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Beiträge von billbo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 18. Juni 2008 um 11:36
    Zitat

    teilweise seltsame Gain Einstellungen die ich lieber nicht näher hinterfragt habe ...


    Man mag ja auch seinen örtlichen Partner nicht gleich unnötig brüskieren. Schließlich braucht man ihn nachher noch; für all das, was beim Line Check später überhaupt nicht mehr funktionieren will.

    Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen, die „really very, very last show“ auf dem 8000er Hauspult des Camdener ‚Underground’ (einem schwarzen Clubloch, was so ist wie es heißt; wo man in einer bestimmten Szene und mit einem bestimmten (Nicht-) Status aber spielen muss, wenn man ‚London’ auf seinem Tourplan stehen haben will) bestreiten zu dürfen. Nach einem halben Tag Bastelei und Flucherei kam ich auf 17 bedingt spielbare Kanäle und, da das Ergebnis ja irgendwie auch wieder raus musste, auf die Subgruppen 3 und 8. Da war’s echt hart an der Grenze mit Galgenhumor und englischer Höflichkeit. Obwohl der freelancende örtliche Betreuer persönlich natürlich nichts dafür konnte, der war zu dem Job ja auch bloß mit Geld bestochen worden.

    Heute steht dort m. W. ebenfalls ein MH3 oder 4, über dessen Zustand ich auch lieber überhaupt nichts wissen möchte.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 17. Juni 2008 um 23:04
    Zitat

    So wie wir von funktionierenden Digitalpulten reden, sollten wir auch von funktionierenden und gepflegten Analogpulten ausgehen.


    Digitalpulte sind digital – in jeder Hinsicht. Sie funktionieren. Oder nicht.
    In Analogpulten arbeiten tausend kleine analoge Oxydschichtteufelchen. Und sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen ‚voll funktionsfähig’, ‚kann man noch anbieten’, und ‚geht eigentlich nicht mehr’ ebenfalls sehr analog verlaufen.
    Die Antwort „im Ernstfall ist mir ein Pult, was gerade mal noch so zu vertreten ist, viel lieber als eins, was überhaupt nicht funktioniert“ akzeptiere ich und nehme sie deshalb vorsichtshalber mal vorweg. :D

    Ich habe 2 mal im Leben ein großes Analogpult generalüberholt. D.h., unter anderem sämtliche im Signalweg liegenden Schalter getauscht. Einen alten 32er 800b, eine Herzensangelegenheit, weil der P&G – Fader hatte; das ging noch so. Und einen 40 – Kanal PM3000, weil der so teuer gewesen war und es eben sein musste; wenn ich daran zurückdenke wird mir heute noch schlecht. Den betriebswirtschaftlichen Sinn oder gar meine damit verbrachten Arbeitsstunden habe ich auch konsequent bis heute nicht nachgehalten; dann hätte ich vermutlich nicht mehr schlafen können.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 17. Juni 2008 um 21:40

    @ rockline: Dein Post liest sich erst mal ganz schlüssig, und mag in vielen Fällen im Moment auch noch zutreffen. Ausgerechnet mit Deinem 200er Beispiel liegst Du jedoch, glaube ich, auch heute schon nicht mehr so ganz richtig.
    Mir sind in jüngerer Zeit einige BAs untergekommen, in denen werden 200er explizit ausgeschlossen. Dieses oder jenes Digitale, gerne auch Midas, Soundcraft oder Yamaha analog plus entsprechendem Outboard. Aber auf gar keinen Fall ein 200er. Und das hat für mich auch vollkommen nachvollziehbare Gründe.

    Diese (und andere) Kisten mögen für viele ehrfurchterweckende Legende sein. Aber fast alle davon haben ein Vorleben, das sich gewaschen hat.
    Angeschafft von einer ‚Major Company’, und dann 5 oder 10 Jahre lang nonstop auf R&R – Tour. 300 Tage im Jahr Kopfsteinpflaster, extreme Temperaturschwankungen, extreme Luftfeuchtigkeit, und Stagehands, die gerne Feierabend haben möchten. Danach ein paar Jahre ungeheiztes Außenlager mit gelegentlichen b und c Jobs. Schließlich abgestossen an einen mittleren lokalen Beschaller, der bis zum ersten ernsten Einsatz glaubt, das Schnäppchen seines Lebens gemacht zu haben. Und es danach bei nächstbester Gelegenheit still und heimlich in irgendeiner R&R – Tropfsteinhöhle als „amtliches Hauspult“ entsorgt. Und selbst dort werden sie inzwischen nach und nach ausgemustert.

