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Premiere Digital

  • billbo
  • 11. Mai 2006 um 23:10
  • billbo
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    • 11. Mai 2006 um 23:10
    • #1

    „NO DIGITAL CONSOLE, PLEASE“. Als ein Vertreter der notorisch konservativen, schon etwas älteren R&R Mischerfraktion, dem schon die Ebenen eines PCM 70 immer ein wenig suspekt erschienen waren, hatte mich dieser kleine Zusatz in meinen Bühnenanweisungen bisher weitestgehend erfolgreich vor der Konfrontation mit solcherlei mir feindlich gesonnenen digitalen Ungeheuern bewahrt. Jedoch – die Erde dreht sich weiter, Tourneen haben ihre eigenen Gesetze, und neulich, eines Tages, in einem großen, berühmten Club in einer großen, berühmten spanischen Stadt, war es dann so weit: sold out – kein Platz – PM5D oder garnix; BillBos Bedenken waren da, hm, nennen wir es mal, unmaßgeblich.
    Nun gut; der freundliche spanische Betreuer radebrechte genügend englisch, um mir zumindest die Basisfunktionen ausreichend nahebringen zu können; nach etwa 30 experimentierfreudigen Minuten sah ich mich durchaus in der Lage, mit der leicht angenervten Backlinecrew (Band soundcheckt selten, Star nie) einen - wenn auch zunächst ungewöhnlich langatmigen – nachmittäglichen Basischeck durchzuführen.
    Prima, so ein Gerät: kurze Wege, keine knacksenden Schalter, wackelige Inserts, in Kniehöhe unbeleuchtet und unerreichbar installierte Peripherie, in weiter Ferne am Pulthorizont montierte Gainpotis; und mein ausdrücklich bestelltes D2 sowie analoger Terzbandeq. waren auch am Start. Eigentlich alles überraschend einfach.

    Jedoch, wie schon gesagt, Tourneen entwickeln mitunter ihre Eigendynamik. Bei dieser ergab es sich, dass der nagelneue „Coach“ – Nightliner des Co – Headliners mit Hydraulikschaden irgendwo in Spanien verschollen war und auf jeden Fall, wenn überhaupt, erheblich verspätet eintreffen würde. Die Notfallpläne wechselten halbstündlich; am Ende schlug der freundliche spanische Frontplatzbetreuer vor, mein bereits narrensicher abgespeichertes Soundcheckergebnis in eine zweite Bank zu kopieren. Aufgrund ähnlicher Besetzung könne der Kollege der verspäteten Fraktion dann gefahrlos mit meinem Setup anfangen, und ich hätte danach die Wahl, ob ich seine Veränderungen übernehmen wollte oder lieber wieder mit meinen „Leere-Halle-Voreinstellungen“ beginnen würde.
    Na klar, prima Idee. Cool, so ein Digitalpult. Auch die Vorgruppe könnte ich so ja prima verarzten. So machen wir das.

    Einlaß 19:00, erste Band 19:30, strikter Curfew.

    Um 19:20 +++ erscheint ein puterroter, fürchterlich stammelnder Frontplatzbetreuer im Catering. „So very sorry, made a very a very a big a mistake.“

    ???

    Ein fertig gespeichertes Setup in ein leeres weiteres zu kopieren – scheinbar überhaupt kein Problem.
    Ein leeres Setup in ein bereits fertig gespeichertes zu kopieren – leider scheinbar auch überhaupt kein Problem.....:?
    Zum Introstart mit einem, bis auf die Gains, komplett genullten, völlig unbekannten Digitalpult loszulegen, bei dem man gerade erst die Gundfunktionen verstanden zu haben glaubt – zumindest eine interessante Erfahrung. Gewissermaßen bilaterale Jungfräulichkeit.
    Für den fröhlich – freundlichen finnischen Supportact lief’s daher an diesem Abend zu Beginn auch ein wenig zäh.

    Genau so hatte ich sie mir stets vorgestellt, die perfekte digitale Welt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    P.S.: Danke fürs Lesen.

