Zitat von "FOH"Klauston -> ich mag dich auch mal als Babysitter
ich auch!
mit den "babysittern" verhält es sich ja genau so wie mit "bandmischern" oder "systemtechs":
es gibt einfach zu wenige, die ihren job wirklich super machen!
Zitat von "FOH"Klauston -> ich mag dich auch mal als Babysitter
ich auch!
mit den "babysittern" verhält es sich ja genau so wie mit "bandmischern" oder "systemtechs":
es gibt einfach zu wenige, die ihren job wirklich super machen!
Alle Argumente pro Digital sind richtig und zu 100% zutreffend. Es gibt kaum einen einzigen Grund digitale Pulte abzulehnen. Diesen Trend hatte ich bereits vor einigen Jahren beim Erwerb des ersten 01V96 bemerkt.
Aber: ihr dürft nach wie vor eines nicht vergessen. Es gibt ungezählte, bezahlte, voll funktionstüchtige Analogarbeitsplätze, die den Inhabern der kleinen bis mittleren Vermieter nichts kosten. Wer beispielsweise eine XL200 mit passendem Outboard seit Jahren hat, wird aus wirtschaftlicher Betrachtung weitere Jahre diese Teile auf großen Veranstaltungen aufbauen. Das hat zwei Gründe: das Material steht rum und kann ohne Einschränkung benutzt werden, die Verwendung des eigenen und vorhandenen Materials kostet keine Miete - und bringt im Gegenzug den Gewinn, den man sich beim Erwerb vor vielen Jahren erfofft hat.
Wer eine XL200 oder ähnlich ausgestattete FoH Plätze gegen etwas digitales ersetzen möchte wird mit einem LS9 nicht glücklicher werden. Ob ein M7 dieses Prestige ersetzt wage ich ebenfalls ganz schwer anzuzweifeln. Ein PM5 passt hier besser - aber aus welchem Grund soll der geneigte Inhaber einer kleinen Rentalfirma eine Menge Geld dabeitun, um sich ein PM5 oder ähnliches leisten zu können?
Glaubt man euren Thesen ist der Analogmarkt tot. Demnach dürfte sich kein einziges Analogpult mehr verkaufen - weder neu noch gebraucht. Somit ist der erhoffte Erlös aus dem Gebrauchtverkauf analogen Hochpreisequipments auch hinfällig!
Richtig ist, dass im professionellen Vermietgeschäft (Tour, Konzert usw. wirklich potenter Kunden) alle Wünsche der Kunden erfüllt werden.
Hier sind einige Schreiber die es sich aufgrund ihrer Tätigkeit leisten können, heute nur noch mit digitalen FoH zu arbeiten. Aber ich lese auch eine Menge von der "ich wünsche und fordere" Fraktion, die sich um die Kostenseite null Gedanken machen müssen.
Nochmal unterstreiche ich, dass nicht auf jedem Festival ausschließlich Digital anzufinden ist. Wer heute ein Problem hat mehr als 50 Taster und 28 Potis zu bedienen, hat wirklich ein Problem. Digital ist wesentlich einfacher zu bedienen, als ein analoger Foh mit zig Inserts und Vollparametrik. Das wirkliche Ende der Analogpulte kommt erst noch, nämlich dann, wenn die Preise für Kaliber eines PM5 unter 12k rutschen!
Stefan
Nun, daß Analog stehengeblieben und tot ist, kann man so nicht sagen.
Die Digitalwelt suggeriert in vielen Fällen lediglich ein Besser, kann aber auch nicht z.B. am physikalischen Rauschminimum vorbei. Um Geräte zu bauen, die sich bis auf ca. 0,5dB daran annähern, benötigt man nicht mal den Hauch eines Digitalgerätes.
Bei der Bearbeitung des Signals kann ein digitaler Datenstrom Vorteile haben.
Daß Digitalpulte hinsichtlich des Abspeicherns von Einstellungen einen Vorteil im Bedienkomfort haben können, will ich nicht abstreiten.
MfG
DirkB
Zitat von "rockline"...Es gibt ungezählte, bezahlte, voll funktionstüchtige Analogarbeitsplätze, die den Inhabern der kleinen bis mittleren Vermieter nichts kosten. Wer beispielsweise eine XL200 mit passendem Outboard seit Jahren hat, wird aus wirtschaftlicher Betrachtung weitere Jahre diese Teile auf großen Veranstaltungen aufbauen. Das hat zwei Gründe: das Material steht rum und kann ohne Einschränkung benutzt werden, die Verwendung des eigenen und vorhandenen Materials kostet keine Miete - und bringt im Gegenzug den Gewinn, den man sich beim Erwerb vor vielen Jahren erfofft hat...
