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Messung Richtcharakteristik (Drehteller / Messprogramm)

  • Hanseat
  • 6. August 2025 um 10:45
  • Hanseat
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    • 6. August 2025 um 10:45
    • #1

    Teil meines Mikrofonbestands sind auch einige MXL-Mikrofone (M3, V6), die ich für Aufnahmen nutze. Leider hat der Hersteller bei diesen Mikros nur ein sehr rudimentäres Richtdiagramm veröffentlicht und ich würde gern mehr dazu erfahren (und gegebenenfalls auch zu weiteren Mikrofonen).

    Daher würde ich gerne wissen, mit welchen - möglichst günstigen - Mitteln man diese Messung selbst vornehmen kann. Einen mechanischen Drehteller kann man selbst recht einfach bauen. Aber mit welchem Programm lassen sich dann Messungen sinnvoll erstellen und als Richtdiagramm (normiert auf den 0dB-Wert) erstellen? Und mit welchem Versatz (15°/30°) wäre die Messung ausreichend engmaschig um relevante "Ausreißer" entdecken zu können?

    Wenn sich mein Interesse auf wenige Mikrofone beschränken lässt - gibt es evtl. jemand hier im Forum oder einen entsprechenden Service, der das gegen eine nicht zu hohe Gebühr messen könnte?

  • secluded
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    • 6. August 2025 um 11:05
    • #2

    ...als erstes würde mir jemand aus dem Boxenbau einfallen. Da steht ja normalerweise der Lautsprecher auf dem Drehteller und das Mikro ist fest - einfach die Position tauschen, dann dreht das Mikro und der Lautsprecher ist fest.

    vielleicht mal die Forumskollegen Fux (Boxenbau) oder ralle14 (hat hier in Thread was von Drehteller erwähnt) fragen - die können viellecht weiterhelfen :) - wenn auch deren "übliches Messverfahren" dann umgedreht wäre :S

    "geht nicht" ? - gibt's nicht !

    ...ja, das war schon immer mein Avatar :evil:

    "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens" (Friedrich Schiller, "Jungfrau von Orleans" )

  • zegi
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    • 6. August 2025 um 11:09
    • #3

    Du könntest theoretisch mit einem breitbandigen Rauschen das Mikrofon vor einem möglichst linearen Lautsprecher drehen und alle 10° (oder 20°) den dB Wert der jeweiligen Frequenz rausschreiben.

    Das wäre sehr DIY, aber müsste im Prinzip funktionieren. Wichtig ist bei der Umsetzung sicher, dass der Korb des Mikrofons auf dem Mittelpunkt des Drehtellers ist, sonst verfälscht der sich verändernde Abstand die Ergebnisse.

    Nachtrag - wenn du ein, zwei ORTF Schienen hast, könntest du diese missbrauchen, um das Mikrofon exzentrisch auf ein Mikrofonstativ zu stellen. Damit könntest du sicher auch die Umdrehung simulieren.

    Der Ton macht die Musik.

  • Hanseat
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    • 6. August 2025 um 11:26
    • #4

    Auf den Drehteller könnte ich wahrscheinlich sogar verzichten. Ich habe für die beiden (Großmembran-)Mikrofone jeweils eine Spinne bzw. einen Halter, der um den XLR-Anschluss ringförmig herum montiert wird. In beiden Halterungen wäre es ja problemlos möglich, das Mikrofon zentrisch zu drehen, was die Sache deutlich einfacher macht als bei Kleinmembran-Mikrofonen.

    Dann einfach Rauschen nehmen und die Werte aufschreiben, klingt nach der einfachsten Lösung. Die Linearität des Lautsprechers solle auch gar nicht mal so wichtig sein, denn es geht ja nur um relative Werte bezogen auf die 0°-Achse.

    Allerdings würde mich noch interessieren, wie relevant möglicherweise die Akustik der Messumgebung sein könnte. Wenn das alles auf den gleichen Punkt bezogen wird, sollte diese doch eigentlich keine Rolle spielen, oder hab ich da was übersehen?

