Ich möchte an dieser Stelle ein ( hoffentlich ) praxisnahes Modell vorstellen, um eine Diskusionsgrundlage für oben genanntes Thema zu geben.
Es erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, und kommt ohne Mathematik aus,ist aber als "Allerweltssituation" imho den meisten von uns zugänglich. Anlaß ist die schon Produkt bezogen begonnene, kontroverse Diskusion um den Sinn einer Aufteilung eines Line array- Schallfeldes in unterschiedliche Zonen, die möglicherweise unterschiedlich zu pegeln, zu eq'en oder sogar zu delayen sind.
Erinnert sei hier nochmals an das Zitat von Scott Harmala, das mich in meinem eigenen Eindruck bestärkt hat, daß das sinnvoll sein könnte:
"One of the things that Heil doesn’t prescribe that we regularly do is that we split-process our clusters. We will divide clusters into a long-throw environment and a near-field environment and apply different processing to those different areas. In terms of purist line array mentality, I guess you could say that is a no-no, but in terms of application in real-world performance, we found it to be a must.”
Wünschenswert wäre, wenn statt dem üblichen Genörgle ein kreatives Weiterentwickeln dieses Gedankens in der Diskusion zustande käme !!! :wink:
Die Rahmenbedingungen sind ganz schlicht:
- indoor, ca. 2000 Zuhörer, einfache Geometrie ohne Balkon o.ä.
- Musikveranstaltung mit "Unterhaltungsmusik" eines beliebigen Genres.
- der Beschallungstechniker sogt mit allen im zur Verfügung stehenden Mitteln für einen maximalen Direktschallanteil mit der optimalen Ausrichtung eines Line arrays im Auditorium.
- Die Luftabsorption spielt im Direktschall noch keine Rolle
- Der horizontale Abstrahlwinkel beträgt 90°.
- Die Höhe der Array-Aufhängung ist begrenzt.
- Es werden keine zusätzlichen Lautsprecher ( Nearfill, center cluster o.ä. )verwendet.
Begriffsdefinition:
Nahfeld - Fernfeld - Critical distance sind Termini aus der Akustik, die eine Raumantwort beschreiben und hier nichts mit der Schallausbreitung aus einem Line array zu tun haben.
Ich schlage eine Einteilung wie folgt vor:
Zone 1
Der "Nahbereich" um die Bühne ist dadurch gekennzeichnet, daß viel diffuser, ungerichteter Schall von der Bühne selbst kommt ( Backline, Monitor ) mit einem dafür typischen Gesamtfrequenzgang ( "Mittenbrett").
Das "J" des Line arrays hängt zu tief, sodaß der niedrigere Pegel des J-Bogens immer noch sehr laut ist.
Vorschlag: Pegel in den unteren 2-3 Modulen absenken und so eq'en, das eine sinnvolle Ergänzung zum Diffusschall der Bühne entsteht.
Zone 2
Die "Line array Idealzone", maximaler Direktschall vor der critical distance
Vorschlag: nach Geschmack die nächsten Module eq'en, auf die Raumantwort für tiefe Mitten achten aber auch mal über die Gesammtdelayzeit zur Bühne nachdenken.
Zone 3
Hoppla, jetzt haben wir die ersten, heftigen Seitenwandreflektionen durch unseren breiten horizontalen Abstrahlwinkel. Das Hörsignal wird dadurch deutlich verfärbt. Die Rotation des Gesamtarrays in der Horizontalen ist schon optimiert.
Vorschlag: Da uns als einzige letzte Einflußgröße der EQ für die betreffenden Module bleibt, senken wir hier Frequenzbereiche, die besonders stark reflektiert werden ab.
Zone 4
Obwohl unser line array die critical distance und damit das Fernfeld weiter nach draussen geschoben hat, als das konventionelle Lautsprecher könnten, haben wir die critical distance leider noch vor der Hallenrückwand erreicht und hätten früher eigentlich über ein Delay nachgedacht. Zwar bringt unser Line array noch die postulierten gerichteten Höhen aber der hohe reflektierte Anteil Raumantwort ist stark bedämpft ( typischer Nachhallfrequenzgang)
Vorschlag: Höhenanhebung für die obersten Module, obwohl die gleiche Anordnung im freien Feld noch keinerlei Höhenabfall bei der Entfernung produzieren würde !
So und Jetzt seit Ihr dran! :wink: :wink: :wink: :wink: