Also wir haben gestern auch noch einmal das Plugin getestet und unter relativ klinischen Bedingungen abgehört, was aus dem Lautsprecher mit u. ohne Plugin kam. Mikrofon war ein Schoeps Cmit 5.
Wir haben dabei zwei Ketten verglichen:
1) Bekannte Pluginkette aus EQ und normalem Expander (also keine besonderen Tools, auf der DAW war nichts anderes drauf)
2) De-Feedback, wahlweise mit Vorentzerrung durch EQ.
Fazit:
Wirklich intelligent scheint das Plugin nicht zu sein (das Wort A.I. bzw. KI ist also wieder zum größten Teil Marketing.)
Warum? In unserem Test waren die ersten beiden Feedbackfrequenzen um 468 und 280hz rum. Von einem intelligenten Tool (mit learn Funktion?) sollte man erwarten, dass diese dominanten Störfaktoren herausgefiltert werden. Stattdessen wurden die Frequenzen koppelnd drin gelassen, der relativ gut gemachte adaptive Gate/Expander von De-Feedback hat das dann immer schnell wieder runtergedrückt.
Es scheint außerdem eine Art Logik vorhanden zu sein, die Feedback nicht lange stehen lässt. Wo ein normaler Expander irgendwann durch die Ruckkopplung selbst "offen gehalten" wird, schaltet De-Feedback ab, bis wieder Stimme kommt. Das ist gut und macht das Ganze recht dummyproof.
Das Gate ansich funktioniert gut, nur ganz leise Sprachsignale wurden nicht erkannt und leicht "verschluckt".
Die größte Schwäche an dem Plugin für mich ist aber die Reduzierung der Klangqualität (und die findet definitiv statt). Bei Strength 100% klingt das ganze leicht modulierend (hat man auch als Sprecher direkt gemerkt), teilweise wird man von den Artefakten her an eine Art Geräuschunterdrückung aus den bekannten Zoom etc. Meetings erinnert. Und das schließt das Plugin für mich momentan für einen musikalischen Einsatz aus.
Beim Umschalten zum Signal mit der "traditionellen Kette" fiel direkt auf, dass der Klang deutlich offener und feiner in den Höhen wurde.
Das beste Ergebnis in Bezug auf die Koppelfestigkeit erhielten wir, als wir den vorher "eingepfiffenen" EQ auf den De-Feedback Kanal legten und anschließend De-Feedback aktivierten. Damit ist man relativ sicher vor Rückkopplungen, allerdings muss man dann mit den klanglichen Einbußen leben (die sich in der ein oder anderen Akustik ggf. versenden könnten).
Bei Einsätzen, wo die Übermittlung von Informationen durch Sprache im Vordergrund steht (Kirche, Messe etc.) mag das ein vertretbarer Kompromiss sein.
Ich finde aber die Vorstellung merkwürdig, sich zigtausend Euro teure Lautsprecher hinzustellen, die wirklich gut klingen und dann ein Plugin in die Kette zu setzen, was die Qualität so mindert.
Für mich würde das ganze interessant werden, wenn es eine Art "learn" Modus erhalten würde (ähnlich wie das X-Feedback von Waves z.b) und die Klangqualität nicht oder weniger leiden würde.