Einsatz von Simulationssoftware

  • Liebe Leute,


    ich bin gerade dabei mich in das Thema Simulation einzuarbeiten. Ich habe immer mal wieder Situationen in denen ich das Gefühl habe eine Simulation im Vorraus könnte zu besseren Ergebnissen führen (Aufbau von kleineren Subarrays, dezentrale Zonenbeschallung, Höhe und Splay von kleinen Arrays, etc...). Bisher arbeite ich mit dem Wissen um die Theorie, meinen eigenen Erfahrungswerten und dem Einsatz von Messsoftware. Ich würde aber in Zukunft gern auch hier und da mal Simulationssoftware einsetzen und würde mich sehr freuen wenn ihr zu dem Thema ein paar Erfahrungen teilen könntet.


    1) in welchen Anwendungsfällen nutzt ihr Simulationssoftware und warum?

    2) welche Software benutzt ihr?

    3) wie wichtig ist es, dass die entsprechenden exakten Herstellerdaten der Lautsprecher hinterlegt sind / was macht ihr wenn es keine entsprechenden Files gibt?

    4) wie viel Zeit verwendet/benötigt ihr für eine sinnvolle Simulation im Vorraus in verschiedenen Settings (Tour, Festinstallation, Einzelgigs)

    5) wie zuverlässig sind solche Simulationen (was kann man damit gut vorhersagen, was eher nicht?)

    6) Tipps/Tricks/Hinweise?



    Vielen Dank für Eure Antworten und beste Grüße in die Runde!


    Pfeiffe

  • meine persönliche meinung:

    ich sehe den sinnvollen einsatz solcher simulationssoftware ausschliesslich im installationsbereich.

    für tour-berechnungen ist der zeitaufwand zum erstellen der raumdaten und dem anschliessenden ausprobieren verschiedener lösungsmöglichkeiten einfach viel zu hoch.

  • Auf meinem letzten Tourblock durch verschiedene Theater habe ich Soundvision sehr effizient einsetzen können. Ein Disto mit Winkelanzeige macht die Erfassung der benötigten Raumdaten schnell und einfach.

    Zu beachten ist allerdings, daß es immer noch "nur" eine "Point and Shoot"-Simulation ist und die Raumreflexionen nicht berechnet. Sehr lebendige Räume verhalten sich dann doch deutlich anders, was man aber irgendwann berücksichtigen kann.

    Ich kann mir eine solche Tour mit eigener PA (Line Array in diesem Fall) ohne Simulationssoftware nicht mehr vorstellen. Ich wäre einfach zu langsam und zu ungenau.


  • Moin,


    meinst du die prinzipielle Simulation eines Arrays? Da gibt es doch inzwischen von jedem Hersteller die passende Software, mit der man einfach vor Ort oder vorher die Anlage vorplanen kann, auch Subaufstellungen etc. lassen sich damit simulieren. Wie machst du das denn bis jetzt ohne Software, ich kann mich nicht erinnern in den letzten 10 Jahren ein Array OHNE kurzes Rechnen gehängt zu haben.


    Lautsprecherdaten sind natürlicherweise in der Software der Hersteller hinterlegt, und wie ich finde bekommt auch meist gute bis sehr gute Ergebnisse. Natürlich kann man so nicht jeden Raum perfekt berechnen, aber besser als Pi mal Daumen hinhängen ist dasauf jeden Falll.

  • zu 1.:

    1a - Berechnen von Linearrays: idR wie von Oton geschildert mit der Software des Lautsprecherherstellers - wenn man es ohne probiert, benötigt man wenigstens SEHR VIEL Erfahrung mit genau diesem Produkt, da ein falscher Pickpoint massive Auswirkungen auf den Winkel haben kann. Bei einem 8er-Hang d&b Y z.B. kann man auf einem Meter locker zwischen HF und Nicht-HF hin und her laufen.

    Ausnahme: kleine Groundstacks für etwas Partymucke.

    1b - Dezentrale Beschallung: Vor allem wenn man nur auf eine recht begrenzte Anzahl von Lautsprechern oder Hängepunkten zugreifen kann, in der Planung die passenden Lautsprecher auswählen oder Hinternisse wie Deckensegel etc berücksichtigen muss. Die Unterschiede in der Gleichmässigkeit durch ein paar Grad Winkelung oder 1-1,5m veränderter Flughöhe können enorm sein und sind nur schwierig über pi*Daumen abschätzbar. Gerade auch im Verhältnis Tiefmittelton/Hochton.

    Ausserdem kann man im Vorfeld bereits gut erkennen an welchen Positionen Delayzeiten passen werden und wo man Kompromisse eingehen muss. Das beschleunigt die anschliessende Messprozedur ungemein.

    1c - Bassarrays

    1d - Natürlich sämtliche Mischformen


    2: idR d&b Arraycalc oder l'acoustics Soundvision. Sollte ich mal mit anderen LS planen müssen suche ich mir z.Z. im Arraycalc ähnliche LS raus, ausser wie gesagt bei Linearrays. Vllt. kommt irgendwann mal Ease dazu... Im Moment komme ich so prima klar.


    3: siehe 2.


    4: kommt auf den Job an. Das reicht von schnell mal das LA auf dem Job rechnen bis zu penibler auf den Meter genauer Vorplanung daheim. Die Kunst ist vorher zu wissen wann es gebraucht wird, leider scheinen so etwas einige Projektleiter nicht auf dem Schirm zu haben.

    Und natürlich kommt hinzu wie gut man mit der Software umgehen kann.


    5: Ziemlich genau (auf den Direktschall bezogen) - wobei beim Q scheinbar der Winkel bei gegebenem Pickpoint immer etwas anders war als vom Arraycalc angegeben. Aber bei aktuellem Material geht das richtig gut.


    6: Da idR nur eine Simulation des Direktschalls stattfindet fehlt natürlich der Diffusschall. In der Vorplanung erstelle ich daher meist noch (grobe) Wand- und Deckenflächen um sehen zu können wie stark wohl die Reflexionen ausfallen werden und in welchem Frequenzbereich; u.U. wird dann noch einmal nachgebessert.

  • ahhh sooo jaa...:/

    da hatte ich die ausgangsfrage wohl falsch interpretiert.


    ich verstehe unter "simulation" die komplexe errechnung der späteren akustik incl. der raumantworten.

    also nicht nur den pegelverlauf des direktschalls, so wie es die hilfsprogramme der hersteller machen.

    letztere programme sind natürlich durchaus hilfreich beim morgendlichen planen der für den abend benötigten situation. und bei diesen programmen hält sich auch die eingabe der raumdaten in erträglichen grenzen ;-)


    richtige simulationsprogramme wie EASE oder ULYSSES benötigen dagegen in der regel viel vorarbeit, wenn man realitätsnahe simulationen haben möchte. und die zeit hat man auf tour normalerweise eben nicht.