die kompakten Dynamischen, eine Bestandsaufnahme

  • Irgendwie merkwürdig:


    in den letzten 20 Jahren sind unter den dynamischen doch etliche robuste, praktische und bezahlbare Kompakt-Alternativen zu den Klassikern entstanden, z.T. mit integriertem Stativgelenk.


    Shure Beta56, Audio Technica ATM23HE ( wird leider nicht mehr gebaut ) sennheiser e905, AKG D40, AKG P4, electro-voice raven, sowie mit Klemme aber sehr leicht die Audix Reihe D1, D2, D3, D4. Wenn man an Dinge wie abgesägte oder abgeknickte SM57 denkt, eigentlich nicht so richtig vorstellbar, warum alle diese Mikrofone ein Schattendasein führen oder der Markt unsinnigerweise zurück zum Instrumentenmikro mit Handgriff z.B. Audix i5 oder ATM650 drängt. Am Preis allein kanns nicht liegen ( einige der genanten sind UHUs :wink: ) und selbst die Klasse 100 - 150 sollte schon aus Praktikabilitätsgründen eine Käuferschaft haben. "Klingt nicht" glaube ich aus eigener Erfahrung auch nicht, denn eigentlich sollten alle diese Mikros Klangvarianten bieten und ich konnte mit allen diesen Mikros schon gute Ergebnisse erzielen. Wenn man dazu noch an die Zeitgenossen denkt, die "alles mit EQ" machen, sollte doch das praktischste Mikro das erfolgreichste sein ??? Schon klar, dass ein Teil der Anwendungen heute mit Klemmelektreten erledigt wird, allerdings sind da die ordentlichen ( beta98 oder ATM 350 ) doch deutlich teurer.


    Mein Interesse wäre nun zum einen die Durchführung eines Vergleichstests ( oder gibts sowas schon für diese 'subgruppe' :wink: :?: ). Dafür könnte ich die besagten Mikros sämtlich zur Verfügung stellen, habe selbst im Moment allerdings sehr wenig Zeit.
    Zum anderen würde ich mich über sachkundige Meinungen zum Thema freuen. Dies sollte allerdings kein "Lieblingsmikro-Thread" sein.

  • Hm, auf den Fremdbaustellen der letzten 2 Jahre hatte ich den Eindruck, dass das einzige Kompaktmikro ( das ich oben bewußt unterschlagen habe, weil ich es für zu Körperschallempfindlich dank der ungenügenden Kapsellagerung halte :wink: ) das eine hohe Verbreitung hat, das e604 ist. :roll:

  • @ guma


    Ich glaube nicht, dass die Mikros aufgrund schlechter Qualität verschwunden sind. Das hat sicherlich andere Gründe wie z.B.:
    - Die Rider vieler Bands lesen sich seit 20 Jahren gleich - vor allem die von Tanzbands ... da stehen fast nur Klassiker drauf
    - Viele Verleiher kaufen auch nicht nur nach Spezial und Best Off für XY, sondern auch nach dem Kriterium, wofür kann ich das Mikro noch alles einsetzten?
    - Der Markt ist vielleicht für viele gute Mikros doch zu klein - zum einen übersät mit billig Serien und viele haben doch nur "ihr" BD Mikro z.B. und meinen damit alle Art von Musik machen zu können. Habe das so oft auch bei Verleihern erlebt, dass andere Mikros als gefordert am Instrument stehen. Nach dem Motto: Warum, wir machen das immer so ...


    Ich denke, ich kenne Deine Idee hier hinter und finde sie auch Klasse.
    So einen Test fände ich auch sehr Interessant. Ich würde aber hier über das Forum nicht zuviel erwarten. Das wäre ne Sache für eine Fachzeitung. Andreas Hau von Sound & Recording halte ich da für sehr Kompetent. Jedes Mikro brauch natürlich die gleichen Bedingungen und neben dem Höreffekt sollte da eine Messergebnis zu. Dann kommt noch die Sache, wie es sich im Live Betrieb durchsetzt, Übersprechungen usw ... So ein Test kann sehr Aufwendig sein. Ansonsten schreibt eh jeder nur, welches sein Lieblinsgmikro ist oder welches er sein eigen nennt.


