Das Problem beim momentanen Wandel der Ausdrucksweise vom halbwegs vernünftigen Satz hin zur "krassen" Jugendsprache liegt meiner Einschätzung nach auch darin, dass vielen der Unterschied zwischen dem auf Papier gedruckten bzw. geschriebenen und dem in ein Chat-Fenster reingehackten Wort nicht klar ist. Man ist ja immer noch der Ansicht, dass man nur das, "was man schwarz auf weiß besitzt, getrost nach Hause tragen kann". Und schon gibt man sich, wenn überhaupt, nur dann halbwegs Mühe, wenn das Ergebnis des eigenen Geschreibsels letztlich auf Papier landet, nicht jedoch bei einem vermeintlich flüchtigem Medium wie der ganzen Chat-Web2.0-Community-Foren-Angelegenheit.
Leider haben Internet-Dienste wie Google, Yasni, MyFace und dergleichen die Situation auf den Kopf gestellt. Ich hätte weniger Sorgen, mich einem Blatt Papier anzuvertrauen, das dann in irgendeinem Aktenordner landet, wo es im Lauf der Zeit vergessen wird und zu Staub zerfällt, als das gleiche ins Internet zu schreiben. Wenn es ein Medium gibt, das nicht flüchtig ist, dann dieses hier. Und irgendwann mal bekommt man alles, was man jemals ins Netz gestellt hat, wieder aufgetischt, und das Ergebnis davon wird dramatischer ausfallen, als wenn man sich die sprichwörtlichen alten Fotos mit den großen Koteletten und den blumenbestickten Schlaghosen anschaut.
Vielleicht ist ja diese Warnung in den Wind geschrieben, aber: Es mag ja jedem Einzelnen, der sein Gegenüber gewohnheitsmäßig als "Alda" oder in der Gruppe als "Leutz" bezeichnet, bei dem etwas nicht "funktioniert", sondern "funzt", der sich nicht mit "Material", sondern bloß mit "Mat" abgibt, völlig egal sein, was das für einen Eindruck macht. Schade ist bloß, dass es vielen Leuten, die über das weitere Fortkommen der Generation "cool&krass" ein gewaltiges Wörtchen mitzureden haben, eben nicht egal ist.
--
Jeremy