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Sinn oder Unsinn: Szenenautomation im Bandmix

  • billbo
  • 3. Oktober 2014 um 11:03
  • billbo
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    3.671
    • 3. Oktober 2014 um 11:03
    • #1

    EDIT MOD:
    Da das eigentlich ein eigenständiges interessantes Thema ist, trenne ich das hier aus dem 'gainsharing' Thread ab

    Nun ja - ist es denn wirklich so, dass die Hersteller für anspruchsvolle Mehrfacharbeitsplatzanwendungen (Foh/ Mon/ Rec/ ... ) explizit versprochen haben, dass an Platz 2, 3, ... nur noch jeweils ein halbes Mischpult gebraucht wird? Oder ist das schlicht wunschdenkengesteuerte Fehlinterpretation einiger Geiz-ist-auch-hier-megageil - Anwender?

    Und zweite Frage: gibt es (außer in der 'teilautomatisierten' Theater-/ Musicalwelt, da ist die Sache klar) tatsächlich Kollegen, die während einer Liveshow einfach vorgefertigte Files abrufen?
    Egal ob auf Tour oder auf Festivals: wie das Venue im gefüllten Zustand 'akustisch tickt', wie die Tagesform der Musiker ist, welche Effekte in dieser Akustik jetzt tatsächlich funktionieren, auf welche Spontanideen der Bandchef so kommt - das alles und noch viel mehr stelle ich doch als Livetonler erst während der ersten Programmminuten fest und habe deshalb in dieser Zeit auch richtig viel zu tun; gegebenenfalls merke ich, dass ich die Hallenakustik im leeren Nachmittagszustand völlig falsch eingeschätzt habe und baue notgedrungen meine komplette Mixstruktur um. Mit anderen Worten: der gesamte Tagesmix ergibt sich doch erst während der ersten paar Songs. Und je nach dem, was die Musikanten auf der Bühne so treiben, wird er ständig (minütlich/ sekündlich) korrigiert/ modifiziert/ angepasst.
    Und wenn ich nach ein paar Minuten endlich einigermaßen damit fertig bin gehe ich hin und rufe eine andere Szene auf? :shock: Dann mache ich ja im Prinzip auch nichts anderes als der Tanzmuckerchef, der von der Bühne aus 'seinen' Sound auf dem Powermixer einstellt und hofft, dass das auch hier und heute schon so einigermaßen unfallfrei hinhauen wird... :roll:
    Ich kenne keinen Kollegen, der live so arbeitet; von Sonderanwendungen (fester Bandinearmix, ALLES auf Recall Safe außer ein paar Spezialeffekten, o. ä.) mal abgesehen. Und am anderen Ende des Muco ist's nicht viel anders, für einen gestandenen Monitorer ist der Channel Gain in den ersten Minuten oft eines der meistgebrauchten Bedienfeatures. Und nein, es ist aus technischer Sicht eben nicht möglich, diesen einmal für mehrere Arbeitsplätze perfekt einzustellen und danach für zwei Stunden nicht mehr anzufassen. Ein Konzertmix ist ein dynamischer Vorgang, ganz ähnlich wie das Geschehen auf der Bühne selbst. Und das funktioniert auf zwei Beinen einfach um Welten besser als im Rollstuhl.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • SebastianJaeger
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    • 3. Oktober 2014 um 11:39
    • #2

    Sehr interessant, ich wollte gerade selbst ein ähnliches Thema öffnen und mal hören wer mit Snapshots oder Szenen arbeitet.
    Habe schon ein paar mal drüber nachgedacht, ob es Sinn macht sich bei festen Bands so etwas für verschiedene FX bzw. Songs anzulegen, habe aber letztendlich die gleichen Bedenken wie billbo.
    Wer nutzt diese Features ausgiebig im Rock´n Roll Bereich, oder auch im Gala, Top40 Bereich?

