Hallo,
bevor du dich da in eine große Netzteilumbauaktion stürzt möchte ich da auch noch ein paar Sätze zu sagen:
Ich habe bisher etwa 4 Amps von 200W bis über 1500W selbst gebaut, der 5te ist in Arbeit und seit meinem Abschied von Reichelt habe ich bisher noch nie ernsthafte Probleme mit knacksen, Störungen, Brumm oder plötzlicher Amp-„Explosion“ gehabt. Jedenfalls hab ich’s immer in den Griff bekommen...
Mir ist aber aufgefallen, dass in deinem Amp irgendwie überhaupt gar keine „EMV-Vorsorge“ getroffen wurde.
Mein Konzept:
Ich habe in den Netzteilen meiner Amps überhaupt gar keine kleinen C’s verbaut, nur dicke Elektrolytkondensatoren. Da hängt ja auch nur der Leistungsteil dran und Folien-C’s bringen es da auch nicht so wirklich...
STATTDESSEN habe ich großen Wert darauf gelegt die empfindlichen Punkte des Amps sauber zu versorgen. Das geht bei den symmetrischen Eingängen schon los. Ich erzeuge da +/-15V für die OP’s und die gehen jeweils durch 50-100Ohm und dann ein oder zwei Folien-C’s und der Saft ist sauber als kommt er aus einer Taschenlampenbatterie. Ist bei deinem Amp nicht drin.
Der nächste sehr empfindliche Punkt ist der Front-End-Bereich der Endstufe, also Differenzverstärker und der Spannungsverstärker mit dem Stromspiegel. Auch den sollte man vom Leistungsteil über 30-200Ohm (je nach Strombedarf der Schaltung, wir wollen ja nicht so viel Volt verplempern) trennen und dann Folien-C’s dran. Durch die Widerstände wirken die Folien-C’s viel besser und von irgendwelchem Müll (der den Leistungsteil selbst eigentlich nicht so sehr stört) kommt hier deutlich weniger an.
Was ganz gut ist: Dein Differenzverstärker hat eine Konstantstromquelle, wie es sich gehört. (Q102 und drumherum). Hier könnte es ganz gut sein parallel zu CR100 einen kleinen C zu platzieren. Da würde ich hier aber nicht mehr als ca. 50nF nehmen. Aber nur parallel zu CR100, nirgendwo sonst! Vielleicht kann „rockopa“ da noch was zu sagen...
Alle Leitungen in Kabelbäumen führen, so dass keine großflächigen Leitungsschleifen zwischen „hin-“ und „Rückleiter“ entstehen, in die was einstreuen kann. Das gilt besonders für Tonsignalkabel, am besten verdrillen wenn nicht abgeschirmt. Tonsignal und Leistung natürlich in getrennten Kabelbäumen!
Dann noch was:
Über R105 und R107 wird das LS-Signal runtergeteilt und dem Differenzverstärker zugeführt. Hier könnte man zu R105 einen 15pF oder 33pF parallel schalten, so dass sehr hohe Frequenzen nicht mehr voll verstärkt werden. Hochfrequente Störimpulse werden viel kleiner, da weniger Gain...
Dann ist es natürlich mit deinen 70V/us Slewrate vorbei.
Das sollte aber ein Fachmann machen, da durch den C die Rückkopplung bei hohen Frequenzen ansteigt und der Amp eventuell anfangen kann zu schwingen. Stichwort: Kompensation bei VFA’s und min. Gain damit nichts schwingt... Das ist aber leider ein etwas komplizierteres Thema...
C101 könnte sehr wahrscheinlich für deine Bass-schlappe verantwortlich sein (wegen Austrocknung und eventuell ein wenig Verpolung mit dem Offset des Amps), hab mir deinen Freuqenzgang jetzt aber nicht angesehen. Sorry, hab leider nur langsam-ISDN...
EDIT:
Hab's mir doch noch runtergeladen, ist ja gar kein riesem Bild dahinter
Der Frequenzgang ist OK, C101 also OK :oops: