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Beiträge von billbo

  • Feedback - Probleme im Jazz-Bereich (Kampfbeschallung)

    • billbo
    • 6. Januar 2007 um 14:22

    Du kennst aber nette Gala – Veranstalter :) !

    Aha – Mikrofonhandling und das diesbzgl. notwendige Problembewusstsein seitens der Künstler sind also offensichtlich in Ordnung. Das ist schon mal die halbe Miete.
    Trotzdem sind an dieser Stelle die auftretenden Schwierigkeiten in aller Regel am effektivsten und mit dem geringsten Aufwand angehbar.

    Lass bei Gelegenheit mal die Neumänner im Koffer und probier’s mit Shure Beta 57A. Das sind (in meinen Ohren) noch recht erträglich klingende Vertreter der oben erwähnten GbF – Wunder. Man findet sie oft als Problemlöser auf laaangen Tourneen, bei denen es darum geht, eher schwachbrüstigen (also „leisen“) Sängern von eher lauten Bands dauerhaft eine Chance zu geben (und somit das Ausfallrisiko wegen Stimmbandentzündung zu minimieren).
    Ganz so audiophil wie mit Deinen 105ern wird’s damit sicher nicht. Die Dinger haben – naturgemäß – einen brachialen Nahbesprechungseffekt, dem Du am Kanal – EQ kräftig entgegenwirken musst (genau das sollte Dir wiederum höchst willkommen sein); außerdem werden Deine Röhrenkompressoren einige Mehrarbeit in Form von Plopp – und Klicklauten bekommen. Aber dafür sind sie ja auch da.

    Was bei Motörhead funktioniert, kann durchaus auch für Euch die Lösung sein; schließlich habt Ihr im Prinzip das gleiche Problem – wenn auch, zugegebenermaßen, nicht gerade in unmittelbar benachbarten Bereichen der dB – Skala :-D.

    Drehe außerdem bei einem der Mikros spaßeshalber mal die Phase. Den abgenommenen Einzelschallquellen ist das egal. Gerade wenn es eng zugeht - mehrere Sänger + Beschallungsanlage dicht beieinander – kannst Du damit im Low Mid – Bereich mitunter verblüffende Erfolge erzielen.

    Deinen gewünschten + 10 dB dürftest Du so eigentlich ohne allzuviel Mehraufwand schon recht nahe kommen.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Feedback - Probleme im Jazz-Bereich (Kampfbeschallung)

    • billbo
    • 5. Januar 2007 um 00:45

    Schöne Diskussion, leider zu spät entdeckt. Das meiste ist schon gesagt, trotzdem noch meine 2 cents.

    Du legst ausdrücklich viel Wert auf naturgetreue ‚lineare’ Übertragung (ausgesuchte, hochwertige Komponenten, sparsames EQing, Positionierung der Lautsprechersysteme nahe der akustischen/ optischen Quelle, etc.); wohl weil die künstlerische Qualität der Darbietung dies ganz augenscheinlich als geboten erscheinen lässt. Schon hier aber begeht Ihr (ich sehe Dich und die Künstler mal als Einheit) bereits den entscheidenden Fehler, und zwar gleich in dreifacher Hinsicht.

    Technisch – physikalisch: Deine Werkzeuge mögen perfekt sein – der Raum, in dem Ihr sie benutzt, ist es ganz sicher nicht. Der ist akustisch fast immer Dein Feind; ärgert Dich mit einzelnen Resonanzfrequenzen, ‚unmusikalischen’ Nachhallzeiten, frequenzabhängig höchst unterschiedlichem Reflektions-/ Absorptionsverhalten; zerrt und biegt an Deiner schönen Linearität in allen Richtungen herum, bis nicht mehr viel davon übrigbleibt. Da MUSST Du gegenbiegen. Mal erschreckend viel, mal in ganz kleinen Schritten. Das deutsche Wort für Equalizer ist das treffendere: Entzerrer. Das Produkt aus Anlage und Raum ist verzerrt? Entzerre es, bis es akustisch wieder (leidlich) passt.
    Vergiss Map Online etc. Dort kannst Du die entscheidenden Parameter nicht eingeben: dass Ihr nur die halbe Bühne bekommt, weil auf der anderen Seite die Tanzband aufbaut und außerdem noch Platz für den Aktionskünstler sein muss. Dass die Gattin des Vorstandsvorsitzenden am Tisch ganz vorne es nicht mag, wenn „die Kapelle so laut ist. Stellen Sie Ihre Boxen bitte anderswo hin“. Dass der Agenturchef den dicken Samtvorhang von der verspiegelten Wand gegenüber weggezogen hat, „weil so der Raum optisch ansprechender wirkt“.
    Verzichte auf vollparametrische Digitalequalizer und komplizierte Messaufbauten. Bis Du am Veranstaltungstag damit fertig bist, hat Dich das genervte Eventmanagement längst gedanklich gevierteilt und in den hintersten Winkel der Tontechnikerhölle verdammt. Und – schlimmer noch – Eure Telefonnummer ganz dick rot durchgestrichen.
    Baue stattdessen auf Dein Ohr und Deine Erfahrung. Spreche in einer ruhigen Minute die Anlage mit einem Mikrofon und einem guten 31 – Bänder an wechselnden Positionen im Raum laut, kurz unterhalb der Rückkopplungsschwelle, ein. Dort, wo sich etwas aufschaukelt, wo was dröhnt, quäkt, beisst, oder sonst wie nervt, muss es weg. Beschränke Dich dabei auf das Nötigste; später, bei gefülltem Saal, wirst Du eh nacharbeiten müssen.

    Musikalisch - handwerklich: 4 UPAs + Subs, 2 Gesangsmikros auf der Bühne? Bei situationsgerechter Mikrofonhandhabung MUSS damit ausreichender Saalpegel (Dinner-/ Galalevel, also irgendwas im Bereich 85 bis 90 dB/A) erreichbar sein, selbst bei leisen Stimmen. Dazu braucht es keine Neumänner; das geht zur Not auch mit den Mikros aus dem ALDI – Karaokeset.
    Kunst schließt handwerkliches Können nicht unbedingt aus. Das bedeutet in diesem Fall: in unidealer Vortragssituation (sich munter unterhaltendes Publikum in mäßig gefülltem Saal ist halt nicht gerade ideal) gehört der Mund der Sänger(innen) an den Drahtkorb des Mikros. Auf Tuchfühlung. Falls das nicht lippenstiftkompatibel ist, muss ein anderer Lippenstift her. Jeder Zentimeter zählt, die letzten Millimeter zählen doppelt und dreifach. (o.t.: auf dieser simplen Tatsache beruht sehr oft der Erfolg der turnusmäßig immer mal wieder auftauchenden ‚Wundergesangsmikros’. Dort ist dann die Kapsel nur wenige Millimeter unterhalb des Korbgeflechts eingebaut. Klingt nicht besonders, geht aber mörderlaut – mögliches GbF annähernd unendlich. Herr Kilminster singt live schon immer über ein 57er; er – bzw. sein Techniker – weiß, warum :D)
    Ob Weltstar oder Schülerband - zur erfolgreichen dauerhaften Zusammenarbeit mit Musikern gehört auch, dass man sie für derlei ihnen u.U. unbekannte Zusammenhänge sensibilisiert. Rede mit Deiner Band, veranschauliche ihr das Problem; mit Worten, per Vorführung, per Selbstversuch. Auch die sensibelsten Diven reagieren mitunter erstaunlich einsichtig, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass man nicht an ihnen herumnörgeln möchte, sondern ernsthaft darum bemüht ist, ihre Bühnenperformance fürs Publikum zu optimieren.

