Weil die Berechnungsmodelle der Simulationsprogramme auf TSPs basieren, die durch geringe Spannungen ermittelt werden. Die Rückinduktion bei hohen Signalstärken tut Ihr übriges dazu, selten hat man Messverstärker mit extremen Dämpfungsfaktoren.
Der Ansatz, bei hohen Signalstärken zu messen, macht natürlich vom Grundgedanken Sinn. LEAP rechnet z.B. mit einem erweiterten Parametersatz, der das berücksichtigt. Die "klassischen" Berechnungsformel sind dafür aber nicht ausgelegt.
Im Einzelfall können die Messunterschiede vernachlässigbar sein, auch ist ja nicht gesagt, was man unter "Belastung" genau versteht (nimmt man jetzt 5v, 10V oder 50V?), so dass unter Umständen Parametersätze gemessen werden, die "richtig" erscheinen oder in einer Vergleichsmessung nur gering abweichen....
Aber genau so wie man ein warmgelaufenes Chassis erst mal stundenlang (manche sogar einen Tag lang) auskühlen lässt bevor man mist, so ist für die Vergleichbarkeit der Chassis es durchaus empfehlenswert, bei niedrigen Pegeln zu messen. Hat man eine Simu-Soft, die dann auch das Großsignalverhalten berücksichtigen kann, ergänzt man evtl. Messdaten. LspCAD ermittelt z.B. für die Impedanzwerte bei Langhubtreibern einen zweiten Le und Re Wert, der durch einen seperaten Widerstand gemessen wird. Dadurch hat man eine verlässlichere Vorhersage des Großsignalverhaltens, da die sehr hohe Induktion solcher Treiber sich dabei anders verhält als z.B. bei typischen Horntreibern. Misst man also einen MIVOC AWM124 mit einem MLS-Signal bei 10 Volt aus, dürfte die Simulation später eher ungenau werden.... usw..
RSW 1240
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Guten Abend,
jetzt zum Großsignalverhalten oder genauer zur Xmax Bestimmung nach Klippel. Hierbei wird der Lautsprecher bei seiner fs gequält und THD in Abhänigkeit von der Auslenkung bestimmt. Die Auslenkung wird dabei mit AJ-Horn simuliert (Messen wäre natürlich noch besser, aber leider auch aufwändiger).
Zur Messung der Intermodulationsverzerrungen (IMD2 und IMD3) wird der Lautsprecher mit einem Zweitonsignal beschickt (f1 = fs ; f2 = 8,5 x fs) und die Verzerrungen auch wieder in Abhängigkeit der Auslenkung gemessen.Klippel definiert die "lineare Auslenkung (Xlin)" eines Laustsprechers so, daß wenn eine der oben genannten Verzerrungen (THD, IMD2, IMD3) die 10% Marke überschreitet, die lineare Auslenkung erreicht ist.
Man sieht, daß in diesem Fall THD das relevante Kriterium darstellt. Geht man an dem Punkt, wo die rote Kurve (=THD) die 10% Marke schneidet senkrecht nach oben bis zur schwarzen Linie (=Auslenkung) und von dort aus nach rechts, so kann man eine Auslenkung von 2,4 mm ablesen. Die lineare Auslenkung für diesen Lautsprecher beträgt also +/- 2,4 mm (Effektivhub). Das klingt nach wenig, ist aber nicht so richtig schlecht. Diese Methode schmeichelt eigentlich keinem Chassis.
EDIT:
Netterweise sagt die Art der Verzerrung auch etwas über ihre Herkunft, sprich über die Problemstellen des Lautsprechers aus. Im vorliegenden Fall "kommt" THD als erstes. Das deutet darauf hin, daß entweder dem Antrieb die Kraft ausgeht (Schwingspule ist nicht mehr vollständig im Luftspalt) oder aber die Aufhängung den Hub drastisch einbremst.
Das nächste Kriterium ist IMD3. Typischerweise werden hohe IMD3 Verzerrungen durch schwindenden Antriebskräfte (Schwingspule nicht mehr vollständig im Luftspalt) verursacht, also analog zum THD. Im Gegensatz zu diesem wird IMD3 aber NICHT von einer stark progressiven Aufhängung verursacht, womit man als Problemstelle bei diesem Lautsprecher eine kurze Schwingspule diagnostizieren kann (wer hätte es gedacht?).
IMD2 Verzerrungen spielen bei diesem Exemplar keine große Rolle; sie würden auf einen Offset der Schwingspule im Luftspalt bzw. auf einen asymmetrischen Antrieb hindeuten.Grüße
Matthias -
20Hertz
Danke für die schöne Auswertung. Spannend
Hast DU zufällig Lust, das mal für ein Chassis zu machen, dessen Parameter bekannt sind? Mich würde mal interessieren, ob z.B. der Eminence-Ansatz, der ja ähnlich gelagert ist, mit den gleichen Eckwerten arbeitet. -
Zitat von "Sabbelbacke"
Hast DU zufällig Lust, das mal für ein Chassis zu machen, dessen Parameter bekannt sind? Mich würde mal interessieren, ob z.B. der Eminence-Ansatz, der ja ähnlich gelagert ist, mit den gleichen Eckwerten arbeitet.