    P.P.S: In meiner nächsten BA steht „gerne auch PM5D“ 8)

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • ADMIN
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    • 12. Mai 2006 um 00:56
    • #2
    Zitat von "BillBo"

    Um 19:20 +++ erscheint ein puterroter, fürchterlich stammelnder Frontplatzbetreuer im Catering. „So very sorry, made a very a very a big a mistake.“

    Wenigstens war der so ehrlich und hat nicht versucht, etwas von "das kommt bei Digitalpulten halt ab und an vor" zu erzählen....

    Bitte keine fachlichen Fragen per PM - Inhaber von dBmess

  • montesuma
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    • 12. Mai 2006 um 02:22
    • #3

    Also, wenn ich zählen kann, hast Du Dein Setup in zwei Speicherstellen abgespeichert.

    Zitat

    in eine zweite Bank zu kopieren


    Und danach wurde versucht es in einen weiteren Speicherplatz abzuspeichern, das jedoch mit überschreiben eines vorhandenen Speicherplatzes endete.

    Zitat

    Ein leeres Setup in ein bereits fertig gespeichertes zu kopieren – leider scheinbar auch


    Also sollte doch noch ein brauchbarer Speicherplatz vorhanden sein, oder wurden beide Speicherplätze überschrieben?

  • oton
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    • 12. Mai 2006 um 08:48
    • #4
    Zitat von "Montesuma"


    Also sollte doch noch ein brauchbarer Speicherplatz vorhanden sein, oder wurden beide Speicherplätze überschrieben?

    Und dann gibt es auch noch ein "UNDO" ... :wink: ... liest sich doch sehr nach RTFM Fehler des Pultbetreuers ...

    oTon Music - Marcus Thiel - Hilsbrunnenstrasse 8 - 76530 Baden-Baden

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  • montesuma
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    • 12. Mai 2006 um 10:52
    • #5

    ich denke das war in seiner hektischen Situation verzeihbar...

  • guma
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    • 12. Mai 2006 um 13:03
    • #6

    Die Lehre daraus:

    Nach dem ersten Szenenspeicher immer gleich noch auf den externen Datenträger ! ( z.B. auf den USB beim M7CL )

  • oton
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    • 12. Mai 2006 um 13:05
    • #7
    Zitat von "Montesuma"

    ich denke das war in seiner hektischen Situation verzeihbar...

    wobei Spanier eh ein anderes Verständnis von "Hektik" haben ... :D

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  • billbo
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    • 15. Mai 2006 um 22:04
    • #8

    @ ADMIN: Ja, das war ja auch ein ganz netter. Und er sah so fertig aus, dass ich mir bei dieser Hiobsbotschaft (war eh die ca. zwölfte an diesem Tag) ein breites Lachen nicht verkneifen konnte.

    @ Montesuma: Ne ne, der hat einfach beim Kopieren Absender und Empfänger verwechselt o.s.ä. Einmal reicht da wohl schon, und als Digital – Newbie wollte ich mich da auch gar nicht groß einmischen.....

    @ oTon: „Undo“ – so etwas Ähnliches (und allerlei mehr) hat er wohl auch eine ganze Zeit lang versucht. Die Kapitulationsmeldung kam ja erst eine gute ¾ Stunde, nachdem ich das Pult verlassen hatte.

    Der Mensch, auch der Techniker, ist nun mal ein analoges, mit Irrtümern und Fehlern behaftetes Wesen. Und wenn es dumm läuft, Stress und Hektik irgendwann in Panik münden, wird aus einer kleinen Anfangsfehlentscheidung/ Flüchtigkeit schon mal eine kleine (oder auch größere) Katastrophe. Auf diese Weise sind schon Flugzeuge abgestürzt und Kraftwerke explodiert.
    Wenn mir der Angstschweiß auf der Stirn steht, dann lasse ich mich auch durch ein dreimaliges „ARE YOU SURE ?“ nicht mehr irritieren :D.

