Wenn man mehrere Beiträge im PA-Forum liest, könnte man glauben, daß es einmal auf eine möglichst tiefe untere Grenzfrequenz und möglichst hohe Schallpegel ankommt.
Auch daß der Bereich oberhalb von etwa 150 Hz hier kaum diskutiert wird, finde ist sehr fragwürdig. Das Hauptproblem vieler Anlagen ist nicht "zu leise Bässe", sonder eine insgesamt unausgewogene - wenn nicht gar schlechte - Gesamtabstimmung.
Zum Thema "Klang":
1. Wenn ich eine Bassdrum abnehme, habe ich es mit einem akustischen Klangerzeuger zu tun, der auch einen eigenen Klang besitzt. Es gibt sogar Schlagzeuger, die können ihr "Set" richtig stimmen !
Ich kenne allerdings zahlreiche Bands, wo das Schlagzeug total "tot" gedämpft wird (... mit Tempotaschentücher, Gaffa-Tape, diese ringförmigen "Dämpfer" u.v.m.).
Der "neue Eigenklang" der Toms etc. ist dann etwa so, als wenn man ein nasses Handtuck gegen eine Wand wirft ... und es soll "Tontechniker" geben, die ausschließlich nur mit solchen Drumsets klarkommen ...
Wenn dann mal ein "richtiger" Schlagzeuger auf der Bühne den Klang seines Schlagzeugs behalten will, gibt es dann "Gezeter" - der Mischpultmensch besteht dann auf den Einsatz von "Gaffa" (habe ich selbst schon oft erlebt !) ...
2. Ein E-Bass klingt oft mulschig - oft liegt es am Basser selbst - aber nicht immer !
Obwohl der tiefste Ton eines 5- oder 6-Saiter bei etwa 31 Hz liegt, klingt ein Bass auf PA-Systeme druckvoller, direkter und trockener (auch kürzer), die ohne Resonator in diesem Bereich auskommen.
Bei Kontrabässen (und akustischen Gitarren ...) habe ich schon Situationen erlebt, wo es fast zu einer Schlägerei zwischen Basser (bzw. Gitarristen ...) und "Tontechniker" gekommen ist.
THESE:
a) Ich behaupte, daß tiefabgestimmte Resonatorkisten zur Übertragung von natürlichen Klangkörpern nur bedingt geeignet sind.
Nur mit exzessiven Aufwand (EQ, Controller ...) ist eine Tonübertragung überhaupt möglich.
b) Ich behaupte, daß eine Übertragungsanlage, die ganz - oder teilweise - auf Resonatorlösungen verzichtet, weniger Probleme bei der Übertragung solcher Instrumente (also auch Schlagzeug !!!) macht.
c) Der "Punch" einer Bassdrum hängt nicht in erster Linie davon ab, wie tief die untere Grenzfrequenz der Anlage ist, sondern wie gut das Zeitverhalten der LS-Systeme ist, wie gut die Qualität der verwendeten Mikrofone ist und WIE die Mikrofone positioniert sind.
Mit wirklich guten Mikrofonen und hochwertigen akustischen Instrumenten (z.B. gut gestimmten Schlagzeugen ...) brauche ich am Pult entweder gar nichts oder nur wehr wenig "equalizieren" (Beispiel Toms: untere Mitten ein wenig herausnehmen wegen zu naher Mic-Positionierung ...).
... Mitten & Präsenzbereich:
Gelegentlich liest man Beiträge wie "... bei 2 kHz senke ich immer ab, weil es sonst nicht klingt - obwohl der Frequenzgang recht linear ist."
Mein Kommentar dazu:
Als man noch mit Sinus-Sweep oder mit gewobbeltem Sinus gemessen hat, spielte das Ohr eine größere Rolle beim Lautsprecherabstimmen.
Oft hörte man bei vermeintlich "linearen" Boxen Klangverfärbungen.
Die Ursache liegt nun nicht darin, daß man grundsätzlich den Präsenzbereich absenken sollte, sondern daß die Systeme entweder in den Abstrahleigenschaften Probleme machen (d.h. wenn es im kleinen Saal besch... klingt - draußen oder im Zelt dagegen neutral ...) ODER wenn die Systeme im Zeitverhalten Probleme machen ("Sprünge" in der Gruppenlaufzeit im Übernahmebereich, Resonanzen - sieht man schön im "Wasserfalldiagramm" ...).
Ein Equalizing schafft dann nur soweit Abhilfe, damit es nicht zu sehr "nervt" - die Ursache für die Klangverfärbung liegt allerdings im Zeitverhalten des LS-Systems.
Auch Digitalcontroller können solche "Fehler" nicht beseitigen (bestenfalls durch schmalbandige Filter minimieren ...), weil ein Nachschwingen ... oder verzögertes Einschwingen ... eines Lautsprechers (mit akustisch gekoppeltem Resonator ... bei Bässen - oder durch unterbedämpfte Hornresonanzen ... bei MH-Hörnern) durch ein "Verbiegen" des Amplituden- und Phasenfrequenzgangs nicht beseitigt wird.
Es handelt sich dabei um ein fundamentales Problem des LS-Systems - bestehend aus dem Treiber (Lautsprecherchassis) und seiner Schallführung.
Wohl keiner hier im PA-Forum würde ernsthaft erwarten, mit einer intelligenten und extrem ausgefuchsten elektronischen Motorsteuerung aus einem Traktor einen Rennwagen zu machen - bei Digitalcontrollern ist diese Sichtweise dagegen sehr verbreitet.
Mit z.T. unausgereiften (preiswerten) LS-Systemen wird versucht, durch den Einsatz von (oft preiswerten ...) Digitalcontrollern eine Spitzenanlage zu "zaubern".
Hierzu ein Beispiel:
"Frage an Alle: Kann mir jemand mal die Frequenzen, die ich an meinem "xyz"-Controller einstellen muß ..." :wink: