Ich will mal hier mit gutem Beispiel vorausgehen, nachdem ich mich bei "Gumas Gucklochtour" so weit aus dem Fenster gelehnt habe und was aus der eigenen Praxis erzählen:
Vor zwei Wochen habe ich mich in einer Situation wiedergefunden, in die ich durch Gutmütigkeit geraten bin und die ich bestimmt schon 20 Jahre nicht mehr hatte. Ich war als Bandmixer in einem "Club" in Frankreich, von dem ich vorab nur wußte, daß dort ein Mackie 1604, ein dbx 31-Band EQ, ein alesis FX, ein paar shure und sennheiser micros, zwei Monitore eines inzwischen Pleite gegangenen deutschen Herstellers und eine mir unbekannte französische PA stehen würde.
Nach Ankunft sah die Lokation eher wie ein Puff aus mit einem ca 120 Leute fassenden Kellergewölbe, das dank guter "Polsterung" eine sehr ordentliche Akustik hatte.
Der FOH-Platz entpuppte sich als ein sehr abenteuerlich verkabeltes, unbeleuchtetes Alleinunterhalterrack dessen "amtlichster" Inhalt das in Frankreich vorgeschriebene, abschließbare Pegelbegrenzungsmodul war. Der etwas schmierige Kneiper sah mich sehr verständnislos an, als ich ihm erklärte, ich wolle das Teil in die Mitte rücken und noch ein paar "Kleinigkeiten" daran anschließen.
Während ich die zwei bandeigenen Monitore and die überaschenderweise vorhandene LAB Endstufe anschloß, fasste ich den Entschluß meine mitgebrachte Peripherie im Auto zu lassen und mir erst mal die PA anzuhören. CD Player an und folgendes Ergebnis: Supergeile Bässe aus zwei Original Klipsch 18" Reflektoren aber grauenvoll uneqalisierbare trötende, klirrende Mitten und Höhen aus einem undefinierbaren Französischen Machwerk ( hat mich irgendwie an meine Karlsruher "Lieblingsfirma" erinnert, war aber doch noch ne Ecke schlimmer ) Nach einem bescheidenen Versuch mit dem dbx das Schlimmste zu "entzerren" dann der Plan B: Ich wollte von dieser PA so wenig wie möglich verwenden.
Ich erinnerte mich mal wieder an die Regel "So wenig offene Mikrophone wie möglich" und beschränkte mich seit 15 Jahren zum ersten Mal wieder auf die unvermeidlichen drei SM58 für Gesang, ein für mich ungewohntes Sennheiser evolution Bassdrummicro, das sich auf dem Klipschbass ziemlich gut anhörte, ein ( mono ! ) shure kondenser overhead, ein 604 clip für cajun, ein DI für Sampler und zwei DIs für akustische Guitarren. E-Gitarre, E-Bass sowie das übrige Drumset und vor allem die Snare blieben ohne Mic !!!!!
Ergebnis: Der Sound war sehr ordentlich, der "Franzosenlimiter" immer im grünen Bereich, die Band superzufrieden, der Kneiper tönte "bester Sound, den der Club je hatte" und ich hatte mich als Mixer nach dem Soundcheck überflüssig gemacht und konnte Rotwein trinken.
Lehre:
1.) Man kann mit wenigen guten Microphonen ohne Gates, Kompressoren und tolle FXe Sound machen, wenn die Band und der Mixer den Umständen entsprechend reagieren.
2.) Man kann sich als Mixer auch mal selbst eliminieren. ( Am zweiten Showtag "mischte" sich die Band alleine )
3.) Guter Backline Sound ist Goldes wert !
4.) Ich sollte wieder mal wie früher auf ein paar Kanäle verzichten, wenn die Band das mitmacht.
5.) Wer sparsam genug ist, muß im o1v den Layer nicht wechseln..... ![]()
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