    Im Bereich Psychologie – Selbstverständnis: Ihr betrachtet Euch als Künstler. Macht vielleicht höchst anspruchsvolle Musik auf allerhöchstem Niveau. Gebt, wenn ich das richtig verstanden habe, gutbesuchte, gefeierte Konzerte.
    Hier aber spielt ihr auf einer Firmengala. Das ist eine andere Welt. Hast Du richtig erkannt: Kampfbeschallung. Falls Ihr einen „Namen“ habt, hat der Veranstalter/ die Eventfirma in allererster Linie Euren Namen eingekauft („Was machen die eigentlich?“ „Irgendwas mit Jazz oder so, ist aber richtig gut.“ „Okay, wenn Du meinst...“). Falls nicht, seid Ihr dort, weil ihr gerade Zeit habt und bezahlbar seid.
    Das Publikum ist nicht wegen Euch da, es ist sowieso da. Weil es einen geselligen Abend verbringen, sich gut unterhalten (lassen), lecker essen und trinken möchte. Weil ein paar Tische weiter die nette Sekretärin aus der Personalabteilung sitzt, mit der man(n) immer schon mal zwanglos ins Gespräch kommen wollte. Und weil der Chef am Ende eines langen, feuchtfröhlichen Abends das Hotelzimmer bezahlt (oder zumindest das Sammeltaxi nach hause).
    Passende, hochwertige musikalische Untermalung ist dabei durchaus wichtig. Genau so wichtig wie der richtige Blumenschmuck, stimmungsvolle Saalbeleuchtung, stilsicher arrangierte Tischdekoration.
    Aber nicht wichtiger.
    Es wird – zum Glück – immer einige geben, die es schade finden, dass man „die schöne Musik“ nicht so gut hören kann. Das freut den Künstler, und lässt ihn diejenigen vergessen, aus deren Blicken ihn lautlos das Wort „LEISER“ anbrüllt.
    Die Leute unterhalten sich, und Du kannst es nicht ändern. Du kannst sie auch nicht übertönen. Wirst Du lauter, werden sie es auch; so ein feierwütiges Publikum hat da ganz schöne Reserven. Im Sprachbereich bist Du chancenlos; am Ende steht die Physik - oder der puterrot angelaufene Eventmanager hinter Deinem Pult.
    Also misch drumherum. Vor einigen Jahrzehnten hat mal jemand die „Loudness“ – Taste erfunden. Wohlig grummelnde Bässe, betörend zwitschernde Höhen; und dazwischen viel, viel Platz für Gespräche jedweder Art, ohne dass das Eine das Andere nennenswert stören würde.
    Vergiss ‚Linear’, mische ‚Loudness’. Auch wenn sich Deine (und meine) Tontechnikerseele bei dem Gedanken empört zusammenkrampft: manchmal muss es eben sein; die Leute wollen es so, und hin und wieder heiligt auch in der Kunst der Zweck die Mittel.

    Und denen, die es schade finden, dass man Eure Musik nicht ‚richtig’ hören kann, drückst Du anschließend einen Tourneeplan mit den ‚richtigen’ Konzerten in die Hand.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Rider-Auslegungsfragen

    • billbo
    • 4. Dezember 2006 um 14:25

    „hermeneutische Rider – Interpretationen“ :D

    Zu nichts in der Welt passt die schöne alte Weisheit „Papier hält still“ so gut wie zum Thema ‚Rider’. Und wohl nirgendwo sonst lässt sich der Unterschied zwischen niedergeschriebenem Wunschdenken und ‚wirklich wahrem Leben’ unmittelbarer erfahren als bei dem Versuch, Bandwunschzettel und ökonomische Realitäten miteinander zu verheiraten; und zwar unabhängig davon, auf welcher Seite man dabei steht.

    Wer schreibt Rider?
    Schon die Frage ist falsch. Rider werden nicht geschrieben, sie werden abgeschrieben.
    Am Anfang stand ein (1!) Urrider (‚es wäre schön, wenn das Publikum unsere Darbietung hören und sehen könnte’). Der geriet unglücklicherweise irgendwann in die falschen Hände. Seither mäandert er in unzähligen Abarten durch die verschiedensten Szenen. Jeder, der ihn bekommt, darf ihn uneingeschränkt weiter verwenden; er ist allerdings verpflichtet, mindestens ein Gerät aus der Kategorie ‚Preis auf Anfrage’ irgendeines als möglichst teuer bekannten Herstellers hinzuzufügen.

    Wer liest Rider?
    Jeder Versuch einer ehrlichen Antwort muß schmerzen, daher nur wenige Worte. Bandtechniker, seid tapfer: bei abgeklärten Veranstaltern hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Druckertinte ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor sein kann. Also bleibt ein Email - Anhang ganz oft ein Email – Anhang. Und irgendwann ist die Mail dann – zusammen mit sonstigem Spam – halt .....weg. Das Internet hält noch stiller als Papier.

    Gibt es nationale Unterschiede in der Handhabung?
    Oh ja! Am stressfreiesten sind diesbezüglich englische Alt – R&R - Crews. Kein gestandener, altgedienter Tourmischer aus Birmingham oder Manchester käme ernsthaft auf den Gedanken, der tatsächlich anwesende Repräsentant der örtlichen PA – Firma könne Teile seines Riders erhalten oder, noch besser, sogar gelesen haben. Die dennoch hin und wieder auftauchende Frage „By the way, did you get our specs?“ ist als rein rhetorische Höflichkeitsfloskel zu verstehen; als politisch korrekte Antworten gelten „no, sorry“ bzw. „yes, BUT:....“. No problem, so lange er den Eindruck hat, dass ordentlich und halbwegs engagiert gearbeitet wird (das sieht er dem Laden nach 10 Sekunden an), ist ALLES in bester Ordnung.
    Wer einmal ein paar Wochen eine nicht gerade ausverkaufte Tournee durch englische Clubs durchgeführt hat weiß auch, warum: es gelten die Hausregeln. Es gibt das, was da ist. Punkt. Wer da nach erstem Entsetzen ernsthaft darauf beharrt, das so nicht akzeptieren zu können, dem bleibt als Alternative im Zweifelsfall die Backstagetür. Ihr könnt hier spielen, ihr müsst aber nicht. So ein unerwarteter Off – Day im stromlosen Nightliner ist teuer und wenig prickelnd; und ganz sicher weiß der nächste Veranstalter auch schon bescheid und hat vorsorglich erst einmal das angedachte rudimentäre „Catering“ gecancelt.

    Schon etwas problematischer können da amerikanische Kollegen sein. Wer jahrelang auf 10“ hohen Bretter - Eckpodesten in baufälligen Anbauten von C + W – Clubs ‚auf Eintritt’ gerockt oder sich in Jim’s Bar vor 30 zu faul zum Davonlaufen weghörenden texanischen Fernfahrern einen Wolf gerappt hat, der ist mitunter schon mal etwas übermotiviert bei dem Versuch, den f****** Krauts in Old Europe zu zeigen, wo im internationalen R&R – Business der Hammer hängt. Schön, wenn man in einem solchen Fall zufällig den Heimatclub des Produktionsleiters irgendwo in Milwaukee oder South Carolina kennt. Die beiläufig eingestreute Nachfrage, ob dort inzwischen der zweite von 2 möglichen Monitorwegen wieder funktioniert, kann die Diskussion über potentiell kritische Punkte der 60seitigen technischen Bühnenanweisung überraschend und entschieden zwangloser gestalten als eigentlich erwartet.