Und genau so sollte ich das im o.g. Rider umformulieren: wenn ihr einen schönen alten analogen FOH habt und der Veranstalter mit dem erhöhten Platzbedarf leben kann nehme ich den gerne für Vintage-Sound. Weil ich es eben auf Analogpulten noch besser (und schneller) hinkriege, da nehme ich sogar gerne noch ein SC 400B oder sogar ein Mackie SR.
Zitat von "rockline"Das wirkliche Ende der Analogpulte kommt erst noch, nämlich dann, wenn die Preise für Kaliber eines PM5 unter 12k rutschen!
Stefan
Das wirkliche Ende kommt erst dann, wenn die bestehenden (und teilweise ja auch immer noch neu gebauten) Analogpulte "runter" sind und der Aufwand für die Sanierung nicht mehr lohnt.
Der Trend, der abzusehen ist, dürfte ähnlich laufen wie bei den analogen Bandmaschinen: Um zwei Kanäle in CD-Qualität aufzunehmen, habe ich diverse Lösungen im unteren dreistelligen Bereich, die auch alle weniger laufende Kosten haben als eine analoge Bandmaschine. Dennoch liegt der eBay-Preis für eine Studer A 820 noch bei etwa 3500,- Euro, Tendenz weiter fallend. Ebenso wird der Gebraucht-Preis für amtliche analoge Konsolen weiter fallen, ebenso für 19"-Effekte. Sobald die Herstellungskosten höher sind als das, was sich am Markt als Preis erzielen lässt, wird's nicht mehr hergestellt, und irgendwann ist dann auch der Bestand aussortiert.
Nicht unwahrscheinlich, dass in 20 Jahren Pulte wie ein XL200 in irgendwelchen Jugendclubs stehen und dort von lötenden Schülern liebevoll gepflegt werden.
Zitat von "rockline"
Wer eine XL200 oder ähnlich ausgestattete FoH Plätze gegen etwas digitales ersetzen möchte wird mit einem LS9 nicht glücklicher werden. Ob ein M7 dieses Prestige ersetzt wage ich ebenfalls ganz schwer anzuzweifeln. Ein PM5 passt hier besser - aber aus welchem Grund soll der geneigte Inhaber einer kleinen Rentalfirma eine Menge Geld dabeitun, um sich ein PM5 oder ähnliches leisten zu können?
Glaubt man euren Thesen ist der Analogmarkt tot. Demnach dürfte sich kein einziges Analogpult mehr verkaufen - weder neu noch gebraucht. Somit ist der erhoffte Erlös aus dem Gebrauchtverkauf analogen Hochpreisequipments auch hinfällig!
bevor ich falsch verstanden werde ... ich habe überhaupt nichts gegen einen schönen Analogplatz. Ich glaube auch nicht das es für die meisten hier ein digitales Pult sein MUSS ... aber es steht ja eh immer öfter und ist so bequem .... ![]()
Allerdings hat sich, jedenfalls hier im Süden, z.B. das M7CL unglaublich schnell verbreitet und den normalen kleinen Frontplatz bei vielen, auch kleineren Verleihern ersetzt. Wo die ganzen analogen Frontplätze hin sind kann ich dir nicht sagen.
Die Gebrauchtpreise für analog sind vielleicht auch deswegen im Keller, gerade Midas kann sich noch einigermassen behaupten, alles andere, auch gute Pulte wie Soundcraft Series 5 oder Yamaha PM 3500/4000 sind teilweise unglaublich billig zu bekommen, von A&H gar nicht zu reden ... und trotzdem kennen ich (ausser Rockline) kaum jemanden der sich so eine Schüssel noch anschafft/hinstellt, obwohl es preislich ja sehr attraktiv wäre ... also scheint auch die Nachfrage nicht so extrem zu sein.
Ich glaube auch, das gerade für kleinere Verleiher das Platz/Transportproblem ein wirklich entscheidender Faktor ist ... ein M7 oder sogar LS9 ist so extrem viel kompakter als ein entsprechender Analogplatz mit Siderack, da lohnt sich eine Investition schon wegen der gesparten Folgekosten schnell.
