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Theorie zur Richtcharakteristik von Mikrofonen

  • karl-alfred_roemer
  • 11. Januar 2007 um 00:26
  • wora
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    • 13. Januar 2007 um 17:50
    • #21
    Zitat von "Karl-Alfred_Roemer"

    ...
    Die Welle mit der Wellenlänge A kommt von vorne zum Mikrofon,
    zieht dann daran vorbei und trifft irgendwann auf die hinteren Eingänge.
    Sagen wir mal das erste Maximum der Welle sei gerade am hinteren
    Eingang. Nun hat man an den vorderen Eingängen des Mikros das
    Maximum der zweiten Welle. Gleichzeitig die gleiche Amplitude (nur
    halt von unterschiedlichen Wellen) und damit keinen Druckunterschied.
    Dürfte theoretisch nichts an der Membran herumrütteln.
    ...

    Alles anzeigen

    vergiss doch mal die wellenlänge, es kommt auf die zeit an.
    selbst bei einer langen welle gibt es an zwei voneinander entfernten punkten immer druckunterschiede, es sei denn es ist ein rechtecksignal. da rechtecksignale in der luft eher selten vorkommen funktioniert auch das mit der (zeitlichen) auslöschung von ganz kleinen druckunterschieden doch ganz gut.

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • guma
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    • 14. Januar 2007 um 12:25
    • #22

    Der Vollständigkeit halber sei hier noch folgendes ergänzt:

    Bei dynamischen Mikrofonen gibt es für einen ganz anderen Zweck nämlich zur Unterdrückung des Nahbesprechungseffekts ( und nicht zur Elimination von Interferenzen ) eine weitere Art von Laufzeitgliedern ( angloam. ports ), die sogar genau das Gegenteil von dem machen, was hier behauptet wurde: die gezielte Erzeugung von Auslöschung. Bekanntestes Beispiel: das variable-D prinzip von Electro-Voice.

    Diese ports haben mit den ports, die für die Ausbildung des Gradienten zuständig sind, nur bedingt was zu tun.

  • MarkusZ
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    • 14. Januar 2007 um 13:56
    • #23
    Zitat von "guma"

    Der Irrtum des Threadstarters beruht wohl darauf, das der beim Druckgradientenempfänger benutzte Gangunterschied nicht größer sondern kleiner ist als lambda/2 der höchsten zu übertragenden Frequenz a[...]. Eine "lambda/2 Situation" entsteht dabei nicht !


    Ich finde es sehr schade, dass du den erwähnten Links offensichtlich nicht nachgegangen bist; so wäre es ein Leichtes gewesen, zu erkennen, dass es nicht der OP sondern du bist, der sich im Irrtum befindet. Gerne schlage ich dir deshalb die folgenden Zitate um die Ohren und hoffe, dass dich der von dir heraufbeschworene Wespenschwarm so richtig in den Hintern sticht. :evil:

    ZITAT Schoeps/Wuttke:
    Bei Druckgradientenempfängern kann, aber muss nicht, ein Mikrofon mit größerer Membran eine etwas bessere Tieftonübertragung zur Folge haben, weil der Gradient, dem größeren Membrandurchmesser entsprechend, über einen größeren Umweg gebildet wird. Das hat jedoch zur Folge, dass der Gradient BEREITS BEI MITTLEREN FREQUENZEN NICHT MEHR ALS MEBRANENANTRIEB GEEIGNET IST, so dass die Richtcharakteristik nur noch durch Druckstau und Interferenz mehr oder minder erhalten wird.
    ZITAT ENDE

    ZITAT aus dem verlinkten Neumann-Dokument:
    Praktisch kann der Abstand A–B nicht so klein gemacht werden, daß er für alle Frequenzen des Übertragungsbereiches kleiner als die halbe Schallwellenlänge l/2 bleibt. Mikrophone, die auch oberhalb der Frequenz fü befriedigend arbeiten sollen, müssen daher in der Nähe der Übergangsfrequenz fü, die je nach Mikrophongröße zwischen 4 und 10 kHz liegt, auf ein anderes Prinzip übergehen: Sie müssen bei den höchsten Frequenzen als Druck- bzw. Interferenzempfänger arbeiten.

    ZITAT ENDE

    Es geht letzlich immer auch um den Kompromiss Interferenz vs. Empfindlichkeit. Und es ist etwas zu einfach sich alleine auf die RÄUMLICHE Distanz zu beziehen, da man mit geeigneten Filtern eine grössere LAUFZEITdifferenz erzeugt, als es der (Luft-)Distanz entspricht. Die Verhältnisse sind um einiges komplizierter, als du es mit deinen simplen 1-cm-Rechenbeispielen implizierst.

