Heute berichtet der Onkel direkt aus der Werkstatt, eigentlich nur weil ich mich geärgert habe. Nicht über mich oder euch - sondern über die Konstrukteure bei Yamaha.
Vorgeschichte: ein Kunde brachte einen Yamaha Powermixer in die Werkstatt. Fehlerangabe war "Ausfall nach einigen Minuten". Aha!
In der Werkstatt lief das Teil natürlich erst mal, aber bekanntlich steckt der Teufel ja im Detail, und ich machte mich daran die Kiste zwecks eingehender Netzteilrevision zu öffnen.
Nachdem die Netzteilplatine ausgebaut war ging es an die eventuelle Fehlerquelle, und ich wurde sogar in Form eines recht kapazitätsarmen Startelkos vom Takt-IC fündig. Neuen Elko rein, alle Kabel wieder dran, und..........voila.........an, und wieder aus!
Was ist das?
Nach langem suchen hin und her, stellte sich die Endstufe als Verursacher für die komplette Netzteilabschaltung heraus. Dies macht die Endstufenschaltung recht geschickt, indem sie ein DC Fault Signal zum Netzteil sendet, und dann fix abschaltet. Nach deaktivierung der DC Kontrolle blieb der Powermixer an! Die nachfolgende Messung des DC Offset an den Speakonbuchsen ergab an beiden
Kanälen etwa +8VDC. Schnell wurde mir klar das hier ein für beide Kanäle zutreffender Fehlergrund vorlag, und das es irgendwas mit der Spannungsversorgung zu tun haben müsste. Die Endstufe bedient sich einer zweistufigen Class H Netzteilschaltung, und einer separaten +-15V Versorgung. Nach ein paar Messungen wurde mir klar, dass die Massen der +-15V und der zweistufigen Endstufenspannung keine Verbindung hatten! Das erklärte den undefinierten Zustand der Schaltung mit dem resultierenden Offset!
Ich vermutete natürlich einen "Kunstfehler" meinerseits unterhalb der Netzteilplatine, und untersuchte eingehend die Masseführung der verschiedenen Spannungsquellen.
Dabei wurde deutlich, dass es keine Verbindung zwischen der Masse für die "kleinen" Spannungen mit der Masse der hohen Spannungen gab!! Nachdem ich mir die Kiste genauer anschaute fiel mir schlagartig der Konstruktionsmurks auf: die Masse wird über das Gehäuse realisiert!
In der Werkstatt lag das Bedienteil mechanisch getrennt von der "Powerwanne", nur über die weißen Leitungen verbunden auf dem Arbeitstisch. Die Endstufenmasse wird aus dem Netzteil zu der kleinen Buchsenplatine geführt. Der Anschluss zum Gehäuse führt dann über zwei M3 Schrauben:
Im Bild sieht man eine der beiden Schrauben, zwecks Fehlereingrenzung ist die Messklammer bereits angeschlossen.
Schraubt man nun das Bedienteil fest, verbinden sich die sonst getrennten Massen über das Metallchassis. Hier nochmal eine der beiden "Zentralmassen" im Detail:
Damit habe ich einen Fehler gesucht, den ich eigentlich nicht hätte suchen müssen - wenn man beim Konstruieren mal nachgedacht hätte: eine Verbindung mehr in Form einer Drahtbrücke hätte es getan!
Ich stelle mir aber vor, wie es wohl sein wird wenn die Schrauben sich mal lockern, oder durch Korrosion und Übergangswiderstand usw. Probleme machen!?
Soweit ein kleiner 1,5 Stunden Ausflug in Onkel Rocklines Knaudelwelt!