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Stagebox-Splitter-Kombination

  • felix radax
  • 26. März 2008 um 19:18
  • felix radax
    Beiträge
    11
    • 26. März 2008 um 19:18
    • #1

    Hallo allerseits!

    Ich überlege, mir eine Kombination aus Stagebox und (passiven) Splittern zu kaufen.
    Zweck: Transportable Lösung für
    1. mobiles Live-Recording in Lokalen, wo jemand anderer die Hausanlage bedient und ich die Signale vor der Stagebox abzweige sowie
    2. Auftritte, bei denen ich selbst mit eigenem Mischpult FOH betreue und das Gerät als Stagebox nutze.

    Es geht um 24 Ins und 8 Returns. Der Multipin-Ausgang für FOH (nennen wir ihn A) soll alle Kanäle beinhalten und Phantom Power transportieren, der Multipin-Split-Ausgang fürs Recording (B) soll nur die Inputs umfassen und von der Bühne und FOH elektrisch getrennt sein.

    Genau zu Letzterem hätte ich ein paar Fragen:

    1. Ist die elektrische Trennung der richtige Weg für das Recording-Vorhaben?
    2. Bedeutet "galvanisch getrennt", dass A und B separate Erdung haben?
    3. Wie genau erreiche ich diese separate Erdung? Muss es dafür einen Ground Lift geben oder erledigen das bereits die Übertrager, sofern die Split-Kanäle über solche verfügen?
    4. Was bedeutet "Multipair"?
    5. Und schließlich: Brauche ich für die elektrische Trennung eine so genannte Einzelmasse-Stagebox oder funktioniert das auch mit "Gesamtmasse"?

    Abschließend würde ich gern noch um etwaige Produktempfehlungen bitten. Klotz und Sommer bieten entsprechende 19''-Boxen an, aber ich wäre nicht unglücklich, wenn es sich preislich bei max. 1.500,- Euro abspielen würde (Kabel nicht mitgerechnet).

    Liebe Grüße,
    Felix

  • yamaha4711
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    Beiträge
    3.664
    • 26. März 2008 um 20:11
    • #2

    Tacho!

    zu 1.
    eine elektrische Trennung geht nicht, da dann gar kein Signal mehr kommt. Man nennt es eine galvanische Trennung (siehe 2.).
    Letztendlich kommt eine galvanische Trennung einer elektrischen schon recht nahe, aber es gibt eben doch noch feine Unterschiede.
    Eine galvanische Trennung per Trafo/Übertrager z.B. unterbindet Gleichstromanteile, da nur ein elektrisches Wechselfeld eine Induktion bewirken kann.

    zu 2.
    Nein! Galvanische Trennung bedeutet, daß der/die Aussenleiter keinen direkten elektrisch leitenden Kontakt miteinander haben. Das Signal wird - je nachdem was man vor hat - per magnetischer Induktion oder Licht übertragen. Deswegen nennt man die Dinger, die selbiges bewerkstelligen Übertrager. Letztendlich ist es ein kleiner 1:1 Trafo oder im Falle von Licht ein Optokoppler.
    Eine separate Erdung könnte zu einem Potential führen, welches sich in einer Spannung und fliessendem Strom bei Berührung äußerst. Kann unter Ümständen recht unangenehm sein. Dadurch baut man sich mitunter lusitge Brummschleifen.

    zu 3.
    Am besten gar nicht. Der Groundlift trennt die Schirmmasse, damit keine Erdschleife entsteht, falls man unterschiedliche Nullpotentiale (Erdung) nutzt, z.B. Stromkreis 1 an der Bühne für die Amps und Stromkreis 2 50m weiter weg für das FoH. Ein Übertrager trennt die signalführenden Leiter galvanisch und sorgt für eine Impedanzanpassung.

    zu 4.
    Multi = viel, pair = paar
    Also vielpaarig oder mehrpaarig.

    zu 5.
    Hängt von deinem Equipment ab. Wenn dein Pult intern mit Einzelmassen arbeitet ja, wenn nicht ist es egal. Es ist jedoch sinnvoll die beiden Kreise (FoH, Recording) massenmäsig zu trennen und eben Übertrager zu verwenden.

    Es gibt Hersteller (Klotz, Sommer - hast du ja schon genannt) die so etwas fix und fertig liefern. Mit Bastlei ohne Sachverstand schadet man sich und der Kundschaft nur. Es gibt dazu noch div. Nachbauten und Billighersteller. Ob das Sinn macht sei mal dahingestellt.
    Ebenso gibt es fertige Splitter. Also am besten 2 Multipairs anschaffen, entsprechende Signalsplitter (am besten aktive) und das ganze in ein entsprechendes Case verpacken oder eben auf zwei Cases verteilen. Du bist dadurch flexibler und hast zur Not ein komplett unabhängiges 2tes Multipairsystem.

    Grüßle,
    michael

    Laut heisst nicht immer gleich gut und toll und wer schreit ist meist im Unrecht.