    Ganz schwierig: der 22jährige Nachwuchsmischer des gerade angesagten, aufstrebenden deutschen One – Hit – Wonders. Der verbringt i.d.R. viel Zeit mit dem Durchblättern von Fachzeitschriften, Musikalienversandhändlerkatalogen, und auf Hersteller – Internetseiten. Das daraus im Kopf entstandene kunterbunte R&R – Wolkenkuckucksheim hat er in kühnem, professionellem Denglisch liebevoll als „Raider“ schriftlich und/ oder graphisch in sein Laptop abgespeichert. Es aufgelockert mit Tabellen, Kanal – und Patchlisten, perspektivischen Ansichten phantastisch großer fiktiver Bühnen, mehrstelligen Helferzahlen, und angereichert mit Vokabeln wie „unbedingt!“, „mandatory!“, „no alternative!“, „Nichtbeachtung gefährdet die Show!“, usw. usw. Und verschickt es fortan von hier aus in die große, weite Welt. Endlich bin ich Chef!

    Ja. Beeindruckend. Doch, doch.

    Und das richtige Leben, das kommt erst noch.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Hallen Heath Xone62 vs. Pioneer DJM600

    • billbo
    • 24. November 2006 um 00:41

    Zugegeben – Discopulte sind nicht mein Spezialgebiet. Hin und wieder muss ich so Dinger reparieren, oder allzu sorgloser/ ungestümer Kundschaft geklaute Bedienknöpfe nachberechnen. Daher (oder trotzdem?) lese ich hier hin und wieder mit; vielleicht gibt’s ja was zu lernen. Z.B. in diesem Thread; mal sehen, ob ich den richtig verstanden habe.

    Also: Hersteller A hat eine Idee. Lasst uns doch ein Kästchen bauen, mit dessen Hilfe man ZWEI Plattenspieler an EINEN Verstärkereingang anschließen kann. Dann brauchen die Jungs mit der Kappe obendrauf, die bei preisgünstigen Tanzveranstaltungen die Konservenmusik ein – und ausschalten dürfen, nicht mehr so viel hin und her zu stöpseln; mit einem Überblendregler geht das viel einfacher, und sieht auch eleganter aus.
    Hersteller A glaubt an das Gute und hat bzgl. seiner Zielkunden die rosarote Brille aufgesetzt: die Bedeutung dieses EINEN mysteriösen Knopfes mit dem Wort ‚Gain’ daneben werden die doch sicherlich irgendwann verstehen. Falls nicht, bauen wir zur Sicherheit noch 100 Lämpchen in zwei leicht zu unterscheidenden Symbolfarben („Bei grün kannst Du gehen“, „Nach rot kommt tot“) ein; damit sollte dann aber auch jeder, wirklich JEDER in der Lage sein, die zwei Plattenspieler abwechselnd unfallfrei laut und leise zu machen.
    Gesagt, getan. Das Ding wird gebaut und verkauft sich zur Freude von A in sagenhaften Stückzahlen, und das zu einem noch sagenhafteren Preis.

    Das merkt irgendwann Hersteller B. Hersteller B beobachtet auch die Anwender des Produktes von A. Analysiert die kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten seiner zukünftigen Kundschaft nüchtern und realistisch („das schaffen die NIE!“), und baut folgerichtig ein ähnliches Kästchen; im Unterschied zu A jedoch mit so wenig möglicher maximaler Spannungsverstärkung, dass nun auch der Allerallerdümmste damit nichts mehr falsch machen kann. Revolutionär: das Ding clippt auch bei Rot nicht.
    Dafür hat allerdings jetzt leider auch der Spaßfaktor nicht unerheblich gelitten.

    Alsbald stehen sich zwei Lager gegenüber. Hier die jungen Wilden („Na supi, ich kann alles auf Rechtsanschlag drehen, und es zerrt immer noch nix!“), dort die erfahrenen Traditionalisten, die zwar ganz tief drinnen irgendwas ahnen („Gibt es vielleicht eine Welt VOR dem Rechtsanschlag?“), sich aber schwer damit tun, diese Ahnung zu konkretisieren oder gar den jungen Wilden das darin verborgene Urwissen weiter zu vermitteln.
    Beide Lager eint der Kampf gegen den gemeinsamen Feind (PA – Vermieter, Veranstalter, Discobesitzer), der gerne möchte, dass seine mal kleineren, mal größeren, meistens jedoch empfindlich teuren schwarzen Kisten nach der Tanzveranstaltung noch annähernd genau so aussehen, riechen und funktionieren wie vorher. Das aber klappt anscheinend mitunter nicht wie gewünscht.

    Habe ich das bis hier her einigermaßen zutreffend verstanden/ wiedergegeben?

    Falls ja, schlage ich zur Lösung der Problematik die Einführung des „Dual Layer“ – Prinzips bei Discomischern vor.
    Beide Layer nutzen, gleichsam als Wandler von „Audio“ zu „DJ“, zwei gemeinsame, übersteuerungsfeste RIAA – Vorverstärker. Danach trennen sich die Wege.
    Layer 1, nennen wir ihn den ‚Hard Facts Layer’, besteht aus zwei Fadern, einem Überblendregler, etwas Draht, und den beiden Ausgangsbuchsen L und R. In der Luxusvariante vielleicht zzgl. zweier Ausgangssymmetrierer mit Spannungsverstärkung 1.
    Layer 2, der sog. ‚Creative Performance Layer’, ist wesentlich üppiger ausgestattet. Geheimnisvolle Gainregler, Equalizer, Randomizer, bunte Knöpfe und Lämpchen, Beatcounter, Touchscreen - Pegelanzeigen (ausschließlich rot!) und viele andere schöne Sachen, die alle noch erdacht werden wollen – Hersteller C ist hier bei der Markteinführung dieser bahnbrechenden Neuerung ernsthaft gefordert. In der Vintage – Edition vielleicht ein Fuzz Face vor’m Kopfhörerverstärker?

    Lizenzanfragen nimmt mit freundlichem Gruß entgegen
    BillBo

  • Touch Screen für Digi Live Pulte überhaupt brauchbar?

    • billbo
    • 14. November 2006 um 00:54
    Zitat

    so anyway, ich würde dann doch gerne mal von allen Analogjüngern hören, wie ihr es anstellt andauernd einen grossen Pultplatz incl. Sideracks zu scannen das ihr immer alles im Blick habt ... das kommt nämlich rüber ...

    - und das funktioniert auch tatsächlich genau so, wie es rüberkommt :).

    Im Ernst: bei einem aus bekannten Standardgeräten sinnvoll konfigurierten Platz ist das überhaupt kein Problem. So manches ‚klassische’ Peripheriegerät hat es nicht unbedingt wegen seiner konkurrenzlosen Audioeigenschaften in nahezu jedes Siderack der Welt geschafft, sondern vielmehr deshalb, weil es die jeweils beste optische Darstellung seiner Funktionen bietet. Der Klassiker: DBX 160X; seine Nachfolger werden bis heute gebaut (und verkauft!). Genial z.B. die BSS 404/ 504 Baureihe, für mich (und viele andere) der Inbegriff des praxistauglichen Audiowerkzeuges.

    Komme ich bei laufendem Betrieb an einen dergestalt ausgestatteten Platz, reicht mir ein einziger, kaum sekundenlanger Blick, um zu wissen, ob der dort gerade tätige Kollege die Sache im Griff hat. Ob er nach Lehrbuch komprimiert/ begrenzt oder so, wie es die Livesituation wirklich erfordert. Ob er die Keyfilter – Funktion beim Gaten tatsächlich verstanden hat. Ob er sich über die Gain – Strukturen seiner Arbeitsgeräte im Klaren ist. Ob er eine genaue Vorstellung davon hat, was er mit dem Kanal – EQ eigentlich erreichen will.
    Oder ob er einfach nur rumeiert und dabei hofft, dass es schon irgendwie hinhaut.

