Hallo Kollegen;
hier mal ein Bericht von einer aktuellen Veranstaltung mit der bitte um rege Meinungen was ihr davon (d.h. von mir als Techniker, der eingesetzten Technik bzw. dem Künstler) haltet? Wir hatten mal wieder einer der kleinen-feinen Veranstaltungen in Richtung Kleinkunst/Kabarett. Es standen drei Künstler auf der Bühne. Mit genügen zeitlichen Puffer gingen wir an die Arbeit Respektive an den Aufbau. Gefordert war eine Beschallung für knapp 200 Pax in einem Saal von 10x18mtr. mit Bühne 6mtr. breite, 5 mtr. tiefe (ja eine von der Bauart her sehr alte Version), entsprechende Mikrofonierung (3x Headset, Abnahme Instrumente ect.) und ein (ich zitiere!) Bühnenlicht das schön hell und gleichmäßig sein sollte. Kurzum stellte ich an Licht das hin was wir bisher so im Rahmen dort immer hatten, das genügte auch meiner Meinung und den Künstlern A + B immer mit denen wir mehrfach schon dort zu tun hatten. Immer easy und problemlos! Die kleine technische Bühnenanweisung hatte ich schriftlich von dem Künstler A. Dort stand die gewünschte Technik und ebene besagtes Licht. Der Künstler B spielte ein Instrument und Künstler C komplettierte das Trio. So waren wir dann 50 min. vor Saalöffnung fertig mit Aufbau, es folgte ein kleiner Soundcheck mit den drei Künstlern. Dem Künstler C fiel es dann ein dass ja nicht die Bühne wichtig wäre und garnicht so vollflächig beleuchtet sein darf ( es stand ein Flügel auf der Bühne, zwei Künstler auf Hocker nebeneinander mit Notenständern) sondern dass ja die Künstler im Vordergrund stehen sollten. Man sieht ja kaum was von den Gesichtsausrücken seiner Meinung nach. Ich sagte ihm das sich nach einer Bühnenanweisung von Künstler A dies ganze konzeptionierte und wir bisher auch nie klagen über eine zu dunkle Bühne oder gar dunkle Gesichter hatten. Da stand ihm der Mund offen und er wollte nix dagegen sagen dass Künstler A dies festlegte. Ging aber gleich weiter ob man da nix wirklich noch ändern könnte. Danach folgte von ihm eine kleine Aufzählung wo er schon mit wem gearbeitet hatte. Er schmiss dann mit Fachbegriffen um her, fragte nach meinen verwendeten Scheinwefertypen, technischen Möglichkeiten (z.B. "warum kann man an den Profilern den Ausschnitt nicht kreisrund verkleinern?", "können die 2x 1kW nicht noch näher an die Bühne und vom Kegel her kleiner"?) ect.
und das ich ja auch noch was von ihm lernen könnte. O.k., es war wohl ein Altersunterschied vorhanden, für jeden sichtbar: Meine wenigkeit mit Anfang 30 (dabei aber schon 12 Jahre Erfahrungen im Bereich Licht) und er mit (ohne ihm näher treten zu wollen) mitte 50. Nunmal zur Hardware: In 15 m. Entfernung auf einer Empore standen 2 Profiler á 575 Watt (Fixfokus, ohne Iris!) mittig welche mit rechteckigem Blendenausschnitt die gesamte Bühne ausleuchteten, hinzu kamen noch im Saal (etwa 6mtr. von Bühne) 2x Fresnel-Scheinwerfer á 1kW mit Weichzeichnerfolie auf Einzelstativen. Als Backlight standen 2x PAR64 floor in hellem orange auf schwarzem Backdrop. Als Hauslicht (das was fest Installiert und benutzt wurde) stand dort: 2-3kW Kopflicht in 3 Gassen über der Bühne sowie eine Bodenrampe am vorderen Rand der Bühne in gesamter breite.
Während der Vorstellung war der Saal komplett abgedunkelt.
Also: Die Gesichter waren definitiv zu erkennen, gerade weil die Akteure viel (gewollt) "durcheinander" Sprachen bzw. sich abwechselten und ich das Bühnenprogramm nicht kannte erschien mir die Idee von Künstler C die Akteure einzeln mit einem echten Spot auszuleuchten etwas Nebendran. Nach langer zeit (mir kam es so vor!) sagte ich ihm das ich da nicht weiter Diskutiere, er ließ nicht locker, ich ignorierte ihn und irgendwann war mal Ruhe von ihm. Das er aber innerlich noch brodelte konnte ich sehen und man ging sich dann während der Show sowie beim Abbau dezent aus dem weg. Ach: In der Pause fragte der Künstler C mich ob alles klar wäre, ich sagte ihm mit einem selbstzufriedenen Gesicht das ich zufrieden wäre und bei mir alles o.k. ist ...... !
Hätte ich das nur nicht so gesagt:
Er meinte dann aber dass es ihm egal wäre ob ICH zufrieden wäre, es ist oberstes Gebot(!) dass ER bzw. die Künstler zufrieden wären.
Ich sagte da nixmehr dazu, war mir zu blöd.
Abschließend sei erwähnt dass diese Aufführung in 14 Tagen nochmal an gleichem Ort mit den drei Künstlern stattfindet. Die anderen Künstler A + B waren aber dan ganzen Abend entspannt haben aber wegen einer Änderung für übernächstes Wochenende mal wertungsfrei und auch "normal" nach der Aufführung bei mir angefragt. Kurzum: Ich werde mal vorsorglich die beiden Theatersscheinwerfer von 1kW auf 2kW upgraden und evtl. auch noch ein Seitenlicht/Gassen auf der Bühne vorsehen. Dieser Auftrag ist Pauschal abgewickelt, will heissen ist nix mit unendlich vielen Spielereien und Extrawünschen. Wir machen den Job zur Zufriedenheit von Pax, Veranstalter (von ihm bisher auch keinerlei Beschwerden) und auch Künstlern. Klar, was muss das muss an Technik her! So, Kollegen jetzt seid ihr dran. Wie sind eure Erfahrungen und der Umgang mit manchen "schwierigen" Künstlern?! Lag bzw. liege ich denn mit meinem Licht so arg nebendran? Bin für ernstgemeinte Ratschläge offen, kann Kritik vertragen. ![]()
Grüße aus Hessen
Stefan