    Gruß

    Sebastian

    Jäger-Audiosolutions - Tools vom Tontechniker für Tontechniker
    http://www.jaeger-audiosolutions.de Cat Multicores, Speakon Multicores, Rednerpultmulticores etc., CNC Bearbeitung

  • guma
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    • 3. Oktober 2014 um 11:40
    • #3
    Zitat von "billbo"

    : Dann mache ich ja im Prinzip auch nichts anderes als der Tanzmuckerchef, der von der Bühne aus 'seinen' Sound auf dem Powermixer einstellt und hofft, dass das auch hier und heute schon so einigermaßen unfallfrei hinhauen wird... :roll:
    Ich kenne keinen Kollegen, der live so arbeitet; von Sonderanwendungen (fester Bandinearmix, ALLES auf Recall Safe außer ein paar Spezialeffekten, o. ä.) mal abgesehen. ....

    Sehe ich eigentlich genau so:

    Funzt eigentlich nur für Mutes für Kanäle, die gerade nicht gebraucht werden und Effektwechsel + "Sonderanwendungen" die mir so nicht einfallen, alles andere 'recall safe' aber vielleicht gibt es Kollegen, die hier über sinnvolle Anwendungen berichten, die Billbo und mir gerade nicht einfallen ?

  • ThomasL
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    • 3. Oktober 2014 um 12:33
    • #4

    Das einzige wo ich's mir im Moment vorstellen könnte, von den o.g. Möglichkeiten mal ab, wären Shows mit Playbackorchester. Also Mehrspurzuspieler, die bei bestimmten Songs bestimmte Settings von Nöten machen - und die in Ermangelung von Faktor Mensch auch reproduzierbar sind. Aber ganze Szenen? So mit alles? No Way.

    http://www.lange-ohlemeyer.de

  • wora
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    • 3. Oktober 2014 um 14:54
    • #5

    ich habe das schon gemacht, zumindest teilweise.
    hintergrund war eine recht aufwändige Top40-liveshow, bei der ich im vorfeld vom MD (musical director) für jeden song klare infos bekommen habe, welcher der drei gitarristen in welchem song welche stimme (und wichtigkeit) und welche gitarre spielen wird - und wie sie im panorama verteilt werden sollten. ausserdem hatte ich noch die info, welches schlagzeug in welchen songs spielen wird.
    eine genauere info hatte ich zuvor noch nie im leben erhalten - und das stimmte dann auch noch ;)

    dieses "problem" löste ich dann über einzelne szenen, in denen ich aber ausschliesslich die mutes der drumkanäle und die mutes und pans der einzelnen gitarren aufgerufen habe. ach ja, die effekte hab ich da natürlich auch gleich reingepackt.
    das war doch recht viel arbeit im vorfeld, aber auf dem gig hat es sich tatsächlich gelohnt!
    nächstes jahr soll es im Tollhaus wieder so eine show geben, da werde ich das vermutlich wieder auf die gleiche weise lösen.

    komplette settings incl. kanal-gain und EQ würde ich aus den von billbo genannten gründen aber niemals einfach so abfahren, weil sich eben die akustik in jedem saal ändert. wenn das tatsächlich klappen würde, wären wir ja sofort arbeitslos :lol:
    aber gewisse teile kann man natürlich schon so bearbeiten, z.b. die kanal-mutes.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • simonstpauli
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    • 3. Oktober 2014 um 21:47
    • #6

    Ich habe Szenenautomation bei Theatershows genutzt, hauptsächlich für Mutes, Effekte und spezielles Routing.

    Sound-Geschichten habe ich wie analog gewohnt durch Kanaldopplung realisiert (z.B. anders klingende Stimmen für Traum-Szenen), finde das übersichtlicher.

    Bei Band-Sachen nutze ich Szenen extrem selten, wenn, dann für Effekt-Cues und Mutes.