    Die gleiche Situation an einem Digitalplatz? Hier reicht der sekundenlange Blick zunächst einmal um zu wissen, dass ich nichts weiß :D.
    Die optische Vermittlung des Mixgeschehens lässt in der Tat noch zu wünschen übrig, zumindest bei all den Geräten, mit denen ich bisher in Berührung kam. Das kann und wird sich sicherlich noch ändern; immerhin ist die nahezu unbegrenzte optische Darstellungsmöglichkeit eine der Stärken der digitalen Welt. Über mikroskopische Einfarb – Verwirrdisplays ist man inzwischen ja auch hinaus.
    Vielleicht ähnelt die nächste Digipult – Generation einem überdimensionalen Notebook, mit aufklappbarem 42“ – Overview – Bildschirm? Bei Langeweile ggfs. umschaltbar auf Sportschau?

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Beta58 klingt sehr nasal!?

    • billbo
    • 6. November 2006 um 12:14

    In Bezug auf das, was ich an Lautstärke für saubere, angenehme Programm - und Sprachverständlichkeit bei mäßig lärmigem Straßenpublikum für richtig und angemessen hielt 8) :-D.

  • Beta58 klingt sehr nasal!?

    • billbo
    • 5. November 2006 um 20:52

    DIE Welt sicher nicht. MEINE Welt hat das Ding bei so mancher Gelegenheit gerettet.
    Einzelne Tourneekonzerte in Ländern und zu Zeiten, in denen die Ausstattung ausschließlich aus SM57/ SM58 bestand, sind mir als nicht sonderlich unangenehm in Erinnerung.

    Ein dankbarer BillBo :)

  • Beta58 klingt sehr nasal!?

    • billbo
    • 5. November 2006 um 12:51

    Und noch eine Aktualisierung zu meinem vorigen Geschreibsel, weil gerade frisch und hautnah erlebt:

    Gestern Abend, Straßenbeschallung. Außenveranstaltung einer sehr großen Samstagabendshow eines sehr großen öffentlich – rechtlichen TV – Senders. Komplizierte Verhältnisse, u.a. Bühne + Laufsteg mit 8 Delaylines, diverse Nebenareale, „Mischen“ im Regiecontainer mit eingeschränkter bis gar keiner Sicht aufs Geschehen, Aufbau bei laufendem Publikums – und Straßenverkehr, unvorhersehbare Änderungen im Programmablauf, usw. usw.

    Tages – und Rahmenprogramm mit Moderation, Publikumsanimation, Einspielungen, Gesang, Musical – und Halbplaybackshow. Wildes Durcheinander, moderate, innenstadtkompatible Lautstärke. Im Einsatz: eine Handvoll U1/ SM58, irgendwo mittendrin. Problemloses Arbeiten, prima Sprachverständlichkeit; gain max. before feedback? Keine Ahnung, weil nie ein Problem. Hin und wieder ein sorgenvoller Blick/ Kommentar der Fernsehtoncrew: hmm, so geht das nachher aber wohl nicht. Gewöhn’ das Publikum schon mal an 10dB leiser.

    Der offizielle Teil: Starmoderatorin, EIN Sennheiser SKM 5000 – Handsender, natürlich mit dekorativem, orangefarbenen Senderlogo – Poppschutz.
    Wie der TV – Liveton damit war entzieht sich meiner Kenntnis. Über die (empfundene) Tauglichkeit des Edelproduktes zu Beschallungszwecken schreibe ich hier besser nichts, nur so viel: die seitens der TV – Crew angemahnten 10dB waren sehr, wirklich sehr optimistisch geschätzt :?.
    Wohl dem, der einen Platz jenseits der ersten Delayline ergattert hatte.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Beta58 klingt sehr nasal!?

    • billbo
    • 2. November 2006 um 21:32

    Oh, ein 58er - Thread. Ich will auch....:)

    Vorab: ich bin 58er – Fan, ein ziemlich belehrungsresistenter.

    Folgende Situation habe ich bei zahlreichen Gelegenheiten so oder ähnlich immer wieder erlebt:
    Beliebiges Konzert, im weitesten Sinne R&R. Durchschnittsmaterial, Durchschnittsmusiker, Durchschnittshallenakustik. Könnte alles besser sein, aber mein Job ist es, das Beste daraus zu machen.
    Die Bandcrew erscheint zum Aufbau, mit Backline und dem üblichen Endorsementpaket des gerade großzügigsten Mikrofonherstellers. Prima, dann können meine ja im Case bleiben. Was ich nicht aufbaue, muß ich auch nicht wieder abbauen.
    Für den Frontmann/ die Frontfrau dabei: das angesagte Top-Of-The-Line – Drahtlosprodukt des Herstellers; vom Sänger oder dem Tonmenschen seines Vertrauens persönlich im Werk ausgesucht, getestet, und für unschlagbar befunden. Lass mal ausprobieren – oh ja, da geht ja wirklich was. Sauber, druckvoll, tolle Brillanz, koppelt nicht; klasse.
    Der Tag ist beinahe gelaufen. Als Monitorer habe ich gewissenhaft Wedges und Sidefills eingesprochen, als FOH – Mensch sorgfältig die Front auf Sprachverständlichkeit getrimmt; selbstverständlich mit dem bereitgestellten neuen Spitzenprodukt. Auch die Show ist bald vorbei. Hier und da ein wenig am Kanal - EQ korrigiert, ein bisschen mit dem Lieblingskompressor rumprobiert, einen nervenden Formanten erwischt und rausgezogen – angesichts der nicht idealen Verhältnisse bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Nicht zu 100 Prozent vielleicht, aber 90 Prozent sind doch auch schon was.
    Da passiert, was gerne mal passiert. Das Chefmikro fällt aus. Runtergefallen, Akku schadhaft, vom Publikum geklaut, vom Sänger verlegt und nicht wiedergefunden, der verspätet eingetroffene Gastgitarrist hat seinen Taschensender eingeschaltet – irgendeinen Grund gibt’s immer. Selbstverständlich liegt das Spare – 58er unter den Center Wedges, und der Star hat’s auch sofort entdeckt. Schnell den (vorher allenfalls mal line gecheckten, ansonsten gänzlich unbehandelten) Sparekanal aufgezogen –
    - und plötzlich geht die Sonne auf. Am FOH, am Monitorplatz, auf der Bühne.
    Kein fetter Druck, keine feine Silbigkeit, schon gar keine naturgetreue 1:1 – Wiedergabe der stimmlichen Qualitäten des Sängers. Dafür höre ich mit einem Male nicht nur, dass dort, mitten im Getümmel, jemand richtig gut singt – ich verstehe jetzt sogar mühelos den Text. Völlig unangestrengt, nicht lauter als vorher – aber das Ding setzt sich durch. Unspektakulär, mittig, sauber, klar und deutlich.

    Mehr kann und will ich von einem banalen, alltagstauglichen Bühnenwerkzeug nicht erwarten.

    Ich habe runde, rechteckige, dreieckige, eiförmige; schwarze, silberne, bronzene; lange dünne, kurze dicke; leichte, schwere; metallische, lackierte, gummiüberzogene; und noch ganz viele andere Bühnen - Gesangsmikrofone in den Fingern gehabt. Und alle sind irgendwann wieder verschwunden. Das eine oder andere 58er jedoch gehört für mich in JEDEN Mikrofonsatz; für den Betrieb unter rauen, lauten, unidealen Einsatzbedingungen ist es – verglichen mit manch modernem, teurem Hightechgerät eher ein Kommando- denn ein Gesangsmikrofon – auch heute noch durch nichts zu ersetzen.

