Kurzhörnchen aller Art scheinen Momentan auf dem Zenit ihrer Popularität angelangt, zumindest gilt das für widerständische Zeitgenossen in diesem und anderen Foren.
Warum soll das Ganze so gut funktionieren, diese Frage stellte ich mir die Tage des öfteren, zumal auch von recht kleinen Stacks mit 3 oder 4 Kurzhörnchen in den 60x60x60 cm messenden Gehäusen geredet wird.
Unterhalb der eigentlichen Hornfunktion, und diese liegt oberhalb der 100 Hz, sind diese Kurzhörnchen eher CB's mit angeschlossenem Duct, oder je nach Bauart eben BR's. Nichts was mich jetzt besonders umhauen würde eben, im Gegenteil, solche Hörner haben ja auch zu allem Überfluss noch gehäusebedingte, stärkere Resonanzen aufzuweisen als alternative Gehäusekonstrukte.
Wo aber ist der eigentliche Vorteil zu suchen? Der Hauptunterschied liegt also im Bereich von über 100 Hz, in diesen untersten Grundtonbereichen die auch auf Brust und Magen drücken und noch viele Kleininformationen der Musik beinhalten liegt m.E. der Schlüssel.
Da das Gesamtsystem für eine ausgeglichene Wiedergabe eh entzerrt werden muss sehe ich den Schalldruckvorteil im Bereich von über 100 Hz nicht als zwingend entscheidend an, gut - etwas kleinere Membranauslenkungen vielleicht und etwas Amping eingespart.
Aber...nach mehreren Simulationen in denen verschiedene Räumlichkeiten und Aufstellungsarten (ich bin kein Simulationshöriger) komme ich nun zu dem Schluss, dass diese Kurzhörnchen im Frequenzbereich ab ca. 100 Hz aufstellungsunkritischer sind.
Soll heißen: Eine BR oder CB wird in der Regel eben hingestellt wo Platz ist, ohne zu überlegen, welche Interferenzen in welchen Bereichen zu erwarten sind. In der überwiegenden Anzahl praxisbezogener Aufstellungssimulationen passieren gerade im Bereich um die 100-200 Hz die größten Probleme durch Interferenzen, sogar komplette Auslöschungen der breitbandigen Art über fast eine ganze Oktave sind keine Seltenheit.
Die Aufstellung direktstrahlender Systeme ist hier also mit besonderer Aufmerksamkeit in Abhängigkeit der Location auszuführen (sofern möglich) um ein ideales Ergebnis zu erzielen. Gelingt dies, so ist mit einem sehr guten Ergebnis zu rechnen, welches im Druck mit den Kurzhörnchen auch mithalten kann und deutlich mehr Tiefgang aufweist. Einige haben solche Aha-Erlebnisse ja auch schon gehabt, bzw. darüber berichtet.
Die richtige Aufstellung ist aber nur mit genügend Erfahrung zu machen und teilweise oder oft gar nicht möglich da entsprechende Positionen für die Boxen vom Veranstalter vorgegeben werden. Nun, genau das ist jetzt die Crux, man könnte vielleicht wenn man wollte, aber dürfen soll man nicht.
Bei den Kurzhörnchen sieht die Sache da freundlicher aus. Durch die teilweise gerichtete Abstrahlung im Grundtonbereich verlieren sich einige der Interferenzprobleme im akustischen Umfeld, das System ist leichter aufzustellen und spielt eben in diesem Bereich präziser und direkter (lassen wir mal die Resonanzen der Gehäuse außen vor).
Umkehrschluss: Nehme ich 2 relativ breite BR-Gehäuse (>80cm) und stelle diese in schmaler V-Form (zum Auditorium hin öffnend) auf, lege darauf eine Platte oder stelle ein weiteres Boxenpärchen darüber, so hab ich vermutlich einen ganz interessanten Kompromiss zwischen interferenzunempfindlichkeit von Kurzhörnchen und der tieferen unterer Grenzfrequenz von BR und CB, ohne dabei unnütz Volumen zu verschenken.
Ballabgabe...