    Ich könnte Dir in Deutschland (oder auch weltweit) auf Anhieb eine ganze Reihe von bekannten, stark frequentierten Standard – Tourneevenues nennen, in denen ich es mit 200ern zu tun hatte, die ich wenn möglich nie-nie-nie-nie-nie wieder sehen möchte (aber natürlich werde ich das hier nicht tun :D. Und natürlich werde ich das eine oder andere davon wieder sehen :?). Wenn diese Gigs auf einem Tourplan auftauchen kriege ich Angst, und erinnere mich an verzweifelte Kämpfe mit Geräten, bei denen jeder 2. Kanalzug nur noch unter grenzwertigster Ausnutzung der Gainstruktur und mit gelegentlicher Betätigung des Phantomschalters während der Show (mir doch egal, ob es auf der Bühne knallt und kracht; der örtliche Monitorer wird schon wissen, warum) vorübergehend wiederbelebt werden konnte. Bis er vor dem nächsten Song halt erneut aussetzte.
    Ein Hardcoremetalkonzert ziehe ich auf diese Weise noch einigermaßen unbeeindruckt durch und betrachte das als sportliche Herausforderung. Aber ein zartes Mädel, das am Flügel oder an der Akustikgitarre seinen Weltschmerz ins Mikro haucht? Nein, dann doch bitte lieber ein LS9.

    Natürlich gibt es auch rühmliche Ausnahmen. Liebevoll gepflegte und/ oder restaurierte Einzelstücke, mit denen das Arbeiten Freude macht. Aber es sind (immer seltener werdende) Ausnahmen.

    Die Kisten (und nicht nur die 200er) sind alt. Die Zeit arbeitet gegen sie – und ist dabei so gut wie abgelaufen. Der Wechsel passiert genau jetzt, genau vor unseren Augen; auch wenn manche das immer noch nicht wahrhaben wollen. Und er geschieht, das sehe ich ähnlich (und ähnlich überrascht) wie Klauston, mit erstaunlicher Geschwindigkeit.

    Und abschließend fällt mir dazu eigentlich nur noch Gorbatschow ein.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

    P.S.: Oha, so schnell, wie’s hier ganz ernsthaft zur Sache geht, bin ich einfach nicht. Aber jetzt habe ich mir so viel Mühe gegeben – dann soll’s auch bitteschön noch hier rein.

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 17. Juni 2008 um 14:21
    Zitat

    Es ist ohnehin die Frage, wer das hört, ob der Kompressor gut ist oder nicht.


    So lange zumindest mal der hoch dekorierte Operator bemerkt, ob der Insertschalter gedrückt ist oder nicht, befinden wir uns da noch im dunkelgrünen Bereich.

    Zitat

    Mehr hab ich jetzt hierzu auch nicht zu sagen da die Disskusion einfach Albern ist.


    Sie beschäftigt aber immer noch sehr viele direkt Betroffene, und ganz offensichtlich besteht deswegen allenthalben immer wieder auch noch erheblicher Diskussionsbedarf. Wo ginge das besser, als in einem solchen Forum?

    @ C. Hafer: ich habe noch vor gar nicht allzu langer Zeit so argumentiert wie Du. Und ich verstehe dein Unbehagen über „immer billiger, immer rationeller“. Was ich nicht verstehe, ist die dabei durchscheinende Larmoyanz. Denn was wäre die Alternative?
    Das erinnert so ein wenig an alte Diskussionen über den bösen Kapitalismus mit seinem unmenschlichen Wettbewerb und die hehren Ideale der sozialistischen Internationale. Deren Realität war der real existierenden Sozialismus der 70er und 80er; praktizierter Staatssubventionismus. Dort würdest Du vermutlich noch heute mit 'Vermona Musikerverstärker' arbeiten müssen. Mit diskreten Klangstellern für Diskant und Bass in jedem der 6 Mikrofoneingänge. Sowie Schalter für Echo ('voll', 'halb', 'aus') im Ausgangsteil.
    Ich hatte dann ein paar unschöne, weil unerwartete Kontakte mit der digitalen Wirklichkeit. Und musste feststellen, dass es tatsächlich ein unbehagliches Gefühl sein kann, als bezahlter Experte vor einer neuen Technologie zu stehen, von der man keine Ahnung hat. Da ich aber noch ein paar Jahre von meiner Arbeit leben will und muss, blieb und bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich da rein zu arbeiten.

    Und siehe da – seither fallen mir täglich neue, ganz praxisorientierte Argumente für die anfangs abgelehnte 'künstliche' Welt der digitalen Bedienoberflächen ein:

    - ich finde es toll, dass mein Arbeitsgerät jetzt in den Twingo – Kofferraum passt, statt wie früher in den Kleintransporter (oder in den Kleintransporter, statt wie früher in den 7halber)
    - ich finde es toll, dass ich alle Funktionen meines Arbeitsplatzes (inclusive des Intro – Abspielgerätes) im Radius von 50 Zentimetern direkt unter meinen Fingern habe, statt wie früher im Dunklen nach dem Inhalt schlecht beleuchteter, in Kniehöhe aufgestellter Kisten forschen zu müssen (sofern es den in gewünschter Form überhaupt gab)
    - ich finde es toll, mit der Gewissheit zu mischen, dass zwischen dem Mikro und meinem Ausgangssignal keine 10.000 Schalt – und Schleifkontakte, Insertbuchsen, Patchfelder, Bussstecker, u.Ä. mehr lauern. Von denen selbst neu aus dem Karton immer ein paar Ärger machten; geschweige denn dann, wenn die Kisten ein paar Jahre auf dem Buckel hatten
    - ich finde es toll, wenn die mindestens 2x jährlich fällige Generalreinigung einer XL3 – oder PM4000 – Oberfläche demnächst ausfällt. Das bedeutete, wenn man es ordentlich machen wollte, bisher immer tagelange Arbeit. Da ist mir Files schreiben schon lieber
    - ich finde es toll, wenn mein Frontplatz beim Disco – Changeover innerhalb von 2 Minuten abgebaut ist, statt wie früher im dunklen Getümmel nach Stagehands brüllend 100-Kilo-Deckel über 250-Kilo-Kisten stülpen zu müssen. Und weg war er dann noch lange nicht...
    - ich finde es (im Fall Yamaha) toll, gleich mindestens 4 SPXe standardmäßig zur Verfügung zu haben. Das waren schon immer meine R&R – Lieblingswerkzeuge
    - ich finde es toll, dass ich meinen Arbeitsplatz im bestuhlten Theater problemlos dort installieren kann, wo ich es für richtig halte. Ohne mit Veranstaltern und Hausmeistern über den Ausbau ganzer Stuhlreihen diskutieren zu müssen; mein Bedarf nach Schreierei während des Aufbaus war nämlich schon vor 15 Jahren hinreichend gedeckt
    - ich finde es toll, mal ein ganzes Konzert mischen zu können, ohne auch nur ein einziges Mal den Rücken von der Lehne des Chefsessels lösen zu müssen :cool:

    Soll ich weitermachen :roll:?

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 16. Juni 2008 um 18:11

    Bemerkenswert ist doch, dass sich (abgesehen von ein paar 'So-gut-wie Rentnern') vor allem eine ganz bestimmte Gilde mit Händen und Füßen gegen die Realität sträubt. Die will ich mal die 'mittlere Coverbandliga' nennen (ich mische selbst oft auch Coverbands und kann daher mitreden :D). Leute, die in ihrem Bereich einigermaßen beschäftigt sind und auch einigermaßen was drauf haben, denen aber mangels (vielleicht auch internationaler) Erfahrung der Überblick über das fehlt, was in sehr verschiedenen Szenen und auf Baustellen sehr unterschiedlicher Größenordnung zur Zeit vor sich geht. Und die deswegen ihre eigene Bedeutung mitunter nicht so ganz korrekt einzuschätzen vermögen.
    Ein sinngemäßes Zitat dazu aus der (sehr nett geschriebenen und äußerst lesenswerten) Rubrik 'The Old Soundman' des englischsprachigen ProSoundWeb: „Boy, ich war in ausverkauften 10000er Konzerthallen der veranwortliche Tonmann. Und glaub' mir, ich hatte dort letztendlich weniger zu melden als der Pförtner.“ :D

