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'enge Niere', fake oder möglich ?

  • guma
  • 13. Oktober 2009 um 20:17
  • guma
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    • 13. Oktober 2009 um 20:17
    • #1

    In der 'reinen Lehre' bei Doppelmembrankondensatormikros und der Methode wie über deren Polarisierung die Richtcharakteristik erzeugt wird, gibts das natürlich nicht. In Kleinmembranmikros, bei denen die Dimensionen sehr festgelegt sind und weder das Prinzip noch die Geometrie viele Möglichkeiten für akustische Dämpfungen oder multiple Ports zulässt, gehört das auch nicht zum "Repertoire".

    Aufgefallen ist mir jedoch in den Hersteller-Polardiagrammen einiger dynamischer Mikros, dass es Typen geben soll, deren seitliches Einsprechverhalten sich über einen weiten Frequenzbereich 'eng' wie eine Super- oder Hyperniere verhält, eine typische rückwärtige Aufnahme wie für Superniere oder Hyperniere üblich, bis auf den kleinen "Supernierenanteil" für hohe Frequenzen, wie er tendentiell bei allen Nieren vorhanden ist, fehlt.

    Aufgefallen war mir das vor Jahren, als ich das Audix D3 zum ersten Mal für die Snare benutzt habe, wobei die Audix-Polardiagramme in den Datenblättern sicher Meisterwerke der Mittelungskunst sind :D:D . Allerdings hatte ich bei diesem Mikro auch praktisch den Eindruck, dass es sehr wenig Umgebungssignal aufnimmt. Zum zweiten mal bin ich bei Sichtung des Polardiagramms meiner alten Shure 548 SD ( nachschauen unter discontinued products ) darüber gestolpert, die sich ebenfalls deutlich enger verhalten als beispielsweise ein SM57.

    Ist da nun was dran oder bin ich Opfer einer zunächst optischen, dann aber auch psychoakustischen Täuschung und ist es technisch in einem dynamischen Mikro überhaupt machbar ?

  • wora
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    • 16. Oktober 2009 um 20:30
    • #2

    es gibt bei schoeps ja auch verschiedene nieren, das sind zwar alles kleinmembran kondensatormikros, aber warum soll es da nicht auch unterschiede bei den dynamischen geben?
    oder hab ich die frage nicht richtig verstanden?

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • guma
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    • 16. Oktober 2009 um 21:24
    • #3

    @ wora

    Die verschiedenen Nierenkapseln von Schoeps unterscheiden sich in der Abstimmung ( Frequenzgang ) nicht aber im Richtverhalten. Die Ausnahmen 'breite Niere' und 'offene 'Niere' sind Mischformen, die man sich aus Kugel und Niere zusammengesetzt vorstellen kann. Innerhalb der Gestaltungsmöglichkeiten für die Richtkarakteristik entsteht in KMs und GMs immer eine Superniere, wenn man versucht die seitliche Einsprechung mehr zu bedämpfen. Einen 'Trick' für enge Niere gibt es hier nicht.

    Kannst Du Dir vorstellen, wie das mit der 'engen Niere' funktioniert ?

  • christopher hafer
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    • 17. Oktober 2009 um 03:07
    • #4

    Irgendwie kommt das alles etwas diffus rüber... :?:

    Einzelmembransysteme (i.d.R. KMs) gibt es in allen Ausführungen vom Druckempfänger (Kugel) bis zum reinen Druckgradientenempfänger (Acht). Dazu gehören auch dynamische Mikrofone.
    Kondensator-Doppelmembransysteme (unabhängig von ihrer Membrangröße) lassen sich elektrisch prinzipiell stufenlos Verstellen, was allerdings z.T. deutliche Nachteile hat.
    Aber darum geht es ja weniger, das ist ja wohl allseits bekannt :wink:
    Was meinst Du nun mit "enger Niere"?
    *Überleg*
    Wenn die seitliche Ausblendung hoch ist, dann hat man eine Super-oder Hyperniere. Keine große Kunst.
    Du meinst also ein solches Mikro, das zusätzlich eine hohe rückwertige Dämpfung hat?
    (Zur Übersicht: die größte rückwärtige Ausblendung haben ja "normale" Nieren).

