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  5. Love Parade 2010

Eigenverantwortliches Handeln der Besucher

  • tufkadib
  • 4. August 2010 um 12:56
  • tufkadib
    Beiträge
    2.687
    • 4. August 2010 um 12:56
    • #1

    Hallo,

    bisher wurde immer nur die eine Seite der Medaille beleuchtet, nämlich die, was können Veranstalter / genehmigende Behörden / Ausführende tun. Das ist auch soweit richtig, auch wenn ich teilweise wieder die Tendenz beobachte, sich mit Vorschriften und irgendwelchen Papieren einmauern zu wollen.
    Nur - völlig gleichgültig was man tut: es wird niemals 100% sicher sein.

    Wie sieht denn nun aber die andere Seite aus? Muß man von den Besuchern nicht auch ein verantwortungsvolles Handeln erwarten?
    Es gab in den Fernsehbeiträgen zum Thema Probleme an einer abgesperrten Treppe, die erklommen wurde. Wenn eine Treppe abgesperrt ist, klettere ich die nicht hoch.
    Wenn vor mir eine Menschentraube ist, die nicht weiterläuft; dann schiebe ich die nicht und drängle auch nicht.
    Wenn die Musik abgebrochen wird, werfe ich nicht mit Steinen und Flaschen.
    Dort, wo zu Tode gedrängelt wurde, war auf den Bildern hinter den Leuten sehr wenig Gedränge. Wieso tritt man nicht zurück?
    Werden eigentlich auch die bestraft, die auf anderen Besuchern herumgetreten sind?


    MfG
    DirkB

  • tufkaklto
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    7.116
    • 4. August 2010 um 13:22
    • #2

    Es wird auf solch Veranstaltungen ganz legal Alkohol ausgeschenkt.

    Mann muß meiner Meinung nach davon ausgehen, das die Besucher durchaus mit Alkohol und Drogen in Berührung kommen und dann kein logisches Verhalten mehr erwartet werden kann.

    Sogar im Strassenverkehr fallen offensichtlich Betrunkene oder beeinträchtiget Personen aus dem Vertrauensgrundsatz raus.
    Eigentlich auch zu Recht.

    Wenn ich denen eine Möglichkeit schaffe, das sie sich betrinken und feiern können, dann muß ich auch dafür sorgen, das dies gefahrlos geschieht

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  • ibkoeppen
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    • 4. August 2010 um 13:39
    • #3

    Eine Eigenverantwortung gibt es natürlich.

    Aber die Videos, die ich auf youtube geschaut habe - da habe ich keine Hooligans gesehen, die waren eigentlich alle erstaunlich besonnen. Daß paar Leute, die Masten und die Treppe erklimmen, das würde ich eher als "dummer-Jungen-Streich" werten, jedenfalls waren die sich nicht bewußt, daß sie damit eine Eigendynamik der Masse auslösen (sogenannte Panik), die zu Verletzten und Toten führt. Es war einfach eine überkritische Personendichte erreicht, bei welcher hier m.E. kaum noch Eigenverantwortung möglich war...

    Nein, die Regulierung des Zu- und Abgangsverkehrs, das war eindeutig die Obhutspflicht der bekannten Beteiligten.

    Michael

  • madmax
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    • 4. August 2010 um 17:05
    • #4

    Nunja, man sollte sich fragen, was letztendlich den berühmten Funken gab.

    1.) In der Masse gab es sicher einige Leute, welche Platzangst hatten; es aber bis dahin noch nicht so wahrgenommen haben. Weil sie z.B. durch ihre Wohn/Lebenssituation noch nie Fahrstuhl gefahren sind, noch nie im Flugzeug saßen.

    2.) Gab es sicher einige Idioten, Überschlaue, Angeber; welche durch übermaßige Drängelei, Abkürzen schneller ans Ziel wollten

    3.) Gab es sicher einige unter Drogen stehende / Betrunkene

    4.-9.) ???

    10.) Sollte man nicht außer Acht lassen, wie Leute sich verhalten, wenn sie dringenst auf die Toilette müssen und nicht abzusehen ist, wenns die Möglichkeit dazu gibt.
    Also ich persönlich hatte die 3. Dose Bier und 2 Tassen Frühstückskaffee, als ich gegen 11-halb12 den Tunnel passierte. Und da war ich bestimmt nicht der Einzige...


    PS: Schlimm fand ich, das auf dem Platz Leute mit kleinen Kindern unterwegs waren.
    Auch Hunde habe ich gesehen. Keine Ahnung, wie die durch die Kontrollen kamen, weil Tiere waren verboten.

