Zitat von "tobias kammerer"Hallo Leute, torz Eurer Argumentation, dass man ja nicht auf alles eingehen muss leidet die Branche massiv unter dem verbreiteten Hobbytum. Denn selbst was bei uns als amtliche Bezahlung gilt ist in anderen Branchen einfach nur lachhaft. Ein Verleih ist aus meiner Sicht am ehesten mit einer Autowerkstatt zu vergleichen. Man bekommt einen Materialmix+ Personal gestellt und zahlt dafür pro Mann und Nase 90,- Euro pro Stunde pro Mann, für Spezialsachen sogar mehr. Das würde heißen, selbst bei einer kleinen Veranstaltung, wo 2 All in One Kräfte (Licht/ Ton Aufbau Abbau) z.B. gemeinsam je 10 Stunden hinlegen, müßßte man nach dieser Rechung bereits 1800,- Euro netto abrechnen. Wo kann man das??
Ein Normal qualifizierter VA Techniker wird mit 25,- bis 30,- Euro die Stunde abgerechnet. Welchen Maurer/ Heizungsbauer... kann man dafür bekommen? Ein Spezialist am Bau kostet auch mal 50,- Oder 60,- Euro die Stunde. Was kann dieser Spezialist (Seminar zum Energieberater) mehr als ein Tontechniker oder gut ausgebildeter Systech oder Lichttechniker?Da ist die Branche gesamt krank. Ich würde hier Berufsvorschriften und Vereinigungen sehr begrüßen
Tobias Kammerer
Die drei Stichworte sind wohl "Tontechniker", "gut ausgebildeter Systech", "Lichttechniker": Für diese Leute setzt man einen hohen Stundenlohn an, da sie ausgebildet sind. Die Frage ist aber: Wo brauche ich diese Leute und ihre Kenntnisse zwingend? Auf der Zeltparty für 400 Leute? Vlt., um die Sicherheitsvorschriften einzuhalten, die aber keiner kontrolliert, geschweige denn dass es den Gast juckt. Brutal: Ich brauche sie nicht, da die paar Kisten und Scheinwerfer auch von einem Engelernten gestellt werden können. Konsequent müsste man für den Bereich dieser Veranstaltungen eine LowBudget-Firma gründen, die entsprechendes Material und Personal ("Umzugshelfer") hat und strukturmäßig auch so aufgestellt ist. Aber selbst damit käme man nicht an die Kostenstruktur des HKS heran. Für die restlichen Veranstaltungen kann man dann geschultes Personal anstellen (besser freiberuflich beschäftigen). Ob man die LowBudget-Firma in die Firma für gehobene Veranstaltungen integriert oder nur als Kleingewerbe nebenbei laufen lässt, könnte man mal durchrechnen.
Parallel sollte man an einer neuen Qualität in der Veranstaltungstechnik arbeiten, die sich als Gast auch erkennen lässt. Für ein neues Auto gibt man gerne ein paar Euro mehr aus, da es erkennbare Innovation liefert - z. B. Klimaanlage, mehr PS, tolle Innenausstattung, Navi und noch mehr Schnickschnack.
Die Veranstaltungstechnik hat sich aus Sicht des Gastes kaum weiterentwickelt - Laut und Hell gab es früher auch schon (ok, es sind ein paar bewegte Lichter dazugekommen). Ob da nun ein Linearray oder Hörner stehen, interessiert den Gast nicht. Die Frage ist dann: Wo ist die nicht mit dem Künstler und der Location zusammenhängende, erkennbare Qualität der Veranstaltung, für die man als Gast auch gerne einen Euro mehr abdrückt? Das können m. E. nicht nur Klang und Licht sein.
Was mich richtig interessieren würde: Wieso klappt es in anderen Branchen wie GaLaBau scheinbar trotzdem? Kann natürlich daran liegen, dass ich deren Klagen nicht mitbekomme. Könnte aber auch daran, dass es die Betriebe geschafft haben, sich irgendwie vom Hobbypflasterer abzuheben. Hinzu kommen natürlich die häufigeren Kontrollen durch den Zoll und ein niedriger Lohn.