    Zitat von "guma"

    Bei dynamischen Mikrofonen gibt es für einen ganz anderen Zweck nämlich zur Unterdrückung des Nahbesprechungseffekts ( und nicht zur Elimination von Interferenzen ) eine weitere Art von Laufzeitgliedern ( angloam. ports ), die sogar genau das Gegenteil von dem machen, was hier behauptet wurde: die gezielte Erzeugung von Auslöschung. Bekanntestes Beispiel: das variable-D prinzip von Electro-Voice. Diese ports haben mit den ports, die für die Ausbildung des Gradienten zuständig sind, nur bedingt was zu tun.


    Jetzt versuchst du vollends das Pferd von hinten aufzuzäumen. Die unterschiedlichen seitlichen Einlässe dienen genau dazu, einen möglichst konstanten Gradienten bei unterschiedlichen Frequenzen zu erreichen. Dies geschieht aber nicht durch Interferenzen (hier befindest du dich abermals auf dem Holzweg) sondern durch akustische Filternetzwerke. Deshalb trägt das von dir erwähnte RE20 auch die Bezeichnung Variable-Distance und nicht Variable-Interference!

    Markus Zehner

    http://www.zehner.ch/

  • guma
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    • 14. Januar 2007 um 14:17
    • #24
    Zitat von "MarkusZ"

    ZITAT Schoeps/Wuttke:
    Bei Druckgradientenempfängern kann, aber muss nicht, ein Mikrofon mit größerer Membran eine etwas bessere Tieftonübertragung zur Folge haben, weil der Gradient, dem größeren Membrandurchmesser entsprechend, über einen größeren Umweg gebildet wird. Das hat jedoch zur Folge, dass der Gradient BEREITS BEI MITTLEREN FREQUENZEN NICHT MEHR ALS MEBRANENANTRIEB GEEIGNET IST, so dass die Richtcharakteristik nur noch durch Druckstau und Interferenz mehr oder minder erhalten wird.

    Dieses Zitat bezieht sich, wie man in demselben unschwer erkennen kann, eben nicht auf die von Schoeps hergestellten Kleinmikrofone, sondern beschreibt die Nachteile von Großmembranmikrofonen und sagt überhaupt nichts über die Entstehung des Druckgradienten oder den Sinn von Ports aus. Schoeps ist mit Recht stolz darauf, wegen eben dieses beschriebenen Nachteils keine großen Membranen zu verbauen.

    Also ganz einfach: Falsches Zitat. Sollte Markus aber dennoch Zweifel daran haben wies gemeint ist, kann ich Herrn Wuttke gerne persönlich fragen. :wink: Bei dieser Gelegenheit werde ich auch gerne nochmals den bei einer MK4-Kapsel tatsächlich wirksamen Membran/Elektrodendurchmesser und die effektiv wirksame Länge der Strecke zum Aufbau des Gradienten erfragen.

    Zitat von "MarkusZ"

    Jetzt versuchst du vollends das Pferd von hinten aufzuzäumen. Die unterschiedlichen seitlichen Einlässe dienen genau dazu, einen möglichst konstanten Gradienten bei unterschiedlichen Frequenzen zu erreichen. Dies geschieht aber nicht durch Interferenzen (hier befindest du dich abermals auf dem Holzweg) sondern durch akustische Filternetzwerke. Deshalb trägt das von dir erwähnte RE20 auch die Bezeichnung Variable-Distance und nicht Variable-Interference!

    Ja, eben nicht durch Interferenzen !!!!
    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Merkwürdiges Filter was Du da beim Lesen einsetzt :roll:

  • karl-alfred_roemer
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    • 17. Januar 2007 um 00:26
    • #25

    Danke an Euch alle für Eure Beiträge. Leider ist der Groschen immer
    noch nicht gefallen. Aber die Funktionsweise ist offensichtlich auch
    nicht ganz unumstritten.

    MarkusZ

    Zitat


    Weil diese Kammfiltereffekte einen sinnvollen Einsatz verunmöglichen,
    verschliesst man die hinteren Lufteinlässe mit akustischen Tiefpassfiltern,
    so dass die Kapsel oberhalb der ersten Interferenzauslöschung als reiner
    Druckempfänger arbeitet.

    .

    Hm. Das klingt interessant. Beim minimalphasigen Tiefpassfilter gibt es
    ja eine feste Beziehung zwischen Phase und Amplitude. Könnte es sein,
    dass die Phasendreherei eine Art frequenzabhängiges Laufzeitglied
    darstellt?
    Könnte man das so gestalten, dass es für jede Frequenz einen messbaren
    Gradienten gibt?

