Vorwort:
-----------
Für eine gerichtetere Abstrahlung werden - wenigstens im Sprachbereich - seit Jahrzehnten Zeilenlautsprecher eingesetzt, die dann auch vorzugsweise in Kirchen und anderen halligen Räumlichkeiten (wie z.B. auch Sporthallen) eingesetzt werden.
So war es nur allzu verlockend, den Frequenzbereich auf das komplette Audiospektrum auszudehnen und musiktaugliche Zeilenlautsprecher-Systeme zu bauen.
Obwohl die akustischen Grundlagen solcher Zeilen-Systeme seit vielen Jahrzehnten bekannt ist, werden voll musiktaugliche Zeilensysteme (bzw. Systeme, von denen sowas behauptet wird ...) erst seit verhältnissmässig kurzer Zeit angeboten.
Theorie (nur "grob" ...):
----------------------------
1. Ist ein Lautsprechersystem von seinen Abmessungen klein im Verhältnis zu abgestrahlten Wellenlänge, dann erfolgt eine kugelförmige Abstrahlung (pro Verdopplung der Entfernung sinkt der Schallpegel um 6 dB).
2. Wenn das Lautsprechersystem in einer Richtung (vorzugsweise vertikal ...) "sehr lang" ist, erfolgt eine Linienförmige Abstrahlung (Zylinderstrahler), wobei der Schallpegel bei jeder Verdopplung der Entfernung nur noch um 3 dB sinkt.
3. Wenn man sowohl vertikal als auch horizontal das Lautsprechersystem "vergrössert" bzw. eine "riesengroße" Fläche hätte, dann sinkt der Schallpegel mit wachsendem Abstand dann nicht mehr (ebene Wellenfront).
>>> Die beiden letztgenannten Beispiele (also Punkte 2. und 3.) lassen sich praktisch jedoch nur sehr bedingt verwirklichen, weil man theoretisch entweder eine unendlich lange Zeile (Punkt 2.) bzw. eine unendlich ausgedehnte Fläche (Punkt 3.) benötigt. <<<
>>> In der Praxis erhält man durch die endlichen Abmessung solcher Systeme - je nach Größe und Form des LS-Systems ... und der Hörentfernung - in größerem Abstand schließlich wieder eine kugelförmigen Schallquelle. <<<
Schon jetzt werden Systeme angeboten, die ein Linienstrahlerverhalten versprechen. Solange die Schallquelle (BEI ALLEN FREQUENZEN !!!) in vertikaler Richtung kontinuierlich ist (was durch "sehr dicht" übereinander plazierten Schallquellen bzw. durch geeignete Schallführungen realisiert wird ...), erzielen solche System höhere Reichweiten bei gleichmässigerer Pegelverteilung (wegen -3 dB pro Abstandsverdopplung).
A. Tiefe Frequenzen
----------------------
Bei Tiefen Frequenzen kann man einerseits (aufgrund der großen Wellenlängen) problemslos die Chassis dicht genug zusammen bekommen, so daß eine linienförmige Abstrahlung möglich wird. Allerdings müssen auf der anderen Seite die Abmessungen (Zeilenlänge !) sehr groß werden, um auch in größerem Hörabstand noch eine Zylinderwelle zu bekommen.
B. Hohe Frequenzen
---------------------
Bei hohen Frequenzen dagegen ist weniger die benötigte Zeilenlänge sondern eher die kontinuierliche Abstrahlung das Problem. Einzelne Chassis können aufgrund der kurzen Wellenlängen nicht dicht genug zusammengerückt werden, ohne das Phasenprobleme (Auslöschungen etc.) auftreten. Abhilfe schaffen daher sogenannte "Wellenformer", bei denen durch Verzögerungen in einer speziellen Schallführung die Wellenfront - im Idealfall - "geradegebogen" wird.
Aber schon wenn mehrere Mittelhochtonsysteme - auch mit "idealen" Wellenformern ausgestattet - übereinander "gestapelt" werden, entsteht eine akustische Unterbrechung (obere/untere Kante ...).
<<<<<<<<< Ausblick >>>>>>>>
Wir werden in diesem Jahr ... und auch in den nächsten Jahren ... Systeme sehen, denen man sowohl in Produktinfos, Werbeanzeigen und "Testberichten" - trotz physikalisch "eigentlich" zu geringen Abmessungen - "Line-Array"-Eigenschaften bescheinigen wird.
Vermutlich werden Technologien (wie Wellenformer), die ursprünglich mehr für Line-Arrays erdacht wurden, sich mehr in Systemen wiederfinden, wo die Skalierbarkeit (und nicht maximal große Hörfläche ohne Delay-Lines ...) im Vordergrund steht.
Und seriöse Hersteller werden solche Systeme dann auch nicht mehr Line-Array nennen ... :wink: