Die zu der Zeit entwickelten Lösungen bestimmen im Grunde auch noch die heutigen Konstruktionen.
    Selbstverständlich gibt es seit etwa 25 Jahren zunehmend mehr tieffrequente Schallanteile und auch leistungsfähigere Verstärker mit Halbleitertechnik.
    Zuletzt längere Schwingspulen - aber wirklich gundlegend hat sich nichts geändert.

    Damals wie heute geht es in erster Linie um die Membrane.
    ... um den Antrieb der Membrane.
    ... um die angetriebene Membrane im Gehäuse.
    ... um die angetriebene Membran im Gehäuse mit "Hilfsmitteln" zur wirkungsvollen Schallabstrahlung.

    ... for a few dB's more . . .

    Merkel's Kommentar zu Finanzminister Schäuble und den 100.000,- DM

    Einmal editiert, zuletzt von ukw (13. Februar 2007 um 21:32)

  • tufkadib
    Beiträge
    2.687
    • 13. Februar 2007 um 20:40
    • #6

    Nun, mir ging es wirklich um die Vorgehensweise. Hat man da ein Lautsprecherchassis genommen und, sagen wir 50 verschiedene Gehäusemuster gebaut und dann gemessen?

    Ich frage aus gutem Grund. Ich hatte vor paar Wochen ein älteres Radiobastelbuch (Schubert) vor mir. Dort drin war auch eine Baßreflexbox beschrieben. Die Größe des Reflexloches wurde, wenn ich mich recht entsinne, nur auf die Größe des Lautsprechers und des Gehäuses bezogen.
    Das erschien mir zu primitiv.
    Vielleicht liegt es auch mit daran, daß zum Erscheinen des Buches die Lautsprecher alle noch hart aufgehängt waren.

    MfG

    DirkB

  • lok1414
    Reaktionen
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    287
    • 13. Februar 2007 um 21:07
    • #7
    Zitat von "DirkB"

    Ich würde in dieser Hinsicht gern dazulernen. Wenn jemand von euch so geduldig wäre, mir die Feinheiten der Lautsprechertechnik in vielleicht 5000 Zeilen ( :wink: ) nahezubringen?

    MfG

    DirkB

    5000 Zeilen schaffe ich nicht, aber wenn Du einmal unter den "alten" Marken durchoogelst, kommst Du von einem zum nächsten. Altec verweist ja schon auf JBL, daneben kannst Du evtl. unter shearer etwas finden, oder auch illustres unter Telefunken, Radiomuseum, isophon etc. etc.

    Die Entwicklungswerkzeuge der damaligen Zeit waren: Wissen, Gehirn, Rechenschieber, Tabellenbücher, Nomogramme und das Bestreben, aus der kostbaren geringen Verstärkerleistung das maximale herauszuholen. Ach ja, Bell wäre auch ein Begriff, oder Vitaphone 555-W.
    Schon damals gab es beeindruckende Treiber.

    Ob Magneten früher größer oder kleiner waren - kommt ganz darauf an, welches Material, Einsatzzweck usw.
    Sogenannte Großlautsprecher hatten nicht solch lange Schwingspulen wie heutige Tiefbaßreproduzenten, sondern eher die Energie im Magnetspalt konzentriert, für max. Wirkungsgrad bei rel. harter Einspannung. Hierbei traten z.T. auch gewünschte Effekte auf wie Eigenschwingungen der Membran unterhalb der anregenden Frequenz, wer ein großes altes Röhrenradio besitzt kennt diesen Effekt als "Bass".

