Hallo allerseits.
Zur Zeit suchen wir für ein kleines Rack mit 19"-Pult, einem Kompressor und zwei Funk-Empfängern noch einen simplen CD-Player für Zuspielungen und Pausenmusik. Wichtig ist eigentlich nur:
- 1 HE Bauhöhe
- Auto-Cue
- Zuverlässig
- Alle wichtigen Funktionen direkt am Gerät bedienbar
- wenigstens ein kleiner Anti-Shock-Puffer
- Etwaig von Künstlern mitgebrachte Fremd-Techniker, die mit der Bedienung betraut werden, sollten nur mittelbar das Gesicht verziehen (zumal der Rest vom Rack eigentlich keinen Anlass zu Kritik bieten wird)
Das Rack ist für kleinere Theater- und Kleinkunst-VAs gedacht, wo der Platz für den FOH eher begrenzt ist, daher "ein-Rack-mit-allem-drin", Stecker rein und los. Wir haben bereits einen Tascam CD-01U (ohne Pro) im Siderack für den "großen" FOH-Platz und sind mit dem Gerät soweit super zufrieden, so dass wir in der Theorie auch noch einen kaufen würden. Wenn das Ding nicht so unverschämt teuer wäre ...
Es gibt ja haufenweise billige CD- und DVD-Player aus dem HiFi-Bereich, nur haben die bekanntermaßen weder Auto-Cue noch kann man ohne Fernbedienung etwas mit denen anfangen, fällt also raus. Von DAP gibts den DS-610, der auf dem Papier alle Forderungen erfüllt, also gekauft. Viele würden das Gerät wahrscheinlich auch eher Party-PA zuordnen, aber der Fall "wir brauchen einen Soundcheck- und Stadtfest-Player, der dem Einsatz angepasst kostet" tritt doch eher im "Profi-Lager" auf, oder?
Nach dem ersten Test - quasi ein kleines Shoot-Out, Tascam vs. DAP mit dem ich mich die vergangenen paar Stunden beschäftigt habe und den ich dem Forum nicht vorenthalten möchte - bin ich aber nicht mehr so ganz überzeugt von der Mühle, aber der Reihe nach.
Zum Setup: Beide CD-Player mittels gleichwertiger Kabel an die Line-Inputs von einem Audio-Interface MotU 828 mkII angeschlossen, das via USB ans Laptop, darauf Adobe Audition im Multitrack-Modus. 48 kHz Sample-Rate, gleiche Settings für alle Kanäle, logisch.
Der erste Test-Parkur ist eine normale Audio-CD mit drei Tracks:
- 440 Hz Sinus bei 0 dBFS
- 440 Hz Sinus bei -1 dBFS
- White- und Pink-Noise
Warum 440 Hz? Weil das ein Preset vom Audition-Oszillator ist ![]()
Beide Player geben sich beim voll ausgesteuerten Sinus-Track keine Blöße. Das Rausch-Spektrum sieht auch unauffällig aus, es sind keine offensichtlichen Einbrüche oder verfrühte Abfälle im Frequenzgang erkennbar. Genauer habe ich das nicht gemessen, war mir aber auch nicht so wichtig, ich denke da würden auch keine bösen Überraschungen zu Tage treten und mir fehlt auch das passende Equipment.
Auffällig beim DAP-Player ist ein kurzer Einbruch in der Signalamplitude - jeweils immer ziemlich exakt 697 ms nach dem Start der Wiedergabe. Es geht dann schlagartig etwa 4-5 dB runter und dann linear wieder rauf, siehe Bild. Nach 20 ms ist der Pegel dann wieder normal. Bei den Sinus-Tönen hört man dieses Artefakt ganz deutlich, beim Rauschen schon weniger, mit "normaler" Musik muss man schon extrem drauf achten. Aber trotzdem: WTF?
