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Digitalpult Default-Preset

  • guma
  • 12. Mai 2013 um 20:31
  • wora
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    • 14. Mai 2013 um 13:25
    • #21
    Zitat von "Loloverde"

    ...
    Vorneweg: Ich arbeite zu 80% mit komplett eigenem Material. Also immer die gleichen Mikrofone, PA und Monitore.

    ...
    Bei den Bands habe ich ein Standardpreset, welches immer die gleiche Struktur hat. Drums, Bass, Gitarre, Keyboard und Gesang gehen immer auf die gleichen physikalischen Inputs auf meinem iLive System. Bass ist immer C1, Keys fangen bei C5 an usw. Damit spar ich mir beim stecken auf der Bühne einiges an "Denkarbeit" und es passieren weniger Fehler. Sollten weniger Instrumente da sein, bzw bestimmte Mikros wie OH nicht benötigt werden, bleibt einfach eine Lücke...


    das ist im prinzip eine hervorragende idee, die auch bei anderen verleihern gerne so gehandhabt wird.
    leider kann ich das als mitreisender bandtechniker nicht so machen, weil ich dann immer diskussionen mit den örtlichen technikern hätte, warum denn diese lücken zwischen den kanälen sind... somit bleibt mir leider nichts anderes übrig, als für jede band eine möglichst kompakt geschriebene kanalbelegung zu erstellen.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • Loloverde
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    • 14. Mai 2013 um 14:48
    • #22
    Zitat von "wora"


    leider kann ich das als mitreisender bandtechniker nicht so machen, weil ich dann immer diskussionen mit den örtlichen technikern hätte, warum denn diese lücken zwischen den kanälen sind... somit bleibt mir leider nichts anderes übrig, als für jede band eine möglichst kompakt geschriebene kanalbelegung zu erstellen.

    Das wäre doch eine wunderbare Situation, daß man als angereister Techniker ein "das muß so sein, daß war schon immer so, daß wird auch nicht anders gemacht" an den Mann zu bringen ;)

    http://www.thewhitelodge.de

  • billbo
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    • 14. Mai 2013 um 15:20
    • #23
    Zitat

    "Ich will mich nicht mit dem Kanal-EQ an einem falsch ausgewählten, falsch aufgestellten oder falsch eingestellten PA abarbeiten müssen...."

    Ich ahnte, dass wir uns zumindest da mal einig sind.

    Zitat

    leider kann ich das als mitreisender bandtechniker nicht so machen, ...

    Einspruch. Als mitreisender Bandtonler mache ich das ganz genau so, und es hilft mir sehr – auch und gerade angesichts täglich wechselnder Arbeitsgeräte und örtlichen Personals.
    Praktisch alle gängigen Pulte und Bedienoberflächen sind heute nach dem 4er/ 8er/ 16er Schema aufgebaut. Die 4er Scrollbank bei Midas, die 8er Faderblöcke bei Yammi, die 16er Layer bei Behringer und vielen Sparbedienoberflächen. Genau das mache ich mir in meinen Presets (und natürlich meiner Channel List) zu Nutze, um meinerseits so viel Struktur und Ordnung wie möglich in die Sache zu bringen. Nicht nur auf meinem Arbeitsgerät, sondern auch auf der Bühne, denn dort sieht’s bei Stageboxen und Unterverteilungen ja ganz ähnlich aus.
    Also: 1-4 = Kick(s), Sn top, Sn bottom. 5-8 Toms (wenn’s nur 3 sind, bleibt ein Kanal halt frei). 9-12 Blech (Ride/ HiHat/ OHs). Anschließend Rest der Band, wenn irgend möglich in ähnlich schlüssigen Gruppierungen. Gesänge liebend gerne ab 25, genau dort fängt bei praktisch allen Pulten wieder eine neue Welt an. Specials und Sonderkram (die Akustikgitarre für einen Song/ den Kanal für die beiden Saxsoli/ die Sparefunke für den angekündigten und vielleicht erscheinenden Gastrapper) hinten dran oder irgendwo, wo aufgrund meines Kanalgruppensystems zwischendrin zufällig ein Kanal leer geblieben ist.
    Natürlich klappt das nicht in allen Fällen so ideal; aber ich bemühe mich stets darum, diese Prinzip so konsequent wie möglich einzuhalten.
    Das hilft dem Fremdtechniker, das hilft dem Mikrofonierer, das hilft mir. Übersichtlichkeit! Und ganz nebenbei ist damit auch automatisch das Problem abgedeckt, dass es ja immer noch gängige Pulte (PM5) gibt, bei denen sich nur 'odd' und 'even' zu einem Pärchen verbinden lassen.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • guma
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    • 14. Mai 2013 um 18:21
    • #24

