Es gibt zahlreiche Verfechter einer möglichst tiefen (um 100 Hz) ... und einer höheren (um 170 Hz) Trennfrequenz zwischen einem Bass- und einem Mittelhochtonsystem.
>>> Es gibt gute Gründe, die Trennfrequenz tief anzusetzen:
1. Zahlreiche Bass-Systeme können Frequenzen oberhalb von 100 Hz nicht gut wiedergeben.
2. Es gibt zahlreiche - von den Abmessungen her kompaktere - "Einfrequenz"-Bässe, die aus klanglichen Gründen möglichst weit unter 100 Hz getrennt werden sollten.
3. Viele verbreitete Bass-Systeme arbeiten in grösseren Stack oberhalb von 100 Hz zunehmend unbefriedigend - auch wenn sie im Einzelbetrieb vergleichsweise unmproblematisch sind.
>>> Es gibt aber auch gute Gründe, die Trennfrequenz höher anzusetzen:
1. Kompakte Tops strahlen "unten" nahezu kugelförmig ab.
2. Die Abmessungen von Mittelhochtonsystemen könnten kleiner ausfallen.
>>> Ein wenig "Theorie und Praxis":
Eine "kleine" Box strahlt - wenn die Abmessungen im Vergleich zur Wellenlänge klein ist, kugelförmig ab. Mit zunehmender Frequenz nimmt das Richtverhalten zu.
Selbst ein Mittelhochtonhorn erzielt erst ab einer durch die Gehäusegröße (Mundfläche) vorgegebenen Grenzfrequenz gerichtet ab - bei tieferen Frequenzen ist die Abstrahlquarakteristik kugelförmig.
"Kompakte" Mittelhochtonsysteme erzielen erst bei Frequenzen ab etwa 200 ... 300 Hz eine ausreichend hohe Richtwirkung "nach vorn".
Wird ein solches (akustisch: zu kleines ...) "Kompakt-System" bei etwa 100 Hz angekoppelt und per EQ oder Controller "vorn" entzerrt, dann gibt das System im Bereich 100 ... 200 Hz auch sehr viel Schall-Leistung "nach hinten" ab ... und viele Musiker bzw. Techniker kennen diesen "Effekt", wenn die Anlage dann gerade in diesem Bereich bei Gesangs- und Drum-Mikros Feedbackprobleme verursacht.
Sofern man in einem Raum (d.h. mit Reflektionen an Wänden, Decken etc.) arbeitet, führt eine Absenkung dieses "Problem"-Bereichs am EQ ... oder Controller ... zu weniger Feedbackproblemen.
Sofern die Reflektionen (im Vergleich zum Direktschall) nicht zu "spät" eintreffen, wird das Klangergebnis als ausreichend bis gut befunden.
Aber: Wird das gleiche System mit gleichen Einstellungen in einem großem Zelt oder auf einer Außenveranstaltung (KEINE Wände - d.h. erheblich weniger Reflektionen ...) eingesetzt, wird der Bereich zwischen 100 ... 200 Hz dann vergleichsweise "zu dünn" wiedergegeben. Eine Linearisierung des Direktschalls "nach vorn" führt für die Konzertbesucher dann zu einer Verbesserung ... das Mittelhochtonsystem bekommt in diesem Bereich mehr Leistung zugeführt ... und strahlt dann aufgrund fehlender Directivity in diesem Bereich wieder erheblich mehr Schall auf die Bühne (Feedbackprobleme ...).
>>> Abhilfe:
*** Lösung 1: ***
Tiefe Trennungen erfordern recht große Mittelhochtonsysteme - oder den Einsatz eines - wegen der benötigten Richtwirkung GROSSEN ! - zusätzlichen "Filler"-Systems (also quasi ein "Low-Mid-System ...).
Die Nachteile eines solchen Systems sind: Große Abmessungen (entweder durch ein großes Mittelhochton-System ... oder eben durch das "Filler"-System ...).
Der Einsatz eines "Filler"-Systems erfordert einen zusätzlichen aktiven Weg und Amping.
Die soeben beschriebene Lösung ist erst ab einer gewissen Größenordnung praktikabel und eignet sich nicht für kleinere Beschalllungsaufgaben, bei denen das Transportvolumen und die Aufstellmöglichkeiten am Veranstaltungort begrenzt sind.
*** Lösung 2: ***
Die Trennfrequenz liegt im Bereich um 150 ... 200 Hz - die Anforderungen an das Mittelhochton-System sind deutlich niedriger - allerdings muß der Bass "höher" spielen können.
Viele Kurzhörner können diesen Bereich mühelos abdecken und schaffen damit eine bessere (Down-) Skalierbarkeit für Anwendungen, wo die Veranstaltungsgröße stark variiert (d.h. heißt: auch "mal" Club-Beschallungen ...). Und in kleineren Räumen ist die Basswiedergabe aufgrund der Wand- und Bodenreflektionen oft schon bei einem oder zwei Bass-Systemen pro Seite (sofern eine ausgewogene Wiedergabe ohne übertriebene Anhebung des Bassbereichs angestrebt wird) völlig ausreichend.
Da selbst kleine Bass-Systeme von den Abmessungen i.d.R. schon deutlich größer als kompakte Mittelhochtonsysteme sind, ist die Richtwirkung im Problembereich bei Lösung 2 dann deutlich günstiger als bei Systemen mit tiefer Trennung um 100 Hz (oder darunter).