  • derautor
    Profi
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    18
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    1.089
    • 26. März 2008 um 20:16
    • #3
    Zitat

    1. Ist die elektrische Trennung der richtige Weg für das Recording-Vorhaben?

    Ja! Allerdings ist der Begriff "elektrische Trennung" ein wenig unglücklich gewählt, ich glaube aber zu wissen, was Du meinst :)

    Zitat

    2. Bedeutet "galvanisch getrennt", dass A und B separate Erdung haben?

    Ja!

    A besitzt das Erdpotenzial der PA, B wird automatisch auf das Potenzial des Recording-Equipments gezogen, sobald Du den diesbezüglichen Multipin einsteckst. Dieses Potential kann dann mit A identisch sein (Rekorder hängt auf dem gleichen Stromkreis wie PA), muss aber nicht, wenn Du z.B. das Recording weiter weg (Nebenraum, anderes Stockwerk, im Sprinter ect. ) aufbaust und "anderen Strom von weiter weg" dafür nutzt.

    Zitat

    3. Wie genau erreiche ich diese separate Erdung? Muss es dafür einen Ground Lift geben oder erledigen das bereits die Übertrager, sofern die Split-Kanäle über solche verfügen?

    Die Trennung übernehmen die Übertrager (Masse nicht durchverbinden!). Ist der Split ohne Übertrager durchgeführt, also direkt durchverbunden (Y), lässt man die Masseanschlüsse zu B hin offen bzw. legt sie schaltbar (Ground Lift) aus. Die Erdung für B erfolgt dann beim Anschließen des Recording-Stromkabels.

    Zitat

    4. Was bedeutet "Multipair"?

    "Multipair" heißt ganz einfach, dass innerhalb des Multicores eine größere Anzahl "Mini-Kabel" vorhanden sin, welche je zwei Adern und eine Abschirmung beinhalten.

    Zitat

    5. Und schließlich: Brauche ich für die elektrische Trennung eine so genannte Einzelmasse-Stagebox oder funktioniert das auch mit "Gesamtmasse"?

    Die PA-Seite kann durchaus Gesamtmasse haben, diese darf jedoch nicht auf die Recordingseite B gelangen, aus bekannten Gründen! Ich würde generell Einzelmasse bevorzugen, dafür braucht es aber deutlich mehr Pins, also größere Hartings. Dann besser zwei Multicores (Send und Return getrennt) planen.


    es grüßt

    derautor

    Immer schön vorm Soundcheck herverkabeln.....

  • felix radax
    Beiträge
    11
    • 27. März 2008 um 16:12
    • #4

    Erst einmal herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten! :D

    Wie ihr wahrscheinlich schon gemerkt habt, weiß ich leider viel zu wenig über Strom. :oops:

    Deshalb habe ich auch manches nicht verstanden:

    Genügt die galvanische Trennung via Trafo zur Vermeidung von Brummschleifen? Wenn ja - wieso gibt es dann auf vielen Trafo-Splittern zusätzliche Ground Lifts? Oder wenn nein - wieso gibt es dann Trafo-Splitter (von guten Firmen wie Palmer) ohne Ground Lifts?

    Wenn auf meiner (der isolierten) Seite ein oder mehrere Ground Lifts aktiviert worden sind, bedeutet das dann, dass meine Seite nicht mehr geerdet ist? Oder bin ich über meine Steckdose sehr wohl geerdet? Und kann ich dann überhaupt einen Schlag bekommen?

    Und schließlich:
    Wenn in dem Raum/Lokal nur ein einziger Stromkreis besteht, an dem die Musiker, ich und FOH hängen, kann es dann überhaupt zu einer Erdungsschleife kommen?

    Ich möchte einfach gern live aufnehmen können, ohne dass jemand wegen mir einen Stromschlag bekommt - oder ich selbst, weil irgendwo einmal die Erdung abgeklebt worden ist, ohne dass sich noch jemand daran erinnern würde. :?

    Liebe Grüße,
    Felix

  • robert müller
    Reaktionen
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    Beiträge
    2.248
    • 27. März 2008 um 16:32
    • #5
    Zitat von "Felix Radax"

    Genügt die galvanische Trennung via Trafo zur Vermeidung von Brummschleifen? Wenn ja - wieso gibt es dann auf vielen Trafo-Splittern zusätzliche Ground Lifts? Oder wenn nein - wieso gibt es dann Trafo-Splitter (von guten Firmen wie Palmer) ohne Ground Lifts?


    Du musst hier zwischen den signalfuehrenden Adern und dem geerdeten Schirm unterscheiden. Brummschleifen entstehen meistens dann, wenn ueber den Schirm zwei unterschiedliche Erdpotentiale miteinander verbunden werden. Dann fliesst auf dem Schirm ein Ausgleichsstrom, der in den Signaladern ein Brummen induziert.
    Der Trafo kann also das Brummen, das durch Erdschleifen entsteht, nicht entfernen, da nur die Signaladern ueber den Trafo gefuehrt werden, die Erde jedoch daran vorbei (ausser bei Ground Lift, da ist sie natuerlich gar nicht verbunden).