    @ Billbo

    Ich bin überzeugt davon, dass wir viel häufiger das Gleiche meinen als Du denkst aber eine sehr unterschiedliche Sprache sprechen. :wink:

  • billbo
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    • 14. Mai 2013 um 19:29
    • #25

    Das ist ganz sicher richtig. Im allgemeinen wissen wir beide, worüber wir reden. Ich provoziere gerne, du lässt dich gerne provozieren. Passt! :lol:

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • wora
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    • 15. Mai 2013 um 00:44
    • #26
    Zitat

    ...

    Einspruch. Als mitreisender Bandtonler mache ich das ganz genau so, und es hilft mir sehr – auch und gerade angesichts täglich wechselnder Arbeitsgeräte und örtlichen Personals.
    ...
    Das hilft dem Fremdtechniker, das hilft dem Mikrofonierer, das hilft mir. Übersichtlichkeit! Und ganz nebenbei ist damit auch automatisch das Problem abgedeckt, dass es ja immer noch gängige Pulte (PM5) gibt, bei denen sich nur 'odd' und 'even' zu einem Pärchen verbinden lassen.


    einspruch ;)
    warum sollte eine liste mit grösseren lücken zwischen den kanälen dem mikrofonierer und dem fremdtechniker mehr helfen als eine kompakte kanalbelegung, die z.b. von 1 bis 24 mit nur höchstens kleinen lücken gefüllt ist?
    ich hoffe ja du gehst nicht davon aus, das ich in meinen kanalplänen z.b. die snare sehr weit von der bassdrum und der hihat entfernt platziere? :roll:

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • guma
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    • 15. Mai 2013 um 06:59
    • #27

    Hm, ich denke , dass in Billbos Welt Festival-Belegungen in aller Regel so funktionieren, wie er es beschrieben hat: Block Trommeln, Block Bässe .... bis Block Gesang, Block misc., korrespondierend mit den Rastern, die die Pultoberfläche vorgibt und dass die Stagebox und die Pultkanäle 1:1 bleiben und dass dann je nach dem mit Lücken gepatched und gemischt wird.( ... Auf nem Metal Gedöns ist der Keyboardblock und der Bläserblock eher nicht vertauscht :D )

    Selbst bei Pulten, bei denen der patch und die Verteilung über die Layer sehr einfach voneineinander zu "entkoppeln" sind, ist es so, dass der Betreuer seine misc. ( Zuspieler, MOD u.s.w. ) auch während der show nicht gerne im Jenseits wieder findet. ( ... obwohl ich persönlich, wenn ich am Vorort-Läppe umpatche, auch kein Problem damit habe, die zu erfragen und in meinem preset hoch zu holen ... ). Da sind wir dann wieder bei "simple Struktur kontra gute Kommunikation". ( ... wobei beides zusammen noch schöner ist :D )

    Das ist allerdings ja nur ein Teilaspekt des preset Themas. :wink:

  • billbo
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    • 15. Mai 2013 um 13:19
    • #28
    Zitat

    Hm, ich denke , dass in Billbos Welt Festival-Belegungen in aller Regel so funktionieren, wie er es beschrieben hat: ...

    Ja, das ist so, ganz ohne Zweifel; und nicht nur bei Festivals. Wenn es schon aus technischen Gründen vorgegebene übersichtliche Strukturen gibt, die prima auf mehr oder weniger jedes zu erwartende Arbeitsgerät passen, warum sollte ich die dann nicht nutzen? Gerade, wenn ich jeden Tag ein anderes vorfinde?
    In der Praxis sieht das dann so aus: ich stehe vor einer Kiste, die ich das letzte Mal vor einem ¾ Jahr gesehen habe. Ich schiebe mein (damals eher auf zufällige Weise entstandenes) File rein - und habe eine halbwegs vertraute, logisch aufgeräumte Welt vor mir, die zumindest mal so ähnlich aussieht wie auf der völlig anderen Kiste vorgestern. Obwohl ich mich nicht mal daran erinnern kann, wo bei dem Ding eigentlich der Netzschalter sitzt. Aber dafür gibt’s ja dann den Betreuer.