    Für den klassischen Liederabend mit Konzertflügel gibt es andere geeignete Werkzeuge.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Grottigste Show ever ?

    • billbo
    • 1. November 2006 um 00:10
    Zitat

    Womit ich allerdings nicht so ganz klar komme: 15 Jahre erforlgeich ??? in Down Under, und dann innerhalb von wenigen Monaten hier komplett erledigt! Wenn da mal die 15 Jahre nicht schon erstunken und erlogen waren....

    Erfolg? Also bitte, das ist in diesem Geschäft doch nun wirklich überhaupt kein Problem.

    Ich arbeite seit 35 Jahren erfolgreich auf den Bühnen :) dieser Welt.
    Zuerst 10 Jahre lang als hochwillkommener, weil gratis schaffender Hobby – Aktivist (Du kennst Dich doch mit Boxen und so was aus, ne? Dann bist Du unser Mann!).
    Später 10 Jahre lang als Existenzgründer (Hurra, endlich mein eigener Herr!), für nicht schön -, sondern realistisch gerechnete bis zu 1 Euro/ Std. Nettoertrag.
    Dann noch mal 10 Jahre als Mädchen für Alles, also neben den eigentlichen Aufgaben vorwiegend für all das, wofür Festangestellte (ich fühl’ mich heute nicht so gut), Freelancer (das ist nicht meine Aufgabe), Auftragnehmer/ Partnerfirmen (tut uns leid, uns ist für morgen was dazwischengekommen) usw. nicht so recht zu motivieren sind.
    Zum Glück läuft’s die letzten paar Jahre ganz passabel.

    Erfolgreich sind wir doch irgendwie alle.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Grottigste Show ever ?

    • billbo
    • 26. Oktober 2006 um 12:06

    Auf jeden Fall scheint das Durchlesen des Thread – Links weitaus interessanter zu sein als die darin verrissene Produktion :D .

    So etwas habe ich im Laufe der Jahre schon einige Male ‚erlebt’, die dahinter stehenden Personen und Abläufe sind sich stets recht ähnlich.

    Die Ausgangslage:
    Mit der großen R&R – Karriere hat es aus unerklärlichen Gründen nie richtig geklappt. Plattenfirmenbosse sind bl*** Wi*****; und das breite Publikum weiß wahre Kunst eben nicht zu schätzen, sondern schmeißt sein Geld lieber für irgendwelchen Mainstream – Kommerzdreck aus dem Fenster.
    Aber irgendwie muss es weitergehen.

    Die Idee:
    Kommerz – das können wir auch. Wir ziehen 'ne richtig große Sache auf. Nicht irgendeine Top 40 – Nummer, schließlich sind wir im Herzen Rock’n Roller und keine Tanzmucker. Nein, wenn schon, denn schon; das muss richtig kesseln.
    Die Themen ‚Musical’ und ‚Galaprojekt mit Sängerinnen’ sind durch, derzeit sind Revivalshows angesagt. ABBA? Gibt’s schon. Queen? Gibt’s schon. Genesis? Gibt’s schon. Aber halt, da war doch noch Pink Floyd. Nicht ganz unbekannt, gutsituiertes Zielpublikum, und vom Anspruch her genau unsere Kragenweite. Das wird’s!

    Die Spielstätte:
    Eigenes Musicaltheater? Hm, na ja, bleiben wir realistisch. In ein, zwei Jahren vielleicht, wenn die Sache erst mal so richtig ins Laufen gekommen ist. Aber vorerst Tourneebetrieb. Große Hallen? Die sind teuer, das ist schlecht; die wollen Vorkasse, das ist noch schlechter. Clubs? Halsabschneider, die wollen Umsatzbeteiligung und Getränkeverkauf. Das Geld wollen wir aber selber verdienen, außerdem geht es um eine große Sache und nicht um irgendein 08/15 - Clubprojekt.
    Da gibt es aber noch diesen Zeltverleiher, seit der Insolvenzsache damals kann man mit dem gut verhandeln. Außerdem sind Zeltplätze günstig; die Kommunen freuen sich in der Regel, wenn da außerhalb der Kirmessaison auch mal was los ist.

    Die Umsetzung:
    Zelt geht klar. Musiker? Gibt’s genügend. Technik? Macht uns doch mal ein Angebot für 'ne Pink Floyd – Show.
    Ui, SO teuer wird das? Das können wir auch selber; ich kenne da jemanden, der hat auf so eine Chance immer schon gewartet, den nehmen wir einfach mit ins Boot.
    Werbung/ Promotion/ Presse? Davon verstehen wir als ernsthafte Künstler zu wenig. Damit beauftragen wir eine bekannte, fähige Werbeagentur. Das wird nicht ganz billig, aber gewisse Anlaufinvestitionen müssen eben sein.

    Der Businessplan:
    Alles mal durchrechnen. Musiker, Technik, Zelt, Security, Theken-/ Garderoben-/ Einlasspersonal, Platz – und Parkplatzmiete, Strom, Heizung, Reise-/ Hotelkosten, Ticketgebühren, anteilige Werbekosten – das macht pro Show so +/- 20.000 Euro. Rechnen wir mal mit einem 500er Zuschauerschnitt à EUR 30,- , dann..... – hm, das wird knapp. Also noch mal von vorne.
    .....20.000 Euro. Rechnen wir mal mit einem 1000er Zuschauerschnitt à EUR 40,-..... – jawohl, geht doch! Und es bleibt sogar noch richtig was übrig! DAS ist unternehmerisches Denken!

    Die Versicherung:
    Inzwischen ist das ja doch alles schon ganz schön heftig. Da fehlt noch ein Profi. Wir schauen uns im erweiterten Szene-/ Bekanntenkreis nach einem Ex – Boxstall - Geschäftsführer, Kiezbaron, Rockerpräsi, oder sonst wie vertrauenswürdigen Menschen um, der zum Einen Spaß daran hat, eine GmbH (besser noch: englische/ australische Limited, das ist noch günstiger) zu gründen (relativ einfach), und der das zum Anderen derzeit aus formaljuristischen Gründen auch gerade wieder darf (schon schwieriger). DU wirst mein Veranstalter, mein Teilhaber, mein Impressario; und den Gewinn teilen wir uns.

    Die Praxis:
    Siehe Linkempfehlung des Threadstarters. Sehr lesenswert!

    Das Ende:
    „Aus organisatorischen (technischen, krankheitsbedingten, persönlichen) Gründen müssen leider ab sofort sämtliche weitere Shows der Tournee auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit; Ersatztermine werden rechtzeitig bekannt gegeben.“


    All das wäre Stoff für gleich mehrere Tragikomödien. Leider zerstören solche Aktionen schnell ganze Existenzen; nicht nur die der Protagonisten, sondern oft auch die von eher mittelbar beteiligten Zulieferern oder gutgläubigen Namensgebern. Das relativiert den Spaß an der Schadenfreude dann doch ein wenig.

    Wir sollten uns stets darüber im Klaren sein, dass es immer wieder gerade auch solcherlei Raketenforscher sind, denen wir unbekümmert unsere Dienstleistungen anbieten, und von denen wir – oftmals nicht weniger blauäugig als die Hauptakteure selbst - korrekte und termingerechte Bezahlung unserer Rechnungen erwarten.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 20. Oktober 2006 um 00:22

    Oh, Entschuldigung.

