Das hab ich selber im Studio immer wieder festgestellt. Erstmal Multiband auf den Master und danach gemerkt, dass es noch viel besser klingt, wenn ich entsprechende Frequenzen in den Kanälen mit dem EQ aufräume. Live hab ich mich noch nicht getraut einen Multiband in den Main zu schleifen. Ist mir irgendwie zu unvorhersehbar.
Dynamischer EQ vs. Multiband Kompressor
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Mein Arbeitsalltag: Tourende Band mit komplett eigenem Besteck und Venues von ca. 200-700 ZuhörerInnen sowie OpenAirs in allen möglichen Größen.
Ich benutze häufig einen dynamischen EQ in der Summe um den Bereich zwischen 4 und 6 khz zu bearbeiten. Der dynamische EQ ist dabei für mich ausschließlich ein Werkzeug zur Problemlösung und hat keinerlei künstlerisch-gestaltende Funktion. Für meine Ohren tendiert der Frequenzbereich von ca. 4-6khz vor allem in Indoor Venues mit ungünstig ausgerichteter PA und/oder schlechter Raumakustik dazu, ab einer bestimmten Lautstärkeschwelle stechend / scharf / bissig / kreischend zu klingen. Ich nutze den dynamischen EQ jedoch erst wenn alle Maßnahmen vorher nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dabei halte ich ziemlich strikt die folgende Reihenfolge ein:
- PA mithilfe von Referenztracks und Messsystem entzerren
- Einzelkanäle statisch oder dynamisch im entsprechenden Frequenzbereich entschärfen
- das Frequenzband mit dem MasterEQ statisch zusätzlich soweit wie möglich entschärfen ohne die Definition auch in den etwas leiseren Passagen zu verlieren
- erst dann kommt wenn nötig der dynamische EQ zum Einsatz
Für tiefe Frequenzen funktionieren schmalbandige statische Filter für mich wunderbar, störende Resonanzfrequenzen empfinde ich im Frequenzbereich unter 300Hz unabhängig von der Lautstärke (bzw. bereits bei sehr geringen Lautstärken) als störend, so dass mir eine dynamische Bearbeitung hier sinnnfrei erscheint. Problemzonen über ca. 8k scheinen mir für meine Ohren ebenfalls lautstärkeunabhängig zu sein, und sind für mich daher gut mit statischen Shelving oder Hicut Filtern in den Griff zu bekommen.
In den letzten Jahren habe ich die oben beschriebene Art von dynamischer EQ Bearbeitung in der Summe vor allen Dingen bei schlecht bedämpften Räumen mit vielen schallharten Reflektionsflächen sowie bei zu schwach dimensionierten oder schlechten PAs als hilfreich empfunden. Open Air oder in ordentlich akustisch optimierten und technisch ausgestatteten Venues indoor konnte der dynamische EQ im Master meist im Bypass gelassen werden.
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vielen dank auch von mir an guma für die durchaus nachvollziehbare logik.
wie bereits erwähnt, benutze ich auf der summe in aller regel keine dynamischen filter. ich bearbeite diese aufgaben ausschließlich in den kanälen selbst. also wenn z.b. ein sänger oder eine sängerin eine "schrei-frequenz" haben, die im mix über die PA irgendwie unangenehm wiedergegeben wird, dann setze ich dort einen Dyn8 im entsprechenden kanal ein, mit dem ich dieses problem bearbeite. dabei habe lade ich grundsätzlich in jeden gesangskanal einen Dyn8 (=4x Dyn-EQ + 4xMultiband kompressor), lasse diesen aber zunächst mal bypass. er wird dann nur aktiviert, wenn ich ihn wirklich benötige.
ich mache diese dynamikbearbeitung also in aller regel direkt an der quelle, nicht in der summe.
so komprimiere ich die signale auch mit den normalen kompressoren nur direkt im kanalzug, das hab ich mir so angewöhnt.
früher, zu analogzeiten, hab ich die gesänge immer in einer gesangsgruppe komprimiert. damals hatte man ja noch nicht so viele kompressoren "übrig". das hat auch gut funktioniert, weil es hiermit, wie guma schrieb, beim kompressoreinsatz die pegelverhältnisse zwischen den stimmen nicht verschiebt.
aber ehrlich gesagt komme ich mit der kompression der einzelnen signale in der regel sehr gut zurecht. das ist zwar mehr feinarbeit, aber mit meinen eigenen vorlagen bin ich da in der regel gut aufgestellt und schnell am ziel.
schlussendlich mache ich mir da also eher mehr arbeit, in dem ich die einzelnen signale direkt bearbeite. aber diese gezielte bearbeitung der quellen ist für meine arbeitsweise passend und hat mich bis jetzt noch nicht überfordert.
dennoch nutze ich bei einer meiner bands seit einiger zeit zusätzlich eine SSL-kompressor-emulation in der gesangs-subgruppe. dort setze ich diesen kompressor aber sehr weich ein, mit langsamen regelzeiten und schwacher 2:1 ratio.
unter dem strich ist es wohl auch eine frage der arbeitsweise, die man sich angewöhnt hat, welche vorgehensweise die besten ergebnisse zeigt.
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Vielen Dank für die Diskussion. Das Thema treibt mich auch derzeit um. Ich habe mit neuer Band, neuem Pult und viel Input aus dem Internet in den letzten 1,5 Jahren einiges an gewohnten Herangehensweisen geändert.