    Die TSP dieser Chassis würden heute Erstaunen hervorufen, ob ihrer Tauglichkeit zu überhaupt irgendetwas. :shock:
    Sie waren das Ergebnis, auch mit kleinen Antrieben ein großes Ergebnis zu erzielen - free air nennt man heutzutage den Einsatzbereich solcher Chassis (Röhrenradio, Gitarrenverstärker ...)
    Viel Spaß beim suchen
    Lok1414

    edit: sehe gerade, daß ukw schon viele wichtige Namen der Vergangenheit aufgezählt hat, den Blatthaller würde ich besonders beachten, ein beeindruckendes Gerät.
    Zum Messen: die Leute hatten damals noch viel mit den Ohren gehört .... :D

  • DerNub
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    1
    • 13. Februar 2007 um 23:23
    • #8

    In der Physik wurden sehr viele Akkustische Grundlagen so
    um die Letzte Jahrhundertwende gelegt. Dazu gehört natürlich
    auch die Elektroakustik.
    Die Simus von heute sind ja zum Großteil auch "nur" implemtierte
    Formeln, von denen viele nicht allzu neu sind...
    Zum Bleistift diese Quarter Wave Seite, da wird ja auch alles
    zu Fuß gerechnet - und dann erst, dass Erbebniss nach Mat Lab
    transportiert...und im Verhältnisszu dem was 1920-1950 so gerrechnet
    wurde ist das echt pipifax :wink:

    mal nen Stichwort zu den Pionieren: Websters Horn Equation (?1919?)

    Die Leute die hier noch (oder schon) in der Uni sind können sich ja mal
    den Spaß machen alte Papers durch zu gucken, da gibts schon Einiges

  • manuela
    Beiträge
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    • 14. Februar 2007 um 08:33
    • #9
    Zitat von "DirkB"

    Nun, mir ging es wirklich um die Vorgehensweise. Hat man da ein Lautsprecherchassis genommen und, sagen wir 50 verschiedene Gehäusemuster gebaut und dann gemessen?

    Ich frage aus gutem Grund. Ich hatte vor paar Wochen ein älteres Radiobastelbuch (Schubert) vor mir. Dort drin war auch eine Baßreflexbox beschrieben. Die Größe des Reflexloches wurde, wenn ich mich recht entsinne, nur auf die Größe des Lautsprechers und des Gehäuses bezogen.
    Das erschien mir zu primitiv.
    Vielleicht liegt es auch mit daran, daß zum Erscheinen des Buches die Lautsprecher alle noch hart aufgehängt waren.

    MfG

    DirkB

    Der Lautsprecher gehörte zur Familie derer die für hinten offene Systeme konstruiert waren. Seine mechanische Leistung war garnicht großgenug, um im Falle eines unfachgerecht bemessenen BR die Membrane zu beschädigen, somit kam es auf den Rückhalt durch richtige Auslegung auch garnicht an. Der wäre sogar ausgebaut auf dem Tisch noch gut gelaufen, mit seinen 3 Watt. Das Dampfradioprinzip liefert dazu Beispiele, zB der Loewe Apollo, hat sogar 2 Bassrutschen eingebaut (aus Pappe :)

    die Feuerzeuge der Gäste sind kleine Sterne die am Himmel unseres Alltags weiterleuchten.

  • tufkadib
    Beiträge
    2.687
    • 14. Februar 2007 um 11:39
    • #10

    Ach so. War das eigentlich generell früher bei Lautsprechern so, daß die eigentlich für offene Gehäuse gedacht waren?

    MfG

    DirkB

  • manuela
    Beiträge
    9.103
    • 14. Februar 2007 um 13:38
    • #11

    schwierige Frage.

    Bei Systemen kleiner und mittlerer Leistung wars gewiß so.
    Es gab nauch große Konstruktionen, wenn ich da zB an die riesigen Hornbauten in alten Kinos denke, und ob die eine offene oder ventilierte oder geschlossene Rückkammer hat, bin da echt überfragt.

    Ich hab noch 2 alte "PA Lautsprecher", sehen aus wie Cases und haben je 2 sehr große Pappen drin, hart aufgehängt mit einem kleinen freitragenden Pappentrichter in der Mitte der wohl die Hochtöne machen soll. Pro Kiste sind 100 Watt erlaubt, was nicht grade heftig ist, der Wirkungsgrad dieser boxen liegt aber wiederum jenseits von 100, sie machen bezogen auf ihre hundert Wättchen einen Riesenradau, und sogar wohlklingend. Die sind hinten zu.

    Es gab also alles. :wink:

    die Feuerzeuge der Gäste sind kleine Sterne die am Himmel unseres Alltags weiterleuchten.

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