Der Tascam-Player hat einen um etwa 6 dB besseren Signal-Rauschabstand und bringt zusätzlich 6 dB mehr Pegel am Ausgang (der DAP hat einen regelbaren "Line"-Ausgang und einen "Rec"-Ausgang mit festem Pegel - den habe ich gemessen). Der DAP-Player überlagert ähnlich wie schlechte Laptop-Soundkarten Geräusche vom Laufwerk in das Ausgangssignal, man kann deutlich verfolgen, wie die CD eingezogen wird, hochdreht, seekt und wieder abbremst. Das ganze ist zwar leise, aber trotzdem wahrnehmbar. Beim Tascam herrscht "Stille" während Einzug, Spin-Up, Seek und Spin-Down. Zum Nachhören hier alle Aufnahmen in einem ZIP-Archiv; etwa 1,4 MB.
http://rapidshare.com/files/277908180/dap-tascam.zip
Mit einem zusätzlich am MotU angeschlossenen Mikrofon habe ich dann die Startverzögerung gemessen. Dazu habe ich parallel das Signal von CD-Player und Mikrofon aufgenommen und die Verzögerung vom akustischen "klicken" des Play-Tasters bis zum Start des Tracks auf der anderen Spur ausgewertet. Ergebnis:
- Tascam: ~880 Samples = 20 Millisekunden
- DAP: ~11730 Samples = 244 Millisekunden
Zugegeben, die 1/4-Sekunde ist kein Weltuntergang. Alle Funktionen sind beim DAP-Player aber so träge, egal ob ich Tracks skippe oder Play/Pause bzw. Cue drücke: eine gefühlte halbe Sekunde vergeht, bis sich was tut; das gilt auch für das Display. Der Tascam reagiert direkt auf alle Eingaben.
Bei Audio-CDs zeigt der DAP-Player eine Balken-Fortschrittsanzeige in der oberen Display-Zeile an, CD-Text wird nicht unterstützt (zumindest nicht bei den von mir getesteten CDs). Bei MP3-CDs wirds dann interessant, ID3 scheint nicht oder irgendwie fallweise zu gehen, manchmal kommt aber einfach nur sinnloses dabei raus (siehe Bild, da hätte eigentlich "Hammer" stehen sollen), obwohl das Tag am Rechner mit diversen Programmen problemfrei zu lesen geht. Sind auch keine besonderen Zeichen oder UTF-8 oder noch schlimmer, plain ASCII. Vielleicht wird auch einfach nur der Dateiname angezeigt, dann ist aber noch unverständlicher, das da Murks rauskommt; dem auf den Grund zu gehen hat mich aber dann nicht weiter interessiert. Der CD-01U hat keine alphanumerische Anzeige, daher ist mit CD-Text bzw. Text allgemein Essig.
MP3 vom USB-Speicher geht auch, auch mit USB-Kartenleser von einer SD-Karte. Festplatte habe ich nicht getestet, ist aber auch nicht unser Anwendungsfall. Angezeigt werden nur die Dateien im Root-Verzeichnis, Unterverzeichnisse werden nicht direkt beachtet. Drückt man dann den "Prog"-Knopf hat man entweder Glück (ca. 10% der Fälle) und er springt ins erste Unterverzeichnis oder man hat Pech (eher 90% der Fälle) und der Kasten legt reproduzierbar einen Absturz hin. Die Track-Nummer wird dann zwar auf dem Display noch angezeigt und lässt sich auch skippen, Dateiname wird aber nicht angezeigt und Audio kommt auch keins mehr raus. Erst habe ich vermutet, das die Kiste jetzt im Programm-Modus ist (was aufgrund der Tastenbeschriftung ja auch logisch erscheint), aber die sonstigen Bedienelemente sind auch tot. Längeres gedrückthalten des "Prog"-Tasters zum Abbrechen des Programm-Modus (laut Handbuch) hilft auch nicht. Aufs CD-Laufwerk kann man auch nicht mehr wechseln, tot eben. Der Netzschalter geht zum Glück noch ![]()
Beim Tascam kann man mittels Shift die Skip-Tasten zum Wechseln des Verzeichnisses verwenden, funktioniert auch. Ist zwar ohne Text-Anzeige nicht komfortabel, aber das erwarte ich bei einem 1 HE-Gerät auch nicht.
Apropos Daten-CDs: Bei Enhanced-CDs, die vorne ein paar Audio-Tracks und hinten noch einen Daten-Track haben (was ja nicht so unüblich ist) erkennt der DAP-Player den Daten-Track als Audio und versucht den auch "lautstark" abzuspielen, hat Ähnlichkeiten mit White-Noise bei gefühlten +10 dBFS (geht nicht, ist klar, hört sich aber so an ;-)). Sehr, sehr böse, wenn man im Ernstfall auf Veranstaltung ausversehen mal einen Track zu weit skippt und es nicht rechtzeitig merkt. Mixed-Mode-CDs, also solche die zuerst einen Daten-Track und danach Audio-Tracks haben, werden gar nicht erkannt, d.h. im Display bleibt "LOAD CD" stehen und länger als 3 Minuten wollte ich nicht warten. Der Tascam erkennt alle Enhanced- und Mixed-Mode-CDs die ich auf die Schnelle finden konnte korrekt und ohne merkliche Verzögerung im Vergleich zu reinen Audio-CDs. Bei Mixed-Mode-CDs zeigt er zwar einen Track (den ersten) zuviel an, spielt diesen aber nur gemutet ab, d.h. die Zeit läuft zwar aber kein Signal am Ausgang.
