Es gibt auch bei uns Widersprüche, die ich anstrengend finde. Beispielsweise die Ansteckungsgefahr, die von Kindern ausgeht. Einmal heisst es, es sei problematisch, dann ist es wieder problemlos. Kinder dürfen (müssen) wieder in die Schule, dürfen aber nicht von den Grosseltern betreut werden?
Auch die Massnahmen waren imho unlogisch (teilweise aber auch ganz regional begrenzt): Wieso mussten bei uns fast alle Läden ausser den Nahrungsmittelgeschäften schliessen? Ein Baumarkt hätte die Hygienemassnahmen genau so einhalten können und die Leute hätten sich besser verteilt, hätten vielleicht zu Hause etwas sinnvolles machen können. Bei uns wurden Parks und Seeufer geschlossen. Toll. Jetzt mussten die Leute, die zu Hause vielleicht keinen grossen Garten hatten auf weniger Fläche frische Luft schnappen und diejenigen, die von Anfang an die Regeln ignoriert hatten, verweilten weiterhin hinter den Absperrungen. Jetzt wurden sie einfach kriminalisiert. Sogar bei den harten Drogen ist es ja mittlerweile angekommen, dass die Kriminalisierung dieser Leute nicht zum Erfolg führt.
Und was mir völlig fehlt ist der Blick fürs Ganze. Leute werden weltweit ihrer Freiheit beraubt, ihrer wirtschaftlichen Existenz, ihrer (scheinbaren) Zukunft. Sie werden depressiv, gewalttätig oder driften in die Sucht ab. Sie bewegen sich zu wenig und haben kaum noch soziale Kontakte. Auch das wird viele tragische Schicksale nach sich ziehen und auch eine nicht unerhebliche Anzahl an Todesopfern. Aber davon spricht man nicht, diese Seite der Sache blendet man aus.
Es bräuchte meiner Meinung nach eine massvolle Abwägung mit allen Aspekten.
Ich will mit dieser Aussage nicht das Virus verharmlosen oder alle Massnahmen dagegen verteufeln. Aber mir fehlt da eine ganze Seite des Problems in der allgemeinen Diskussion.