    Es ist eine Sache, ob ich als „nur“ Bandmischer von irgendjemandem irgendetwas einfordere – in diesem Fall den bequemen, angenehmsten, weil mir seit langem vertrauten persönlichen Kurzzeitarbeitsplatz. Es ist ein völlig anderes Ding, wenn ich bei einer Firma/ Unternehmung/ Arbeitsgemeinschaft/ einem Projekt o.ä. in direkter wirtschaftlicher Verantwortung stehe und entscheiden muss, was der ökonomisch sinnvollste und daher am Ende einzig gangbare Lösungsweg ist. Da MÜSSEN mir die persönlichen Vorlieben (die ich vielleicht sogar teilen mag) des einen oder anderen mir im Regelfall unbekannten Tontechnikers im Zweifel völlig egal sein, sofern sie mit unnötigen Kosten einher gehen. Sonst bin ich früher oder später pleite.

    Wenn ich heute als Tontechniker ernsthaft darauf beharre, eine 24Kanal Coverband in einer Standardsituation nicht mit einem M7 oder LS9 angemessen bedienen zu können, bewege ich mich beruflich auf äußerst dünnem Eis. Veranstalter wissen heutzutage, dass das damit geht!
    Und die reden gegebenenfalls Klartext mit ihren Vertragspartnern. So sieht's technisch bei uns aus; wenn das (für Euren Tonmann) ein unlösbares Problem darstellt, sehe ich folgende Möglichkeiten:
    - er lernt bis dahin, damit zu arbeiten,
    - ich besorge den Analogplatz, und ziehe Dir die Kosten von der Gage ab,
    - Du lässt Deinen Tonmann zuhause. Vom eingesparten Betrag zahle ich meinem Technikprovider einen Hunni zusätzlich; dafür kriegt der das bisschen ABBA - oder 80s – Mucke Mischen auch allein hin,
    - ich mache die Sache mit einer anderen Band. (Veranstalter, die für regelmäßiges, korrektes und nachhaltiges Arbeiten bekannt sind, verfügen über ein unerschöpfliches Reservoir an unaufgefordert erhaltenen Künstlerinfos. Es gibt viele da draußen, die alle gerne mitspielen möchten).

    WIR müssen uns der technischen Entwicklung stellen; die wartet nicht auf uns und schert sich auch nicht um unsere persönlichen Vorlieben oder Vorbehalte. Unseren Enkeln dürfen wir später mit leuchtenden Augen von sagenhaften Erlebnissen mit 1000 Kilo XL4 – Frontplätzen erzählen. So, wie Opa immer von seinen Fahrten auf der Dampflok Baureihe 01 geschwärmt hat. E-Loks sind dagegen alle neumodischer Mist.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Was machen, wenn man Bands hat, die einfach nicht gut klinge

    • billbo
    • 13. Juni 2008 um 13:18

    Diese letzte Statement kann ich mal zu 100 Prozent unterschreiben.
    Schule ist zum Lernen da!

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 13. Juni 2008 um 13:11
    Zitat

    Analog-Pulte bleiben solange wettbewerbsfähig, wie eine ernsthafte Nachfrage danach besteht.


    Definiere 'ernsthafte Nachfrage'.

    Für mich heißt ernsthafte Nachfrage, dass der ernsthafte Nachfrager ein schlüssiges Konzept für die Begleichung des aus seiner Nachfrage resultierenden finanziellen und organisatorischen (Mehr-)aufwandes vorweisen kann. Oder über ein dickes Portemonaie verfügt.
    Natürlich ist es legitim, dies aus der Perspektive des Bandmischers völlig anders zu sehen. Als solcher habe (oder sehe) ich Probleme nicht, die andere Beteiligte aber durchaus haben mögen.
    Und spätestens, wenn der Gig oder gar die Tournee abgesagt ist („ist uns zu viel Aufwand“), habe auch ich ein ganz konkretes Problem.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Festivalpulte analog oder digital 2008

    • billbo
    • 12. Juni 2008 um 23:29

    Na gut, ich auch schnell noch, bevor’s wieder wegen OT geschlossen wird:

    Als Toni weine ich der Analogzeit mehr als nur eine Träne nach. Zumindest, wenn es um die Situation ‚spontan agierende Band auf der Bühne und FOH 15 oder 50m davor’ geht; dabei vergesse ich auch gerne, dass das bei der Vielzahl möglicher Veranstaltungsarten mit Ton heute nur eine ganz bestimmte Sondersituation darstellt. Und ich stehe oder sitze auch heute noch am liebsten hinter einem ordentlich ausgestatteten Analogplatz.