Grundsätzlich JA! Wie sieht denn der Ansatz von Eminence aus, kenne ich leider nicht.Grüße
Matthias -
Zitat
Xmax/Xlim Short for Maximum Linear Excursion. Speaker output becomes non-linear when the voice coil begins to leave the magnetic gap. Although suspensions can create non-linearity in output, the point at which the number of turns in the gap (see BL) begins to decrease is when distortion starts to increase. Eminence has historically been very conservative with this measurement and indicated only the voice coil overhang (Xmax: Voice coil height minus top plate thickness, divided by 2). The Xmax figures on this website are expressed as the greater of the result of the formula above or the excursion point of the woofer where THD reahes 10%. This method results in a more real world expression of the usable excursion limit for the transducer. Xlim is expressed by Eminence as the lowest of four potential failure condition measurements: spider crashing on top plate;vVoice coil bottoming on back plate;vVoice coil coming out of gap above core; or the physical limitation of cone. A transducer exceeding the Xlim is certain to fail from one of these conditions. High pass filters, limiters, and enclosure modeling software programs are valuable tools in protecting your woofers from mechanical failure.
Ist ja dem Klippelschen Ansatz nicht unähnlich, daher wäre es mal interessant, ein Eminence Chassis auszumessen und mit den offiziellen Daten von Eminence zu vergleichen.
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Guten Abend,
das klingt aber schon ein bisschen nach Pipi Langstumpf. Der "passendere", sprich größere Wert wird im Prospekt abgedruckt.
Hat die Schwingspule beispielsweise einen Überhang von +/- 4 mm und das THD-Kriterium wird bei +/- 2,5 mm erreicht, werden trotzdem die +/- 4 mm ins Prospekt gedruckt. Naja.
Außerdem ist die Aussage "where THD reaches 10%" etwas, sagen wir mal "unscharf" formuliert. Die Prüffrequenz und die Randbedingungen (Gehäuse, Free-Air, Schallwand) spielen hierbei nämlich eine sehr große Rolle! Zusammen mit einem Kollegen aus dem Visaton-Forum und Friedemann Hausdorf von Visaton sind wir gerade dabei, dieses Verfahren so weit wie möglich zu standardisieren, damit jeder Hobby-Wastel zu vergleichbaren Ergebnissen kommt.
Wenn mir jemand Eminence-Chassis zum Testen schicken will, kann er das natürlich gerne tun.

Grüße
Matthias -
Da hast du dir ja ganz schön Arbeit gemacht mit meinen Chinaböllern.Ich muss sagen das ich für das Paar inkl.Versand 70€ gelöhnt habe.Für ein ULB sub bräuchte man bestimmt ein ziemlich grosses Gehäuse.Ich lass mich mal überraschen.
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Zitat von "guitarthunder"
Für ein ULB sub bräuchte man bestimmt ein ziemlich grosses Gehäuse.Ich lass mich mal überraschen.
Da lässt sich sicher was basteln, evtl. sogar Bandpass.Soll ich die Messungen in der Schallwand noch machen? Das dauert aber sicher noch zwei Wochen, weil die Schallwand noch im Rohbau bzw. in der Planungsphase ist. Andernfalls gehen die Beiden Anfang der Woche wieder auf Reisen.
Grüße
Matthias -
Ich habe mal die ersten Parameter vom Chassis 1 genommen und 200 Watt Belastbarkeit "geschätzt", was bei der 63er Schwingspule wohl im Rahmen sein sollte. Je nach mechanischer Ausführung, Belüftungsmassnahmen, Schwingspulenträger usw. ist dieser Wert sogar zu konservativ

"Sauber" geht mit dem Chassis nich so wirklich, aber wenn man schon mal hat... BR wird in der Tat sehr groß (über 200L), wenn man ne 100 Liter Kiste macht, muss man so tief abstimmen, dass es schräcklich klingen dürfte..
Einfach ventilierter Bandpass mit ungefähr 47 Liter closed und 42 Liter ventilierter Kammer bei 71Hz Tuningfrequenz ergibt dann ungefähr 93dB Wirkungsgrad mit -3dB Punkten von 45Hz bis 115Hz. Das sieht nicht soo schlecht aus. Portverluste usw. alles schon mit einbezogen.
Die Auslenkung macht einem aber natürlich einen Strich durch die Rechnung, selbst wenn man höher tuned ist das Teil für Bass bis 50 Hz nur bedingt geeigenet. Als ULB BP - wieso nicht.