    Einmal mehr sehe ich daher die volldigitale Zukunft mit seehr gemischten Gefühlen. Wo man mit ein paar wenigen Klicks Verheerendes anrichten kann, wird man dies mitunter auch tun. Einen XL4 resettet man dagegen nicht mal so eben aus Versehen. Da würde ich dann doch eher ‚Vorsatz’ unterstellen.
    Hier ging es „nur“ um Rockfans in überschaubarer, niedriger vierstelliger Besucherzahl, die für ein paar Zehn – Euro – Scheine einen Abend lang Spaß und Remmidemmi erwarteten – und am Ende auch bekamen. Stelle ich mir aber mal eine schöne Open Air – Operngala vor; im Publikum zehntausend Ärzte, Anwälte, Rentner und Honoratioren, die alle eine nette, dreistellige (oder gar höhere) Summe für’s Ticket hingeblättert haben und dafür erst mal gar nichts zu hören (oder zu sehen) bekommen – als Veranstalter würde mir angst und bange. Die Haftpflichtprämien werden wohl weiter steigen.

    @ guma: hier fragt der Digitallaie: wie viele und welche verschiedene externe Speichermedien/ - Möglichkeiten sind denn bis dato gängig? Bisher beschränkte sich mein Gepäck für den „Nur-Mischer-Fall“ auf Sharpie, Markingtape und ggfs. Intro – CD. Ein USB – Stick wäre da ja noch zu verschmerzen.....

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

  • ADMIN
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    • 16. Mai 2006 um 01:27
    • #9
    Zitat von "BillBo"

    Einen XL4 resettet man dagegen nicht mal so eben aus Versehen.

    Es ist zwar ein Lichtsteuerprogramm, aber die LightControl-Versionen überschreiben keine gespeicherte Lichtstimmung, sie legen immer nur neue Versionen an. Wenn man da etwas versehentlich überschrieben hat, kann man da immer noch auf eine der alten Versionen zurück gehen, selbst Jahre später.

    Festplattenplatz kostet doch heute nichts mehr. Warum bauen die nicht ein Archiv ein, in das alles abgelegt wird und das nicht überschrieben werden kann?

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  • Insomnia
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    • 16. Mai 2006 um 07:34
    • #10

    @ Admin
    Die Festplatten die nichts mehr kosten, möchte ich in so einer Konsole lieber nicht sehen.
    Es ist doch ein großer Unterschied für eine Festplatte, ob sie in einem Stationären Rechner eingebaut ist, oder "on the road".
    Wir haben einige, leider schlechte, Erfahrungen mit Festplatten in Fahrzeugen hinter uns. Eine Alternative wären Speicherkarten.

    Insomnia

  • montesuma
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    • 16. Mai 2006 um 07:47
    • #11

    Notebook Festplatten sind auch relativ unempfindlich. Sie müssen aushalten, daß das Notebook im Betrieb auf den Tisch gestellt wird. Das sind starke erschütterungen. Ansonsten stimme ich Insomnia zu. Ich verwende gerne DOM's - passen an den IDE Port und verhalten sich wie Festplatten.

  • billbo
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    • 8. Oktober 2006 um 06:51
    • #12

    Und weiter geht’s mit Teil 2 :D

    Festival der mittleren Größenordnung, so geschätzte 3-4-5000 zahlende Kunden. Am Start: 2x Innova Son 48 irgendwas; 1x FOH, 1x Bühne. Noch nie gesehen, aber egal, inzwischen weis ich ja schon mal, was ein Encoder ist. Und dann noch alle Kanäle auf einem Layer – was will der Mensch mehr.
    Weil der Zeitplan es erlaubt, ist am Vortag Soundcheck. Grauenhafte Halle, aber egal. Dafür ist so’n Digitaldingens schließlich da: alles speichern, in Ruhe schlafen gehen, und am nächsten Tag kann überhaupt nichts mehr schiefgehen.