  • zegi
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    • 6. August 2025 um 11:31
    • #5

    Ich bin beim Messen ein völliger Noob. Aber bei ein paar Experimenten bei mir im Lager wurde mir klar, dass ein möglichst grosser Abstand zu schallharten Flächen wichtig ist, wenn es verlässliche Werte sein sollen.

    Im Worstcase misst du sonst die Reflexion des Lautsprechers, welche zu komplett falschen Werten führt.

    Der Ton macht die Musik.

  • Fux
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    • 6. August 2025 um 13:41
    • #6

    Ich nehme für meine Messungen meist ARTA. Support ist da ausgelaufen, dafür ist es jetzt kostenlos.

    Mache die Messung im Freien, mehrere Meter von irgendwelchen schallharten Grenzflächen entfernt.

    Gib das Messsignal auf einen ordentlich linearen Lautsprecher (Studiomonitor, also "richtige" Studiomonitore, keine Control 1 etc.)

    Montiere das Mikro auf einen Mikroständer, so dass die Membran der Mikrofonkapsel sich über der Drehachse des Mikroständers befindet. (also die Entfernung zum Lautsprecher zur Kapsel sich beim Drehen nicht verändert)

    Dann fahre Lautsprecher und Mikrofon auf Höhe (mindestens 1,5m) und bringe das Mikrofon auf ca. 50 cm Abstand vor dem Lautsprecher auf Achse, Höhe zwischen Hochtöner und Bass.

    Nimm ein Geodreieck/Winkelmesser und mache Messungen in 5 oder 10 Grad Schritten in dem Du das Mikrofon entsprechend vom Lautsprecher seitwärts wegdrehst.

    Das funktioniert so natürlich nicht bis in den Bassbereich runter (weil der Boden zu nah dran ist), aber im Bass hat das Mikrofon dann eh eher Kugelcharakteristik, so dass es egal ist.

    P.S.

    Mich wundert es aber schon, dass es bei einem Mikrofon in der Preisklasse keine vollständige Herstellerdokumentation mit entsprechend Polardiagrammen etc. gibt.

    Viele Grüße,
    Fux

  • audiobo
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    • 6. August 2025 um 13:43
    • #7

    https://www.artalabs.hr/AppNotes/AN6-ARTA-Directivity%20and%20Polar%20Measurements-GerRev2.pdf

    Man könnte alternativ auch mit REW oder anderen Programmen Einzelmessungen machen und die dann in VituixCAD importieren.

  • Ansch
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    • 6. August 2025 um 20:45
    • #8

    Hallo zusammen,

    so wie Fux das beschrieben hat funktioniert das.

    Ich habe früher einiges an Mikrofonen vermessen.

    - Für die Richtcharakteristik eben Stativ auf Drehteller bzw. verlässliche Winkelmessmglichkeit schaffen.

    - Einen Monitor als Schallquelle.

    - Der Frequenzgang ist für normalisierte Winkelmessungen nicht ganz so wichtig. Sollte aber im Übertragungsbereich ausreichend weit sein.

    - Und ja, im Tieftonbereich gibt es ein Limit in Abhängigkeit von Abstand des Mikrofons zu Schallquelle und Abstand zur nächsten reflektierenden Fläche.

    - Die Frequenzgänge jeweils wie bei einer Lautsprechermessung aufnehmen (ich verwende auch Arta). Nur dass hier eben das Mikrofon gedreht wird.

    - Die Auswertung erfolgt wie bei einer Lautsprechermessung.

    Man kann auch den Frequenzgang bestimmen, wenn ein ausreichend gutes Messmikrofon als Vergleichsnormal zur Verfügung steht. Dazu wird die Schallquelle einmal mit Messmikro und einmal mit dem zu testenden Mikro gemessen. Peinlichst auf den Millimeter identische Position der Mikrofonmembran in Bezug zur Schallquelle achten.