    So lange bin ich – forenmäßig – noch nicht dabei.
    Ich schätze Deine Digitalpultbeiträge sehr. Sie haben mich u.a. überhaupt erst dazu bewogen, mich mit dem Thema ein wenig näher zu beschäftigen (von „anzufreunden“ wage ich mal noch nicht zu sprechen). Dein Wissen, Dein Engagement und Deine Neutralität in diesem Bereich stehen für mich außer Frage.
    Bei Gelegenheit werde ich mal ein paar ältere Beiträge/ Threads dazu nachlesen.

    Mir saß halt nur der Schalk im Nacken....

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 19. Oktober 2006 um 20:01

    "Höllenmaschine" :lol:

    Lass das nicht den Guma lesen, dat gibt Ärger.

    DM1000 – nein, das Vergnügen hatte ich noch nicht. Klingt aber vielversprechend :D .
    Wie viele mag es davon geben? Jetzt, wo der Generationswechsel bei den Digitalen mal gerade so ins Rollen kommt, werden diese und ähnliche Geräte zuhauf auf dem Gebrauchtmarkt auftauchen. Und damit („digital ist schick“) auf Veranstaltungen, auf denen sie ganz sicher besser nicht auftauchen sollten.....

    Interessante Zeiten.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 19. Oktober 2006 um 00:29
    Zitat

    Jo, ..... und noch viel doller ist, das alle die hier aufgezählten "Ereignisse" darauf schließen lassen, daß die Gehirne der Benutzer ( in dem Fall vor allem der Betreuer ) sich deutlich langsamer entwickeln als die Digitalmischpulttechnik.

    Dabei drängt sich die Frage auf, ob digitale Mischpulte wirklich idiotensicher sein müssen oder ob man statt dessen , ob der Vielzahl derer, die sich in diesem Gewerbe "bemühen", nicht auf einige "Bedienspezialisten" verzichten sollte. Vielleicht wäre das einfacher und zielführender


    Damit berührst Du den Kern des Problems; bei dieser Erkenntnis sind wir nicht viel weiter voneinander entfernt als eineiige Zwillinge. Lediglich bzgl. der daraus zu ziehenden Schlüsse sehe ich ein paar unwesentliche Unterschiede :D .

    Du glaubst an die Überlegenheit des technisch Möglichen – und daran, dass der Mensch das technisch Mögliche auch unter Alltagsbedingungen stets sicher beherrschen kann und können muss. Dem pflichte ich insofern bei, als die technische Entwicklung stets vorwärts schreitet und nicht stehen bleibt.

    Es gibt jedoch genügend Beispiele für an und für sich überlegen scheinende Technologien, die aber aufgrund mangelnder Kompatibilität mit dem einen oder anderen Aspekt menschlicher Dummheit, Überheblichkeit, Trägheit, oder sonstiger Unzulänglichkeiten letztendlich scheiterten. Die Titanic ist unsinkbar, weis doch jeder – solange man mit ihr streng nach Bedienungsanleitung über den Ozean schippert und nicht unter Missachtung jeglicher Vorsicht und Vernunft blind in einen Eisberg donnert (auf der Kommandobrücke saß kein Nachwuchs – DJ, sondern die Elite der britischen Handelsmarine). Auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges waren „Tiger“ und „Königstiger“ das technisch überlegene Maß der Dinge – die Russen hatten „T 34“, rollende Blechbüchsen mit Kanone drauf. Die Blechbüchsenfahrer gewannen – unter den Dingern konnte man ein Holzkohlefeuer anzünden, dann sprangen die auch bei minus 35 Grad noch an. Three Mile Island und Tschernobyl liefen einwandfrei - solange niemand die falschen Knöpfe in falscher Reihenfolge drückte.
    „Aufgrund der Besonderheiten der Konstruktion sind schwere Unfälle wie mit konventionellen Schienenfahrzeugen grundsätzlich ausgeschlossen“ – sinngemäßes Zitat aus einem Thyssen – Industriewerbefilm meiner frühen Jugend über das Verkehrsmittel der Zukunft, den Transrapid. Die Welt fährt heute noch auf Schienen. Selbst „Windows ME" war ein tadellos funktionierendes Betriebssystem, solange man bei seiner Benutzung jederzeit ALLES richtig machte. Niemand macht jederzeit ALLES richtig – also wurde es ein Desaster, auf Kosten seiner unvollkommenen Benutzer.

    Ein Livemischpult, gleich ob analog oder digital, ist ein technisches Werkzeug, gebaut für den Einsatz unter physisch und psychisch erschwerten Bedingungen. Dafür muss es möglichst einfach, übersichtlich und intuitiv bedienbar sein (ich kenne da auch ganz schreckliche Analogpulte) – und es muss menschliche Bedienungsfehler verzeihen können, ohne gleich eine mittlere Katastrophe wahrscheinlich werden zu lassen. Die Technik hat sich den Unzulänglichkeiten des Menschen anzupassen, nicht etwa umgekehrt.
    In Sachen Bedienbarkeit hat sich hier selbstverständlich inzwischen einiges getan. Ein M7 (die ‚Katalogprojekte’ der Soundcraft/ Midas – Konkurrenz kenne ich nicht) liegt ungleich näher am Menschen als ein 02R. Von Toleranz gegenüber Bedienungsfehlern hingegen kann ich auch heute weit und breit nichts entdecken; allerdings fehlen mir wohl auch Phantasie wie Digitalerfahrung, um mir vorzustellen, wie so etwas aussehen könnte. Wie wäre es zumindest mit der großen roten „Undo“ – Taste an der Stelle, an der bei einer Drehbank der „Not Aus“ sitzt ?

    Die Empfehlung von Jeremy finde ich sehr interessant. Das wird demnächst wohl mal eine Wochenendlektüre.

    Zitat

    ... und es war damals nicht SWR sondern SWF und SDR

    Klar, es war der SWF, nicht SWR :oops:. Ich erinnere mich an ein idyllisches kleines ‚Fernsehstudio am Waldesrand’ in Baden-Baden.
    Ein typischer BillBo’scher Eingabefehler. Nur gut, dass der in einer fehlertoleranten menschlichen Diskussionsrunde passiert ist, und nicht bei der hektischen Bedienung einer komplizierten, mir unbekannten – und daher nicht sicher beherrschbaren – Maschine. Mal wieder Glück gehabt :).

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 16. Oktober 2006 um 03:46
    Zitat

    Sehr amüsant und lehrreich, wie ein "analoger" zum angehenden "digitalen" wird

    Das wird sicherlich noch eine schmerzhafte Wiedergeburt. Lang, und qualvoll.....

    Zitat

    ich erkenne: das setup stimmt zwar, aber alle gains stimmen nicht mehr!
    also erster song = alle kanäle neu gainen, 35 stück...

    gut, das wir für monitor ein autarkes PM1D am start hatten, das wärs gewesen...


    Aua!
    Gut, wenn man es schafft, in einem solchen Moment kühlen Kopf zu bewahren, anstatt selber in den Panikmodus zu verfallen. Schließlich warnt einen ja niemand vorher (oder sollte das „Ereignis Digitalpult“ an sich etwa schon für einen erhöhten Alarmstatus sorgen :roll: ?).

    Solche und heftigere Katastrophen werden sich häufen. Zum Glück steuern wir keine Atomraketen.