    Als mäßig talentiert kaufmännisch denkender Mensch sehe ich das schon anders. Analog ist inzwischen in allen Bereichen, die irgendwas mit Kosten zu tun haben (Anschaffung, Transport, Handling, Platzbedarf, Verkabelung, Wartung) eklatant unterlegen, ohne zum Ausgleich in anderen Bereichen zählbare Vorteile zu bieten. Und damit, ganz einfach, nicht mehr wettbewerbsfähig. Gesponserte Liebhaberei darf und wird es natürlich trotzdem immer geben; auch heute noch fahren an schönen Sonntagen hin und wieder Dampfloks durch die Gegend.

    Als teilnehmender Beobachter verschiedenster Szenen stelle ich ganz wertfrei fest: es gibt sie eigentlich schon gar nicht mehr, zumindest nicht in neu.
    Nicht mehr im ernsthaften Industrie/ Galageschehen. Kein Mitglied der so beliebten Spezies Eventmanager (manchmal gibt’s die auch in kompetent und gut) würde heute noch einen massiven Techniktrumm im Publikumsbereich dulden. Er weiß ja, dass es auch anders geht.
    Schon lange nicht mehr im Bereich Theater/ Klassik und Co. Inzwischen sind dort auch die letzten analogen Cadacs Geschichte.
    Nicht mehr im Touralltag, sofern der Teil – oder Vollproduktion heißt. Jede Tournee oberhalb von Nightliner plus Hänger führt heute eigene Plätze mit. PM5, M7, I-Live, Innovason, Digico; je nach Vorliebe und Geldbeutel alles dabei. Durchaus auch mal LS9 :D.
    Nicht mehr auf dem gemeinen Krimskramsjob um die Ecke. Mit je einem 01V/96, LS9, M7 im Bestand erledige ich da heute alles, was keine Bühnenanweisungen schreibt (oder nicht gefragt wird).

    Man wird ihnen trotzdem noch eine Weile immer mal wieder begegnen. Weil sie da sind, und einmal viel Geld gekostet haben. Auf den erwähnten Linecheck Festivals etwa; dort sind sie praktisch, und dort wird die letzte Generation allmählich aufgebraucht. In R&R Live Festinstallationen, wo sie rumstehen und Geld verdienen, bis sie auseinanderfallen. Auf der Stadtfestviertbühne, weil Digital alle ist und Analog wegen Unverkäuflichkeit noch irgendwo in der Ecke steht. Zum Üben im Jugendzentrum, ohne Case und ohne Knöpfe, konserviert von einer dicken Staub und Fettschicht. Im Schützenzelt, welches seit 1980 einmal im Jahr vom selben Beschaller (Schwager des Rekordschützenkönigs) ausgestattet wird. Das 400er tat’s da immer und wird’s auch dieses Jahr tun, falls das Netzteil bis da hin doch noch wieder auftaucht.
    Und als absoluter Luxus auf der Geld-spielt-keine-Rolle/ ABBA-trifft-Beatles Welttour.

    Schön waren sie aber trotzdem.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Künstlersozialkasse

    • billbo
    • 12. Juni 2008 um 12:56

    Ein ganz wunderbares Gesetz. Genau betrachtet besagt es, dass selbständige Künstler – im Gegensatz zu normalsterblichen beruflich selbständig tätigen Menschen – von Amts wegen als Bedürftige angesehen werden, die von Natur aus nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln bzw. für ihre Sozialabsicherung Sorge zu tragen. Wer sie versehentlich mit irgendetwas beauftragt, steht daher diesbezüglich automatisch in der Fürsorgepflicht.
    Das mag sich in einer überwältigenden Zahl von Fällen ja durchaus mit der tatsächlich erlebten Wirklichkeit decken. Käme allerdings ein Wirtschaftsunternehmen auf die Idee, bestimmte Berufsgruppen ganz offiziell nach ähnlichen Kriterien zu bewerten („Klopapierlieferanten sind prinzipiell doof. Denen zahlen wir ihre Forderungen daher nicht komplett aus, sondern ein Teil des Geldes geht auf ein Sperrkonto, damit sie im Alter nicht verhungern“), wäre das ein Fall für den EU - Antidiskriminierungsbeauftragten.