Dynamische EQs für Lead Vocals nutze ich allerdings schon etwas länger. Ich komprimiere weiterhin mit schnellem Attack und Release und max. 3-5 dB in jedem Gesangskanal und dann nochmal mit mittlerem Attack und Release und 2-3 dB in der Gesangsgruppe. Das ergibt für mich in meinem Setting (3x Lead Vocals, 3x Backing Vocals) soweit ein homogenes Bild. Dazu arbeite ich hier auch mit dezentem Panorama für alles was Backings singt.
Zu Hause habe ich im Master mit Summenkompression und Multibandkompression schon am Pult gearbeitet. Wenn ich in der DAW arbeite sind im Master auch immer Summenkompression und Multibandkompression dabei. Irgendwie habe ich es live aber noch nie umgesetzt. Ich wackle irgendwo zwischen: "Der Mix braucht das nicht" und "Der Mix könnte damit noch 2% gewinnen." Summenkompression hab ich früher live teilweise gemacht, wenn die PA nicht ausreichend dimensioniert war. Aber über die Jahre bin ich im Live-Mix leiser geworden und parallel sind in den letzten Jahren die PAs zumindest vom Headroom immer ausreichend gewesen.
DynEq im Master habe ich bislang nicht gemacht. Habe ich auch nie als das dort geeignete Tool gesehen. Im Master habe ich nur parametrische EQs.
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so komprimiere ich die signale auch mit den normalen kompressoren nur direkt im kanalzug, das hab ich mir so angewöhnt.
früher, zu analogzeiten, hab ich die gesänge immer in einer gesangsgruppe komprimiert. damals hatte man ja noch nicht so viele kompressoren "übrig". das hat auch gut funktioniert, weil es hiermit, wie guma schrieb, beim kompressoreinsatz die pegelverhältnisse zwischen den stimmen nicht verschiebt.
Ich mache beides. Die Kompressoren in den Kanälen verhindern krasse Pegelsprünge und der Fair Compressor im Vocal-Bus klebt das ganze irgendwie zusammen.
dennoch nutze ich bei einer meiner bands seit einiger zeit zusätzlich eine SSL-kompressor-emulation in der gesangs-subgruppe. dort setze ich diesen kompressor aber sehr weich ein, mit langsamen regelzeiten und schwacher 2:1 ratio.
Wenn ich nur wüsste, was der Fair Compressor da so genau macht. Es klingt damit aber eher aus einem Guss, als lauter einzelne Solisten.
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Wenn ich nur wüsste, was der Fair Compressor da so genau macht.
Wenn es eine Emulation des Fairchild ist, wird es wahrscheinlich nicht nur mit der Kompression zusammen hängen. Im Fairlight 670/660 werkeln massiv viele Röhren, die mit Transformatoren zusammengeschaltet sind. Das ergibt ein eigentümliches Verhalten, das unserem Ohr sehr gefällt.
Und die Transienten werden etwas reduziert, ohne dass es komprimiert klingt.https://producelikeapro.com/blog/understanding-vari-mu-compressors-history-and-functionality/
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Ich mache beides. Die Kompressoren in den Kanälen verhindern krasse Pegelsprünge und der Fair Compressor im Vocal-Bus klebt das ganze irgendwie zusammen.
sehr ähnlich meiner Vorgehensweise bei Sprachbeschallung: Vocal-Kanäle einzeln fein komprimiert, und auch nur Spitzen weg, dann im Vox-Bus die Summe der Mics nochmal fein komprimieren, bevor's dann durch 'nen Multiband-Comp geht, um das homogene Gesamtbild der Stimmen her zu stellen - also so gesehen 3 x mit 1:1,3, maximalst 1:1,5 (auch nur in den Spitzen)- muß dann natürlich auch die Pegelstruktur passen.
Bei quick'n Dirty-Jobs das Gleiche, jedoch 1:2 oder 1:2,5 - da bleibt oft keine Zeit für 'n langen Soundcheck - vor allem bei Industrie und Konsorten, wo mal jeder, der auf der Bühne ist schnell 'n Mikro in die Hand nimmt, oder 7 Minuten vor der Präsentation mit Laptop an die Regie kommt und noch 'n Headset braucht - da darf's dann schnell gehen, was zu höherer Kompression führt...
Für Rock'n Roll den Kompressor im Vox-Kanal 1:2 etwa und das auch etwas früher, dann auf den Vox-Bus mit Multiband-Kompressor (ebenfalls früher).
DynEQs nutze ich wirklich nur, wenn's bei Gesangsstimmen nötig ist - dafür is der aber in den Showfiles schon im gebypassten Insert

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Ein Multibandkompressor im Master hat mir Live noch nie gefallen, weil das dann irgendwie nicht mehr so richtig Live klingt, sondern eher wie vom Tonträger oder im Radio.
Bei zu klein ausgelegter Anlage mag das helfen, dass es "dicker" klingt, aber die große livemäßige Dynamic kommt irgendwie abhanden.
Spezielle Kanäle einzeln komprimieren und ansonsten ein wenig in den Subgruppen klingt für mich, wie soll ich sagen, "offener" als ganz am Ende im Master, wo schon alles beisammen ist.
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