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Theaterbeleuchter gefragt: Dunkelheit!

  • siedfleisch
  • 6. Januar 2011 um 11:02
  • siedfleisch
    Beiträge
    379
    • 6. Januar 2011 um 11:02
    • #1

    Hallo!
    Mal 'ne Frage an die, die das gelernt haben: Wie geht man vor, wenn man einen dunklen Raum machen muß? ;)

    Jetzt kommt bestimmt einer und sagt: Mach's Licht aus! OK, viel mehr kann ich in meiner Situation auch nicht machen, weil die ärmliche Amateurtheater-Ausstattung nix hergibt. Dennoch würde mich interessieren, wie man da rangeht, wenn man denn genügend Lampen hat.

    Wie erzeugt man eine "nächtlicher, dunkler Raum"-Stimmung bei der trotzdem die Darsteller, vor allem Gesichter, gut zu sehen sind?

    Und vielleicht noch, als Fleißaufgabe: Was kann man tun, wenn man nur ganz wenig Material hat, also z.B. ein paar Vorbühnen-Linsen und eine simple Oberlicht-Rampe. Ich wäre auch bereit, eine kleinere Zahl (2-4) weiterer Leuchten zu besorgen.

    Vielen Dank, Gruß: Win

  • tufkaleho
    Verifiziert
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    1.548
    • 6. Januar 2011 um 11:45
    • #2

    Für die dunkle Stimmung sorgen zwei Faktoren ..
    - Scheinwerfer
    - Hintergrund

    Ganz klar sollte alles was nicht zu sehen sein soll schwarz sein, allerdings sollte es auch das richtige schwarz sein. Je höher die Absorbtionsrate desto besser (also das möglichst kein Licht reflektiert wird).
    Dann kommt es auch auf den Schweinwerfer an, dass dieser nach möglichkeit nur das beleuchtet was zu sehen sein soll. Ergo wenig/kein Streulicht, abgeblendet mit Schiebern/Toren und vielleicht auch mit einer Farbfolie angepasst.

    Was für Leuchten hast du denn zu Verfügung ?

  • Mechwerkandi
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    7.712
    • 6. Januar 2011 um 12:49
    • #3
    Zitat von "siedfleisch"


    Wie erzeugt man eine "nächtlicher, dunkler Raum"-Stimmung bei der trotzdem die Darsteller, vor allem Gesichter, gut zu sehen sind?


    Dunkelblaues Grundlicht (Filterfolie), zzgl. nach Bedarf "Mondschein/Sternenlicht/Straßenbeleuchtung" durch's Fenster szenisch darstellen. Da reicht oft schon eine schwache Lampe mit einem Frostfilter.

  • janos buttgereit
    Beiträge
    412
    • 6. Januar 2011 um 13:13
    • #4

    Ich finde es kommt auch ganz stark drauf an, was da gespielt wird und wo es spielen soll.
    Willst du z.B. eine Szene im dunklen Hinterhof darstellen, wo jeden moment irgendwer aus dem Dunkeln gehuscht kommen kann, eine Szene nachts im Haus wo sich 2 im Dunkeln treffen, im Wald zwischen Bäumen, wo sich leute verirrt haben oder eine Schiffsbesatzung auf See bei Nacht oder, oder, oder.
    Je nachdem würde ich halt verschieden vorgehensweisen vorschlagen. Die oben genannten Beispiele hab ich alle schon auch mit relativ geringen beuleuchtungstechnischen Möglichkeiten realisiert.
    Was da oft gut gekommen ist, waren so beinahe UV Blau, mit denen man z.B. einen Hintergrund noch erahnen konnte. Ich würde versuchen möglichst wenig Licht stark von Vorne kommen zu lassen um den Hintergrund nicht mit Weißlicht zu beleuchten. Ich erinner mich z.B. an eine Szene die Nachts auf einem Sofa gespielt hat. Da hab ich dann einfach möglichst steil Profiler drauf ausgerichtet. Die Umrisse des Lichts erkennt man dann nur auf dem Bühnenboden oder auf Teilen der Bühne, die das Publikum nicht sieht (Hinter anderen Kulissen, etc). Das ist dann ein ganz cooler Effekt, weil bis zu dem Moment, wo jemand in das Licht tritt, das Licht nicht auffällt. Das kommt aber natürlich auch stark auf die Gegebenheiten auf/vor/über der Bühne an.
    Wenn es im Haus spielt würde ich eher zu Kunstlicht greifen, draußen nachts im Mondschein ist eher Tageslicht angesagt.
    Bei vielen Leuten auf der Bühne kann man mit Licht von den Seiten arbeiten, wenn die Bühne entsprechend gebaut ist und man Möglichlichkeit hat an den entsprechenden Stellen auch Scheinwerfer zu positionieren.
    Als letztes kann man z.T. auch Szenen bei Nacht darstellen indem man von vorne viele stark gedimmte Stufenlinsen hat und die mit Tageslicht-gefilterten Lampen mischt. Dann ist es nicht wirklich dunkel auf der Bühne, aber es gibt so eine nächtliche Atmosphäre.

