ZitatWenn man eine gewisse Lautstärkevorgabe bekommt und am Anfang feststellt, dass man gut damit klarkommt, warum werden dann soviele Soundleute trotzdem immer lauter,
Wie immer mit angemessener Verspätung:
Es gibt noch einen ziemlich banalen Grund: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Du hast Deine Vorgaben. Als Vertreter des Veranstalters oder ‚Hauptacts’ (was in diesem Fall das selbe war) lauten die: alle Anderen so klein wie möglich halten, damit wir am Ende mit Abstand als die Größten dastehen.
Als Vertreter meiner Band habe auch ich meine Vorgaben. Und die lauten: ignorier das nach Kräften.
In der Szene, um die es hier ging, steht Lautstärke (noch immer) hoch im Kurs. Spätestens seit den Zeiten von Tourneen, bei denen alle Bandnamen mit ‚R’ anfingen, müsstest Du das ja ganz gut wissen :D. Dort gehört es fast zum guten Ton, die Vorgaben (egal welche) zu verletzen; wenigstens ein ganz kleines bisschen. Zumal wenn man weiß, von welchem Bassisten die kommen. Und dort agieren auch tatsächlich nach wie vor Künstler, die ihrem Mischer ganz unmissverständlich antragen „Hol alles raus, was geht; wenn jemand Ärger macht, schick ihn zu mir“.
Mit dem belgischen Kollegen, der nach mir dran war, dürftest Du deshalb zum Beispiel einigen Spaß bekommen haben. Bei dessen ‚gesetzlosem’ Chef weiß ich, dass das genau SO läuft.
Vernünftig oder nicht – wer ab und zu gerne mal seine Tagespauschale in 1 1/2 Stunden erwirtschaftet und den Rest der bezahlten Zeit dann in behaglichen Hotelzimmern oder bei aufmerksamen italienischen Gastronomen verbringt, erfüllt dafür mitunter auch allerlei seltsam anmutende Kundenwünsche. (Andere sind bei der Lautstärke skrupelhafter, versorgen stattdessen ihren ‚Star’ vom ersten bis zum letzten Ton mit einem simplen 4/4 Takt Wallewalle – Echo. Wenn’s denn gewünscht ist – warum nicht? :roll:).
Kunst oder gar R&R ist nicht vernünftig; wird es nie sein, egal, was wir hier schreiben. Das Überschreiten von Regeln und das Nichteinhalten irgendwelcher Vorgaben sind beiden sowohl unverzichtbares Bedürfnis wie auch deren integrale Bestandteile. Allemal näher am Pokerspiel als an politisch - technischer Korrektheit. Mitunter agieren da auch Oberliga - Festivalveranstalter, die – hm, hüstel - vergessen, ihren Headlinern die Vorkasse zu überweisen. Und die dann völlig überrascht sind und es ganz doof finden, dass die wegen vertraglicher Differenzen
nicht wenigstens mal vorbeischauen mögen.
Hat sich überhaupt nichts geändert seit den 80ern. Großes Kasperletheater. Und wir alle spielen mit.
Mit freundlichem Gruß
BillBo