    Mein digitales Urerlebnis war vor ca. 12 (?) Jahren eine Fernsehaufzeichnung (Kabarett, Kleinkunst, Musik) vor Publikum beim damaligen SWR. Dort hatte die Tonabteilung gerade ihre neue Digitalausstattung bekommen; ich glaube, irgendwas von Neve. Der ganze Tag verging eigentlich damit, dass der Technikchef uns mit stolz geschwellter Brust seine Errungenschaften vorführte: haha!, das hier ist nur noch die Bedienoberfläche, das Pult ist dort hinten im Schrank, alles voll automatisiert und narrensicher, kann überhaupt nichts mehr schief gehen, blablablubb.......
    Wir armen bandbegleitenden Beschallungswürstchen kamen uns mickrig und unbedeutend vor.

    Die Aufzeichnung war zu Ende, das Publikum entlassen, die zum Teil schon betagten Künstler schlüpften in ihre Mäntel; da stürzte ein puterroter Aufnahmeleiter ins Studio. Es habe da ein Problem gegeben, Computerabsturz in der Tonabteilung, es täte ihm furchtbar leid, die letzten 2/3 der Sendung müssten leider noch einmal aufgezeichnet werden, das Publikum würde man dann irgendwie nachträglich dazu mischen.

    Es wurde noch ein denkwürdiger Abend: Kaffeehausatmosphäre mit Moderation, Wort – und Musikbeiträgen – aber ohne Publikum. Die Beleuchter und Kameraleute mussten kleine Wunder vollbringen; anwesende Techniker, gerade nicht benötigte Künstler sowie sämtliche nicht rechtzeitig entkommenen sonstigen Mitarbeiter der Sendeanstalt hatten noch lang nach Mitternacht Interesse heuchelnd zu lachen, zu klatschen und Getränke zu sich zu nehmen. Nur der Pförtner saß noch einsam und allein in seinem Schrankenhäuschen.

    Jo, is‘ schon toll, der technische Fortschritt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 15. Oktober 2006 um 01:20

    Nachtrag. Show ist gelaufen, und es war eigentlich ganz okay. Ein paar übliche Festivalärgernisse halt – das Schlagzeug klingt immer noch erbärmlich, die Leihbecken sind Müll, der Funkmikroausfall mit anschließendem lustigen Kanalraten (wo kommt denn wohl das Sparemikro, auf jeden Fall ganz sicher nicht auf dem Sparemikrokanal, also einfach mal alles ausprobieren nach “Center Vox“), die minutenlange ‚Radioshow‘ auf der SL – Gitarre: Lappalien angesichts einer gelungenen Show vor einer nett fünfstelligen Zahl ausflippender brasilianischer Fans.

    Doof, dass der freundliche FOH – Betreuer beim Speichern meines Setups die Effekte auf „Safe“ stehen hatte – die sind also erst mal weg. Noch blöder, dass ich das nicht kontrolliert hatte. So etwas bemerkt man im Schnellstartchaos dann erst einmal nicht. Irgendwas ist merkwürdig, und es kostet die halbe Show, rauszufinden, woran das liegt, und den Ursprungszustand wieder halbwegs zu rekonstruieren.

    Mit einem M7 könnte ich mich wohl einigermaßen anfreunden. Übung macht den Meister.
    Mal schauen, was der nette Ami gleich zustande bringt.

    O.t.: Ich habe 14 2x3m Rollriser gezählt :-D. Rekordverdächtig.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 14. Oktober 2006 um 18:02

    Teil 3 lässt diesmal nicht lange auf sich warten :D

    Vorab was Erfreuliches: 2 überraschende Konzerte in Buenos Aires. 1500er Club; der Experimentalaufbau besteht aus Argentina Custom Made PA (optisch MSL3, akustisch eher Martin RS1200; spielt ganz ordentlich). FOH: Ein 20 Jahre alter TAC Scorpion in, nun ja, altersgerechtem Zustand, ein PCM 70, ein SPX, ein ???, ein Drawmer 4-fach Gate, ein Drawmer 4-fach Comp, fertig. Wahrlich kein Luxus, aber das Wichtigste stimmt ebenfalls: die örtliche Crew ist prima eingespielt und beherrscht ihr Handwerk und ihr Material.
    Soundcheck kurz und schmerzlos, weil in leerer Halle überflüssig – kein merklicher Unterschied zwischen „Front an“ und „Front aus“. Shows ausverkauft – und alles spielt und klingt, wie es soll.

    Auf nach Brasilien. Da wird’s bestimmt super. Dort gibt es die größten Produktionsfirmen der Welt, und schließlich geht es nicht in einen Club auf Sankt Pauli, sondern ins Sambadrom von Sao Paulo. Richtig großes Kino also.
    Aus dem Flughafenshuttle direkt auf die Bühne, die Soundcheckzeit hat bereits angefangen. Sieht alles ganz ordentlich aus, turmhohes Linearray, das Schlagzeug allerdings...... Die Toms machen „Plapp“, die Bassdrums „Plopp“. Ich rege an, dass doch die 2. Bassdrum unbedingt auch ein Loch ins Resonanzfell bekommen möge. Außerdem sind unsere Becken bei Aerolineas Argetina verschollen, aber das lässt sich mit Sicherheit bis morgen noch lösen.

    Am Frontplatz angekommen dann die endgültige Ernüchterung: M7CL. Jungfräulich aus dem Karton. Der Promoter wollte das so, wegen Zeitersparnis.....

    Meine Erfahrungen mit diesem Gerät beschränken sich auf 3, 4 Kurzkontakte, ein wenig Spielerei mit dem Editor, und die Diskussionen in diesem Forum.

    Die Erfahrung des örtlichen Betreuerteams beschränkt sich ganz offensichtlich auf ein portugiesisches Manual und lebhaftes Interesse.

    Ich spreche Deutsch, Englisch, ein wenig Französisch, verstehe ein paar Brocken Spanisch.
    Die örtliche Crew spricht AUSSCHLIESLICH Portugiesisch.

    Die Soundcheckzeit ist vorbei, die örtliche Crew ist noch beim Sortieren der fehlgepatchten Kanäle. Ich bestehe darauf, zumindest so lange weiter zu machen, bis die alle in richtiger Reihenfolge vorne ankommen. Morgen gibt es 15min. Changeover; das wird sicher ganz toll.

    Als Headliner für dieses Festival hat man David Lee Roth ausgegraben. Dessen Tonmann, ein freundlicher, gelassen Kaugummi kauender Ami namens Doug, erklärt mir in einer ruhigen Minute, wie er die Sache gelöst hat: er ist mit Mikros, Effektrack und Tourmanager 2 Tage vorher angereist und hat sich mit dem Promoter darauf geeinigt, dass die Band erst dann ins Flugzeug steigt, wenn das ihm genehme Analogpult zur exklusiven Nutzung am Frontplatz steht und ein Soundcheck damit erfolgreich abgeschlossen ist. Headlinerbetreuung kann so einfach sein.

    Das Linearray immerhin funktioniert vorzüglich. Die Soundcheckversuche diverser Bands gehen rund um die Uhr, das Hotel steht genau in Spielrichtung in ca. 1km Entfernung. Selbst die Flüche diverser deutscher, holländischer, englischer, finnischer, brasilianischer und amerikanischer Mischerkollegen sind durch die geschlossenen Doppelfenster glasklar zu verstehen.

    Inzwischen hat die erste Band gespielt. Zusammen mit ein paar befreundeten Tonkollegen gehe ich gleich mal rüber, zwecks Krisengesprächen und Schadensbegrenzungsversuchen.