    Edith sagt mir gerade dass du geschrieben hast dass es um eine Szene drinnen geht...
    Ach ja, noch eine Anmerkung, ich habs nicht klassisch als Theaterbeleuchter gelernt, abgesehen von einem Praktikum am Theater und mach sonst auch nur ab und zu Theaterlicht, aber ich war mal so dreist trotzdem zu antworten.

    Könnt ihr bitte leiser Spielen? Die Leute wollen sich doch während des Konzerts noch unterhalten können!
    (Zitat eines Musikschullehrers...)

  • siedfleisch
    Beiträge
    379
    • 6. Januar 2011 um 16:42
    • #5
    Zitat von "leopold hollerith"

    Ganz klar sollte alles was nicht zu sehen sein soll schwarz sein,....


    Danke für diesen an sich selbstverständlichen Hinweis, er hat mir schon einen möglichen Weg aufgezeichnet.

    Zitat von "leopold hollerith"

    Was für Leuchten hast du denn zu Verfügung ?


    Das übliche, einige Linsenscheinwerfer der 1kW-Klasse, Fresnel od. PC. Außerdem einige eher nicht fürs Theater vorgesehene Kannen, Multipar-Nachbauten, PAR56 mit Torblenden, so Zeux halt.

    Zitat

    Szene die Nachts auf einem Sofa gespielt hat. Da hab ich dann einfach möglichst steil Profiler drauf ausgerichtet.


    Ja, das leuchtet ein (Gag! :D ) und funktioniert auch, das hatte ich in einer kurzen Nachtszene auch schon mal.
    Diesmal soll aber ein ganzer Akt in einem eigentlich dunklen Raum spielen. Das geht aber nicht mehr ohne Frontlicht, weil man sonst keine Gesichter erkennen kann.

    Zitat

    Ach ja, noch eine Anmerkung, ich habs nicht klassisch als Theaterbeleuchter gelernt, abgesehen von einem Praktikum am Theater und mach sonst auch nur ab und zu Theaterlicht, aber ich war mal so dreist trotzdem zu antworten.


    Eigene Erfahrung zählt auch. Danke bisher und erzählt ruhig noch'n bisschen!

    Win

  • andi.bt
    Beiträge
    709
    • 6. Januar 2011 um 18:28
    • #6

    hast du die möglichkeit das Licht seitlich kommen zu lassen?

    Von links und rechts PC Linsen die den Boden nicht anstrahlen sondern auf die andere Seite auf ne schwarze Sofitte treffen könnte auch funktionieren..

  • medimax
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    • 7. Januar 2011 um 16:01
    • #7

    Hi,

    beim Film / Fernsehen nutzt man bei einer solchen Ausleuchtung den sogenannten "Low Key Stil". Dabei wird mit sehr starken Kontrasten gearbeitet. Es gibt sehr helle Stellen im Set - alles andere ist "quasi" dunkel. Z.B. fällt starkes Licht durch eine Jalousie auf eine Wand. Dieser Stil hat den Vorteil, dass sich das Auge nicht an die Dunkelheit gewöhnt - es gibt ja helle Stellen. Ansonsten würde ich versuchen mit Gegenlicht oder sehr starken Kanten zu arbeiten.

    Viele Grüße

    Sebastian

  • jannis schliesser
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    • 7. Januar 2011 um 18:55
    • #8

    Ich hab in den letzten paar tagen ne amateurtheatergruppe beleuchtet und hatte als Kulisse ein Zimmer und habs dann bei "Nacht" mit stark gedimmten Fluter senkrecht von oben beleuchtet. Da hat man dann nur die Siluetten der Spieler und der Gegendstände gesehn.
    Ein anderes Mal hab ich eine "Abend" in einem Schlafzimmer geleuchtet. Ich hatte dazu n paar 64Par mit Filter von vorne auf die Kulissen. Ich hab hauptsächlich dunkel Blau, minimal weiß (gerade für die Gesichter) und etwas rot für die Abendsonne verwendet.

