Zitat von "Mechwerkandi"Wenn ich ein mechanisches System, gleich welcher Art, permanent am Rand seiner vorgegebenen Belastbarkeit oder darüber hinaus betreibe, muss ich damit rechnen, das es früher als üblich ausfällt, resp. Verschleisserscheinungen an Rande zum Ausfall zeigt.
Völlig richtig!
Schwierig wird es allerdings dann, wenn die festzulegende Betriebsgenze für eine akzeptable MTBF sehr weit unter der theoretischen Grenze liegt. Z.B. ein Chassis mit 6,5mm Spule/Platte-Hub nur bei Beschränkung auf 3 mm akzeptabel lange hält, oder viel schlimmer, beim Zusammenfallen einer geringsten Überschreitung, dieser ohnehin inakzeptablen 3mm, mit einem schwierigen, aber nicht als solchem erkennbaren Musiktitel - Die Spule gegen die Platte knallt.
Zitat von "Mechwerkandi"Ein DC Displacement kann am Ausfall eines Lautsprechers beteiligt sein, muss es aber nicht, und wenn es daran beteiligt war, wäre zu klären, welchen Anteil es an der Fehlerkette hat.
Und weil man für diese Bewertung keine allgemein verbindliche Norm darstellen kann, lässt sich die Diskussion darüber quasi bis ins Unendliche fortsetzen.
Da ich der Auffassung bin, dass mechanische Defekte immer durch DC-Displacement verursacht werden, und die Mehrzahl der einseitigen Spulenabbrenner auch, diskutiere ich um Hinweise zur Vorhersagbarkeit zu bekommen.
Ich habe im Zusammenhang mit der URPS-Forschung Chassis gequält. Es hat sich für mich erwiesen, daß Chassis solange sie sauber um die Mittellage schwingen praktisch unzerstörbar sind. (unter Reso). in weiteren Versuchen habe ich Chassis direkt gegen ein Brett geschraubt, und mit absurden Bursts gequält, sowohl die Schwingspulenklebungen hielten, als auch die leichten NAWI-Membranen. Seither suche ich nach den Effekten, die bei um Größenordnungen geringeren Betriebszuständen dennoch zum sofortigen Ausfall führen.
Zitat von "Matthias Bost"Der D54 wurde von Dynaudio als Fillerdriver mit nur 6dB Trennung (in Passivboxen) eingesetzt / empfohlen
Flach zu trennen war zu dieser Zeit in Mode ich nenne das "Flachtrennwahn" oder "Phasenphobie". Daß Deine Betriebsweise den Ausfall eines gut gebauten Dynaudio Schallwandlers soweit beschleunigt hat, daß er "zu früh" ausfiel mag schon sein.
Zitat von "Mattias Bost"Alles anzeigenHi,
konnte es nicht lassen und mußte ein wenig rechnen. Erstmal geschaut, wieviel mJ so in der gespannten Feder eines Chassis sitzen.
Ich habe dabei um extreme Werte zu bekommen, mal meinen 22"er als Datenbasis geschnappt, der hat eine mms = 300gr, Nachgiebigkeit = 0,161mm/N => Federkonstante = 6211N/m, Auslenkung +-10mm
Federenergie = 1/2 * D * s^2 (D = Federkonstante, s = Auslenkung aus nullage)
einsetzen:
Federenergie = 1/2 * 6211N/m * (0,01m)^2 = 310mJ (immerhin)Kinetische Energie = 1/2 * m * v^2 (m = masse, v = Geschwindigkeit)
Problem: Wie schnell fliegt eine Membran im unkontrollierten Zustand durch den Magneten? Nehme eine sehr hohe Geschwindigkeit an von 10m/s (Annahme, daß die 20mm Hub in 2,5ms durchlaufen werden, mehr wird wohl bei einer so großen und schweren Membran nicht auftreten)
Also:
Kin. Energie = 1/2 * 0,3kg * (10m/s)^2 = 15J (!!!) NE GANZE MENGE, jedenfalls mehr als "gefühlt erwartet"! Respekt an Bernd, ich hatte nur was im ordentlichen mJ-Bereich erwartet.
Was steckt in einem Netzeil(-elko) drin?
Elektr. Energie im Kondensator = 1/2 * C * U^2 (C=Kapazität)
Nehmen wir mal nen normales Netzteil so ner ordentlichen 500W-Hifi Endstufe (da weiß ich was in meiner steckt!), 10000µF (0,1F) bei 80V.
Elektr. Energie = 1/2 * 0,1F * (80V)^2 = 320J (na ja, da ist glücklicherweise doch einiges drin).
Jetzt müßte man das mal mit "leichteren", professionellen PA-Lautsprechern "prüfen", deren obere Grenzfrequenz erheblich höher als meiner Kartoonpappe ist. Da die Geschwindigkeiten merklich steigen könnten, könnte es wegen des quadratischen Anstiegs der Energie mit der Geschwindigkeit und der höheren Anzahl von Pappen schon übler für ne Endstufe werden, allerdings haben diese auch einges über 80V Railspannung (und die Spannung hält glücklicherweise auch quadratisch dagegen).