    Das Shuttle ist überraschend pünktlich; im Catering erwartet uns ein nachdenklicher örtlicher Monitormann: „Grande Problema.....“.
    Okay, das Monipult hat über Nacht auf geheimnisvolle Weise sämtliche Speicher verloren. Wir reagieren eher gelassen. Scheint halt irgendwie dazu zu gehören; außerdem sind wir heute eh nicht Headliner. Wir haben eine routinierte Backlinecrew, die biegen das beim Linecheck schon wieder hin. Am Foh passt ja noch alles, da können wir den Umbau für ein wenig Monitor nutzen.

    Gesagt, getan. Am Frontplatz angekommen, erwartet mich mein Vortagsergebnis. Glaube ich zumindest. Sehen kann ich das nicht, denn außerdem erwarten mich ein aufgelöster Frontplatzbetreuer und ein schwarzer Bildschirm. Der ist leider vor ein paar Minuten verstorben. Zum Glück ist ein Reservebildschirm draußen im Truck; aha, scheinbar kennt man das Problem bereits. Schade allerdings, dass der Kollege mit dem Schlüssel leider erst zum Abbau wiederkommt

    „Digital“ ohne Bildschirm ist mal so RICHTIG doof ! Aber was muß, das muß.

    Gegen Ende unseres Sets ein kurzes Flackern. Jawohl, da ist er wieder. Die Zugabe gibt es mit Bild; gerade, wo ich mich so schön eingewöhnt habe.

    Das Ganze passiert vor ein paar Stunden in Mexico City. Auf einer Baustelle also, auf der man - selbst wenn Alles einwandfrei spielt – sich zwecks Verständigung sämtlicher Gliedmassen bedienen muß, wenn man überhaupt irgend etwas erreichen will.

    In mir wächst der Verdacht, dass spanisch sprechende Tonleute und die Wunderwelt der Digitaltechnik nicht recht füreinander geschaffen zu sein scheinen.


    To be continued :D

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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  • guma
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    • 8. Oktober 2006 um 19:49
    • #13

    Na das digitale Elend scheint dich ja irgendwie zu suchen.

    Trotzdem würde ich sagen: 90% dieses Elends ist menschliches Versagen. z.B. das "alles weg" Elend, ein typischer Vertreter dieser Gattung. Mangelnde Konzentration oder schlicht die heute so gängige maßlose Selbstüberschätzung mancher sogenannter VA-Firmen.
    Will sagen Kaufen können ist nicht Können können :roll:

    Nach nun fast einem Jahr M7CL macht mir das wirklich Spaß und da ich ständig zwischen gut klingenden analogen ( Midas, AMEK ) und dem M7 hin und her pendle, würde ich jetzt nach eigener anfänglicher Skepsis sogar sagen:

    Das "digital klingt nicht" Gelaber entbehrt mit der heutigen Technologie unter life-praktischen und nicht esoterischen Gesichtspunkten jeglicher Grundlage.

  • ADMIN
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    • 8. Oktober 2006 um 21:54
    • #14
    Zitat von "guma"

    Das "digital klingt nicht" Gelaber entbehrt mit der heutigen Technologie unter life-praktischen und nicht esoterischen Gesichtspunkten jeglicher Grundlage.

    Nach diesen Gesichtspunkten könnte man schätzungsweise 50% aller Branchen-Weisheiten entsorgen... :wink:

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  • billbo
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    • 9. Oktober 2006 um 22:53
    • #15

    Ihr habt ja Recht. „Digital klingt nicht“ ist so ziemlich das einzige Digitalhasserargument, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Eher schon „die Klangregelung macht nicht das, was ich mir gerade so denke“. Und das ist mit Sicherheit Gewohnheitssache.