Um auch keinen falschen Eindruck zu erwecken, es sind auf den meisten Festivals die Hauptpulte noch immer analog.
So Jobs, wie ich sie für eine Company mache, das auf großen Festivals nur mehr ein Digitaltisch am Monitor steht, sind sicher die Ausname.
>Bei kleineren Festivals allerdings schon eher die Regel.
Zumindest sehe ich viele solche Jobs ( und bedien sie auch )
Und von Kollegen weiß ich, das es immer mehr werden.
Ist halt die Frage, wie schnell sich das ändert.
( lt Gert schon das erste Festival bei den Briten nur mehr digital )
Und ich habe schon vor 4 jahren vermutet, das der Trend dahin geht.
Es überascht mich allerdings selbst oft, wie schnell das geht.
So schnell hätte auch ich nicht erwartet
Bei uns handhaben wir das so, dass wir wenn es irgendwie geht, ein kleines 01V96 mitnehmen. Für etwas besser dann das Mackie tt24.
Investitionen in ein LS9 lohnen sich nicht, da wir mit so einem Gerät nichts verdienen können. Das Teil kann nichts, was die billigeren Dinger nicht auch können.
Ganz mies sieht die Rechnung für ein M7CL aus, da ich bei angenommenen 20k Investition ca, 130 x rund 150.- dafür abrechnen müsste. Jobs dieser Größe, die zb. die Anzahl der 48 Kanäle einer M7 rechtfertigen, gibt es aber nur ungefähr 20 x im Jahr - macht also einen Nettoumsatz von 3000.-
Reine Mietanfragen für so ein Pult gibt es wenig, und wenn ist meist 35 Kilometer weiter weg der nächste, der gleiches Pult für 130.- vermietet. Und für den guten Dauerkunden auch für 100.-
PM5 - das würde mir gefallen, aber ich habe keine Lust Disponenten hinterherzurennen, um eine gekaufte PM5 ständig in der Vermietung zu haben. So ein Pult darf nicht eine Woche ungenutzt im Lager stehen, denn dann bringt man bereits Geld mit.
Die analogen Plätze kosten - wie oTon schon richtig bemerkte - fast nichts mehr. Und darin liegt die eindeutige Stärke um Geld zu verdienen. Ich bin mir 100% sicher, dass das Umsatz/Gewinnverhältniss bei einem Rentalbetrieb wie unserem bedeutend besser aussieht, als bei manchem Unternehmen mit den dicken Digitalpulten.
Über Leasing, Finanzierung usw. ist es kein Thema direkt nächste Woche ein PM5 für die laufende Saison zu ordern - doch ich stelle ernsthaft die Frage, ob das derzeit mein unternehmerisches Ziel ist?
Letztlich möchte ich doch was an dem Laden verdienen, und da bin ich mit sehr gut ausgestatteten analogen Arbeitsplätzen unter den ersten 10!
Für die Zukunft sieht das anders aus, die Zeit wird kommen in der wir sagen "weißte noch früher.....der 100kg Casedeckel?" In Zukunft kosten aber auch die derzeit viel zu hoch gehandelten M7 und PM5 nichts mehr (gebraucht), da es dann wieder was neues und besseres gibt.
Fraglich bleibt auch, ob die heutigen Pulte überhaupt die Wertbeständigkeit aufweisen, die analoge Konsolen der Oberklasse haben? Noch häufen sich keine Prozessordefekte oder abgebrannte Mainboards - aber die Zeit kommt noch. Und damit einhergehend großes Jammern, da sich nach 10 Jahren so manche Instandsetzung (einer jetzt kaum bezahlbaren Konsole) nicht mehr lohnt.
Sinken die Preise auf ein normales (dem tatsächlichen Gegenwert entsprechendes) Niveau, dürfte jegliche Diskussion für und wieder analog oder digital ein Ende haben.
Digital gehört in jedem Fall die Zukunft, die technischen Vorteile liegen ganz deutlich auf der Hand. Derzeit verdient man aber mit den alten FoH Plätzen bei Festivals Geld - und Umsatz/Gewinn sollte oberstes Ziel eines Unternehmen sein. Sei es noch so klein oder groß!
Stefan
Ich bin etwas schockiert über die Preise.
Listenpreis bei einem M7 kenn ich so um die 300-350
Ein PM5D u, die 400 - 450
Wohl gemerkt, Listenpreis.