    Mein 'Lieblingsraster': 1-16 Rhythmus (incl. Bass; t'schuldigung an alle mitlesenden ambitionierten Viersaiter). 17-24 'Leadinstrumente' (Gtr, Keys, meinetwegen auch Bläser, Harfe, Akkordeon, ...). 25-XX Vocals und Specials. Quadratisch, praktisch, gut – kennt jeder, kann jeder, kapiert jeder. Schön, wenn's irgendwie passt; den Anblick des einen oder anderen Leerkanals kann ich ganz gut verschmerzen.

    Und ja, auch die Örtlichen freut's in der Regel. Es gibt noch verdammt viele Bühnenpatchsysteme da draußen, die - sagen wir mal – in Sachen Flexibilität nicht vollkommen zu Ende optimiert sind (und das wird in Zeiten digitaler Wunderwelten eher schlechter als besser: die sündteure 'Digitalstagebox' passt mit Hängen und Würgen so gerade eben noch in den eh' schon arg überstrapazierten Leasingrahmen, für ein funktionierendes, praxisgerechtes Bühnenpatching sieht's dann aber auch gleich ganz zappenduster aus). Und da findet's der Kollege oft super, wenn er seine alten Substageboxen 1-8 und 9-16 auf den Drumriser legen kann, 17-24 dort hin, wo die meisten Backlinekanäle auflaufen, und 25-32 an die Bühnenvorderkante. Und die 25m – NF Kabel können im Case bleiben.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • TomyN
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    • 16. Mai 2013 um 06:57
    • #29

    Vorschlag für die Verwendung des zusätzlichen Rechnpowers der nächsten Digipultgeneration: Integration einer Datenbank. Auf Knopfdruck ist eine Auswertung möglich: Sie liegen heute 4,3% vom gestrigen Endpreset entfernt, und sind bei 45,6% von BillBo's idealem Mix angelangt. :-). Bei 50% wird eine weitere Effektengine freigeschaltet. Wollen sie ihren Score Online verfügbar machen?

    Tomy

    SIM II Operator und Dante Level I-II-III (Dante sogar dreimal :)
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  • tobias kammerer
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    • 16. Mai 2013 um 07:48
    • #30

    Hallo,

    ich bin da immer hin und her gerissen, wie ich das lösen soll. Vorgefertigte Presets benutze ich sehr gerne, wenn ich selbst Mixe. Wenn ich aber nur Equipment stelle, möchte ich es den Gastmixern so nahe wie möglich Recht machen und gestalte das nach deren Wünschen.

    Bei Festivals lege ich tatsächlich einen Kanalplan und ein Routing vorab fest. Ich stehe da auch auf große Lücken, dafür blockweise Übersicht. Hier schreit die iLive übrigens nach 12er Blöcken.

    Sehr viel arbeite ich inzwischen mit Libraries. Das heißt, ich mache das Routing tatsächlich spontan vor Ort, lade dann aber Channel Presets, in denen die Eingangs erwähnten Vorabstimmungen enthalten sind (Also EQ Frequenzen, Gate/ Compressor/ Deesser Werte)
    Hier mache ich aber 2 Dinge anders wie die bisherigen Ansätze:
    1.: Thresholds speichere ich in der Regel mit (Denn mal ehrlich, wie weit wird der Threshold von heute vom gestrigen entfernt sein?? 1 oder 2 dB).
    2.: Gains speichere ich oft gleich mit der Mikrofonbezeichnung ebenso mit.

    Natürlich müssen beide Werte korrigiert werden, man hat jedoch sofort beim Aufziehen des Channels ein vernünftiges Signal. Das spart schon wieder ein paar Sekunden pro Kanal.

    Für bestimmte Anwendungen speichere ich auch komplette Kanal Settings inklusive EQ, z.B. alle EQ-s für komplette Blaskapellen.