    Trotzdem – das Arbeiten in den Niederungen des R&R – Tourings ist in vielerlei Hinsicht gelebtes Murphys‘ Law; nicht erst seit Erfindung der Digitaltechnik. Vermeintlich vereinfachende Neuerungen/ Verbesserungen sind da so lange eher hinderlich, wie sie von der Masse der Durchschnittsnutzer (zu denen zähle ich mich) nicht intuitiv und sicher beherrschbar sind. Und dass die Digitalteile dies in vieler Hinsicht (noch?) nicht sind, zeigt mir leider die tägliche Praxis.
    Klar geht es im Endeffekt immer um menschliche Fehler: der Softwarebug ist ein Fehler des Entwicklers, der Speicherverlust wahrscheinlich ein Fehler des Operators; der ewig lange Soundcheck ein Fehler des Mischers, der sich mit den speziellen Eigenheiten des Pultes nicht genügend auskennt (oder des abgebrühten Disponenten, der ihm das Teil wider alle Absprachen da hingestellt hat).

    Etwas o. t., aber speziell am geschilderten Beispiel negativ aufgefallen: mich stört die „Bedienzeitlatenz“; in diesem Fall (Innova Son) extrem. Abgesehen davon, dass ich Motorfader nicht mag (die sind immer irgendwie hakelig), bin ich von „Analog“ gewohnt, dass ein Bedienelement in Echtzeit das bewirkt, was ich will bzw. was es mir von seiner Stellung her suggeriert (Beispiel: Effektreturn; die im Hintergrund lauernde Monsterplate, die ich genau nur für DIESEN EINEN Snare – oder Tomschlag brauche und mir dafür über den Returnfader punktgenau hole. Schon die VCAs von MH3 und co. oder auch Heritage sind mir dafür irgendwie zu langsam; früher (Midas XL3/4) ging das m. E. schon mal schneller.
    Mit Innova Son geht’s gar nicht. ‚Fader hoch‘ (oder auch ‚Mute aus‘) bedeutet noch lange nicht, dass das Signal in diesem Moment auch da ist. Man muß förmlich drauf warten – und der Effekt kommt nicht mehr wie gewohnt.

    Noch ist die Simulation halt nicht der Wirklichkeit gleichwertig :D.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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  • billbo
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    • 14. Oktober 2006 um 18:02
    • #16

    Teil 3 lässt diesmal nicht lange auf sich warten :D

    Vorab was Erfreuliches: 2 überraschende Konzerte in Buenos Aires. 1500er Club; der Experimentalaufbau besteht aus Argentina Custom Made PA (optisch MSL3, akustisch eher Martin RS1200; spielt ganz ordentlich). FOH: Ein 20 Jahre alter TAC Scorpion in, nun ja, altersgerechtem Zustand, ein PCM 70, ein SPX, ein ???, ein Drawmer 4-fach Gate, ein Drawmer 4-fach Comp, fertig. Wahrlich kein Luxus, aber das Wichtigste stimmt ebenfalls: die örtliche Crew ist prima eingespielt und beherrscht ihr Handwerk und ihr Material.
    Soundcheck kurz und schmerzlos, weil in leerer Halle überflüssig – kein merklicher Unterschied zwischen „Front an“ und „Front aus“. Shows ausverkauft – und alles spielt und klingt, wie es soll.

    Auf nach Brasilien. Da wird’s bestimmt super. Dort gibt es die größten Produktionsfirmen der Welt, und schließlich geht es nicht in einen Club auf Sankt Pauli, sondern ins Sambadrom von Sao Paulo. Richtig großes Kino also.
    Aus dem Flughafenshuttle direkt auf die Bühne, die Soundcheckzeit hat bereits angefangen. Sieht alles ganz ordentlich aus, turmhohes Linearray, das Schlagzeug allerdings...... Die Toms machen „Plapp“, die Bassdrums „Plopp“. Ich rege an, dass doch die 2. Bassdrum unbedingt auch ein Loch ins Resonanzfell bekommen möge. Außerdem sind unsere Becken bei Aerolineas Argetina verschollen, aber das lässt sich mit Sicherheit bis morgen noch lösen.

    Am Frontplatz angekommen dann die endgültige Ernüchterung: M7CL. Jungfräulich aus dem Karton. Der Promoter wollte das so, wegen Zeitersparnis.....