Bei 100 Euronen Vermietpreis für ein M7 stellt sich dann doch die Investition in Frage :shock: :shock:
Ich denke, dass beim Digitalpult ein ganzer Rattenschwanz an (finanziellem) Aufwand eben nicht dran hängt.
- kostet weniger in der Anschaffung (Vgl.: 32 Kanal Analog FoH mit analogem Insert+EQ+FX mit LS-9/M7 o. ä.)
- weniger Platz im Lager
- weniger Platz im Truck/Sprinter (Ein M7-48 passt mit Case auch in einen E Klasse Benz Kombi rein; ein analog 48 Kanal FoH füllt dann schon fast wieder einen kleinen Sprinter) --> Es macht dann sehr wohl einen Unterschied ob ich ein Event mit meinem großen Sprinter gebacken bekomme oder ob ich wegen des FoH einen 7,5 t zu mieten muss.
- weniger Manpower nötig zum Aufbau eines digitalen Frontplatzes
- kürzere Zeit zum Verkabeln des FoH nötig
Bis hierhin ist kein Ton gespielt und ich habe unter Umständen schon einige hundert Euronen eingespart (ohne Anschaffung!).
Zitat von "klauston"
Bei 100 Euronen Vermietpreis für ein M7 stellt sich dann doch die Investition in Frage :shock: :shock:
Nach der ersten Euphorie ist das oft die Realität, schau doch mal wieviele ungenutzte M7 durch die Woche (und an Wochenenden) in den Betrieben im Lager stehen. Kommt dann der bekannte und gern gesehene Subrentalunternehmer ins Büro......man weiß doch wie das ist.
Stellt sich ja auch noch die Frage, wer mietet überhaupt so ein Pult? Kaum jemand macht das ohne Not - also keine Alternative. Es rechnet sich einfach schlecht für eine anzumietendes Pult mit dem Sprinter loszujuckeln, dass Gerät laden, gut drauf aufpassen.....und in der Folgewoche wieder zurück bringen - allein die Zeit die dabei weg ist muß man bedenken. Aus dem Grund wird auch praktisch nicht allzu oft angefragt.
Das einzige was sich lohnt ist Leasing mit Summe XY. Wer dann das Glück hat das Pult monatlich so oft draußen zu haben, dass nach Abzug der Leasingrate noch mindestens 30% im Sack sind - der kann das rechnen.
Interessant ist aber, dass speziell hier im Forum kaum jemand schreibt, der wirklich diese positive Kosten/Gewinn Rechnung für sich behaupten kann. Die Unternehmer mit Kostencontrolling, die sich mit der Umsetzung großer Vermietungbestände rumschlagen nehmen hier nicht teil. Ich wage einmal zu behaupten, dass wir in diesem Thread zwar alle munter schreiben - aber sich die allerwenigsten mit der effektiven Finanzierung der angesprochenen Digitalplätze (der ernsthaften...nicht LS9 und sonstiger Spielkram) befassen müssen.
Unter diesem Aspekt wäre der Thread kaum auf 6 Seiten angewachsen - da das Thema schnell an seine Machbarkeitsgrenze gelangt wäre!
Stefan
Zitat von "Seven"Ich denke, dass beim Digitalpult ein ganzer Rattenschwanz an (finanziellem) Aufwand eben nicht dran hängt.
- kostet weniger in der Anschaffung (Vgl.: 32 Kanal Analog FoH mit analogem Insert+EQ+FX mit LS-9/M7 o. ä.)
- weniger Platz im Lager
- weniger Platz im Truck/Sprinter (Ein M7-48 passt mit Case auch in einen E Klasse Benz Kombi rein; ein analog 48 Kanal FoH füllt dann schon fast wieder einen kleinen Sprinter) --> Es macht dann sehr wohl einen Unterschied ob ich ein Event mit meinem großen Sprinter gebacken bekomme oder ob ich wegen des FoH einen 7,5 t zu mieten muss.
- weniger Manpower nötig zum Aufbau eines digitalen Frontplatzes
- kürzere Zeit zum Verkabeln des FoH nötigBis hierhin ist kein Ton gespielt und ich habe unter Umständen schon einige hundert Euronen eingespart (ohne Anschaffung!).
Zu Sevens Statement folgendes:
Alles richtig!