    So ähnlich wie bei Bassreflexboxen, deren Reflexöffnung oberhalb der
    Resonanzfrequenz gleichphasig mit dem Lautsprecher schwingt. Ginge
    es nur um die Laufzeit innerhalb der Box, gäbe es ja auch dort Kammfilter
    effekte.

    OK, ist noch nicht ganz ausgegoren, mein Gedanke, aber vielleicht ist
    das ja die entscheidende Idee.

    Danke für Eure weiteren Kommentare.

  • MarkusZ
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    • 17. Januar 2007 um 20:02
    • #26

    Ich habe inzwischen bei Schoeps nachgefragt. Und Herr Wuttke hat die von mir hier geäusserten Sachverhalte und Erklärungen vollumfänglich bestätigt. Insbesondere: Die Grenzfrequenz oberhalb derer der Gradient nicht mehr als Antrieb nutzbar ist, liegt auch bei Kleinmembranmikrofonen immer im Übertragungsbereich. Als Richtwert kann man bei letzteren von einer Übergangsfrequenz von ca. 8-10 kHz ausgehen; dies gilt insbesondere auch für alle Schoeps-Kapseln!

    Markus Zehner

    http://www.zehner.ch/

  • wora
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    • 20. Januar 2007 um 01:51
    • #27
    Zitat von "MarkusZ"

    Ich habe inzwischen bei Schoeps nachgefragt. ...


    na also, das hatte ich doch ganz am anfang empfohlen :D

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • karl-alfred_roemer
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    • 21. Januar 2007 um 22:35
    • #28

    Hallo Markus,

    habe das Dokument von Neumann intensiv durchgearbeitet. Das ist bis
    jetzt (neben den Sengpiel-Sachen) das beste, was ich bisher gelesen
    habe bezüglich Mikrofonie.

    Was mir nur komisch vorkommt:

    Der Druckgradient wird unterhalb einer gewissen Frequenz fü, also in
    dem Bereich in dem ein Druckgradientenmikro tatsächlich noch nach
    diesem Prinzip funktioniert, mit abnehmender Frequenz immer
    schwächer, wegen der immer größeren Wellenlänge und der dadurch
    immer geringer werdenden Phasendifferenz.
    Im Dokument steht z.B. dass bei 40 Hz je nach Mikro nur noch 1 bis 3
    Grad Phasendiff vorhanden sind. (Seite 11 unten bis 12)

    Müsste dadurch der Frequenzgang nicht wie ein Hochpass wirken?
    Oder wird das elektronisch innerhalb des Mikros wieder weggeequalized
    oder durch die Trägheit der Membran automatisch ausgeglichen?

    Kann man die Literatur aus der Literaturliste eigentlich noch irgendwo
    bekommen? Die Sachen von H. Großkopf scheinen sehr interessant zu
    sein.

  • MarkusZ
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    • 22. Januar 2007 um 15:32
    • #29
    Zitat von "Karl-Alfred_Roemer"


    Müsste dadurch der Frequenzgang nicht wie ein Hochpass wirken?


    Ja.

    Zitat von "Karl-Alfred_Roemer"

    Oder wird das elektronisch innerhalb des Mikros wieder weggeequalized?


    Die Kompensation erfolgt mit
    - mechanischer Abstimmung (v.a. Reibungsdämpfung)
    - akustischen Filtern
    - elektronischen Filtern

    Markus Zehner

    http://www.zehner.ch/

  • wora
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    • 22. Januar 2007 um 19:09
    • #30

    kleine info hierzu:
    bei schoeps werden keine elektronischen filter benutzt, sowohl frequenzgang als auch richtwirkung werden komplett über die mechanik beeinflusst. herr wuttke sagte mir dazu mal, das es dadurch ein besseres off-axis frequenzverhalten der mikros gibt und zusätzlich die mikrofoneigenschaften kaum altern, weil sich keine elektronischen parameter verändern.

    nachteil ist natürlich der sehr hohe fertigungsaufwand, was sich natürlich im preis niederschlägt. andererseits behalten die mikros über längere zeit ihr klangeigenschaften, was den wiederverkaufswert enorm steigert. das gehört jetzt aber nicht zum thema ;)

    mit kollegialen Grüßen
    Wolfgang

  • karl-alfred_roemer
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    • 26. Januar 2007 um 00:04
    • #31

    Danke an Euch Alle für die sehr lehrreichen Kommentare und Literatur-
    Verweise. :D:D:D

    Fast alle meine Fragen sind jetzt beantwortet. Habt verständniss für
    mich, wenn mir demnächst noch weitere Fragen einfallen.

    Ich würde mich freuen, wenn ich mich irgendwann einmal
    knowhow-mäßig revanchieren könnte.

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