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PSA Anwendung in Australien / Neuseeland

  • quicktilch
  • 24. September 2012 um 12:15
  • quicktilch
    Beiträge
    52
    • 24. September 2012 um 12:15
    • #1

    Hallo,

    ich befinde mich momentan in Neuseeland/Australien und habe nach einiger Zeit beim Film beschlossen,
    meine Fähigkeiten nach ANZI Standards zertifizieren zu lassen, insbesondere Höhenarbeiten. (Level 1 Fisat, PSA-Anwender und Anschlägerschein aus Dtl.=
    Während des 2-tägigen Kurses "Height Safety & Fall Arrest" der nicht unbedingt auf die Event- / Filmbranche zugeschnitten ist, aber ja den Industriestandard vor Ort repräsentiert sind mir heute am ersten Tag ein paar Dinge aufgefallen, die ich so nicht nachvollziehen kann.

    1. Es ist ausdrücklich untersagt, Ankerpunkte zur Sicherung oder zum Abseilen mit gechokter Bandschlinge zu setzen.
    Generell sind Bandschlingen okay (22KN) aber eben nur doppelt gelegt. Kann ich akzeptieren, aber die Erklärung, dies würde die Bruchlast um 2/3 reduzieren widerspricht dem in Deutschland Gelernten.

    2. Bandfalldämpfer in Y-Bauart mit zwei großen Trusshaken (MGOs): Beim horizontalen Bewegen an zB Gerüstrohr darf der zweite Haken nur zum Umsetzen (um an Senkrechten vorbeizukommen) benutzt werden, beim Verbleib an einer Position oder beim Langziehen der Hakens über die 2,4m Gerüstrohr MUSS der zweite Haken an den Gurt, und zwar an eine bestimmte Schlinge an der Brust, die im Sturzfall reißen kann.
    Begründung hierbei ist erstens, dass die Haken ggf. zu weit auseinander sind und dadurch horizontale Kräfte in dem Punkt auftreten, an dem sie zusammenlaufen (Vernähung oder D-Ring) und zweitens Kopf/Hals zwischen die beiden Stränge kommen kann.
    Dies steht auch dem von mir in Deutschland gelernten entgegen, zumindest soweit ich mich erinnern kann.

    3. horizontal Lifelines:
    hierbei fiel mir nur auf, dass auf das Thema Horizontalkräfte gar nicht eingegangen wurde, was meiner Meinung nach echt wichtig ist bei der Auswahl der Ankerpunkt (Gerüst Vertikale in der Mitte zwischen zwei Bodenlagen kann sich mitunter erheblich durchbiegen denke ich) und der Ausbilder war der Ansicht, dass es auf völlig okay wäre, Ratschgurte aus dem Industriebereich (LKW Zurrgurte) zu benutzen, da diese ja schließlich gleich gebaut seien.

    4. Falldämpfer haben fast immer eine Systemlänge von 2m incl. Lanyard (die bilden eine Einheit) und müssen stets im dorsalen Punkt (also am hinteren D-Punkt) benutzt werden. Unabhängig davon, dass ich dies sehr lang finde, habe ich aber selbst ein Petzl Produkt, welches etwas Armlänge hat und von mir vorn getragen wird (so wie es sicherlich die meisten Kollegen in Deutschland auch machen um sich mit 2 MGOs auf der Truss oder am Gerüst zu bewegen)
    - was spricht dagegen, bzw. ab welcher Fallhöhe/Sturzfaktor/Lanyardlänge muss man sich in Deutschland hinten einbinden (da der unkontrollierte Sturz in diesem Falle ja "rückenschonender" ist?

    Kann sich jemand von euch diese Aussagen erklären - kommt das vielleicht aus dem amerikanischen System wo es in gang und gebe ist und sich bewährt hat?
    Was ist eure Meinung dazu?

    beste Grüße in die Heimat,

    Simon

  • skyper
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    • 24. September 2012 um 20:59
    • #2

    meine bescheidenen Meinungen zu den angesprochenen Themen:

    1.) Choken reduziert nach den bei uns üblichen Tabellenwerken die Traglast auf etwa 80%
    der Tragfähiglkeit einer einfachen Schlinge, doppelt legen verdoppelt die Traglast.

