Karel, denk einfach mal darüber nach, wer denn Rider liest.
Für diejenigen, die sich wirklich im Vorfeld mit so was beschäftigen (müssen), ist das eine langweilige, unbeliebte (und gerne auch unbezahlte) Arbeit. Selbst wenn es nur um ein mittelprächtiges Allerweltsstadtfest geht, 5 Bühnen/ 3 Tage, kommt da für den, der das disponieren muss, allerhand zusammen. Kanalliste – Besetzung – Stageplot: das reicht, auf kryptische Texte legt dabei niemand wirklich Wert.
Ganz zu schweigen von den freelancernden Jungs und Mädels, die den Job dann wirklich durchführen und die Informationen dabei gerne 10 Minuten, bevor’s akut wird, zum ersten Mal zu Gesicht bekommen: auch die mögen’s eher übersichtlich.
Ich stelle mir gerade folgende Situation vor: ich arbeite (als Monitorer/ Mikrofonierer/ Stagemanager) auf der Bühne einer beliebigen gemischten Veranstaltung. Ein Programmpunkt läuft, der nächste wird gerade vorbereitet. Die Running Order ist ambitioniert, es ist laut, heiß (oder zugig – kalt) und hektisch. Ein Backliner braucht Strom neben der Bühne, zum Keyboards Vorchecken. Der Moderator meint, dass man ihn draußen nicht versteht. Der TL des Headliners ist auch schon da und nörgelt direkt mal prophylaktisch an Bühnengröße/ Ladesituation/ Zeitplan rum. Ich mache meinen Job und denke derweil darüber nach, ob und wie ich es in den nächsten Stunden zu einer Kaffee-/ Pinkelpause bringen werde.
In diesem Moment tritt ein Neuankömmling (Du?) auf mich zu („Guten Tag, ich bin der Vertreter der Gruppe sowieso, wir sind als übernächste dran. Für den Fall, dass ihr noch nicht bescheid wisst – hier ist unser Rider“) und drückt mir dabei DEINEN Entwurf in die Hand.
„Oh prima, danke, ich schau mal drüber“.
Vermutlich werde ich einige Sekunden brauchen, bis ich (je nach Tagesform mehr oder weniger laut) denke „Was bist denn du für einer?“. Anschließend zerknülle ich das Elaborat vor deinen Augen und versuche, damit mittels eines gezielten Wurfes die Dimmerwache zu wecken. „So, und jetzt erkläre mir bitte in 2 Sätzen, was ihr macht, und was ihr dafür braucht“.
So oder ähnlich würde das wohl aussehen.
Ganz nebenbei: der Verweis auf Iggy Pop ist auch nicht unbedingt völlig unproblematisch. Anders, als sein legendärer ‚Rider’ vermuten lässt, ist der nämlich im wirklichen (Bühnen-) Leben als veritabler Kotzbrocken berüchtigt. Dort bespuckt er gerne mal Backliner und Monitorer, bewirft das Publikum mit Mikrofonstativen, und macht sich einen Spaß daraus, seine Wedges von der Bühnenkante zu treten.
Wir haben ihm vor einer Tourabschlussshow mal die Center Wedges von unten an die Bühne gespaxt. Je 4 Stück 6 x 60. Da konnte er treten und fluchen wie er wollte, die Dinger bewegten sich keinen Millimeter. Hoffentlich hat’s für ein paar Tage blaue Zehen gereicht.
Deponier’ deinen Entwurf im versteckten Ordner ‚Jugendsünden’, und schau in ein paar Jahren mal wieder drüber :D.
Mit freundlichem Gruß
BillBo