    Natürlich möchte seither jeder gerne hauptberuflich Künstler sein. Auch, wenn er lediglich im Fließbandverfahren grenzdebile Reklametexte verfasst, anderen Menschen beim Anlegen von Theaterschminke behilflich ist, oder nachts aus Text – und Grafikfertigbausteinen Webseiten zusammenbastelt. Ist doch prima, wenn ich als Selbständiger die Hälfte meiner Sozialabgaben nicht selber löhnen muss, sondern meine Kunden (und damit ‚die Allgemeinheit’) dafür aufkommen lassen kann. Und das auch noch völlig legal.

    :idea: Ist das Stapeln oder Untereinanderhängen von Tonmöbeln zu ästhetisch mehr oder weniger ansprechenden Gesamtgebilden (Kunst liegt sicherlich auch hier im Auge des Betrachters) nicht eigentlich auch eine in hohem Maße künstlerische Tätigkeit? Den offiziellen Status als teilunmündiger Halbidiot wäre ich dafür bereit, inkauf zu nehmen.
    Mal schauen, was sich da machen lässt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Wörterbuch für Veranstaltungstechniker

    • billbo
    • 11. Juni 2008 um 00:17

    „European Tour“

    Im Klartext: Drei oder vier große Festivals, wo man aus Mitleid auf einer der Nebenbühnen nachmittags um halb drei für 35 Minuten ein bisschen mitspielen darf. Zwei kleinere ‚Headliner’ – Festivals, von denen bei einem die eigens gegründete GmbH schon vorher insolvent ist. Sprich: cancelled. Beim anderen weiß man nicht so genau („kann auch ein Problem bei der Telekom sein“).
    Zwischendurch ein paar Füllgigs, damit die Band sich nicht die ganze Zeit in teuren Hotels rumlangweilt. Stattdessen zu Gast bei stocksauren Clubchefs, die sich einst in einem leichtsinnigen Moment zu dieser Nummer hatten bequatschen lassen und seither vergeblich versucht haben, da irgendwie wieder raus zu kommen. Große Begeisterung über Top Technik und Hammer Catering. Die Umstände sind einfach gegen uns. Wer geht denn bei dem Wetter auch schon auf ein Konzert?

    Die Steigerungsform: „Tournee aus gesundheitlich bedingten Gründen verschoben“

    Will heißen: Künstleragentur, Tourveranstalter und Örtliche haben endlich realisiert ‚das Thema interessiert im Moment keine Sau’. Auf einer privaten Krisenkonferenz im kleinen Kreis in letzter Minute die Notbremse gezogen und beim Vertrauensarzt des Künstlers ein Blankoattest über schwere Stimmbandentzündung/ Burnout Syndrom/ allgemeinen schweren Erschöpfungszustand erworben. Nachholtermine werden rechtzeitig bekannt gegeben.
    There’s no business like show business; "selbstverständlich seid Ihr beim nächsten Mal wieder mit dabei". Sicher.

    (Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder bereits verstorbenen Personen wären :cool: rein zufällig und sind keinesfalls beabsichtigt.)

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Wörterbuch für Veranstaltungstechniker

    • billbo
    • 10. Juni 2008 um 12:39
    Zitat

    oft überlebenswichtiges Detail bei Hotel-Übernachtungen nach Rock'n'Roll-Jobs


    ...welches in jedem Hotel, egal welcher Kategorie und wo auf der Welt, ab ca. acht Uhr morgens von der örtlichen Zimmeraufbereitungscrew vollkommen selbstverständlich und auf sträflichste Art und Weise ignoriert wird.

  • Einfuhrbestimmungen und Tips für Brasilien

    • billbo
    • 9. Juni 2008 um 17:34

    Ziemlich korrekt, die Tipps des Herrn Sanner.

    Das mit dem Visum ist wichtig, oder Du brauchst sehr gute Nerven bei der Einreise. Und die Adresse eines guten Freundes, der Dich für ein paar Tage eingeladen hat.
    Wenn Du unbedingt was mitnehmen willst (würd' ich mir gut überlegen): gut versichern! Der eine oder andere Bodendienstmitarbeiter von südamerikanischen Flughäfen macht auch ganz gerne mal Musik :evil:.
    Noch besser: gut tarnen. Die beste Versicherung nützt wenig, wenn Du Dein Zeug am nächsten Abend brauchst.
    Und einen Gepäcknachforschungsantrag bei einer brasilianischen Inlandsfluggesellschaft kann jeder gerne stellen. Die haben Zeit. Du nicht.