    Christian Tepfer * Monitor-Operator, HF-Betreuer, FOH-Mischer, Klang-Gestalter
    http://klanggestaltung.wordpress.com/

  • WolfgangK
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    • 4. Oktober 2014 um 11:43
    • #7

    Ich nutze die Szenen derzeit zur Abbildung verschiedener Bands. Da die Szenen bei Yamaha mit dem In- und Output- sowie Effektrouting verlinkt sind, habe ich dann für jede Band die richtige Kanalbeschriftung, -belegung, die richtige Anzahl Monitor- und Effektwege, alles mit Namen, ...

    Für mich sind die Szenen also quasi ein "Setup". Insofern ist bei mir auch nix auf "Safe".

    Szenenwechsel während einer VA kommt bei mir nur in Ausnahemfällen vor.

    Viele Grüße
    Wolfgang

    Ton: Neuman KM18x, Yamaha DM7, LAB-Gruppen IPX/PLM+, Kling&Freitag CA1215, Line212, SWx15E, ...

    Licht: GrandMA 3 compact, GLP X4, ...

  • wora
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    • 4. Oktober 2014 um 11:58
    • #8

    es ist sicher allgemein die hautpanwendung der szenenspeicher, darin komplette bandsetups zu speichern.

    für effektsettings benutze ich in meinem pult grundsätzlich diverse szenen, die ich mir im laufe der jahre erarbeitet habe. damit schalte ich dann zum teil mehrere effektgeräte gleichzeitig um, ausserdem habe ich für jeden FX weg jeweils mehrere effektszenen gespeichert, die ich bei bedarf schnell aufrufen kann, sei es am pult direkt oder am laptop nebendran, welches dann als erweiterte bedienoberfläche funktioniert. das sind aber immer nur relativ wenige sachen, die ich damit umschalte.

    aber wie gesagt: komplette szenen für einzelne songs fände ich unpraktisch. es sei denn, man ist in einer festen location und hat einen festen ablauf, also z.b. theater.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • daniel wilhelm
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    • 6. Oktober 2014 um 21:11
    • #9

    Mal abgesegen vom generellen Grundsetup handhabe ich es mit den Szenen wie wolfgang.
    Für Bands die ich häufig betreue habe ich vorallem vorgefertigte Effekt Szenen inkl. der Sendwege denn die Effektwege sind ja manchmal begrenzt. Somit kann ich z.b. Eine Effektmaschine für den jeweiligen Spezial nutzen während die Standardreverbs im Hintergrund weiterarbeiten.

    Bei komplexeren Monitorsituationen wird aber auch mal die ein oder andere Szene für spezielle in ear situationen gebaut

    Zum glück gibt es ja mehr oder weniger gelungene recall safe funktionen!

    Grüße Daniel Wilhelm

    Meister für Veranstaltungstechnik
    -FoH / Monitor Ton
    -d&b Systembetreuer
    -Elektrofachkraft

  • marcoboy
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    • 11. Oktober 2014 um 14:34
    • #10

    Ein extrem dieser Art habe ich mal bei Alphaville erleben dürfen. Jeder Song war mit unterschiedlichen Effekten und Parameter bestückt selbst in den Songs gab es stellen in dem Parameter geändert wurden. Gesteuert über Pedale. Unglaublich mit schweiß perlen auf der Stirn. Da braucht man schon eine ganze Weile er man alles auf die Reihe bekommt.

  • Kracky
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    • 11. Oktober 2014 um 16:31
    • #11

    Also ich kenne Bandmischer die mit dem eigenen Pult reisen bzw. die ein bestimmtes Pult fordern und auch brauchen, die haben für jeden Song im Set die passende Szene und die wird dort eine um die andere auch aufgerufen. Er schließt aber in den Einstellungen des Pultes aus das grundlegende Dinge wie Gain, Level usw. Recall Safe bzw. isoliert sind so das er wirklich nur Effekte oder mal nen EQ um nen Telefonklang zu haben geändert werden. Ich denk wenn man das wie er so im Griff hat ist es eine Arbeitserleichterung die man sich schon im Proberaum erstellt hat, den Mix des jeweiligen Tages an sich beeinflusst das ja nicht weil es ja keinen Sinn machen würde.

    In meinem Lexikon fehlt das Wort unmöglich!

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