Aber - viele Betriebe haben den 7,5T sowieso, dass Outboard Zeug steht herum (ist bezahlt und lässt sich nicht mehr gut verkaufen), Lagerplatz kann man kostentechnisch hochrechnen - praktisch berechnet das aber niemand (hat schon mal jemand überlegt wieviel Platz Alutruss benötigt?),
und nach wie vor kann sich ein finanzierter und zusätzlich dabeigekaufter Digitalplatz nicht gegen das vorhandene und kostenlose Material rechnen.
Zu 100% rechnen sich die billigen Digitalpulte wie mein Favorit 01V - mit dem Ding kann man überhaupt nicht verlieren. Wie ich schon mal sagte verdient man an diesen Budgetummern - die Materialschlachten bringen zwar große Zahlen - aber unterm Strich weniger (prozentual betrachtet) Gewinn. Für die amtliche Materialschlacht kann ich aber kein LS9 oder gar 01V anschleppen, damit werde ich zurecht ausgelacht.
Stefan
@ rockline: Dein Post liest sich erst mal ganz schlüssig, und mag in vielen Fällen im Moment auch noch zutreffen. Ausgerechnet mit Deinem 200er Beispiel liegst Du jedoch, glaube ich, auch heute schon nicht mehr so ganz richtig.
Mir sind in jüngerer Zeit einige BAs untergekommen, in denen werden 200er explizit ausgeschlossen. Dieses oder jenes Digitale, gerne auch Midas, Soundcraft oder Yamaha analog plus entsprechendem Outboard. Aber auf gar keinen Fall ein 200er. Und das hat für mich auch vollkommen nachvollziehbare Gründe.
Diese (und andere) Kisten mögen für viele ehrfurchterweckende Legende sein. Aber fast alle davon haben ein Vorleben, das sich gewaschen hat.
Angeschafft von einer ‚Major Company’, und dann 5 oder 10 Jahre lang nonstop auf R&R – Tour. 300 Tage im Jahr Kopfsteinpflaster, extreme Temperaturschwankungen, extreme Luftfeuchtigkeit, und Stagehands, die gerne Feierabend haben möchten. Danach ein paar Jahre ungeheiztes Außenlager mit gelegentlichen b und c Jobs. Schließlich abgestossen an einen mittleren lokalen Beschaller, der bis zum ersten ernsten Einsatz glaubt, das Schnäppchen seines Lebens gemacht zu haben. Und es danach bei nächstbester Gelegenheit still und heimlich in irgendeiner R&R – Tropfsteinhöhle als „amtliches Hauspult“ entsorgt. Und selbst dort werden sie inzwischen nach und nach ausgemustert.
Ich könnte Dir in Deutschland (oder auch weltweit) auf Anhieb eine ganze Reihe von bekannten, stark frequentierten Standard – Tourneevenues nennen, in denen ich es mit 200ern zu tun hatte, die ich wenn möglich nie-nie-nie-nie-nie wieder sehen möchte (aber natürlich werde ich das hier nicht tun :D. Und natürlich werde ich das eine oder andere davon wieder sehen :?). Wenn diese Gigs auf einem Tourplan auftauchen kriege ich Angst, und erinnere mich an verzweifelte Kämpfe mit Geräten, bei denen jeder 2. Kanalzug nur noch unter grenzwertigster Ausnutzung der Gainstruktur und mit gelegentlicher Betätigung des Phantomschalters während der Show (mir doch egal, ob es auf der Bühne knallt und kracht; der örtliche Monitorer wird schon wissen, warum) vorübergehend wiederbelebt werden konnte. Bis er vor dem nächsten Song halt erneut aussetzte.
Ein Hardcoremetalkonzert ziehe ich auf diese Weise noch einigermaßen unbeeindruckt durch und betrachte das als sportliche Herausforderung. Aber ein zartes Mädel, das am Flügel oder an der Akustikgitarre seinen Weltschmerz ins Mikro haucht? Nein, dann doch bitte lieber ein LS9.
Natürlich gibt es auch rühmliche Ausnahmen. Liebevoll gepflegte und/ oder restaurierte Einzelstücke, mit denen das Arbeiten Freude macht. Aber es sind (immer seltener werdende) Ausnahmen.
Die Kisten (und nicht nur die 200er) sind alt. Die Zeit arbeitet gegen sie – und ist dabei so gut wie abgelaufen. Der Wechsel passiert genau jetzt, genau vor unseren Augen; auch wenn manche das immer noch nicht wahrhaben wollen. Und er geschieht, das sehe ich ähnlich (und ähnlich überrascht) wie Klauston, mit erstaunlicher Geschwindigkeit.