    Grüße
    Tobias

  • wora
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    • 17. Mai 2013 um 00:12
    • #31

    ich arbeite in der iLive ebenfalls viel mit den librarys. fast immer wenn ich eine neue show erstelle, greife ich darauf zurück.
    mittlerweile habe ich mir eine recht umfangreiche sammlung zugelegt, geordnet nach instrument, mikrofon und teilweise sogar nach künstler. dabei speichere ich ebenfalls thresholdwerte für die dynamics mit - aber an allererster stelle steht für mich der gain! wenn der ansatzweise stimmt, ist für mich schon viel gewonnen.
    ich habe dabei librarys für komplette kanäle, aber auch für die einzelnen funktionsgruppen (dynamics, EQ, effekte, mixbusse usw...)

    kleine ankdote:
    vor zwei jahren hatte ich mal ein problem mit einer neuen firmware. während des soundchecks fiel ein monitorweg aus und ich konnte mir nicht erklären warum (es war ein bug, der dann ein paar tage später per update behoben wurde)
    ich konnte die sache nicht retten, der weg blieb einfach stumm, egal was ich versuchte.
    ich habe dann die musiker zum essen geschickt, eine komplett neue show erstellt und alle kanäle mit meinen librarys wieder hergestellt. die monitor-EQs hatte ich mir zuvor ebenfalls in meine library übernommen. die monitorpegel hab ich dann aus dem kopf heraus wieder hingedreht, ebenso die EQs für die PA. das ganze dauerte keine 10 minuten.
    ich bin dann auch zum essen gegangen und hab den musikern gesagt, dass sie vor dem einlass nur noch schnell mal kurz ihre instrumente anspielen sollen, nur zum testen ob wieder alles läuft. dieser kleine soundcheck dauerte dann nochmal knapp 5minuten, denn fast alles passte von anfang an.
    wenn ich den musikern vor der show noch gesagt hätte, das es sich einfach um ein komplett neu erstelltes file handelte, wären sie vermutlich nervös geworden... ;)
    nach dieser einschneidenden erfahrung liebe ich meine librarys umso mehr !! :D:D

    an dieser stelle möchte ich aber gerne nochmal erwähnen, das diese librarys ständig weiter verfeinert werden. und man muss immer aufpassen, keinen müll zu speichern!

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • guma
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    • 20. Mai 2013 um 11:52
    • #32

    So nun habe ich ein bisschen Zeit, das Thema etwas gründlicher zu beackern.
    Da die Pulte recht unterschiedlich in ihren Speicher- und recall Optionen sind, sollte man zunächst mal genauer festlegen, was wir unter preset verstehen wollen. Funktionell könnte man hier zwischen Architektur und Werten unterscheiden und davon noch ‚routing und patching‘ abgrenzen. An diese Einteilung halten sich die Speicherhirarchien der verschiedenen Hersteller jedoch nicht.

    Am Beispiel Yamaha kann man gut verstehen, was ein preset alles Unterschiedliches sein kann:
    Ein file, in dem einfach alle Daten, die zu einer kompletten Pultoberfläche und der kompletten Audiobearbeitung gespeichert sind.
    Eine scene, in der zwar sämtliche Audiobearbeitungsdaten abgelegt sein können, allerdings nicht Teile der Pultarchitektur wie z.B. UDKs also Befehlszuordnungen zu Bedienelementen.
    Werte, die in einer library für bestimmte Audiobearbeitungen abgelegt werden wie effects, EQ, Dynamics oder, wie für eine spätere M7CL firmware nachgeschoben, die Werte eines kompletten Kanalzugs als 'channel library'. Hierbei sind presets jedoch relativ „kleinteilige“ Einheiten.