    Obwohl – eigentlich würde ich viiiel lieber im Bett bleiben.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 9. Oktober 2006 um 22:53

    Ihr habt ja Recht. „Digital klingt nicht“ ist so ziemlich das einzige Digitalhasserargument, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Eher schon „die Klangregelung macht nicht das, was ich mir gerade so denke“. Und das ist mit Sicherheit Gewohnheitssache.

    Trotzdem – das Arbeiten in den Niederungen des R&R – Tourings ist in vielerlei Hinsicht gelebtes Murphys‘ Law; nicht erst seit Erfindung der Digitaltechnik. Vermeintlich vereinfachende Neuerungen/ Verbesserungen sind da so lange eher hinderlich, wie sie von der Masse der Durchschnittsnutzer (zu denen zähle ich mich) nicht intuitiv und sicher beherrschbar sind. Und dass die Digitalteile dies in vieler Hinsicht (noch?) nicht sind, zeigt mir leider die tägliche Praxis.
    Klar geht es im Endeffekt immer um menschliche Fehler: der Softwarebug ist ein Fehler des Entwicklers, der Speicherverlust wahrscheinlich ein Fehler des Operators; der ewig lange Soundcheck ein Fehler des Mischers, der sich mit den speziellen Eigenheiten des Pultes nicht genügend auskennt (oder des abgebrühten Disponenten, der ihm das Teil wider alle Absprachen da hingestellt hat).

    Etwas o. t., aber speziell am geschilderten Beispiel negativ aufgefallen: mich stört die „Bedienzeitlatenz“; in diesem Fall (Innova Son) extrem. Abgesehen davon, dass ich Motorfader nicht mag (die sind immer irgendwie hakelig), bin ich von „Analog“ gewohnt, dass ein Bedienelement in Echtzeit das bewirkt, was ich will bzw. was es mir von seiner Stellung her suggeriert (Beispiel: Effektreturn; die im Hintergrund lauernde Monsterplate, die ich genau nur für DIESEN EINEN Snare – oder Tomschlag brauche und mir dafür über den Returnfader punktgenau hole. Schon die VCAs von MH3 und co. oder auch Heritage sind mir dafür irgendwie zu langsam; früher (Midas XL3/4) ging das m. E. schon mal schneller.
    Mit Innova Son geht’s gar nicht. ‚Fader hoch‘ (oder auch ‚Mute aus‘) bedeutet noch lange nicht, dass das Signal in diesem Moment auch da ist. Man muß förmlich drauf warten – und der Effekt kommt nicht mehr wie gewohnt.

    Noch ist die Simulation halt nicht der Wirklichkeit gleichwertig :D.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Premiere Digital

    • billbo
    • 8. Oktober 2006 um 06:51

    Und weiter geht’s mit Teil 2 :D

    Festival der mittleren Größenordnung, so geschätzte 3-4-5000 zahlende Kunden. Am Start: 2x Innova Son 48 irgendwas; 1x FOH, 1x Bühne. Noch nie gesehen, aber egal, inzwischen weis ich ja schon mal, was ein Encoder ist. Und dann noch alle Kanäle auf einem Layer – was will der Mensch mehr.
    Weil der Zeitplan es erlaubt, ist am Vortag Soundcheck. Grauenhafte Halle, aber egal. Dafür ist so’n Digitaldingens schließlich da: alles speichern, in Ruhe schlafen gehen, und am nächsten Tag kann überhaupt nichts mehr schiefgehen.

    Das Shuttle ist überraschend pünktlich; im Catering erwartet uns ein nachdenklicher örtlicher Monitormann: „Grande Problema.....“.
    Okay, das Monipult hat über Nacht auf geheimnisvolle Weise sämtliche Speicher verloren. Wir reagieren eher gelassen. Scheint halt irgendwie dazu zu gehören; außerdem sind wir heute eh nicht Headliner. Wir haben eine routinierte Backlinecrew, die biegen das beim Linecheck schon wieder hin. Am Foh passt ja noch alles, da können wir den Umbau für ein wenig Monitor nutzen.

    Gesagt, getan. Am Frontplatz angekommen, erwartet mich mein Vortagsergebnis. Glaube ich zumindest. Sehen kann ich das nicht, denn außerdem erwarten mich ein aufgelöster Frontplatzbetreuer und ein schwarzer Bildschirm. Der ist leider vor ein paar Minuten verstorben. Zum Glück ist ein Reservebildschirm draußen im Truck; aha, scheinbar kennt man das Problem bereits. Schade allerdings, dass der Kollege mit dem Schlüssel leider erst zum Abbau wiederkommt

    „Digital“ ohne Bildschirm ist mal so RICHTIG doof ! Aber was muß, das muß.

    Gegen Ende unseres Sets ein kurzes Flackern. Jawohl, da ist er wieder. Die Zugabe gibt es mit Bild; gerade, wo ich mich so schön eingewöhnt habe.

    Das Ganze passiert vor ein paar Stunden in Mexico City. Auf einer Baustelle also, auf der man - selbst wenn Alles einwandfrei spielt – sich zwecks Verständigung sämtlicher Gliedmassen bedienen muß, wenn man überhaupt irgend etwas erreichen will.

    In mir wächst der Verdacht, dass spanisch sprechende Tonleute und die Wunderwelt der Digitaltechnik nicht recht füreinander geschaffen zu sein scheinen.


    To be continued :D

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Tony andrews artikel in der Lighting and Sound International

    • billbo
    • 4. Oktober 2006 um 02:01
    Zitat

    Mal zum Nachdenken: Vor ca. 25 Jahren habe ich mit einer Tanzband in der Bremer Stadthalle (ca. 3000 Gäste) über eine Gesangsanlage von Dynacord (Eminent II, 80 Watt, Röhrenverstärker, mono, mit Bandecho "Super 76") gespielt.
    Die LS-Boxen (damals hieß das noch nicht "PA" ... ) hatten mehrere Breitband-LS (nur für Gesang, Akkordeon, Orgel), Schlagzeug lief noch ohne Mics, E-Bass und Git. hatten (größere, schwerere ...) Amps und Boxen.
    Über den Klang oder eine zu geringe Lautstärke hatte sich damals (komisch, oder ?) niemand beschwert ... und wir bekamen - ungekürzt ! - sogar die vereinbarte Gage und wurden dann trotz erbärmlicher Unterdimensionierung (nur 0,08 kW für Gesang) für weitere Jobs engagiert.

    So etwas kann auch heute noch sehr gut klingen - wenn die akustischen Proportionen stimmen und das Publikum die notwendige Disziplin aufbringt, nämlich hinhört und zuhört :)

    Der Mensch hat ZWEI Ohren; daher ist er auf schlüssige Laufzeitunterschiede angewiesen, um sich beim Hören wohl zu fühlen. Aus genau diesem Grund ist ein Symphonieorchester in der Philharmonie ein einmaliges akustisches Erlebnis, an das die Wiedergabe des gleichen Ereignisses über die beste High – End – Anlage der Welt trotz aller Bemühungen nicht im Entferntesten heranreicht.
    Die Linearray – Technologie reduziert Laufzeitunterschiede auf das technisch machbare Minimum – und wird gerade deshalb oft als zwar „klar“ und „sauber“, gleichzeitig aber auch als „klinisch“, „unnatürlich“, oder „unmusikalisch“ klingend empfunden. Wohlgemerkt von Menschen, die mit Beschallung überhaupt gar nichts zu tun haben, und die daher völlig unvoreingenommen ihre subjektive Wahrnehmung schildern.

    Daran, dass die Stereobanane das Ende der Entwicklungsgeschichte der Beschallungstechnik darstellt, mag ich – u.a. unter diesem Aspekt – deshalb längst nicht mehr glauben.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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