    Zitat

    Die Leute sind super


    - wenn sie bereit und in der Lage sind, etwas Anderes außer portugiesisch zu sprechen. Falls nicht, kann’s ein wenig anstrengend werden. Das merkst Du dann schnell.

    Zitat

    und man sollte mal in eine Churasceria gehen.


    Churrascaria, bitteschön :D.
    Wenn Du das richtig auskosten willst: mindestens 24 Stunden vorher nichts Großartiges essen.
    Wenn Du das richtig ausgekostet HAST, ist in den nächsten 24 Stunden an ernsthafte Nahrungsaufnahme eh nicht zu denken.

    Viel Spaß!

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Unworte der VT-Branche

    • billbo
    • 9. Juni 2008 um 14:59

    Weil die Festivalsaison gerade angelaufen ist: „Industry standard microphone set“.

    Früher hieß das mal: Wir haben alles Wichtige in ausreichender Menge am Start, macht Euch keine Sorgen.
    Und das war dann meistens auch so.

    Heute, wo jeder jedes Angebot fünf mal abgeschrieben hat, lautet die korrekte Übersetzung in vielen Fällen: Du gehst uns mit Deiner Truppe hier dermaßen was am A.... vorbei, dass wir frühestens 5 Minuten vorm Changeover mal kurz Deinen Rider überfliegen. Es gibt das, was übrig ist; wenn Du Sonderwünsche hast, bring 's gefälligst selbst mit.
    Und das sollte man dann auch tunlichst so handhaben. :D

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • T.C. oder Lexicon pcm 70 oder 90 ???

    • billbo
    • 6. Juni 2008 um 12:49

    Sehr schöne und treffende Beschreibung der schnöden Wirklichkeit.

    Denn so sieht's denn ja meistens tatsächlich aus: 'Plate' oder 'Vocal 2'? 'Gymnasium' oder 'Concert Hall'?
    Könnte man nicht auch aus 'Rich Plate' was Schönes basteln? Egal. Mach hin, die Band will essen gehen.

    Und falls beim Einschalten 'Version 3.0' im Display erscheint: bloß nichts anmerken lassen. Auch wenn klar ist, dass die Effektplanung für diesen Abend streng genommen zunächst einmal als gescheitert angesehen werden muss. Wo parkt jetzt eigentlich der Bus mit dem 4HE Notrack?

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Funktionen, die niemand braucht...

    • billbo
    • 5. Juni 2008 um 11:15
    Zitat

    Gehen die Peavey-Mannen davon aus, dass Otto-Normalmixer seinen Kram Mono auf die PA gibt


    Peavey ist ein US - Hersteller. Und dort sind Mono - Beschallungen (ALLER Größenordnungen) deutlich häufiger anzutreffen als hier.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • was macht der "KeyFilter" eines Gates?

    • billbo
    • 4. Juni 2008 um 23:40

    Da das Thema ja augenscheinlich bereits erschöpfend abgehandelt ist, bleibt mir leider :D nur mehr die Abteilung ‚Despektierliches’:

    Noise Gates mit Key Filtern sind in der Praxis vor Allem ein ziemlich untrüglicher Hinweis auf die tontechnischen Fähigkeiten ihrer Bediener.

    Von 20 bedeutenden Bandmischern mehr oder weniger bedeutender Rock und Pop Acts, die mir nacheinander unterkommen, bin ich mir bei dreien oder vieren nach wenigen Sekunden sicher: wow, der hat’s wirklich drauf. Der weiß, was er da erreichen will, und wie er das in wenigen Sekunden hinkriegt.
    Bei fünf oder sechs weiteren bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Die drehen da hie’ und da mal so ein bisschen dran rum, weil sie halt da sind. Manchmal erfolgreich.
    Bei den übrigen zehn bin ich mir dafür dann wieder ganz schnell sehr sicher. Aber als halbwegs höflicher Mensch sag’ ich erst mal nix, sondern bereite mich darauf vor, später notfalls heimlich ein wenig Schadensbegrenzung zu betreiben, während der Kollege vorne mit Gesang und Gitarren kämpft. „Darf ich Dir am Anfang bei den Gates ein wenig unter die Arme greifen :roll: ?“