    Kurz gerechnet: gechoked = 0,8*X / 2*X = 40 % (der Belastbarkeit einer doppelt gelegten Schlinge)

    GGf. rechnet der Australier ja mit einem anderen Faktor (0,6) für das Choken,
    dann würde die Rechnung stimmen.


    2.) kann ich nix zu sagen, bis auf die Tatsache dass ich es gut finde eine spezielle Schlinge
    für den ggf. ungenutzen MGO zu haben. Sieht man ja leider immer wieder mal dass jemand das Ding
    direkt in den Gurt einklickt, und damit den Falldämpfer überbrückt...
    (War sogar letztes Jahr auf der PLS am Stand der VBG mit der Action "Click it"
    an der ausgestellten Puppe so zu sehen)
    Einfacher wäre es allerdings zwei I-Verbinder zu haben, dann ergibt sich die Problematik nicht,
    und man hat nochmal ca. 30cm mehr mögliche "Spannweite" zwischen den Haken.

    3.) Horizontallasten - imho Kritik berechtigt, sollte man durchaus berücksichtigen.
    Bei den LKW-Ratschgurten kann man drüber streiten,
    es gibt auch Firmen die tatsächlich extra lange Ratschgurte als Lifeline einetzen.
    (gut, man muss das nicht unbedingt in knallgelb machen wie die Franzosen, aber jeder wie er mag)
    Bis ein (ordentliche Montage und Erhaltungszustand vorausgesetzt) 5-to LKW-Gurt den Geist aufgibt
    muss aber schon ordentlich was schiefgehen.


    4.) Dazu steht in der BGR 198 ein bisschen was.
    imho wichtigster Passus:

    5.3.2 Auffanggurte
    Auffanggurte sind mit hinterer und/oder vorderer Fangöse ausgestattet.
    Auffanggurte mit hinterer Fangöse sind für Arbeiten geeignet, bei denen sich der
    Anschlagpunkt oberhalb oder hinter der zu sichernden Person befindet.
    Auffanggurte mit vorderer Fangöse sind für Arbeiten geeignet, bei denen sich
    der Anschlagpunkt oberhalb oder vor der zu sichernden Person befindet. Sie sind
    besonders geeignet, wenn die Gefahr des Anprallens besteht.

    Meiner Meinung nach reicht ein 80cm Verbindungsmittel mit Falldämpfer in der Praxis aus,
    dabei schaffen zwei einzelne nochmal rund 30cm mehr "Spannweite" als ein "Y".
    Wer sich irgendwo abhängen muss nimmt eh einen Grillon oder ähnliches,
    an ein 2m langes Lanyard hängt sich bestimmt keiner unter die Truss...

    Interessant wäre es in der Tat aber mal herauszufinden, bei welcher "Absturzhöhe" bzw. Länge des Verbindungsmittels
    incl. Falldämpfer welche Kräfte auftreten. Gesetzt den Fall ein 100kg Techniker hakt sich auf der Truss sitzend vor sich ein,
    fällt dann 2m frei in die Tiefe bis der Bandfalldämpfer greift -
    bin mir nicht so sicher ob da wirklich der Fangstoß auf 6kN begrenzt bleibt,
    oder evtl. der Bandfalldämpfer komplett "durchschlägt".
    Persönliche Ansicht: immer so kurz wie möglich einsichern,
    2m halte ich in unserer Branche im Regelfall für unsinnig.


    EDIT sagt: bisschen was ergänzen schadet nie...

    Trust it - tilt it! Der universlle Neigeadapter für AV-Geräte auf Traverse: http://www.trusstilt.de
    Analog über Cat Lösungen und Anschlussfelder für Ampracks: http://www.cat-core.deNächster Messeauftritt: 6.-8.10.26 in Hamburg: https://leatcon
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  • quicktilch
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    • 29. September 2012 um 03:06
    • #3

    Hallo Skyper,

    danke für die Antwort, ein paar Sachen sind mir klarer geworden.