    Never stop a running System

  • ibkoeppen
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    • 4. August 2010 um 17:20
    • #5

    Aber Leute mit kleinen Kindern waren doch nur deshalb "schlimm", weil die Organisatoren dieses Gedränge heraufbeschworen haben.

    Die Loveparade hatte sich doch eigentlich zu einem Volksfest gemausert, ist es da für Kinder nicht sicher?

  • madmax
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    • 4. August 2010 um 17:30
    • #6

    In Berlin mag das mal noch so gewesen sein....

    Never stop a running System

  • simonstpauli
    Profi
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    • 4. August 2010 um 17:42
    • #7

    Nach den Videos von Pizzamanne glaube ich nicht daran, daß in der Menge wenig verantwortungsvolles Handeln bestand. Sehr verstörend im Übrigen, daher kein Link.
    Besucher haben sich für die Entfluchtung der Rampe über die kleine Treppe, die Traverse und den Container entschieden, weil sie keinen besseren Ausweg sahen. Das lief teilweise ziemlich verantwortungsvoll (nach der Einschätzung mit den bekannten Fakten) ab. Daß genau das wohl auch zu der Massendynamik, den Wellenbewegungen in Richtung dieser 3 Punkte führte, hat sicherlich niemand vorhergesehen.

    Man darf auch nicht vergessen, daß ein Panikzustand vorherrschte und daß im Allgemeinen in der Masse keine Todesfälle durch Panik auftreten sondern umgekehrt Menschen in Panik geraten weil sie im Begriff sind, zu sterben. Das halte ich für wichtig bei der Betrachtung der Ereignisse. Ich würde jedenfalls niemanden anzeigen, der geschubst hat oder über jemanden gelaufen ist.

    Im Übrigen sind Ordnungskräfte dazu da, unverantwortliches Handeln zu unterbinden.

    Christian Tepfer * Monitor-Operator, HF-Betreuer, FOH-Mischer, Klang-Gestalter
    http://klanggestaltung.wordpress.com/

  • treibsand
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    • 4. August 2010 um 21:12
    • #8

    Die Eigenverantwortung hört doch da auf, wo der dafür benötigte Informationsfluss versickert.
    Die Besucher verbringen ihre Zeit damit, ab dem Bahnhof zunehmend ausgebremst zu werden. Sie stehen in Massen irgendwo fern des Partygeländes herum, ohne zu wissen, wann oder gar ob sie dort ankommen - das schört auf Dauer Ungeduld und somit Aggressionen, auch ohne Alkohol & Drogen.
    Die ersten Trauben bildeten sich bereits am Bahnhof, vor der Polizeiabsperrung weit vor den Vereinzelungsanlagen war ja schon ein ernsthaftes Gedränge.
    Von aussen/oben sieht sowas ja immernoch recht übersichtlich aus - wenn man aber erstmal genügend Leute um sich herum hat, weiss man schnell nicht mehr, wo vorne oder hinten, wo Platz oder Gedränge herrscht.
    In solchen Situationen nützt die Eigenverantwortung recht wenig, weil ich die Folgen für die Masse nicht mehr absehen kann. Irgendwann geht es dann für die Betroffenen nurnoch darum, zu überleben.

    Dass Steineschmeissen ist natürlich ein ganz anderer Sachverhalt - hier geht es dann nicht nur um Eigenverantwortung, sondern auch um Zivilcourage. Da hat IMHO schon jeder der sowas beobachtet die Pflicht einzugreifen.

    ...hauptberuflicher Sarkastiker.

  • ADMIN
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    • 4. August 2010 um 22:56
    • #9
    Zitat von "DirkB"

    Muß man von den Besuchern nicht auch ein verantwortungsvolles Handeln erwarten?

    Nein, im Gegenteil. Planung und Ausführung ist darauf auszulegen, dass sich Besucher unvernünftig verhalten.

    Zitat

    Wenn eine Treppe abgesperrt ist, klettere ich die nicht hoch.

    Wenn ich befürchten muss, zerquetscht zu werden, würde ich noch ganz andere Dinge tun.

    Zitat

    Dort, wo zu Tode gedrängelt wurde, war auf den Bildern hinter den Leuten sehr wenig Gedränge. Wieso tritt man nicht zurück?

    Könntest Du bitte mal die Bilder verlinken, auf die Du Dich da beziehst - bei dem, was ich so gesichtet habe (und das war nicht gerade wenig) sah das deutlichst anders aus.