Und abschließend fällt mir dazu eigentlich nur noch Gorbatschow ein.
Mit freundlichem Gruß
BillBo
P.S.: Oha, so schnell, wie’s hier ganz ernsthaft zur Sache geht, bin ich einfach nicht. Aber jetzt habe ich mir so viel Mühe gegeben – dann soll’s auch bitteschön noch hier rein.
BillBo, dass von Dir geschilderte Szenario kenne ich bestens. Diese Zeitgenossen, die sich bei der Anschaffung einer alten Analogkonsole der Oberklasse schwer überschätzen gibt es tatsächlich immer wieder.
Wir sollten aber nicht vergessen, dass eine Bude (ich nenn das jetzt mal so) die ihren Technikbestand dermaßen unkontrolliert nach draußen vermietet, grundsätzlich nicht für wirklich wichtige Produktionen ernst genommen werden kann.
Auch mein Beispiel mit der XL200 ist nur schemenhaft gemeint, genauso darf es auch ein altes Serie 5, oder DDA Q2 sein.
Selber haben wir zb eine SC Europa, die vom ersten bis zum letzten Kanal Top ist - so wie das sein soll. Ganz ehrlich: was anderes kann man auch nicht vermieten.
So wie wir von funktionierenden Digitalpulten reden, sollten wir auch von funktionierenden und gepflegten Analogpulten ausgehen. Leider ist die von Dir beschriebene Murksmentalität realistisch - nur sollten solche Typen besser den Beruf des Backwarenhändlers nachgehen. Denen verhilft auch ein neues Digitalpult kaum zum Erfolg!
ich will ja nicht prinzipiell gegen digitalzeuch wettern aber die oben beschriebenen effekte mit abgerockten analogpulten gibts in digital einfach noch nicht, weil das zeug schlicht zu neu ist. und ne 15 jahre alte xl200 (in das selige alter muß ein digitalschlitten erstmal kommen) ist bei guter pflege nach wie vor ein sensationelles pult. ich kenn das aus dem konferenzbereich recht gut, wo wir mit etlichem computerkrams unterwegs sind, auch alles schön eingecased, aber das zeug steckt erschütterungen viiiieeel schlechter weg als analogequipment. da tauchen dann irgendwann solche nicht wirklich lokalisierbaren defekte auf ie z.b. haarrisse von leiterbahnen auf motherboards, etc. aber anders als beim analogtisch, wo ein abgerüttelter stecker eben möglicherweise nur einen bus oder einen kanal lahmlegt, steigt dann gleich die ganze kiste aus. und wenn ich mir dann mal die verarbeitung z.b. von einer m7cl anschaue, dann ist das weit entfernt von panzerfahrerequipment. nicht zu vergessen - die immensen reparaturkosten wenn mal was dran ist - selbermachen is nich. insofern muß man einfach mal abwarten bis die ersten digitalkonsolen die auf tour waren, ihre ersten abnutzungserscheinungen zeigen. aber wahrscheinlich erreichen die ihre enf of lifetime einfach durch schnelle produktzyklen der hersteller. das heißt aber auch dass die amortisationszeit dieser dinger extrem kurz ist. insofern werden vermiet-kalkulationen, die sich am return of investment von analogkonsolen orientieren, schnell zum bumerang für den entsprechenden unternehmer.
mein fazit: wer gut gepflegte analoge pulte hat und damit gut arbeiten kann, der muß sich wirklich nichts digitales ans lager stellen, nur um vielleicht "mitspielen" zu können. wer tatsächlich tagtäglich rider zu erfüllen hat, der muß sich das zeug halt holen. aber prinzipiell haben alle analogplätze, sofern sie denn gut in schuss sind, nach wie vor hohen nutzwert und gehören nicht einfach aufgrund einer markttendenz zum digitalen hin auf einmal zum alten eisen.
Sehr gut tonzwerg - Du bringst das auf den Punkt!
Stefan
ZitatSo wie wir von funktionierenden Digitalpulten reden, sollten wir auch von funktionierenden und gepflegten Analogpulten ausgehen.
Digitalpulte sind digital – in jeder Hinsicht. Sie funktionieren. Oder nicht.