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Kein Thema.Kannst die Speaker ruhg noch zwei Wochen behalten.Tschüss Michael
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Zitat von "20Hertz"
... weil die Schallwand noch im Rohbau bzw. in der Planungsphase ist ....
Jetzt nicht mehr.
IEC-Baffle 1650 x 1350 mm:
http://home.vrweb.de/~matthias.lege…lwand_Front.jpg
http://home.vrweb.de/~matthias.lege…and_Ruecken.jpgMessungen kommen demnächst.
Grüße
Matthias -
So, weiter geht's.
Messung des Frequenzgangs in der IEC-Schallwand. An der Rückseite der Schallwand befindet sich ein stark bedämpftes, ca. 100 Liter großes geschlossenes Gehäuse. Die Messung ist auf 1m Messabstand skaliert, der Absolutpegel stimmt:
Es handelt sich dabei um eine kombinierte Nah- und Fernfeldmessung, die bei 290 Hz gefügt wurde. Daß das Ganze ziemlich gut geklappt hat, sieht man am Phasenverlauf, der nur einen minimalen Sprung zeigt. Mit ARTA geht sowas wirklich prima, wenn man ein bißchen Übung hat.

Das Zerfallsspektrum sieht nicht so toll aus, ist halt eher ein Basstreiber und kein Tiefmitteltöner. Ab ca. 1,5kHz eigentlich nur noch böse Membranresonanzen, bis dahin aber durchaus in Ordnung.
Den zweiten Treiber werde ich dann morgen noch vermessen.
Interessiert sonst noch was?Grüße
Matthias -
Danke für den Aufwand, sehr aufschlussreich. Warum hast Du denn eine 100l Box hinter die Schallwand gemacht? Ist die jetzt permanent dran oder nur, um mal zu sehen, wie er sich in einer geschlossenen verhält? Denn eigentlich ist ja Norm-Schallwand ohne Volumen...
An Messungen gabs ja jetzt schon ne ganze Menge, das meisste ist abegdeckt.... Kannst Du noch Einschwingverhalten auf Zeit messen?
Hach, bei solch schönen Sachen bekomm ich wieder Lust auf eine Datenbank für komplette TSPs und Messungen..... Grrr... nur keine Zeit für so was...
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Bei vielen Sachen hat sich auch die altbekannte TSP Datenbank von http://www.thielesmall.com sehr bewährt, findet man sehr viel und man kann sie mit eigenen Informationen füttern.
Lex. :wink:
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Ja, die kenne ich natürlich. Mir schwebte eher was vor, wo man auch Messdaten und so weiter hinterlegen kann.
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Zitat von "Sabbelbacke"
Danke für den Aufwand, sehr aufschlussreich. Warum hast Du denn eine 100l Box hinter die Schallwand gemacht? Ist die jetzt permanent dran oder nur, um mal zu sehen, wie er sich in einer geschlossenen verhält?Denn eigentlich ist ja Norm-Schallwand ohne Volumen...
Die Box kann mit ein paar Handgriffen demontiert werden, schon deshalb weil das Teil sonst sehr sperrig ist.
Messen mit Volumen erscheint mir etwas praxisnäher und wird auch bei z.B. Visaton so gemacht. Die Unterschiede mit/ohne Volumen sind aber eher gering, bis eben im Baßbereich. Aber wen interessiert schon der Frequenzgang eines Dipols?
Generell würde ich untenrum auf eine gute Simualtion vertrauen (AJ-Horn). So eine CB lässt sich ja noch ganz einfach messen (Mikro dicht vor Dustcap, Pegel auf 1m skalieren, fertig). Bei ventilierten Systemen wird das schon deutlich komplizierter ...
Zitat von "Sabbelbacke"
An Messungen gabs ja jetzt schon ne ganze Menge, das meisste ist abegdeckt.... Kannst Du noch Einschwingverhalten auf Zeit messen?
Du meinst die Sprungantwort? Kein Problem, die berechnet sich ja auch aus der Impulsantwort.(gerade eben wieder einen kleinen Bug in ARTA entdeckt - höhö
)Grüße
Matthias -
Es folgen die Messungen des Chassis Nr.2.
Grüße
Matthias -
Thanx, Matthias.
Beruhigend zu sehen, dass ein China-Chassis eben doch kein Riesen Wurf ist. Weiss jemand, obs die Speaker aktuell denn noch gibt und zu welchem Preis? Würde mich mal interessieren, einfach um das Preis/Leistungsverhältnis besser abschätzen zu können.
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Zitat von "Sabbelbacke"
Weiss jemand, obs die Speaker aktuell denn noch gibt und zu welchem Preis?
Selbstverständlich, es gibt sogar einen richtigen Vertrieb ...http://www.gbs-sounds.com/pages/produkte.htm
Preis/Leistung? Naja. :roll:
Grüße
Matthias -