    Bei dynamischen Mikrofonen kann man durch Variation des Abstands zur Schallquelle auch den Nachbesprechungseffekt messen.

    Einige Abbildungen:

    1. Nomogramm zur Bestimmung von Abstand und unterer Grenzfrequenz: fug_H_Dist.pdf

    2. Beispiel eines Microtech Gefell 1/2" Messmikros einmal normal und einmal mit Nasenkonus (durch den das Mikro auch bei höheren Frequenzen noch kugelförmig funktioniert)

    3. Frequenzgangmessung SM 58 für verschiedene Abstände.SM58_fresp.pdf


    [attach=9462]

    Viele Grüße

    André

  • Hanseat
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    • 6. August 2025 um 21:28
    • #9

    Danke für den Verweis auf ARTA und die Hinweise zur Messpraxis. Das Programm werde ich mir mal ansehen.

    Das Messen von Frequenzgängen aus verschiedenen Richtungen (so wie man das bei der Rundstrahlcharakteristik von Lautsprechern macht) finde ich eigentlich ebenso gut geeignet wie ein Polardiagramm. Da hat man es dann gleich "schwarz auf weiß", wie der seitlich oder rückwärtig einfallende Schall klanglich "verbogen" wird bzw. welche Frequenzen wie stark ausgeblendet werden.

    Dafür könnte ich ja auch ein Dual-FFT-Messprogramm mit einem zweiten Mikrofon als Referenz verwenden. Wenn ich "absolute" Werte haben will, könnte ich mein EMX-7150 mit Korrekturdatei verwenden. Wenn mich relative Werte interessieren (also nur die Abweichung gegenüber der 0°-Achse), wäre als Referenz ein baugleiches Mikrofon geeignet. Korrekt?

  • TomyN
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    • 6. August 2025 um 21:52
    • #10

    Wäre eine Option. Wobei halt baugleich nicht unbedingt gleicher Frequenzgang bedeutet (wobei iSemCon da schon gut ist). Alternativ halt eine 0° Messung als Referenz und diese dann z.B als Mikrofonkorrektur anwenden.
    Wenn möglich würde ich im Freien messen, gerade weil ja die Schalleinfallsrichtung eine große Rolle spielt.

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  • Ansch
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    • 6. August 2025 um 21:54
    • #11

    Das Polardiagramm ist ja nur ein "Schnitt" bei einer bestimmten Frequenz und Darstellung in Polarkoordinaten...

    Bzgl. simultaner Messung muss man etwas aufpassen. Die beiden Mikrofone müssen eng beeinander sein und beeinflussen sich dann einander. Richtverhalten und Frequenzgang verändern sich.

    Ich würde die Substitutionsmethode (also nacheinander an identischer Position messen und im Postprocessing die Differenz bilden) bevorzugen.

  • Online
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    • 7. August 2025 um 11:28
    • #12

    mal ganz ehrlich: ich würde die mics verkaufen und durch welche ersetzen, bei denen alle technischen Daten vorhanden sind. das ist unterm strich vermutlich deutlich günstiger.

    das m3 hat ja vermutlich mal 350 Dollar gekostet, da wäre es in meinen augen sinnfrei diesen aufwand zu treiben.

    wenn du ein schönes Recording mic haben möchtest, dann schau dir mal das rnr1 an.

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  • audiobo
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    • 7. August 2025 um 12:32
    • #13
    Zitat von test

    mal ganz ehrlich: ich würde die mics verkaufen und durch welche ersetzen, bei denen alle technischen Daten vorhanden sind. das ist unterm strich vermutlich deutlich günstiger.

    Hä? Er hat ja nicht mal geschrieben, dass er ein Problem mit dem Mikro hat, nur dass er mehr darüber erfahren möchte. Es soll ja Menschen geben, die auch mal etwas Arbeit und/oder Geld investieren, nur um ihren Wissensstand zu erweitern...