In Analogpulten arbeiten tausend kleine analoge Oxydschichtteufelchen. Und sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen ‚voll funktionsfähig’, ‚kann man noch anbieten’, und ‚geht eigentlich nicht mehr’ ebenfalls sehr analog verlaufen.
Die Antwort „im Ernstfall ist mir ein Pult, was gerade mal noch so zu vertreten ist, viel lieber als eins, was überhaupt nicht funktioniert“ akzeptiere ich und nehme sie deshalb vorsichtshalber mal vorweg. ![]()
Ich habe 2 mal im Leben ein großes Analogpult generalüberholt. D.h., unter anderem sämtliche im Signalweg liegenden Schalter getauscht. Einen alten 32er 800b, eine Herzensangelegenheit, weil der P&G – Fader hatte; das ging noch so. Und einen 40 – Kanal PM3000, weil der so teuer gewesen war und es eben sein musste; wenn ich daran zurückdenke wird mir heute noch schlecht. Den betriebswirtschaftlichen Sinn oder gar meine damit verbrachten Arbeitsstunden habe ich auch konsequent bis heute nicht nachgehalten; dann hätte ich vermutlich nicht mehr schlafen können.
Mit freundlichem Gruß
BillBo
das Problem ist auch, das viele Verleiher ihre älteren Analogpulte einfach überhaupt nicht mehr warten ... mal gehen zwei Kanäle nicht, mal ein Aux nicht usw. etc. pp.
Erst vor Kurzem erst stand ich vor einem äusserst bedauernswerten MH4 (Der Besitzer will sich als nächstes ein M7cl kaufen ...), ein Kanalzug rausgerissen und mit Malerband zugeklebt, einige Kanäle kannten ihren Freund den Masterbus nicht mehr, teilweise seltsame Gain Einstellungen die ich lieber nicht näher hinterfragt habe ...
... das haben sie nicht verdient !!!!
Zitat von "rockline"
So wie wir von funktionierenden Digitalpulten reden, sollten wir auch von funktionierenden und gepflegten Analogpulten ausgehen.
Dazu braucht es aber einen erfahrenen Werkstattmann in der Firma. Da solche Leute (RFT, Elektroing. oder "alte Tonhasen", die den Umgang mit Oszi und Röhrenvoltmeter noch als Studioassis an der Bandmaschine gelernt haben) in der Regel schon aus privaten Gründen (Familie etc.) nicht als billige und ultraflexible Freelancer zu haben sind, wird in der Praxis oft entweder gepfuscht oder einfach gar nicht mehr gewartet und repariert. Und geflucht...
Bei Digitalpulten stellt sich das Problem nicht - wer ernsthaft erwartet ein solches Gerät nach 10 Jahren im Toureinsatz noch verwenden zu können hat da was nicht verstanden.
Zum Thema "Digitalpulte verwenden effektiv nur 6-10 bit Auflösung": Das lasse ich höchstens bei alten Kisten wie 01V (ohne 96) gelten, die nun wirklich nicht mehr auf den freien Markt gehören. Bei modernen Pulten mit 24bit-Bussen ist das nur eine Frage der Pultumgebung.
Die Anlage ist völlig überdimensioniert, der Masterfader dümpelt bei -35dB und es klingt dementsprechend? Controllergain runter oder Dämpfungsglied auf die Ausgänge, dann kommt auch der Master-D/A wieder in einen gesunden Arbeitsbereich.
Ich habe genügend Analogpulte erlebt, die nach 1-2 Jahren schon voll Stress machten.
Das gibt es echt immer wieder.
So wie BillBo habe ich ein PM3000 Generalüberholt.
Scheiß Insertschalter
Fadertausch usw.
Das brauch ich so alles Nimmer.
Vernünftige Große Analogpulte sind schon eher selten.
Selbst eine XL200 war ja bekannt für Ihre Macken.
Diese Argumente für Pro Analog kann ich auch nur bedingt gelten lassen .
Und schaut Euch mal so auf dem Gebrauchtmarkt um, was die großen Analogkonsolen so gerade angeboten werden, bzw um welche Preise sie eben nicht verkauft werden.
OIch kenne Firmen, die würden sich gerne Digitaltische kaufen, aber dazu wollen Sie Ihre alten Analogtische weiterbekommen.
Und die gehe nicht um einen akzeptablen Preis weg.
Damit gibt es keinen digitalen.
Und weil die Kunden das wollen, müßen sie ihn immer anmieten.....