    Ich sehe da folgenden Weg:
    Man erkauft sich die höhere Ausblendung durch mechanische Tricks (Kapsel/Korb), die am Ende einen schlechteren/unlinearen Frequenzgang auch bei vorderer Einsprechung verursachen müssen.
    Was ja bei solchen Spot-Mikros (D3/548) nicht unbedingt ein Problem ist, da es im absoluten Nahbereich nicht darauf ankommt, anders als bei typischen KMs.
    Inwiefern oder wie genau das funktioniert sollten die Jungs von Sennheiser/Beyer/AKG... besser wissen. :idea:

    "Just because you believe something doesn't make it true."

  • guma
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    • 17. Oktober 2009 um 09:55
    • #5
    Zitat von "christopher hafer"

    Irgendwie kommt das alles etwas diffus rüber... :?:

    Offensichtlich hast Du mich doch ( nach überleg ) sofort verstanden ! :wink:

    Ja, genau darum gehts. Anders formuliert:
    Ist es möglich, in einem dynamischen Mikro für eine 'enge Niere' ( ich weiß eine Wortneuschöpfung aber sehr naheliegend ) den seitlichen Anteil einer Niere oder den rückwärtigen Anteil einer Superniere "mechanisch", also akustisch weitgehend so wegzudämpfen, dass eine 'enge Niere übrigbleibt und wie wird das gemacht ? Das ist die Frage. Da hier auch Hersteller mitlesen, habe ich Hoffnung auf eine kluge Antwort.

  • Sound-Klinik
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    • 18. Oktober 2009 um 14:50
    • #6
    Zitat von "guma"

    Ist es möglich, in einem dynamischen Mikro für eine 'enge Niere' ( ich weiß eine Wortneuschöpfung aber sehr naheliegend ) den seitlichen Anteil einer Niere oder den rückwärtigen Anteil einer Superniere "mechanisch", also akustisch weitgehend so wegzudämpfen, dass eine 'enge Niere übrigbleibt und wie wird das gemacht ?


    Enge Niere geht mit "etwas mehr" Durchlässigkeit an der Rückseite (wobei axial auf 180° dann die Rückkopplungsanfälligkeit zunimmt ... und im Grenzfall "volle Durchlässigkeit" in eine Acht übergeht ...).
    Noch "mehr" geht z.B. mit Interferenzrohr (muß aber bei tiefen Frequenzen etwas länger sein).
    Generell: Wenn man den seitlichen Schalleinfall akustisch steuert (d.h. auf vorn bzw. hinter der Membran "richtig verteilt"), lassen sich vielfältige Richtwirkungen realisieren (sind aber häufig sehr frequenzabhängig).
    Derartige ausgetüftelte "Kochrezepte" wirst du aber im Web kaum finden. :wink:

  • guma
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    • 18. Oktober 2009 um 15:34
    • #7
    Zitat von "Sound-Klinik"


    Enge Niere geht mit "etwas mehr" Durchlässigkeit an der Rückseite (wobei axial auf 180° dann die Rückkopplungsanfälligkeit zunimmt ... und im Grenzfall "volle Durchlässigkeit" in eine Acht übergeht ...).


    Den Fall hatte ich in meinen verschiedenen Formulierungen der Frage bereits ausgeschlossen.
    Bitte speziell für mich ( in diesem Fall der Fragesteller ) keinen Nachhilfeuntericht in Grundlagen der Mikrofonie. Die sind mir bekannt.

    Zitat von "Sound-Klinik"

    Noch "mehr" geht z.B. mit Interferenzrohr (muß aber bei tiefen Frequenzen etwas länger sein).


    Nach Keulencharakteristik hatte ich ebenfalls nicht gefragt.

    Zitat von "Sound-Klinik"

    Generell: Wenn man den seitlichen Schalleinfall akustisch steuert (d.h. auf vorn bzw. hinter der Membran "richtig verteilt"), lassen sich vielfältige Richtwirkungen realisieren (sind aber häufig sehr frequenzabhängig).