    Und selbst bei Schoeps hast du keine komplette Übersicht - da gibt es z.B. eine 10kHz-Aufweitung, die aufgrund der gewählten (üblichen) Frequenzen im Oktavabstand im Polardiagramm gar nicht vorkommt.

    Und du schlägst ihm ernsthaft vor, deswegen das 350,- -Nierenkondensatorgrossmembranmikrofon durch ein 1500,- -Achterbändchenmikrofon zu ersetzen?

  • Hanseat
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    • 7. August 2025 um 14:12
    • #14
    Zitat von test

    mal ganz ehrlich: ich würde die mics verkaufen und durch welche ersetzen, bei denen alle technischen Daten vorhanden sind. das ist unterm strich vermutlich deutlich günstiger.

    das m3 hat ja vermutlich mal 350 Dollar gekostet, da wäre es in meinen augen sinnfrei diesen aufwand zu treiben.

    wenn du ein schönes Recording mic haben möchtest, dann schau dir mal das rnr1 an.

    Dann kann ich die MXLs ja auch durch irgendein Billig-Kondensator-Mic ersetzen wie das T-Bone SC-400. Dessen Daten und Graphen sind ja immerhin vollständig. Sorry, das geht an meiner Frage vorbei, genau wie die Empfehlung des Rupert-Neve-Bändchens für 1.5k€. Ich hab durchaus auch ein paar andere "schöne" Recording-Mics (UM-57, MKH-405T, MD-441...), aber die MXL sind meine "günstigen Großmembran-Workhorses", die ich in manchen Fällen lieber mitnehme als ein altes Vintage-Mikrofon.

    Tatsächlich finde ich es schon ärgerlich, dass der Hersteller so rudimentäre Infos veröffentlicht hat. Aber auch Audio-Technica glänzt da nicht so (mit nur 4 Frequenzen im Polardiagramm z.B. beim ATM-350). Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich die Mikros gern einsetze. Mir geht es darum, eine Wissenslücke schließen, weil man in Kenntnis der entsprechenden Daten manche Entscheidung zur Aufstellung noch sinnvoller treffen kann.

  • Online
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    • 7. August 2025 um 15:11
    • #15

    ich habe das mit für 900e im original zustand gekauft und original verpackt. das hat mich sicher 5 Monate suchen gekostet, aber 1500 muß man dafür nicht ausgeben.

    das m3 wird ja auch seit 2011 nicht mehr hergestellt.

    ... und vor dem Hintergrund wird die frage ob das ganze sinn macht, ja wohl gestattet sein!

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  • Hanseat
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    • 7. August 2025 um 16:23
    • #16

    Wenn ich mit einfachen Mitteln meinen Wissensdurst stillen kann, lohnt sich das für mich (!) auf jeden Fall. Meines Wissens haben Mikrofone auch kein Verfallsdatum 8)

  • Online
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    • 7. August 2025 um 18:15
    • #17

    ein Verfallsdatum nicht, aber:

    die membran altert

    der magnet altert (er verliert flußdichte)

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  • Hanseat
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    • 7. August 2025 um 21:37
    • #18

    Das ist Reife! :P

    Ne, im Ernst: Manch 60 Jahre altes gepflegtes Mikrofon-Schätzchen klingt herausragend gut, weil überzeugende Technik, echte Handwerkskunst und langjährige Erfahrung (beim Bespannen der Membranen) und "Reife" ein wunderschönes klangliches "Bouqet" hervorbringen. Niemand käme auch auf die Idee, eine Stradivari oder Guaneri gegen irgendwas neues auszutauschen, nur weil die alt sind.

    Solche Schätzchen könnten total ruiniert werden, wenn man sie "modernisiert". Daher gibt es auch Spezialisten wie Klaus Heyne oder Andreas Grosser, die sich diesen Mikrofonen vor allem unter klanglichen Gesichtspunkten nähern und sie sorgfältig restaurieren. Klaus Heyne lässt in seinem Forum Einblicke in diese Arbeit zu. Beispiel: https://repforums.prosoundweb.com/index.php/topic,37307.0.html

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