    Was die Sache mit den EQ Schraubern anbetrifft, das denke ich ist ein anderes Thema :-) Da sollte es so ne Art Tontechniker Führerschein geben :-)

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  • eine frage dazu von mir:
    gesehen habe ich schon einige der obengenannten mikros auf diversen bühnen der letzten jahre, aber da ich immer mit den eigenen mikros (oder endorsement) unterwegs bin, weiss ich nicht so genau was die anderen wirklich so benutzen.
    was ist denn da der standard?


    by the way: das e604 hatte ich auch mal und benutze es ab und an bei einer meiner bands, also schlecht finde ich es nach wie vor nicht...


    was den aufwand für einen vergleichstest angeht: wir haben ja mal einen drummikro-vergleich gemacht. das war ein ganzer tag arbeit, nur das aufnehmen am drumset, ganz ohne messschriebe oder test an anderen instrumenten...

  • "wora" schrieb:

    was ist denn da der standard?


    In dieser Frage steckt genau das Problem ! Brauchts den wirklich, oder ist das genau die unsägliche Entwicklungsbremse, die bessere Alternativen verhindert ?


    Es ist wie Günter Zierenberg das schon vor 30 Jahren schrieb: "Es gibt kaum schlechte Mikrofone, aber viele Mikrofone am falschen Platz".
    Das ist auch heute noch so und entsteht vor allem durch die Krämermentalität, ein Mikro für möglichst viele Anwendungen mißbrauchen zu wollen. Das halte ich für ebenso dämlich wie die Nutztierfauna auf einen einzigen Fleischproduzenten begrenzen zu wollen. Mir wäre da der deutsch-chinesische Gemeindschaftsgummiadler genau so unrecht wie eine geschächtete islamkompatible schwäbisch-iranische Saubersau.


    Ist schon klar, dass die 'Tonbandfreunde' nur ein einziges Neutralofon brauchen und der Punkschuppen auch mit einem Rudel SM-Schlagmichtot leben kann. Das hatten wir ja schon in extendo in allen Varianten und es wäre nett, wenn dieser Thread nicht in diese Endlosschleife einbiegen würde.

  • schlecht finde ich solche tests nicht......aber es müssen halt auch mal exotische variationen auspobiert werden....
    wiederum finde ich das die Messergebnisse eher eine Entwicklungsbremse darstellen.......
    letztendlich gehts doch um das hörergebnis?!




    Will jetzt auch nicht nur labern sondern biete gleich hiermit an ein paar mics ( ich vermeide bewusst den begriff testen ) an schlagzeug oder git-amp zu stellen und in ein digtales format zuwandeln.
    jetzt müssen wir uns nur noch über die testbedingungen einig werden.... ;-)

  • "guma" schrieb:


    In dieser Frage steckt genau das Problem ! Brauchts den wirklich, oder ist das genau die unsägliche Entwicklungsbremse, die bessere Alternativen verhindert ?...


    da ist in der tat was dran.
    andererseits ist es doch so: man kennt "seine" mikrofone und weiss auch, wie man sie einsetzen kann. das es hierbei sicher auch ein paar fehleinschätzungen gibt ist klar, vor allem die ungeübten user machen da öfter mal fehler (aber auch profis).
    andererseits sind mikrofone schallwandler, die diesen job mehr oder weniger gut machen. und wenn sie einen job gut machen, dann kann man sie dafür auch viele jahre lang (auch jahrzehnte) benutzen, denn das ohr an sich bekommt ja auch kein "update". und die hörgewohnheiten der gäste verändern sich auch nur seeehr langsam.
    so betrachtet tickt die zeit im bereich der mikrofone ebenfalls nur sehr langsam.

  • Wie kann man so einen Test denn sinnvoll durchführen?


