Nachdem ich nun schon einige Wochen fleißig etliche Forenseiten, Hersteller-Homepages etc. gelesen und durchforstet habe und nicht so recht weiter komme, wende ich mich nunmehr mit meiner Frage an die freundlichen Experten hier im PA-Forum (von denen es meinen bisherigen Eindrücken nach in der Tat ja reichlich gibt in diesem Forum) mit der Bitte um Rat.
Um möglichst gezielte Hinweise bekommen zu können, habe ich die Hintergründe und den Einsatzbereich hier etwas umfangreicher beschrieben (sorry für den vielen Text - vorab Danke für´s Lesen).
Die Situation:
Ich suche für meine Tätigkeit als freischaffender Musiker neue Boxen bzw. ein Boxen-System für das was ich gerne ¨künstlerische Beschallung¨ nenne.
Seit einigen Jahren trete ich mit eigenen künstlerischen Projekten auf, in denen ich zu Bilder-Projektionen eigener Fotografien live-Improvisationen spiele (Klarinette/Saxophon). Meistens finden diese Konzerte in Kirchen statt und gelegentlich improvisiere ich zusammen mit Kirchenmusik-Kollegen, die dann z.B. Orgel, aber auch gelegentlich Klavier spielen.
Meistens arrangiere ich aber Zuspielungen, die dann live eingespielt werden, entweder als komplett vorproduziertes Wav-File, aber mittlerweile auch lieber mit AbletonLive im Konzert jeweils neu frei arrangiert.
Die verwendeten Sounds sind: aufgenommene echte Instrumente / gesampelte Instrumente / elektronisch-synthetische Sounds / (Natur-)Geräusche.
Das Material ist nicht besonders basslastig oder bassbetont, schon gar nicht mit Druck im Bass, geht aber durchaus schon mal runter in den Subbassbereich unter 50 Hz.
Da die Projekte eher meditativ angelegt sind (bisher jedenfalls), sind die Klänge eher weich und fließend, weniger perkussiv.
Die Zuspiel-Lautstärken sind moderat, mehr piano/pianissimo als forte, nur sehr selten laute Peaks. Normalerweise spiele ich live unverstärkt dazu, es sei denn, ich verwende live-Effekte für meine Instrumente. Dann nehme ich mich über Mikro ab und gehe ganz normal über Mischpult in die PA, mache mich aber dabei nur unwesentlich lauter als ich unverstärkt klinge
(wenn nötig, kann ich "unplugged" mit der Klarinette und sowieso mit dem Saxophon einen großen Kirchenraum ausreichend füllen und auch mit einer nicht zu großen Kirchenorgel im Forte gut mithalten - in einer halbwegs druckvoll aufspielenden Rockformation würde ich aber unplugged natürlich untergehen - was in etwa die Lautstärkeebenen demonstriert).
Die Raumgrößen sind meist kleinere Kirchen, ab und zu aber auch große, ziemlich hallige Kirchen, auch schon mal Konzerträume. In jedem Fall normalerweise akustisch insofern unkritische Räume, da sie eher nicht färben. Hall ist ist für meine Projekte angenehm, wenn es mal zu trocken ist, mische ich Effekthall dazu.
Das Publikum ist immer aufmerksam und still, "klassisches" Publikum sozusagen.
Bisher benutze ich je nach Raum und möglichem Aufwand 2 HK-Audio Classic Fullrange Boxen (betagt aber in Top-Zustand) an einem Peavey-500W-Amp oder auch nur 2 kleine Yamaha MS60S Aktivboxen (habe sogar schon mal nur meine kleinen Genelec 1029A benutzt in ganz kleinem Rahmen und wenn der Aufbau "im Handumdrehen" geschehen musste, hat auch funktioniert).
Klanglich bin ich mit den Gerätschaften durchaus zufrieden und "wurschtele" mich zur Not mit einigen Workarounds durch. So ergänze ich die HK´s auch schon mal mit dem anderen Kram, wenn ich für einen großen Raum mehr Fülle brauche.