  • marcoboy
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    • 7. Januar 2011 um 19:55
    • #9

    Es gibt ein ganz anderes Problem Streulicht von den Scheinwerfern. Um so billiger der Scheinwerfer um so mehr Leuchtet er da heraus wo er es nicht soll. Abhilfe schafft auf Deutsch schwarze Alufolie. Mit die man die Scheinwerfer abdichtet. Aber Vorsicht dieser könnte das mangels Kühlung übel nehmen. Auch sonst muss man aufpassen sich nicht bei der Aktion die Finger zu Verbrennen. Ansonsten ist man auf richtigen den weg alles was Reflektieren könnte zu entfernen. Schau dir die Künstler genau an ;) sonst hängt an den etwas dran was reflektiert.

  • andi.bt
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    • 7. Januar 2011 um 21:07
    • #10
    Zitat von "marcoboy"

    Es gibt ein ganz anderes Problem Streulicht von den Scheinwerfern. Um so billiger der Scheinwerfer um so mehr Leuchtet er da heraus wo er es nicht soll. Abhilfe schafft auf Deutsch schwarze Alufolie. Mit die man die Scheinwerfer abdichtet. Aber Vorsicht dieser könnte das mangels Kühlung übel nehmen. Auch sonst muss man aufpassen sich nicht bei der Aktion die Finger zu Verbrennen. Ansonsten ist man auf richtigen den weg alles was Reflektieren könnte zu entfernen. Schau dir die Künstler genau an ;) sonst hängt an den etwas dran was reflektiert.

    Mit der Blackfoil (LEE 280) arbeiten wir auch viel. Hab es aber zuerst in Hamburg beim König der Löwen gesehen wo die Profiler im Zuschauerraum damit eingewickelt wurden...

  • tufkaleho
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    • 7. Januar 2011 um 21:38
    • #11

    Blackwrap ist auch eine gängige Bezeichnung, kann ich ebenfalls nur empfehlen.

  • marcoboy
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    • 7. Januar 2011 um 22:24
    • #12

    Hätte ich das so geschrieben hätten 5 Leute gefragt was ist das :D Mit Blacktak lässt sich die Folie befestigen. Deutsch schwarzes Aluklebeband :roll:

  • niggles
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    • 7. Januar 2011 um 23:09
    • #13

    Der eigentliche Trick (und das schwierigste..) beim Leuchten einer Nachtstimmung ist die Unsichtbarkeit sowohl der Lichtquellen als auch der Lichtstrahlen. "Nacht" bedeutet für das menschliche Auge in erster Linie mal schwaches, kaltes, indirektes aber hartes Licht.
    Daß die benutzten Lampen meistens mit Blackwrap streulichtlos gemacht werden müssen um die Illusion nicht zu zerstören wurde schon erwähnt. Sinnvoll ist es außerdem die Farbtemperatur mit CTB in Richtung "Mondlicht" zu verschieben. Congo oder gar UV wirkt künstlich und überzogen (was ja auch gelegentlich erwünscht sein kann...).
    Jetzt braucht es noch eine Kulisse die einen samt-/mattschwarzen Hintergrund bietet der die Lichtkegel quasi im Nichts enden läßt (der bekannte "Scherenschnitthorizont", ab besten noch schwach von hinten beleuchtet) und Spitz-/Oberlichter mit denen sich z.B. Strassenlampen simulieren lassen. Auf kleinen Bühnen reichen da oft schon ein paar Pinspots...

    Economics in eight words: "There ain't no such thing as free lunch."

  • siedfleisch
    Beiträge
    379
    • 18. Januar 2011 um 10:50
    • #14

    So, die Geschichte ist gelaufen, Eure Hinweise waren für mich nützlich. Wenn man direkt davor steht, sieht man gelegentlich den Wald vor lauter Bäumen nicht.
    Was ich gebraucht hätte, wären zwei Sätze Scheinwerfer gewesen, jeweils für die Tag- und Nachtszene verschieden eingerichtet. Nachts, wie mehrfach empfohlen, so eingestellt, daß nach Möglichkeit der Hintergrund nicht beleuchtet wird, sondern so gut es eben geht nur die Darsteller.
    Das geht mit unseren Möglichkeiten nicht wirklich, also habe ich eine Kombination aus "alles hell" und "schmaler Lichstreifen, oben dunkel" gesucht und auch tatsächlich etwas brauchbares hinbekommen. Ich war jedenfalls soweit zufrieden, daß ich nicht dauernd über die miese Ausstattung fluchen mußte.
    Videotauglich war das zwar nicht mehr, die Gesichter sind stellenweise nur noch schwarz, aber das Auge ist zum Glück sehr viel besser, für die Zuschauer war es OK.

    Danke und Gruß: -sf-

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