Z.Zt. würde ich meinen, daß da kein Problem bei den Endstufen ensteht, aber über die Größenordnung der kinetischen Energie bin ich denn doch ernsthaft erstaunt.
Soweit, Grüße
Mattias
Stelle Dir zur Ermittlung der Geschwindigkeit folgende Situation vor:
Nimm ein gewöhnliches Chassis, 200 Gramm Mms und folgende Federkurve (das ist ein sehr gebräuchliches modernes, mit Hilfe des Klippeltesters konstruiertes Chassis:
Jetzt lassen wir einen Musiktitel laufen und stellen den Pegel ein, bei dem diese Chassis maximal 6,5mm Auslenkung macht, das ist der Spule/Platte-Hub dieses Chassis. Dann stellen wir das Signal ab.
Nun zerren wir die Membrane 15 mm weit Richtung Polplatte und befestigen diese. (Und suchen erstmal keine Antwort auf die Frage, wie die Membrane im Normalbetrieb dahinkommt!).
Nun lassen wir den Musiktitel mit dem Pegel der Voreinstellung laufen und lösen die Arretierung der Membrane.
Nun gibt es günstige Fälle für das Chassis, für welche die Endstufe hohe Ströme liefern muß.
Aber auch sehr ungünstige Fälle für das Chassis mit denen die Endstufe eher keine Schwierigkeiten hat.
Damit die Ströme berechenbar werden die Bl-Kurve dazu:
Ohne diesen Versuchsaufbau je gemacht zu haben entsprich er doch sehr gut dem was ich erlebt habe: Das kann sich aufschaukeln, über die 15mm hinaus, warum? Wie fängt das an?
Anmerkung noch: Dieses Chassis läuft dank der extrem restriktiven Einspannung in BR bemerkenswert stabil, klirrt jedoch erheblich. In BR fällt das im allgemeinen Krach nicht auf, in CB leider sehr.
Zitat von "unknown_artist"Ich denke das Problem, liegt ja wie von Bernd ja schon angesprochen oberhalb der Tuning Frequenz. Sagen wir mal 70 Hz bei einer Abstimmung auf ca 45Hz. Bei den gängigen Abstimmgüten sollte man sich dann doch die Frage stellen was der Antrieb jetzt sieht. Zum einen eine mechanische Induktivität, bestehend aus der schwingenden Masse der Membran und der mitbewegten Luft. Dann sieht er ein bisschen Reibwiderstand, klassifiziert über die mechanischen Verluste des Systems und ein bisserl Schallleistung die er abgibt. Und was bleibt noch über, die akustische Kapazität, die Federwirkung die sich irgendwie lustig aus einem großen Teil der Aufhängung und der Rückkammer-Luft-Verdichtung zusammensetzt.
Aber, langsam mal. Federt die Rückkammer oberhalb der Tuningfrequenz so wie sie sollte? Wo kommt der 2te Impendanzpeak oberhalb von fb her? Und eben hier sehe ich den kritischen Bereich bei jedem einfach ventilierten System, hier können ganz schnell Hubprobleme angesagt sein... Und das mitten im "Nutzbass"...
Messerscharfe Fragen, auf die ich zwar reproduzierbare praktische Antworten habe, doch keine "wasserdichte" Theorie.
Zitat von "Jonnytrance"
Mal gegengedanke: Membrangrösse und Hub machen SPL aus. Möchte ich im Nutzbereich laut werden, soll Chassi bei diesen Frequenz gut auslenken. Nehme ich die Auslenkung raus, sinkt SPL.
Vielleicht auch ein denkfehler von mir.
Sound-Klinik würde jetzt sagen: da setze ich einen Resonator drauf an, also im einfachsten Fall BP6, doch Resonatoren verschlechtern DC-verursachende Phasenwinkel. Immerhin entsteht dennoch Schall. Ein Fließwiderstand wäre geschickter, doch dann wirds natürlich Leise. Resistiver Strahlungswiderstand hilft, doch das wird riesig...
Underhang, nun, das ist vor allen Dingen teuer und schwer, Spulenlängen kosten immer gleich.
Natürlich wäre es sinnvoll Chassis mit absolut linearem BL zu bauen, diese mit einer dann möglichen linearen Einspannung zu versehen und, weil das für PA unumgänglich ist, elektronisch oder mechanisch den Verbleib im linearen Bereich erzwingen.
Da PA jedoch wirtschaftlich sein muß, und Krach weitgehend akzeptiert ist, gibts erstmal Chassis die mittels progressiver Einspannung zum stabilen Betrieb in BR gezwungen werden. Das klingt FÜRCHTERLICH ist aber so...
Gruß