Moin,
Mal eine etwas andere Betrachtung aus meiner Sicht. Ich habe ein Montagefahrzeug mit dem ich kreuz und quer durch die Lande fahre um Kabel-TV und Glasfaser zu bauen / reparieren etc. Da ich unter der Woche quasi im Auto wohne (halbes Wohnmobil) und immer alles an Bord habe bin ich sehr auf das Auto angewiesen. Die Fahrleistung liegt bei ca. 60.000km im Jahr bei Dauerbeladung und Gesamtgewicht von 3,2-3,5t. Neuerdings schlörre ich auch noch oft meinen Kofferhänger mit. Was mir neben Fahrkomfort und Sicherheit auch sehr wichtig ist, ist der Service. Und deshalb bin ich bei Mercedes gelandet. Wer wirklich auf seine Karre angewiesen ist kommt an MB kaum vorbei. Egal was bislang an meinem (nun 2. Sprinter) dran war wurde sehr schnell und unkompliziert erledigt. Unbedingt günstig sind die Herstellereigenen Werkstätten nun alle nicht, ich finde aber das ist bei MB noch im Rahmen - würde allerdings raten das Auto in eine LKW-Werkstatt von MB zu bringen. Bei meinem Alten hat MB selbst nach Ablauf der Garantie noch anteilig Kosten übernommen ohne großes Hin und Her. Also der Punkt Service geht ganz klar in Richtung Mercedes.
Mein Auftraggeber hat nur VW - sowohl den alten Crafter der eigentlich ein Sprinter ist - als auch den neuen Crafter. Beim Service ist da regelmäßig Theater, Wartezeiten usw. Mit einem Iveco kenne ich auch noch Jemanden, soweit alles super, aber Service wohl teuer und wehe dem wenn dann mal irgendwann so Gelenkwellen oder sowas getauscht werden müssen. Da wartet man schon mal ein bis zwei Wochen auf Ersatzteile - was ich persönlich bei VW auch schon erlebt habe - damals noch mit einem T5 und den vorderen Antriebswellen die ich mir dann selbst besorgen musste. Sowas geht bei mir gar nicht!
Zum Fahrverhalten und dem Antesten von Autos: Hier wurde eine Lanze für den Ducato gebrochen als Maxi mit großer Maschine etc. Schön, Pack dir in den Sprinter, Crafter, Daily,....einfach den dicken Motor und sämtliche Fahrwerksverstärkungen (Federn, Stabis etc.) mit rein und du wirst merken die liegen auch wie ein Brett auf der Strasse. Nur macht das kaum Jemand, erst recht nicht bei den 0815 Postkisten oder beim Autoverleiher. Da gibt's Standardware die sich dementsprechend miserabel fährt.
Ich bin auch keinesfalls ein Mercedesjünger. Wenn ich alleine die Verarbeitungsqualität von meinen alten 2013er Sprinter zum gerade erst neuen Sprinter sehe kommen mir die Tränen. Sicherlich lässt sich die neue Kiste als 319er mit Wandlerautomatik und Abstandstempomat traumhaft fahren, aber der Preis dafür ist so langsam echt abgehoben. Mein Problem ist halt ich brauche im Fall der Fälle schnellstmöglich mein Auto wieder, ich kann mit einem Leihwagen nichts anfangen , daher die Wahl Mercedes....sonst wäre es bei mir wahrscheinlich der Iveco geworden.
Noch ein paar Dinge:
Front- oder Heckantrieb. Wer fast nur beladen oder sogar noch mit Hänger unterwegs ist, sollte über Heckantrieb nachdenken. Die Frontkratzer mag ich persönlich nicht wirklich, die Antriebswellen machen bei hohem Gewicht gerne mal Probleme und der Wendekreis ist auch oft gute 2m größer was in engen Löchern schon mal Probleme bereiten kann....oder mit mehr Gekurbel verbunden ist. Vorsicht übrigens beim neuen Crafter mit Heckantrieb und der Innenhöhe beim normalen Hochdach. Wer 1,9m groß ist kann dann nur noch mittig zwischen den Dachstreben stehen.
Motoren:
Aktuell gerade noch bestellbar der V6 3l / 190PS beim Sprinter. Ende des Jahres gibt's dann wohl auch nur noch notbeatmete kleine Vierzylinder aus denen das letzte PS noch rausgekitzelt wird. Ansonsten Iveco mit 3l Vierzylinder. Alle anderen Hersteller haben wohl schon dem "Downsizing" nachgegeben. Je nachdem was man mit dem Auto anstellen möchte kann auch ein ~2l Aggregat reichen, bei meinen mit Hänger aktuell gerne mal 5,5-6t sehe ich das auf Dauer kritisch. Bei VW mag ich außerdem den Zahnriemen nicht, da ist mir die Kette am Sprinter lieber. Beide neuen Crafter meines Auftraggebers saufen außerdem Öl wie sonst was, aber laut VW ist bis zu 1l auf 1000km normal
Grundsätzlich sind die Motoren aller Hersteller heute ganz brauchbar finde ich, es hängt halt von den Anforderungen ab welchen man nimmt. Automatik ist super, ich würde aber nach Möglichkeit eine Wandlerautomatik bevorzugen, da kann zumindest schon mal keine Kupplung abbrennen beim rangieren. Die neue 8 Gang von ZF die VW beim heckgetriebenen Crafter (Frontantrieb kommt von Aisin aus Asien) oder Iveco beim Daily verbaut soll auch sehr gut sein.
Innenraum:
Der meiner Meinung nach größte Vorteil vom Ducato , besonders auch in der VA-Branche. Der Raum ist halt relativ eckig, speziell der Sprinter dagegen ziemlich "eirig". Der Crafter ist da auch nur marginal besser. Wer übrigens meint der MAN TGE wär der bessere Crafter: Die Dinger laufen vom selben Band. Beim alten Crafter der bei Mercedes in Düsseldorf gebaut wurde war wenigstens noch ein VW Motor und 2...3 VW Steuergeräte drin. Beim neuen Crafter/ TGE ist selbst das gleich. Einziger Unterschied sind die Embleme/Optik und eine marginal geänderte Grundausstattung. Alles Andere was einem die Verkäufer erzählen ist Werbemasche
Den Crafter finde ich übrigens super bis auf 3 Punkte: Fehlende Innenhöhe beim Heckantrieb, Motor und gruseliger Service.
Viele andere Punkte wurden schon genannt. Umso länger und besser ausgestattet, desto weniger Nutzlast hast du. Eventuell macht es hier Sinn auch über einen Kofferanhänger nach zu denken, das sollte beim Autokauf mit berücksichtigt werden. Letztendlich hast du mit einem 3,5t Transporter + 3,5t Anhänger mehr Nutzlast als mit einem 7,5t der in fast allen Fällen zu viel Eigengewicht mitbringt. Und mit dem Transporter kann man solo unter 3,5t halt auch Sonntags noch fahren...noch....die EU will das ja gerade auf 2,8t runtersetzen...ich freu mich schon![]()
Soweit ein paar Gedanken von mir....
Gruß, Marcel