    Nochmals: Bitte kein "Nachhilfeunterricht", sonden eine reale Lösung ( falls es die gibt )

    Zitat von "Sound-Klinik"

    Derartige ausgetüftelte "Kochrezepte" wirst du aber im Web kaum finden. :wink:

    Ich hatte auch nicht vor "im web" zu suchen. :wink:

  • Sound-Klinik
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    • 18. Oktober 2009 um 17:29
    • #8

    guma
    Da du die Zusammenhänge ja alle 'drauf hast, kannst du dir ja denken, wie es funktionieren könnte (ähm ...außerdem werden diese "Interferenzschlitze" nicht nur bei Keulen verwendet ...). :)

    Die Antwort liegt wohl beim zweiten und dritten Zitat. Nur mit "halbdurchlässig" geht es nicht.

  • audiobo
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    • 18. Oktober 2009 um 20:34
    • #9

    Hmm. Zumindest für höherfrequente Signale gab es immer wieder mal Ansätze mit einem kleinen Trichter vor der Membran, äquivalent zu einem Hornlautsprecher. Allerdings ist dieser Trick auch nur auf eher kurzwellige Signale zu beziehen denke ich mal, im Mittenbereich haut das schon nicht mehr so gut hin. Ich kann mir nur vorstellen, das hier im speziellen die Korbgestaltung eine Rolle spielt, wie genau allerdings vermag ich mir gerade nicht vorzustellen... :roll:

    Achso, hier noch ein Link zu einem "Spezial"-Modell, welches ich vor 2 jahren auf der Hi-End Gear gesehen habe - kam mir gerade so bei dem Thema wieder in den Sinn :D : http://www.simpsonmicrophones.com/

  • wora
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    • 19. Oktober 2009 um 22:31
    • #10
    Zitat von "guma"

    ...
    Kannst Du Dir vorstellen, wie das mit der 'engen Niere' funktioniert ?


    ich könnte mir auch vorstellen, das eine sinnvolle vorgehensweise in einer bedämpfung durch die gehäusegeometrie bzw. -dämpfungen erreicht werden könnte. dabei denke ich vor allem an eine superniere, deren unschöne rückwärtige nebenkeule irgendwie bedämpft wird... hab aber auch keinen plan, ob und wie das funktionieren könnte.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • Sound-Klinik
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    • 20. Oktober 2009 um 13:03
    • #11
    Zitat von "wora"

    ... dabei denke ich vor allem an eine superniere, deren unschöne rückwärtige nebenkeule irgendwie bedämpft wird... hab aber auch keinen plan, ob und wie das funktionieren könnte.


    ... DAS würde dann die Niere wieder breiter machen - und je nachdem wie frequenzselektiv die Bedämpfung ist - auch noch frequenzabhängig. :wink:

  • guma
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    • 25. Oktober 2009 um 20:48
    • #12

    So, nun die Auflösung meines kleinen Rätsels:

    1. Mit technischen Mitteln ist die seitliche Aufnahme einer Niere nur sehr begrenzt beeinflußbar, solange man den Übergang zur Superniere ausschließt, allerdings geht das in Grenzen, wenn man es auf ein nicht all zu breites Frequenzspektrum eingrenzt. So könnte es beipielsweise schon ein praktischer Nutzen entstehen, wenn man 500 Hz - 2000 Hz für eine perkussive Quelle einengt auch wenn man andere Nichtlinearitäten dabei erkauft.

    2. Um die "optische Täuschung" zu verstehen, der man bei der Sichtung von Herstellerplots unterliegen kann, empfehle ich, sich mal über dieses Bildchen



    ein paar Gedanken zu machen ( man kann die 'enge Niere' sofort erkennen :D:D )

  • Sound-Klinik
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    • 25. Oktober 2009 um 22:03
    • #13

    ... tja ... der liebe "Logarithmus" (0,5 linear entspricht etwa -6 dB) ... :wink:

  • guma
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    • 26. Oktober 2009 um 08:01
    • #14

    Interessant daran ist eben, dass auf den Hersteller-Prospekten 1. die entsprechende Skalierung in der Regel fehlt und dass 2. den Betrachtern in der Regel nicht klar ist, dass hier zwei verschiedene Darstellungsformen gebräuchlich sind, nämlich einmal die häufigere, für uns gewohnte logarithmische dB Skalierung, die die Verhältnisse in der Natur des Hörens besser abbildet und die lineare, die die Druckdifferenz als Verhältnisgröße abbildet.

    Eine echte "Verengung" über einen größeren Frequenzbereich wäre nur bei Mikrofonen höherer Ordnung ( durch Verschaltung mehrer Einzelsysteme ) möglich.

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