Wer mich kennt, der weiß, dass ich einen begnadeten Körper habe. Da kam mir das Angebot mit den Jungs meiner Punk/Rock-Coverband auf das Fanta4 Konzert zu gehen, gerade Recht. Zudem ich auch neugierig auf die neue „König Pilsener Arena“ in Krefeld war. Immerhin hatte ich neue „voll krasse & freshe Skillz und Moves drauf“ mit denen ich mir den „fatten Fame in meiner Homebase“ einfahren wollte. ![]()
Hätte auch alles toll funktioniert, wenn man bei dieser verfickten Arena nicht die Parkplätze vergessen hätte. Der gleiche Mist, wie beim neuen Borussia Stadion. In der Halle angekommen, wurde selbst dem unbedarftesten Gemüt schnell klar: Hier waren wieder Volldeppen als Architekten unterwegs! Wir hatten Innenraum Karten, mussten uns mit allen anderen „Innenräumern“ durch einen Eingang quetschen, weil man die anderen Eingänge direkt zugelassen hatte. Das war noch gerade erträglich, weil die Halle nur zu 60-70% gefüllt war. In der Halle angekommen, merkte man am Raumklima, dass man in eine gute Akustik wieder mal keinen Cent investiert hatte. Na ja, ist ja eine „König Pilsener Arena“, daher wohl eher ein ausgewiesener Gesternsafttempel. Vielleicht auch reines Kalkül: Muss man sich den Sound halt schön trinken, sollte in dieser Halle mit besagtem Namensgeber wohl kein großes Problem sein. Ich schau mich nach einem Bierstand um, und entdecke am Ende des Innenraums eine kleine Theke mit zwei Zapfstellen für mehrere Tausend Leute! Was soll’s, also wie im Phantasialand in die Schlange gestellt und darauf gewartet, dass jemand ein Schild hochhält „Aber hier nur noch 30 Minuten“. Endlich an der Zapfe angekommen, wollte ich Bier kaufen. „Ja haben sie denn eine Getränkekarte?“. „Nein, nur Durst und Bargeld“ antwortete ich. „Ja, dann tut’s mir Leid, dann müssen sie erst eine Karte kaufen, diese wahlweise mit 5, 10, 20 Euro aufladen und hier wieder hinkommen.“ „Ich will doch nur ein Bier“ jammerte ich und musste wohl oder übel eine dieser tollen Karten kaufen. Ich hab diese mit 10 Euro „aufgeladen“ und stand dann ordnungsgemäß mit besagter Karte eine halbe Stunde später wieder vor dem Bierhansel. „Zwei Bier bitte“. „Ja, bitte die Karte hier ins Lesegerät stecken und bestätigen“. Gesagt, getan. „He, dass Ding zeigt 8,80 Euro an, ist wohl kaputt“. Darauf der Hansel „Nein, nein… 4,40 Euro kosten die beiden Biere und vier Euro ist Becherpfand“. „Dann bekommt man für 10 Euro gerade mal zwei Bier und darf sich dann wieder zum Kartenaufladen anstellen?“ Der Hansel zieht den Kopf zwischen die Schultern und will den nächsten durstigen Mann bedienen. Ich gab ihm aber noch einen Tipp mit auf dem Weg: „Wenn hier Motörhead mal spielen sollte…bleiben sie besser zu Hause, ist gesünder“.