    Zitat von "Felix Radax"

    Wenn auf meiner (der isolierten) Seite ein oder mehrere Ground Lifts aktiviert worden sind, bedeutet das dann, dass meine Seite nicht mehr geerdet ist? Oder bin ich über meine Steckdose sehr wohl geerdet? Und kann ich dann überhaupt einen Schlag bekommen?


    Die Schutzerdung jedes Geraetes erfolgt ueber den Schutzleiter im Netzanschluss. So lange der nicht abgeklebt ist, kann also nix passieren. Deine Signalleitungen haben mit dieser Schutzfunktion nichts zu tun (koennen aber davon beeinflusst werden, je nach Erdungskonzept der verwendeten Geraete - genau deswegen brauchen wir ja manchmal Ground Lifts).
    Beim Ground Lifting ist aber auch wichtig, dass es mit Sinn und Verstand gemacht wird. Wenn man eine Goundleitung unterbricht, dann immer nur auf einer Seite der Verbindung. Ansonsten verliert man auf dieser Verbindung die Schirmwirkung. Fuer deine Anwendung waere wohl ein schaltbarer Lift fuer alle Kanaele des Recordingausgangs auf der Seite der Stagebox sinnvoll. Die Erdung der Schirme im Multicore zwischen dir und der Box uebernimmt dann dein Pult, gleichzeitig kann aber keine Erdschleife entstehen.

    Zitat von "Felix Radax"

    Und schließlich:
    Wenn in dem Raum/Lokal nur ein einziger Stromkreis besteht, an dem die Musiker, ich und FOH hängen, kann es dann überhaupt zu einer Erdungsschleife kommen?


    Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Erdschleife kommt, ist auf jeden Fall schon mal geringer. Wenn du aber grosse Entfernungen ueberbrueckst (z. B. mittels Verlaengerungen), dann kann es durchaus zu unterschiedlichen Erdpotentialen und damit Brummschleifen kommen.

    Zitat von "Felix Radax"

    Ich möchte einfach gern live aufnehmen können, ohne dass jemand wegen mir einen Stromschlag bekommt - oder ich selbst, weil irgendwo einmal die Erdung abgeklebt worden ist, ohne dass sich noch jemand daran erinnern würde. :?


    So lange du deine Geraete vorschriftsmaessig geerdet hast, kannst du mit einem Ground Lift im Multicoresystem niemandem schaden.

  • felix radax
    Beiträge
    11
    • 29. März 2008 um 15:58
    • #6

    Hallo nochmal und danke!

    Aber sagt, brauche ich für meine Zwecke eigentlich wirklich die teuren Trafos?

    :?:

    Ich frage mich, ob nicht ein passiver Split 1-auf-2-mal-Direct-Out reicht, sofern der zweite Ausgang einen Ground Lift gegen etwaige Schleifen bietet.

  • robert müller
    Reaktionen
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    Beiträge
    2.248
    • 30. März 2008 um 16:23
    • #7
    Zitat von "Felix Radax"

    Aber sagt, brauche ich für meine Zwecke eigentlich wirklich die teuren Trafos?

    :?:

    Ich frage mich, ob nicht ein passiver Split 1-auf-2-mal-Direct-Out reicht, sofern der zweite Ausgang einen Ground Lift gegen etwaige Schleifen bietet.


    Ich hab bisher mit beiden Ansätzen Erfahrungen. Sowohl rein passiver Split für FoH/Mon bzw. FoH/Rec als auch Trafosplit für FoH/Mon, FoH/Rec und FoH/Mon/Rec.
    Bisher hat jedes System so funktioniert, wie es soll. Drei Pulte (also FoH/Mon/Rec) mit reinem Passivsplit hab ich noch nicht probiert, da kann ich nix sagen, aber bei 2 Pulten geht das normalerweise problemlos meiner Erfahrung nach, so lange die Verkabelung und die Geräte in Ordnung sind.
    Wie ein Kurzschluß auf einem Abgang eines trafogesplitteten Systems sich auf den anderen Abgang auswirkt, kann ich nicht sagen, da fehlt mir die Erfahrung (noch nie was kaputt und noch nicht ausprobiert). Evtl. mildert der Trafo die Auswirkungen etwas ab (bei Passivsplit dürfte das Signal einfach weg sein).
    Bei Passivsplits sollte man vor allem darauf achten, daß nur ein Pult Phantomspeisung liefert und das andere Pult diese auch verträgt, wenn sie auf den Eingängen anliegt. Bei Trafosplits kommt die Phantomspeisung eh nicht durch. Deswegen sollte ein Abgang (normalerweise der zum FoH) auch direkt mit dem Mikrofon verbunden sein und nur der zweite per Trafo isoliert. Eine Alternative sind noch Stageboxen bzw. Splitter, die selbst eine Phantomspeisung zur Verfügung stellen. Dann brauchen die Pulte überhaupt keine zu liefern und können sich auch gegenseitig nicht phantomspeisen.
    In deinem Fall würde ich mir vielleicht eine Box bauen, in der du zuerst mal einen Passivsplit realisierst (Jeden Kanal auf zwei Multipin parallel anlöten), aber die gleich genug Platz hat, später mal Trafos aufzunehmen, um den Recordingabgriff per Trafo zu isolieren, falls du es mal brauchst.

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