    Ich stelle mir ein Ergebnis vor, daß Stärken und Schwächen der Modelle herausstreichen kann, also muß man ihnen viel Futter geben. Also z.B. alle vor verschiedene Gitarrenamps, Snares, Toms, Congas etc. Das kann sehr schnell sehr komplex werden.


    guma : hast Du Möglichkeiten einen solchen Test über mehrere Tage durchzuführen? Austragungsort KA? Langsam gewöhne ich mich ja an die Entfernungen, es ist längst nicht so weit wie nach München, Neufahrn oder Elmau.

  • "simonstpauli" schrieb:

    ... alle vor verschiedene Gitarrenamps, Snares, Toms, Congas etc. Das kann sehr schnell sehr komplex werden.


    ... und womöglich ZU komplex.
    Hinzu kommen persönliche Geschmacksnuancen (der Hörer/Juroren)... unterschiedliche "Hörpositionen" und Quellensounds (Drums WIE gestimmt ... wie/wo abgenommen) ... und auch Gitarrenamps klingen SEHR unterschiedlich (dto. die verwendeten Gitarren !) ... ebenso die (von "reinen" Technikern häufig unterschätzten) Einflüsse der Spieltechnik des Gitarristen auf den "Klang" !


    Ergo: Eine "wasserdichte", von allen akzeptierte (d.h. "objektive") Beurteilung halte ich für utopisch, zumal schon Reihenfolge beim Hören und die "Tagesform" der Juroren zu starken Schwankungen führen.

  • "Sound-Klinik" schrieb:


    ... und womöglich ZU komplex.
    Hinzu kommen persönliche Geschmacksnuancen (der Hörer/Juroren)... unterschiedliche "Hörpositionen" und Quellensounds (Drums WIE gestimmt ... wie/wo abgenommen) ... und auch Gitarrenamps klingen SEHR unterschiedlich (dto. die verwendeten Gitarren !) ... ebenso die (von "reinen" Technikern häufig unterschätzten) Einflüsse der Spieltechnik des Gitarristen auf den "Klang" !


    Ergo: Eine "wasserdichte", von allen akzeptierte (d.h. "objektive") Beurteilung halte ich für utopisch, zumal schon Reihenfolge beim Hören und die "Tagesform" der Juroren zu starken Schwankungen führen.


    Das sehe ich ähnlich.


    Eine komplett objektive Bewertung wäre auch nicht mein Ziel, letztendlich kann man aber einige "aha"-Erlebnisse haben. Am Ende sind die Anforderungen auch noch unterschiedlich, in welchen Mix möchte ich die Quelle integrieren, damit ändert sich noch eine Variable.

  • "simonstpauli" schrieb:


    guma : hast Du Möglichkeiten einen solchen Test über mehrere Tage durchzuführen? Austragungsort KA? Langsam gewöhne ich mich ja an die Entfernungen, es ist längst nicht so weit wie nach München, Neufahrn oder Elmau.


    Leider fehlt mir wie oben gesagt die Zeit dazu. Vielleicht gibt es ja jüngere interessierte Mitleser in der Region KA, die Band + Raum + Orga machen. Solle doch genauso machbar sein, wie ein linearray Test. Ich stelle gerne die Mikros + ev auch weiteres Equipment. Ich würde einen eintägigen Hörtest mit Fragebogen schon ganz nett finden. Man sollte vielleicht nicht zu hohe Ziele setzen.

  • Nach wie vor ein Super Thema. Ich glaube aber immer noch, dass das eine sehr komplexe Sache ist, die mit unendlichen vielen Kleinigkeiten vermischt ist, welche Ihr aber auch schon aufgezählt habt (nicht nur Gitarristen, jeder Triangel Spieler hat seinen eigenen Klang).


    EIn guter Tontechniker/Engineer ist für mich jemand, der sich die Klangquelle an dem jeweiligen Ort anhört und dann entscheidet, welches Mikro er wo Platziert und natürlich auch das richtige dann anwendet. Die EQ´s bleiben, ausser dem Low Cut, so unberührt wie möglich ...
    Eine solche Arbeitsweise ist aber bei den meisten unserer Jobs, ob Festival oder Stadtfest kaum möglich, oder? Bei einer Tourbegleitung kann man so was im Vorfeld vielleicht machen, vorausgesetzt man ist nicht als Endorser auch noch an bestimmte Hersteller gebunden....