Apropos zu Hause. Da wäre ich mal auch besser geblieben, denn justament kommt Smudo auf die Bühne und macht eine kleine Ansage für den Voract. „Häh, wer spielt? Was sagt der da?“ In diesem Augenblick war klar, mit gutem Sound wird heute auch nix. Oder muss man dafür vielleicht am Mischpult eine Karte aufladen lassen? Um das zu klären gehe ich zum großzügig abgesperrten Mixer Platz. Vor Ort der übliche Wahnsinn, u.a. mit:
Midas H3000
PCM irgendwas
PCM 70 (Hallo Thomas ;-))
D-Two
BSS Summen EQ
Aphex Dominator Comps
BSS Comps
BSS Gates
Pro Tools Wandler mit Rechner (ob für Aufnahme oder Playbacks – keine Ahnung)
Die Vorgruppe wird über ein Yamaha 01V96 gemischt. Drei Vocals, zwei Kanäle für den DJ, das war’s. Da es ja nicht so voll war, bin ich durch den kompletten Innenraum gewandert. Vorne war dann auch das PA System zuerkennen. 16 Elemente L’Acoustics dVdosc, darunter 6 x Bässe geflogen und darunter auf dem Boden noch mal 4 x SB218 Bässe pro Seite. Vor der Bühne lagen dann noch mal sechs SB 218 verteilt. Kann von allem eine Box mehr oder weniger gewesen sein, so genau wollte ich es denn auch nicht wissen. Zumal wir hier am Niederrhein eher mit EAW beschallt werden (Go Audio, TDA usw.) und ich keine Ahnung von L’Acoustics hab. Sound war an jeder Position in der Halle mäßig. „Wenn die Fantas mit Live Band und H3000 kommen, dann wird es bestimmt besser“ sprach ich mir selber Mut zu. Kleiner Einschub: Am Ende hab ich mitbekommen, dass es sich um Afrob handelte, der als Vorgruppe fungierte.
Vor den Fantas musste ich mal schnell Pipi, aber an „schnell Pipi“ haben die Architekten nicht so wirklich gedacht. Also erstmal durch das Nadelöhr „Innenraum Einlass“ wieder raus, dann die Treppe zu den Rangplätzen hoch und ein halbe Runde um die ganze Arena gelaufen, bis man an das erste Klo kommt. Bis ich wieder zurück war, waren 15 Minuten um. Also direkt wieder in die Schlange an der Biertheke eingereiht und pünktlich zum Showstart der Fantas mit vollen Bier am Mischplatz eingefunden. Was soll man sagen? Der Sound entsprach genau dem, was ich überhaupt nicht mag. Alles platt komprimiert – bis auf den Bass kaum noch Dynamik. Mäßige Sprachverständlichkeit, Bassist und Percussionist waren nur zu erahnen, hätten auch besser zu Hause bleiben können. Drum Sound, war mit Ausnahme der Bass Drum, sehr mäßig. Tom Sound …oh Gott. Hi Hat scheint im Hip Hop neuerdings auch keiner mehr hören zu wollen. Weia… musste man schon beide Augen zudrücken.
Um das mal in ein Verhältnis zu setzten. Es gab ja viele negative Kritiken hier im Forum zu dem Sound in der Agora Stage auf der Frankfurter Musikmesse. Ich hab selbst am Donnerstag nur noch die letzte Nummer dieser Band mit Frank Itt am Basse über Dynacord Cobra gehört, bevor sie Ihre Sachen packten. Den Sound fand ich eigentlich in Ordnung. Mit Sicherheit nicht das tontechnische Evangelium, aber durchaus hörenswert und schon professionell. Die Fantas klangen eine komplette Klasse schlechter. Alles war furchtbar indirekt und mittenlos. Ich wollte das nicht glauben und hab mich mal wieder auf den Weg durch die Halle gemacht, bis ich nach langem Suchen einen Platz gefunden habe, wo der Sound gut war. Und zwar vorne auf dem Rang. Dort hat man zwei direktabstahlende, herkömmliche Tops (auch L’Acoustics, Typ kenne ich nicht –vom Gehäuse nach 2 x10“ oder 2 x12“) zu Rangbeschallung genutzt. Das war klanglich durchaus in Ordnung…aber in der Halle???
Ich bin mit Kollegenschelte immer sehr vorsichtig, ich hab auch genügend Konzerte gemischt (natürlich im kleineren Rahmen), wo der Sound teilweise auch unterirdisch war (Halle Mist, PA Mist, Ich Mist – oder alles zusammen). Aber als ich beim Verlassen der Halle auf dem Summen EQ gesehen habe, dass der Kollege von ca.70-400 HZ wohl fast alles komplett raus gezogen hat und der Rest der EQ-Fader auch eher wie eine Profilabbildung des Matterhorns aussah, da wusste ich: Hier muss komplette Verzweiflung geherrscht haben. Mein Beileid an den Kollegen, aber mit der PA bzw. mit dem Set Up vielleicht auch der Halle war wohl einfach nicht mehr drin.
Viele Grüsse
WW
PS: Die Fantas waren gut, die Perfomance hat selbst einem Rocker wie mir gefallen.