    Darüber hinaus hängt das, was als preset sinnvoll ist, sehr stark davon ab, wie starr ( Yamaha, Behringer X32 …. ) oder offen ( Allen & Heath, DiGiCo … ) die Architektur einer Konsole ist und wie sehr sich die jeweiligen Anwender an bestimmte Organisationsweisen gewöhnt haben. Anwender, die sich stark an der Übersicht eines vorgegebenen Rasters orientieren, speichern sicher anders als Anwender, die sich sehr individualisierte Zusammenstellungen von inputs, outputs und DCAs packen.
    Über routing und patching defaults wurde in diesem Thread schon einiges geschrieben. Ebenfalls wurde bereits beschrieben, dass dafür, wie detailliert und umfassend ein preset sein sollte, die Konstanz der Rahmenbedingen entscheidend ist. So macht das Speichern eines kompletten files, einer kompletten show um so mehr Sinn je mehr die Bedingung „gleiche Band, gleiche Instrumente, gleiche Mikros, gleiche PA, gleicher Raum“ erfüllt ist oder umgekehrt je weniger konstant diese Bedingungen sind, um so weniger Sinn macht detailgenaues Speichern und recallen.

    Im Folgenden will ich ein paar grundsätzliche Überlegungen zu default-presets für Werte, also Wertebereiche für Audiobearbeitungsparameter anstellen und das am Beispiel „INPUT CHANNEL“ abarbeiten. Diese Vorgehensweisen haben sich bei mir in den letzten Jahren außerordentlich bewährt und lassen sich sicher auch auf andere Bereiche der Pulte übertragen.
    Der Grundgedanke ist ganz einfach der, das ein praktischer Default Wert für eine möglichst schnelle Startposition nicht zwingend als physikalisch „Null“ oder „ Linksanschlag“ oder „Mittelstellung“ am vernünftigsten sein muss sondern statt dessen der Wert sein sollte, der in einem Erwartungsbereich für eine bestimmte Anwendung die geringste Abweichung also den kleinsten Regelweg am encoder oder eben keine Aktion an einem Taster/Schalter erfordert. Ziel ist für mich hierbei, Bearbeitungsblöcke so vorbereitet zu haben, dass für die schnelle Bearbeitung mit Bedienung nur noch eines Parameters schon ein zwar noch nicht perfektes aber schon sehr gangbares Ergebnis erzielt werden kann.

    Randbemerkung/Exkurs: In der DiGiCo Routine gibt es zwei Besonderheiten/Ausnahmen, die so nicht auf andere Pulte übertragbar sind:
    1. input gain ist nur dann sinnvoll zu recallen, wenn der patch tatsächlich 1:1 ist. Werte, die den preamp betreffen wie gain/phantom on/off u.s.w ., sind fest an den preamp gebunden. Die Wertegruppe „input“ d.h. alles was den preamp betrifft, muss also beim recallen/pasten entweder ausgeschaltet sein, dann werden alle übrigen Daten ( EQ Dynamics u.s.w. ) beim recallen von presets oder bei copy+paste wie gewünscht überschrieben oder wenn „input“ eingeschaltet ist, wird automatisch der im preset abgelegte preamp mit umgepatcht !!! Daher habe ich mich dahingehend umgewöhnt, dass ich den gain nur recalle, wenn alles andere von mir bestimmbar ist insbesondere der patch und sonst den gain im Digico Default belasse, welcher sinnvollerweise nicht „Linksanschlag“ ist, sondern etwa 10 Uhr, was in deren Skalierung 10 dB bedeutet.
    2. ein preset kann bei DiGiCo nicht nur ein Kanal sein, sondern eine beliebig auszuwählende Anzahl von nebeneinander liegenden Kanälen, sodass auch presets wie „Schlagzeug als Ganzes“ möglich sind . Das macht das Nutzen von Channel-Presets besonders reizvoll.

    Für alle Kanäle gemeinsam gilt bei mir also
    - Gain etwas aufgedreht aber Kanal gemutet, Fader Anschlag unten
    - EQ mit high/lowpass eingeschaltet.
    - Dynamics nur eingeschaltet, wo ich sie tatsächlich nutze
    - Alle aux sends, die möglicherweise gebraucht werden, eingeschaltet und mit sehr seltenen Ausnahmen ( z.B. ein Snare-Hall, der zu einer bestimmten Snare immer dazugehört ) immer zugedreht „Linksanschlag“ .