MP3 mit DRM-Zeugs drin konnte ich mangels entsprechender Dateien nicht testen. Die normalen Test-MP3s in folgenden Formaten wurden von beiden Playern alle erkannt und konnten auch dekodiert werden, der DAP verschluckt aber manchmal (nicht reproduzierbar in gefühlten 5% der Fälle) die ersten paar 100 Millisekunden einer Datei.
- MPEG ADTS, layer III, v2, 32 kBits, 16 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v2, 40 kBits, 16 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v2, 48 kBits, 22.05 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v2, 56 kBits, 24 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v2, 64 kBits, 24 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 80 kBits, 32 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 96 kBits, 32 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 112 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 128 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 128 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 160 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 160 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 192 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 192 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 224 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 224 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 256 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 256 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 320 kBits, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, 320 kBits, 48 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, VBR, 44.1 kHz, JntStereo
- MPEG ADTS, layer III, v1, VBR, 48 kHz, JntStereo
Sonst noch beim DAP positiv aufgefallen:
- Frontplatte angenehm schwarz, könnte aber dicker sein
- Eject ist während der Wiedergabe gesperrt
- Verarbeitung dem Preis entsprechend gut, Tasten haben einen guten Druckpunkt und wackeln wenig bis gar nicht
- Netzschalter ist amtlich und kein reiner "Standby"-Taster
- Netzstecker ist zwar Euro-Flach, sitzt aber ordentlich fest
- Single-Play- bzw. Auto-Cue-Modus funktioniert tadellos und lässt sich über einen beleuchteten Taster umschalten
- Anti-Shock der seinem Namen alle Ehre macht, selbst "auf den Kopf stellen" und "Barkeeper"-Schütteln lassen die CD-Wiedergabe nicht abbrechen
- Zwei Ausgänge, einer mit festem Pegel und ein zweiter mit Level-Poti vorne
Soweit der Vergleichstest. Wegen so Sachen wie dem Verzeichnis-Absturz oder dem Enhanced- bzw. Mixed-Mode-CD-Debakel ist der Player bei mir aber eigentlich durchgefallen. Ich kann dem Kunden bzw. Künstler gegenüber ja schlecht erzählen, das seine Zuspielung ausfällt, weil mein CD-Player seine im Laden gekaufte CD nicht liest, wenn sie bei ihm im Auto bzw. zu Hause problemlos läuft. Wie schwer kann es denn sein, aus seit Jahrzehnten verfügbaren Komponenten einen CD-Player in Serie zusammenzubauen, der Auto-Cue kann, alle praktisch auftauchenden CD-Formate und Sondersachen wie "Kopierschutz" verarbeitet und dann noch zuverlässig läuft? Und muss so eine Kiste dann im Bereich ab 600 EUR aufwärts kosten?
Zurück zum Ausgangsproblem: Kennt hier jemand aus praktischer Erfahrung einen CD-Player mit den oben genannten Features, der nicht mehr als 200 EUR (absolute Schmerzgrenze 300 EUR) netto kostet und den er oder sie mit gutem Gewissen empfehlen kann? Oder darf ich mir das aus dem Kopf schlagen und sollte mich mit dem Gedanken anfreunden, mindestens das Doppelte auszugeben? Wir sind ja durchaus bereit, für qualitativ hochwertiges Gerät auch quantitativ viel Geld auszugeben, aber irgendwo sind dem auch Grenzen gesetzt.
Alternativ: Hat jemand einen der üblichen Verdächtigen wie Tascam CD-01U (mit oder ohne Pro), Sony CDP-D11 oder Denon C620 bzw. C640 zufällig gebraucht aber funktionstüchtig zuviel und möchte den unbedingt im genannten Preisrahmen loswerden? Wahrscheinlich nicht, aber man kann ja mal fragen ![]()
Trotzdem Danke & Grüße ![]()
Joern