    Meine Erfahrungen mit diesem Gerät beschränken sich auf 3, 4 Kurzkontakte, ein wenig Spielerei mit dem Editor, und die Diskussionen in diesem Forum.

    Die Erfahrung des örtlichen Betreuerteams beschränkt sich ganz offensichtlich auf ein portugiesisches Manual und lebhaftes Interesse.

    Ich spreche Deutsch, Englisch, ein wenig Französisch, verstehe ein paar Brocken Spanisch.
    Die örtliche Crew spricht AUSSCHLIESLICH Portugiesisch.

    Die Soundcheckzeit ist vorbei, die örtliche Crew ist noch beim Sortieren der fehlgepatchten Kanäle. Ich bestehe darauf, zumindest so lange weiter zu machen, bis die alle in richtiger Reihenfolge vorne ankommen. Morgen gibt es 15min. Changeover; das wird sicher ganz toll.

    Als Headliner für dieses Festival hat man David Lee Roth ausgegraben. Dessen Tonmann, ein freundlicher, gelassen Kaugummi kauender Ami namens Doug, erklärt mir in einer ruhigen Minute, wie er die Sache gelöst hat: er ist mit Mikros, Effektrack und Tourmanager 2 Tage vorher angereist und hat sich mit dem Promoter darauf geeinigt, dass die Band erst dann ins Flugzeug steigt, wenn das ihm genehme Analogpult zur exklusiven Nutzung am Frontplatz steht und ein Soundcheck damit erfolgreich abgeschlossen ist. Headlinerbetreuung kann so einfach sein.

    Das Linearray immerhin funktioniert vorzüglich. Die Soundcheckversuche diverser Bands gehen rund um die Uhr, das Hotel steht genau in Spielrichtung in ca. 1km Entfernung. Selbst die Flüche diverser deutscher, holländischer, englischer, finnischer, brasilianischer und amerikanischer Mischerkollegen sind durch die geschlossenen Doppelfenster glasklar zu verstehen.

    Inzwischen hat die erste Band gespielt. Zusammen mit ein paar befreundeten Tonkollegen gehe ich gleich mal rüber, zwecks Krisengesprächen und Schadensbegrenzungsversuchen.

    Obwohl – eigentlich würde ich viiiel lieber im Bett bleiben.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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  • billbo
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    • 15. Oktober 2006 um 01:20
    • #17

    Nachtrag. Show ist gelaufen, und es war eigentlich ganz okay. Ein paar übliche Festivalärgernisse halt – das Schlagzeug klingt immer noch erbärmlich, die Leihbecken sind Müll, der Funkmikroausfall mit anschließendem lustigen Kanalraten (wo kommt denn wohl das Sparemikro, auf jeden Fall ganz sicher nicht auf dem Sparemikrokanal, also einfach mal alles ausprobieren nach “Center Vox“), die minutenlange ‚Radioshow‘ auf der SL – Gitarre: Lappalien angesichts einer gelungenen Show vor einer nett fünfstelligen Zahl ausflippender brasilianischer Fans.

    Doof, dass der freundliche FOH – Betreuer beim Speichern meines Setups die Effekte auf „Safe“ stehen hatte – die sind also erst mal weg. Noch blöder, dass ich das nicht kontrolliert hatte. So etwas bemerkt man im Schnellstartchaos dann erst einmal nicht. Irgendwas ist merkwürdig, und es kostet die halbe Show, rauszufinden, woran das liegt, und den Ursprungszustand wieder halbwegs zu rekonstruieren.

    Mit einem M7 könnte ich mich wohl einigermaßen anfreunden. Übung macht den Meister.
    Mal schauen, was der nette Ami gleich zustande bringt.