    Exemplarisch einige Kanäle, wobei es wie gesagt um eine Start-Position geht, von der ich weiß, dass die für eine Rock/Pop/Funkband im weitesten Sinne am wenigsten Gekurbel verursacht und nicht um die ultimative Stripeinstellung und selbstverständlich gibt es ( sehr seltene ! ) Ausnahmen, in denen bei sehr „außergewöhnlichen“ Räumen und „interessanten“ PA-Setups etwas mehr gekurbelt wird. Wer die Geduld aufbringt, genau zu lesen kann schnell merken, dass es sich hier um einfache Voreinstellungen handelt, die aber trotzdem das Leben sehr erleichtern können, wenn man viele Kanäle bearbeiten muss.
    Kick: Warum sollte die low mid Senke, die die meisten von uns trotz b.z.w. zusätzlich zu der Senke, die die Kick Mikros mit vorgeformtem Frequenzgang aufweisen, einstellen, nicht schon im preset angelegt sein ??? Ich mache es so, dass beim Audix D6 der Kanal-EQ low mid 220 Hz -8dB Q=3, die Variable wäre dann die Frequenz die ich noch ein bisschen hin und her schiebe, high mid 6,5 KHz +6 dB Q=1, lowpass 10KHz im preset schon voreingestellt sind. Das geht zur Not auch mal mit nur fader hoch und ‚to taste‘ Einstellungen sind später schnell gemacht. Das Gate stelle ich mit sehr schnellem Attack und mittleren hold und release Zeiten sowie einer Range von 30 dB ein. Die Variable wäre zunächst nur der Threshold.
    Snare: Wie schon an anderer Stelle gesagt, wäre ich bei meinem Umgang mit Top + Bottom ohne preset einfach zu langsam ! Top Mikro Audix D3 EQ 6 KHz +4 dB, highpass 80Hz, Bottom Mikro C451ES -20dB Vordämpfung + Trittschallfilter am Mikro, EQ flat aber highpass auf 400 Hz hochgekurbelt. Kompressor Top Ratio 6:1, Threshold -20dB, attack 2-3 ms, release 250ms. Damit ist Snare Top als Startposition ziemlich zugebügelt. Variable ist jetzt nicht wie sonst der Threshold sondern gemeinsam mit dem input gain die attack Zeit, die ich nur noch langsamer zu machen brauche, um das Top Mikro für den Anschlag der Snare zu öffnen. Im Gate bottom ist das Top Mikro als Key in gepatcht, schnelles attack mittlere hold und release Zeit, side chain filter auf obere Mitten eingeschränkt, range 30 dB, Variable bleibt der Threshold. Das zusammen macht einen schnellen Start und ‚to taste‘ Einstellungen sind ja trotzdem möglich wenn Zeit dazu ist.
    Toms: Phantom ! Mit Clipkondensatoren ( pro35, ATM350, beta98 ) lasse ich den EQ flat, habe aber schon High und lowpass in Betrieb und zwar je nach Größe und Stimmung z.B. ST 50Hz/6Khz, LTT 70Hz/7,5Khz, HTT 90Hz/9Khz. EQ sonst flat. Die Gates haben bereits 30dB range, schnelles attack, mittleres hold/release wobei die Zeiten für kleine Toms etwas schneller, für große etwas langsamer ausfallen. Variable ist der Threshold.
    OH: Phantom ! Da ich gerne diese Schoeps MK40Kapsel mit der ausgeprägten Naheffektkompensation und dem kleinen Peak bei 9KHz nutze und versuche mit der Position vor allem Becken einzufangen statt ein studiomäßiges Abbild vom ganzen Set erzeugen zu wollen, kann ich den highpass auf 400 Hz hochkurbeln. Der EQ bleibt flat.
    HH: Phantom ! highpass wie OH zur Zeit mit dem beta 181S. Im Unterschied dazu mache ich im EQ aber schon mal eine Senke bei 1,8 KHz -6dB Q=2. Die Variable wäre nun die Scheitelfrequenz, die ich für das gewünschte Ergebnis beim Schnellstart nur noch ein wenig rauf und runter schieben muß.
    E-Git: EV RE10, dynamisches Mikro mit reduziertem Naheffekt und kaum Präsenzanhebung. Highpass 80Hz, Lowmid Anhebung 250 Hz + 6dB Q=1, Präsenzanhebung 3KHz +5dB, Q=0,7. Die erste Variable beim Schnellstart wäre hier wieder nicht der Filter-Gain sondern die Scheitelfrequenz ! Rode NT2A Phantom ! Am Mikro geschaltete Vordämpfung und Trittschallfilter. Highpass 90 Hz, Lowpass 8 Khz, Lowmid Anhebung bei 300 Hz +4dB Q1,5 EQ sonst flat. Die Kompressoren auf ratio 2:1, mittlere attack und release Zeiten, Threshold hoch, sodass beim Start noch keine Kompression vorhanden ist, Variable ist dann der Threshold.
    Bass: DI, lowpass 8KHz, EQ flat, Kompressor ratio 3:1, mittlere attack und release Zeit, Threshold hoch, sodass noch keine Kompression stattfindet.
    Keys: DI, EQ flat, Kompressor wie Bass.
    Vocals: SM58, highpass 120 Hz, Lowmid 250 Hz – 6dB Q=2, higmid 2 KHz – 4 dB, die Variable ware im Schnellstart wieder die Scheitelfrquenz und nicht der Filter-Gain ! Kompression findet bei mir in einer Vocal Subgruppe statt.