    Also sind Digitalpulte doch Mist. Denn da geht das nicht mehr so einfach.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • LS9, Versuch der klugen Diskussion einer dämlichen Frage

    • billbo
    • 3. Juni 2008 um 15:51

    Solche Preisgegenüberstellungen sind natürlich immer genau so willkürlich wie der Einsatzzweck, auf den sie im Einzelfall bezogen sind. Ich halte mal dagegen; ebenfalls auf fiktiver Bruttobasis.
    8990,- Euro: das sind 4x SPX 2000, 2 ordentliche 4-fach Gates, 6 – 8 Lieblingskompressoren, sowie die Kisten und die Verkabelung dazu. Akzeptable 31 – Bd. - EQs passen schon kaum noch ins Budget. Und - ach ja, ein Pult brauche ich ja auch noch.
    Und allein, wenn ich mir die Ein – und Ausgangangs – Eq – Möglichkeiten anschaue, sind ein Soundcraft GB2 oder gar irgendein Allen & Heath GL keine geeigneten Vergleichsobjekte. Da müsste dann MINDESTENS ein MH4, ein H1000, oder ein ähnliches Kaliber herhalten.
    Selbstverständlich blieben auch damit Features wie Ausgangsdelays, Speicherbarkeit, teilweise frei konfigurierbare Arbeitsoberfläche, variable Busstruktur, und noch ein paar andere Kleinigkeiten unberücksichtigt.

    Am Ende wirtschaftlich entscheidend ist (neben Lagerung/ Transport) die Vielseitigkeit. Heute die Stadtfestband mit 6 Monitorwegen vom FOH, morgen 6x Stereo In Ear + Sidefills und Shaker, ab übermorgen der eigene FOH – Platz auf Clubtour unterm Nightlinerbett. Für alle Fälle, neben der Notmikrofonie.
    Wenn ich das alles mit gegebenem Budget analog stemmen will, fehlt mir da leider eine komplette Null!

    Da werden dann auch hartgesottene Analogfans schwach :D.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • LS9, Versuch der klugen Diskussion einer dämlichen Frage

    • billbo
    • 3. Juni 2008 um 01:25
    Zitat

    Ich würde auch zu einem LS9 raten aber es gibt in den unteren Klassen eben auch wenige Leute die das sicher bedienen können.


    Genau das trifft (zur Zeit noch) des Pudels Kern.
    Wie Guma in seinem LS9 – Praxisthread schon treffend bemerkt hat: hier gibt’s die Möglichkeiten eines H2000 – Platzes mit sehr, sehr respektabel gefüllten Sideracks - zzgl. einer nicht ganz ‚ungefährlichen’ Szenenspeicherung - plötzlich für ein paar tausend Euro. Damit gerät das jetzt fast zwangsläufig in die Hände von Leuten, die ab und zu Coverbands mischen oder bei ‚Mischpult’ bislang maximal an ein DJM 600 dachten und sich gerade überlegen, wie sie in Zukunft „Live Acts“ bedienen sollen, die mehr als zwei Mikrofone gleichzeitig brauchen.

    Dass das in vielen Fällen zunächst gründlich in die Hose gehen kann und wird, sollte niemanden verwundern.

    Zitat

    das LS9 ist ein tolles pult für:


    - Veranstaltungen, die wirtschaftlich funktionieren müssen. Und wo den Tonler deshalb niemand fragt, ob er lieber hinter einer großen, schönen Lila FOH - Burg steht, wenn klar ist, dass er mit einer hässlichen, grauen 20 – Kilo – Bedienoberfläche (fast) das gleiche Ergebnis erreichen kann.
    Leider :cry:

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Pulteinstellungen abgleichen LS9 - M7

    • billbo
    • 2. Juni 2008 um 23:51
    Zitat

    Zumindest hat das LS9 z.B. schon keine Key-Filter mehr, die vermisst man bei kritischen Gate-Situationen schnell.


    Gewagte Aussage! :)

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

  • Unworte der VT-Branche

    • billbo
    • 1. Juni 2008 um 11:49
    Zitat

    Ja, vor allem, wenn man schon mal mit Ihr gearbeitet hat
    :D


    Fräulein Kerner hat sich eben die spontane Emotionalität, die eine Künstlerpersönlichkeit auszeichnet, bis heute bewahrt.

    Mit freundlichem Gruß
    BillBo

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