    O.t.: Ich habe 14 2x3m Rollriser gezählt :-D. Rekordverdächtig.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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  • secluded
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    • 15. Oktober 2006 um 01:36
    • #18

    *rofl*

    billbo

    bitte mehr :D

    ...cih verfolge das jetzt schon jedes Posting von Dir, solltest 'mal daran denken in absehbarer Zeit ein Buch zu schreiben ;)
    Sehr amüsant und lehrreich, wie ein "analoger" zum angehenden "digitalen" wird ;)
    Bin selber in dem Sinne ein "Zwitter" :D Analog und Digital zum Arbeiten bei mir :)

    ..aber echt immer wieder nett solche Erfahrungsberichte zu lesen =)


    Gruß

    sec

    "geht nicht" ? - gibt's nicht !

    ...ja, das war schon immer mein Avatar :evil:

    "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens" (Friedrich Schiller, "Jungfrau von Orleans" )

  • wora
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    • 15. Oktober 2006 um 20:41
    • #19

    tja, die sache mit dem abspeichern des soundcheckergebnisses in digitalpulten...

    ich hatte da auch mal eine nette erfahrung.
    pult M7CL (das ich an sich nicht schlecht finde)
    anlass: große firmenveranstaltung mit etwa 1500 leuten und zwei livebands.
    die jungs vor uns spielen nur percussion-sachen, ich habe eine band mit drum+bass, 2 keyboardern, 2 gitarristen, percussion, bläsersatz und backgroundschlampen, insges. etwa 35 kanäle.

    unser souncheck ist fertig, ich speichere auf den vorher besprochenen speicherplatz. der erste teil meiner arbeit ist erledigt, jetzt erstmal was futtern und mit den muckern blöde witze reissen.


    es ist so besprochen und kanalmäßig abgestimmt, das beim letzten trommelton der vorband unser keyboarder seinen ersten ton über die anlage schiebt - wohlgemerkt ohne pause.
    hierzu haben wir die entsprechenden kanäle und den master in den "safe-modus" gebracht, damit da beim nachfolgenden soundcheck der trommler auch nix schiefgeht...
    während das keyboard spielt wird ein anderes multicore aufgesteckt, ich rufe ich mein gespeichertes setup auf und schon kanns losgehen.

    der abend beginnt:
    die trommlergruppe stimmt das volk auf "dancing" ein.
    ihr letzter song...
    der letzte trommelschlag...
    unser keyboarder spielt das abgemachte intro...
    ich warte das handzeichen ab...
    ich lade mein setup...
    nix stimmt!
    :shock:
    die fader flitzen zwar an die mir im gedächtnis gebliebenen positionen, aber alle lautstärkenverhältnisse sind völlig daneben.
    uuuuhhhh...was geht ab??
    als der sänger nach ein paar sekunden das erste mal ins mikro singt, fallen fast die pappen aus dem linearray - brutaal!!!
    ich erkenne: das setup stimmt zwar, aber alle gains stimmen nicht mehr!
    also erster song = alle kanäle neu gainen, 35 stück...

    gut, das wir für monitor ein autarkes PM1D am start hatten, das wärs gewesen...


    die lösung des rätsels:
    mein durchaus netter FOH betreuer hatte offenbar in meiner abwesenheit die neu entdeckte funktion "recall-save" mal schnell global für alle input-gains ausgewählt. somit startete zwar mein setup, jedoch ohne irgendwelche gain-einstellungen... er sagte zwar er wars nicht, aber von alleine sollte das nicht passieren, sonst wäre mein vertrauen in diese technik extrem erschüttert.


    oder anderer fall, nicht ganz so dramatisch:
    pulte: 2x InnovaSon SY80 (FOH+MON)
    der gain wird auf der bühne von meinem kollegen gemacht, ich habe am frontpult die möglichkeit meine pegel über den gain-regler vom kompressor anzupassen. der ist in dem fall immer aktiv und natürlich, wie in allen digipulten, in jedem kanal vorhanden.