    1.) choken
    auf 80 % Reduktion beim choken kenne ich ja aus Dtl, allerdings gehen die hier auf 33% und erklären es als nicht zulässig.
    Eine mögliche Erklärung sieht man im aktuellen Petzl Katalog, hier ist ein Beispiel fürs extreme choken, um den Träger gelegt und dann zurück gezogen (ich hoffe, das Bild macht Sinn) und bei diesem Extremfall spricht auch Petzl von Reduzierung auf 33% - vielleicht wird hier in DownUnder vom schlimmsten Fall ausgegangen und dann einfach pauschal Choken in PSA verboten.

    2.) Bleibt mir weiterhin unklar, ich benutze sowieso die von Dir angesprochenen I-Verbinder.

    4.) Ich denke, dass es hier im Lande noch keine speziellen Event PSA Kurse gibt, sondern noch allgemein auf Baustellen bezogen ist. 2m Systemlänge ist mir viel zu lang und ich bevorzuge definitiv die obere Brust D-Öse, nicht zuletzt wegen Selbstrettung und Arbeitskomfort.
    Den 2m Sturz um die 6KN zu testen will ich auf jeden Fall nicht ausprobieren.

    beste Grüße,

    Quicktilch

  • lisa f.
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    • 3. Oktober 2012 um 05:05
    • #4

    Habe letztens eine working@heights Kurs gemacht, bei dem wir kurze Bandfalldämpfer mit kurzen Lanyards hatten, vorne eingehakt, und auch kein "Verbot", den 2. Trusshaken einzuhaken*... Wir waren allerdings auch eine Truppe die zu fast 100% aus der Branche kam.

    Es gibt dazu zu sagen, dass die Vorschriften einfach von mehreren verschiedenen Situationen ("nur" Sicherung oder z.B. Positionierung in der Höhe + Sicherung derselben) ausgehen, ich werde mal zu Hause in meinen Unterlagen schauen. In einer Situation ist tatsächlich ein langer Lanyard vorgesehen, evtl. habt Ihr nur diese besprochen?

    Edit: *kein Verbot, den einen neben dem anderen Haken in der Truss einzuhaken. Absolutes Verbot natürlich, den 2. Haken in den Gurt einzuhängen... Nur um Missverständnissen vorzubeugen.

  • skyper
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    • 3. Oktober 2012 um 17:01
    • #5
    Zitat von "lisa f."

    kein Verbot, den einen neben dem anderen Haken in der Truss einzuhaken.


    War neulich mal zum rein privaten Höhenvergnügen in einem Klettergarten unterwegs,
    in dem man sich über zwei Karabiner jeweils an einem Lanyard an diversen Stahlseilen etc. sichert.
    Dort gab man uns die dringliche Anweisung, die Haken immer gegengleich einzuhängen,
    damit man nicht mit einem Handgriff beide Karabiner gleichzeitig öffnet und evtl. aushängt.
    Vielleicht keine Vorschrift, aber wie ich finde eine effektive Methode bewusster seine Sicherungen zu setzen
    und Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden, insbesondere was die Benutzung von Lifelines betrifft.

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  • julian-k
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    • 3. Oktober 2012 um 19:51
    • #6

    Das mit dem gegengleich einhängen ist Standard beim Sportklettern (zum Beispiel beim Einbinden mit Karabinern) und wird in jeder Kletterlektüre empfohlen.

    Was ist ist, was nicht ist ist möglich

    http://www.unicque.de - Unicque Lighting Augsburg

  • tobias kammerer
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    • 14. Dezember 2012 um 18:53
    • #7
    Zitat von "julian knödler"

    Das mit dem gegengleich einhängen ist Standard beim Sportklettern (zum Beispiel beim Einbinden mit Karabinern) und wird in jeder Kletterlektüre empfohlen.

    Auch um Aushängen der Karabiner durch das Seil bei Sturz zu verhindern. Gegengleiche Karabiner unbeabsichtigt aushängen ist praktisch unmöglich.
    Viele Grüße
    Tobias Kammerer

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