    So das wäre mal ein kleiner Einblick, ich hoffe man kann den roten Faden erkennen. :wink:

  • SebastianJaeger
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    • 20. Mai 2013 um 12:24
    • #33

    @ GUMA das deckt sich mit meinem Vorgehen.
    Allerdings setzte ich nur die High und Lowcuts und setzte im EQ die Bänder schonmal auf die mir bekannten Frequenzen.
    Ziehe allerdings noch nichts und mache auch noch keine Anhebungen, das kommt dann erst beim Soundcheck.

    Gruß

    Sebastian

    Jäger-Audiosolutions - Tools vom Tontechniker für Tontechniker
    http://www.jaeger-audiosolutions.de Cat Multicores, Speakon Multicores, Rednerpultmulticores etc., CNC Bearbeitung

  • guma
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    • 20. Mai 2013 um 12:42
    • #34

    Ja, die Idee zu den EQ Einstellungen ist einfach die, dass, wenn man sich die Einschränkung auferlegt, beim Schnellstart nur noch einen Parameter pro Band zu drehen, manchmal die Scheitelfrequenz der "schnellere", zielführendere Weg ist als der Filter-Gain. Vielleicht rührt dieser andere Umgang damit auch von meinen inzwischen fast 20 Jahren Umgang mit 'Dynamic EQs', die ich hier zum Thema presets mal aussen vor gelassen habe. Da ändert sich auch die Einstellung zum konventionellen EQ. Die Dinger sind wirklich hilfreich für die eigene Lernkurve.

  • wora
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    • 21. Mai 2013 um 12:42
    • #35

    umfangreicher beitrag mit vielen guten und praxisgerechten tipps, die ich in fast allen punkten sehr gut nachvollziehen kann. ich mache die meisten sachen auch recht ähnlich. beim umgang mit dem SM58 gehe ich allerdings einen ganz anderen weg, hier sind meine kanal-EQs in aller regel flat, eventuell erforderliche eingriffe mache ich in einer vocal-subgruppe (die haben heute ja auch EQs ;) ) oder in einzelfällen bei klanglich wirklich auffälligen eigenheiten eines gesangsakrobaten. kompression mache ich da sehr gerne im kanal für jeden sänger einzeln, wenn es möglich ist. subgruppenkompression mache ich nur selten.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • billbo
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    • 21. Mai 2013 um 13:26
    • #36

    Das meiste in Sachen 'Kanalgedöns' kann ich so nachvollziehen. Wenngleich beim genaueren Hinschauen auch schnell klar wird, dass sich solche persönlichen Standards doch sehr stark auf die Musik/ Bands/ Arbeitssituationen beziehen, mit denen man es am häufigsten zu tun hat. Als 601 Fan komme ich z. B. überraschend oft ohne Bassdrumsenke aus; zumindest will ich das erst mal so hören, denn dann kenne ich Raum, Trommel und Trommler. Also gibt’s zwar eine vorgewählte 'wahrscheinliche' Frequenz mit passendem Q – die aber flat.
    In meiner kleinen Welt der oft viel zu engen, viel zu lauten Bühnen in viel zu leeren Hallen mit viel zu lebendiger Akustik starten die Low Cuts auch gerne mal eine Oktave :D höher – ob und was mehr geht wird mir der Füllstand der Halle zu Showbeginn dann schon zeigen. Und getreu der Erkenntnis 'jedes dB Gain Reduction in einem offenen Mikrofonkanal bedeutet zunächst und vor allem mal ein dB weniger Kanaltrennung' und '901 klingt auf Bypass oft auch überraschend gut' sind Kompressoren bei meinen Livesetups erst einmal tabu bzw. aufs absolut Notwendige beschränkt (und wenn, dann eher schnelle Notbremse mit hohem Ratio am oberen Ende des Dynamikbereiches denn klangformendes Element im Kanalzug). Ausnahmen (E – Bass, Snare bei bestimmten Musikstilen - dann aber auf jeden Fall auch gegated, undisziplinierte Schreisänger(innen!) ) bestätigen wie immer die Regel.