    während des gigs wird auf einmal das keyboard leiser.
    ich schaue nach meinem regler (aufm funktionierenden bildschirm ;) ), der steht ganz auf linksanschlag!
    ich denke: upps, wie das denn?
    drehe am entsprechenden encoder wieder auf 0, lasse den encoder los...
    und der bildschirm zeigt einen gainregler, der sich automatisch wieder in den linksanschlag bewegt.
    das selbe passiert wenn ich die gains des orgelspielers einstellen will...
    ich staune... geisterhand?
    ich probies öfter, selbes ergebnis.
    ich rufe den babysitter und zeigs ihm, er sagt: "oooh, was ist denn das?"
    hat er auch noch nie gesehen, ich glaubs ihm, denn seine augen fallen vor schreck fast auf den tisch.

    lösung des problems:
    ich gehe aus der keyboard-gruppe raus und mach das gitarrensoli etwas lauter, danach sofort wieder in die keygruppe.
    plötzlich funktioniert die gainregelung wieder, alles lässt sich problemlos auf 0 stellen als ob es noch nie anders gewesen wäre...

    du liebe güte, sowas braucht man echt nicht öfter im leben.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • billbo
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    • 16. Oktober 2006 um 03:46
    • #20
    Zitat

    Sehr amüsant und lehrreich, wie ein "analoger" zum angehenden "digitalen" wird

    Das wird sicherlich noch eine schmerzhafte Wiedergeburt. Lang, und qualvoll.....

    Zitat

    ich erkenne: das setup stimmt zwar, aber alle gains stimmen nicht mehr!
    also erster song = alle kanäle neu gainen, 35 stück...

    gut, das wir für monitor ein autarkes PM1D am start hatten, das wärs gewesen...


    Aua!
    Gut, wenn man es schafft, in einem solchen Moment kühlen Kopf zu bewahren, anstatt selber in den Panikmodus zu verfallen. Schließlich warnt einen ja niemand vorher (oder sollte das „Ereignis Digitalpult“ an sich etwa schon für einen erhöhten Alarmstatus sorgen :roll: ?).

    Solche und heftigere Katastrophen werden sich häufen. Zum Glück steuern wir keine Atomraketen.

    Mein digitales Urerlebnis war vor ca. 12 (?) Jahren eine Fernsehaufzeichnung (Kabarett, Kleinkunst, Musik) vor Publikum beim damaligen SWR. Dort hatte die Tonabteilung gerade ihre neue Digitalausstattung bekommen; ich glaube, irgendwas von Neve. Der ganze Tag verging eigentlich damit, dass der Technikchef uns mit stolz geschwellter Brust seine Errungenschaften vorführte: haha!, das hier ist nur noch die Bedienoberfläche, das Pult ist dort hinten im Schrank, alles voll automatisiert und narrensicher, kann überhaupt nichts mehr schief gehen, blablablubb.......
    Wir armen bandbegleitenden Beschallungswürstchen kamen uns mickrig und unbedeutend vor.

    Die Aufzeichnung war zu Ende, das Publikum entlassen, die zum Teil schon betagten Künstler schlüpften in ihre Mäntel; da stürzte ein puterroter Aufnahmeleiter ins Studio. Es habe da ein Problem gegeben, Computerabsturz in der Tonabteilung, es täte ihm furchtbar leid, die letzten 2/3 der Sendung müssten leider noch einmal aufgezeichnet werden, das Publikum würde man dann irgendwie nachträglich dazu mischen.

    Es wurde noch ein denkwürdiger Abend: Kaffeehausatmosphäre mit Moderation, Wort – und Musikbeiträgen – aber ohne Publikum. Die Beleuchter und Kameraleute mussten kleine Wunder vollbringen; anwesende Techniker, gerade nicht benötigte Künstler sowie sämtliche nicht rechtzeitig entkommenen sonstigen Mitarbeiter der Sendeanstalt hatten noch lang nach Mitternacht Interesse heuchelnd zu lachen, zu klatschen und Getränke zu sich zu nehmen. Nur der Pförtner saß noch einsam und allein in seinem Schrankenhäuschen.

    Jo, is‘ schon toll, der technische Fortschritt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    "Okay. Wir machen das mit den Fähnchen."

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