    Bitte keine fachlichen Fragen per PM - Inhaber von dBmess

  • tufkadib
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    • 5. August 2010 um 17:57
    • #10

    Hallo,

    die Bilder waren bei uns in einer Zeitung, dächte ich. :oops:

    Zitat

    Planung und Ausführung ist darauf auszulegen, dass sich Besucher unvernünftig verhalten.


    Meine Meinung dazu ist eine andere. Das Thema hatten wir hier, dachte ich, schon mal vor einigen Jahren und es wurde festgestellt; je mehr Verantwortung man den Menschen abnimmt, desto unverantwortlicher verhalten sie sich.
    Es wurde damals auch als positives Gegenbeispiel ein Konzert in irgendeinem südlichen Land genannt, wo trotz nach hiesigen Maßstäben mangelhafter Sicherheit die Konzertbesucher offenbar mehr Bewußtsein für Gefahren und mehr Vernunft zeigten.

    Für Erfindungen wie Kreissäge, Bohrmaschine oder Automobil würde man nach heutiger Gesetzeslage vermutlich ins Gefängnis wandern.

    Nichtsdestotrotz war das Vorkommnis in Duisburg traurig und völlig unnötig. Man muß dafür sorgen, daß Politiker den Fachleuten nicht mehr ins Handwerk pfuschen können.

    MfG
    DirkB

  • tufkaklto
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    • 5. August 2010 um 23:35
    • #11
    Zitat von "DirkB"

    Es wurde damals auch als positives Gegenbeispiel ein Konzert in irgendeinem südlichen Land genannt, wo trotz nach hiesigen Maßstäben mangelhafter Sicherheit die Konzertbesucher offenbar mehr Bewußtsein für Gefahren und mehr Vernunft zeigten.

    Das war ich damals und zwar vom VIP Music Festival in Zagreb.

    Da liefen 2 x 63er kabel und 1 x 125 Kabel quer über die Wiese, wo das Publikum darauf herumtanzte!!
    Quasi direkt von Links Hinten am FOH vorbei zur rechten Bühnenseite.

    Die Leute haben aufgepasst, das sie beim gehen nicht drüberfallen.
    Soweit alles gut.
    jedoch wären bei einer Panik , oder wenn nur so eine größere Menge Leute gelaufen wären ( es war nämlich der Weg Richtung Ausgang ) wohl die meisten da drübergefallen.

    Also ist das Beispiel nur solange gut, solange nicht was unerwartetes passiert.

    Wenn man auf einem Gelände Alkohol ausschenkt, um Geld zu verdienen, dann muß man auch die Verantwortung für mögliche Besoffenen übernehmen.
    Meine Meinung.

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  • Hamster
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    223
    • 6. August 2010 um 13:29
    • #12
    Zitat von "DirkB"


    Für Erfindungen wie Kreissäge, Bohrmaschine oder Automobil würde man nach heutiger Gesetzeslage vermutlich ins Gefängnis wandern.

    Deswegen steht ja auf US-amerikanischen Kaffeebechern, dass der Inhalt heiss ist und auf Mikrowellen, dass man keine Kleintiere darin trocknen darf. Das liegt aber an einer komplett anderen Regelung der Produkthaftung, als das wir das hier haben... Würden die Prozesse nach Duisburg in den Staaten geführt, dann wären zwei oder drei Leute wahrscheinlich bereits auf der Flucht.

    Ich gebe Dir recht, das im Laufe der Zeit der Durschnittsveranstaltungsbesucher unvorsichtiger geworden zu sein scheint. Nicht unbedingt aus Verantwortungslosigkeit, sondern eher aus Egozentrik ("Durchgang verboten gilt für alle, aber nicht für mich"). Was Kleinkinder und Hunde auf Technoparties zu suchen haben, frage ich mich auch.

    Aber:
    Zum einen ist diese Entwicklung bekannt, zum anderen sind die Besucher der VA ja dorthin eingeladen worden und auch dazu eingeladen worden, Alkohol zu trinken.

    Damit halte ich jede Art von Vorwurf gegen die Besucher für absolut unprofessionell.

    Sollte sich wider Erwarten herausstellen, dass Einzelpersonen in der Masse gezielt auf die Entstehung einer Panik hingearbeitet haben, werden sie hoffentlich gefunden und zur Rechenschaft gezogen. Davon habe ich aber noch nirgends etwas gehört oder gelesen und das ist glaube ich auch nicht Thema dieses Threads.

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