In einigen Dingen gehe ich absichtlich unkonventionell vor: da die HK´s und die MS60S für meine Ohren leicht schrill werden, wenn ich die doch mal höher aufdrehen muss, drehe ich in solchen Fällen die Boxen seitlich so aus der Beschallungsachse weg (oder kippe sie entsprechend), daß die Höhen eher indirekt abgestrahlt werden und so im Raum ihre Schärfe wieder verlieren.
Ein allzu breites horizontales Streufeld halte ich gerade für hallige Räume für problematisch, denn die haben ohnehin schon mehr als genug diffuse Reflexionen. Ein mehr fokussiertes Abstrahlverhalten scheint mir da besser zu sein. Ich nutze auch sehr gerne Stereo-Klangeffekte und die müssen auch in halligen Räumen noch gut lokalisierbar bleiben. (Außerdem würde der oben erwähnte Abdreh-Trick -sofern nötig- nicht gut funktionieren.)
Die Optik spielt eine untergeordente Rolle, klingen muss es! Wobei ich die mittlerweile recht verbreiteten schmalen Klangsäulen à la Bose L1 / LD-Maui / HK-Elements etc. durchaus chic finde, und sehr gut transportabel sind sie ja auch.
Da ich von dem Angebot, das der Markt derzeit bietet (und gute PA-Technik gibt es ja nicht erst seit gestern) nach dem vielen Lesen ziemlich verwirrt und erschlagen bin möchte ich nun hier im Forum um Rat fragen.
Dabei weiß ich durchaus, daß es für das entsprechende (Groß-)Geld super Zeugs gibt, an dem ich meine helle Freude hätte, ich habe auch etwas Einblick darin, was Rundfunkleute gerne so mit sich herum schleppen. Aber entsprechende Fohhn/Kling&Freitag/etc. Gerätschaften übersteigen leider mein mögliches Budget.
Als freischaffender Künstler ist man sowieso schon oft zu sehr Idealist, manche würden auch sagen zu blöd, und denkt nicht in erster Linie wirtschaftlich, aber mit etwas Akribie und kompetenter Hilfe sollte es hoffentlich möglich sein, in dem von mir angepeilten Preisrahmen bis ca. 2000,- € (im äußersten Fall 3000,- €) etwas zu finden, was meine Wünsche erfüllt. Die Kunst ist ja nicht, etwas optimales zu finden, wenn Geld keine Rolle spielt, sondern für vergleichsweise kleines Budget das beste heraus zu holen.
Mieten ist insofern keine Option, als ich erstens gerne die volle Kontrolle über meine Technik hätte und zweitens die jeweiligen Gagen das praktisch nie hergeben (auf meinem Level). Hinsichtlich der Amortisation denke ich da eher langfristig und so plane ich Anschaffungen immer auf eine möglichst lange Nutzungszeit hin.
Da ich meine Brötchen in der Hauptsache als angestellter Musikschullehrer verdiene und meine künstlerische Tätigkeit meinen persönlichen Ambitionen geschuldet ist und nur einen Zuverdienst bringen muss (aber nicht nur für das Finanzamt mehr als nur Liebhaberei sein soll), erlaube ich mir, so zu denken.
Hier noch einmal kurz zusammengefasst:
- 2-kanal/Stereo-Beschallung
- neutraler, transparenter, ausgewogener Sound (quasi mehr HiFi als druckvolle PA)
- saubere Bässe, eher weich und ohne fetten "Wumms" (aber ggf. erweiterbar durch Subs)
- gutes Klangverhalten bei leisen und mittleren Lautstärken, aber etwas Reserve für Fülle falls notwendig (im Zweifel lieber eine halbe Nummer zu groß als im Grenzbereich betrieben)
- kompakt und nicht zu schwer, von 1 Person mit akzeptablen Aufwand zu schleppen
- muss schnell und unkompliziert aufgebaut werden können, vor allem bei knapper Zeit (vorzugsweise Aktivsysteme?)
- kann auch gebraucht sein, muss nicht aus einer aktuellen Serie sein
- Preisrahmen Obergrenze (derzeit) angepeilt ca. 2000,- (max. 3000,- €) - sinnvolles und angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Selbstbau wäre denkbar, Holzarbeiten kann ich ziemlich gut
Gruß + vielen Dank vorab,
Jürgen