    Was mir in Deiner Aufstellung fehlt sind Effektsends (ich bin eher Returnarbeiter). Gerade die kosten, wenn man mal wieder vor einer genullten Analogkonsole steht und 10 Minuten Zeit für alles hat, erfahrungsgemäß überproportional viel unnötige Zeit. Und ob ich die Drumplate hinterher wirklich zwingend brauche, ist mit einem Griff zum Returnfader dann ganz schnell geklärt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • guma
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    • 21. Mai 2013 um 13:36
    • #37

    @ Billbo
    Ich habe bewusst etliches weggelassen ( Gruppen, FX sends, Rack, Returns ) und im Text auch angekündigt, mich auf Inputs zu beschränken weil ich einfach nur das Prinzip verstanden wissen wollte ohne jetzt eine endgültige Bedienungsanleitung zu geben. :D Du kannst das aber gern nachholen. :wink:

  • guma
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    • 21. Mai 2013 um 13:44
    • #38
    Zitat von "billbo"

    Als 601 Fan ...

    Ist das ein platt geklopftes 602 oder ein aufgepumptes 901 ? :D:D :lol:

  • billbo
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    • 21. Mai 2013 um 14:05
    • #39

    Also bei mir hat's Effektsends schon auch in den Kanälen.
    Aber bzgl. 601 - ähm - 602: Schande über mein Haupt!

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • guma
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    • 21. Mai 2013 um 19:00
    • #40

    @ Billbo

    Ah, jetzt verstehe ich. Das hatte ich aber schon beschrieben, hast Du vielleicht aber überlesen:

    Zitat von "guma"

    - Alle aux sends, die möglicherweise gebraucht werden, eingeschaltet und mit sehr seltenen Ausnahmen ( z.B. ein Snare-Hall, der zu einer bestimmten Snare immer dazugehört ) immer zugedreht „Linksanschlag“ .

    ... wobei ich es genau genommen so mache:
    Der default preset ist wirklich so wie zitiert. Ich lasse dann z.B. den Gesangshall Kanal Aux Send wirklich noch zu und drehe ihn erst während des SC oder, wenns den nicht gibt sogar erst showtime mit der ersten Silbe des ersten Verses auf, wenn ich die Band nicht gut kenne. Was ich im 'default' aber auch manchmal schon offen habe, sind sends "statischer" Effekte ohne zeitlichen Verlauf z.b. "micro pitch", wenn ich den im ersten Titel wirklich benutze.

    Ist es eine "Hausband" und ich weiß genau was gespielt wird, mache ich es natürlich anders: da mache ich alle Kanal FX sends, von denen ich genau weiß, dass ich sie benutze, auf und öffne den Effekt bei Bedarf wie Du auch über die returns.

    Ist halt wirklich eine Definitions- b.z.w. eine Frage der Bedingungen, was man unter default oder Startpreset versteht. Deshalb speichere ich gern auch unterschiedliche Bearbeitungsstufen einer prinzipiell gleichen show. Für Leute, die das auch machen, gleich noch eine Frage:
    Wie bastelt ihr euch eure Nomenklatur, damit ihr die Versionen auseinander halten könnt ? "Vor SC", "nach SC", "nach show XY" ist ja klar, aber wie nennt ihr z.B. Versionen, die vorher oder in der Nachbereitung im Lager entstanden sind, so dass ihr auch noch wisst, was dann wirklich anders ist ??

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