    Wir sind da draussen doch viel zu oft Schadensbegrenzer und nicht nur Techniker/Künstler ...


    Ich finde die Idee weiterhin absolut Klasse, aber wie schon sagte, wird den von uns vielleicht niemand aus Zeit oder Equipmentmangel durchführen können. Lasst uns bei einer Fachzeitung nachfragen, die werden mit Mikros von Herstellern zu geballert und denen kann man ja auch bestimmte Modelle zur Verfügung stellen.


    Die Idee mit dem Fragebogen ist wieder Klasse - kann man den hier nicht Online stellen und jeder klickt z.b. seine Mikros, deren Anwendungsbereiche er für gut hält, an. Das wäre zwar sehr allgemein aber informativ. Vielleicht noch eine Sternchen Wertung, wie Schulnoten. Evtl. wird der ein oder andere rein kaufmännische Verleiher ohne tontechnische Kenntnisse hier dann auch noch bei seinen Kaufentscheidungen mit beeinflusst und die SM 57/58 bleiben nicht die einzigen Alternativen :-)


    LG aus Dülmen,


    Karsten

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  • Wie schon mal geschrieben gibt es keine schlechten mikrofone............siehe der SM58 Song


    ........aber die richtig guten, unter den Schallwandlern, heben sich doch erst hervor das sie auch unter wideren umständen gut zu händeln sind.
    Man sollte es eben nicht zu extrem übertreiben.......sicher kann das eine oder andere dadurch nicht seine Vorteile ausspielen.
    Aber es würden sich dennoch schnell ein gewisser Standart an Mikros herausheben.....halt die die "fast" immer klingen.

  • sorry, der EQ wurde zu krass gesehen.


    muss jeder selbst entscheiden, ob er den EQ und um wie viel anhebt, oder vielleicht doch erst mal das Mikro tauscht um ans Ziel zu kommen ...


    ich nutze den EQ am liebsten zum heraus filtern von unangenehm klingenden frequenzen und bekomme dadurch wieder mehr dynamic. Gerade bei den oberen frequezen summiert sich schnell das rauschen ... ein zu höhenreicher mIx ermüdet auch schnell die Ohren und strengt an....
    es ist nicht nur immer der alkohol genuss für den kater verantwortlich :D


    vielleicht wäre genau aus den gründen so ein testergebnis sinnvoll. aufgrund der meisten meinungen von kollegen, sind wir im pa forum zu folgendem ergebnissen gekommen:
    bd für heavy: mic xyz
    bd für rock: mic yzx
    bd für jazz: mic zyx
    .....................
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  • @ discolude


    Meine Erkenntnis ist: Es gibt keinen Standard, auch keinen "Quasi-Standard" sondern nur ein 'Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners' wie ich das schon an anderer Stelle mal formuliert habe.


    Dieses 'Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners' wird retrograd mit Scheinargumenten unterfüttert. Zu diesen Scheinargumenten gehört: Mikro XY klingt (fast) immer. Das ist viel mehr Ausdruck einer gewissen Anspruchslosigkeit, als dass es Eigenschaften eines Mikrofons charakterisiert. Das ist wie 'Schnitzel mit pommes' oder, wenn Du die Vegetarier auch noch beglücken willst, 'Spagetti mit Tomatensauce' um mal bei meinen Vergleichen mit Lebensmitteln zu bleiben und die gelingen auch ( fast ) immer. :wink:


    Ich finde, man sollte das den Künstlern öfter mal sagen, dass Mikrofone, die sie oft auf Bühnen antreffen, nicht zwingend das Bewährteste und schon garnicht das Beste sondern allenfallls eben diesen kleinsten gemeinsamen Nenner darstellen, der überhaupt nichts mit einer besonders authentischen Abbildung ihres Schaffens zu tun hat sondern bestenfalls eine Gleichmacherei darstellen, die mit dem Wunsch der meisten Künstler nach Individualität rein garnichts zu tun hat. :wink: